Protest against the fucking system formerly known as Hoffenheim vs. Bayern-Thread

  • Der eigentliche Verlierer ist für mich der Fussball. Der einfache, leichte, ehrliche Fussball, mit dem ich und die meisten hier von uns, aufgewachsen bin. Und in diesen Fussball passen alle drei Parteien nicht. Für mich. Ganz subjektiv für mich.


    Wobei das natürlich jetzt auch Henne Ei ist, wenn wir die Partei der Ultras dabei betrachten.
    Nehmen wir die dt. Ultras in den Anfängen, dann passte das sehr wohl ins Bild des Fussballs. Es war ein einfaches, leichtes Auftreten mit ehrlichem Support (über die Qualität des Supports lässt sich streiten (Moonlight Shadow summen :( )).
    Dann rückte die WM 2006 näher, es gab die ersten Repressionen, alle Seiten haben an der Eskalation mitgedreht und da verändert sich natürlich auch die Ultraszene.


    Du weisst, ich war selber Mitglied in italienischen Gruppierungen, stand auch deutschen Gruppierungen nahe. Den Anfang der Ultraszene in Deutschland fand ich grandios, gerade auch dass man die Fehler der italienischen nicht kopieren wollten, aber ich habe gewisse Sachen auch immer wieder kritisiert. Sei es die Selbstüberschätzung (in Italien ist die Kurve Ultra, aber das liess sich in D halt nicht so kopieren, da musst man alte Strukturen respektieren), die teilweise Selbstdarstellung (Moonlight Shadow summen oder ohne Anlass einfach nur die Gruppe präsentieren) oder auch Inkonsequenz in verschiedenen Ausprägungen.


    Was die Ultras vor allem wollen ist den Fussball zurück, und zwar so wie er vor 2000 war. Mit einer ehrlicheren Champions League, mit weniger Kommerz, mit Samstag 15:30, mit vernünftigen Preisen und den Freiheiten, die man damals hatte (auch wenn heute viele diese Freiheiten gar nicht kennenlernten). Ich denke das sind durchaus Ziele, hinter denen letztendlich viele hier bei Quimi stehen könnten, die den Fussball genau so kennen und lieben gelernt haben.
    Ja, natürlich ist das mittlerweile ein Stück weit naiv, deswegen hab ich vor Gruppierungen die den Schlussstrich ziehen und sich vom Fussball abwenden auch mehr Respekt als vor denen, die meckern und dann trotzdem CL in Paris feiern, Trainingslager in Katar oder China besuchen oder zum Supercup nach Saudi-Arabien fahren.

    "Das ist die perfekte Welle, das ist der perfekte Tag. Lass dich einfach von ihr tragen, denk am besten gar nicht nach"

    - Christian Drosten

  • @Caledonia Gehe ich inhaltlich zwar nur an wenigen Stellen mit - welch Wunder ;) - aber muss man auch definitiv mal positiv hervorheben, dass Kritik auf einer solchen Art und Weise nunmal völlig in Ordnung ist, ich deinen Standpunkt nachvollziehen kann und es absolut legitim ist, eben kein Freund von der Ultra-Bewegung zu sein.

    Wattenscheid statt Bochum


  • Ich maße mir auch nicht an zu behaupten, dass die Ultras oder allgemein die Fans in der Süd, den Fussball mehr lieben, als die auf der Haupttribüne. Warum? Was weiß ich über die? Nichts. Es gibt für alles seine Zeit. Irgendwann wird ein heutiger Hardcore-Fan aus der Süd auch vom Pfleger auf seinen Haupttribünenplatz gebracht. Wir alle tragen unsere eigene Sanduhr im Rucksack mit uns rum. Ich denke es ist alles so leicht. Jeder Mensch, der zum Fussball geht, wird diesen Sport lieben. Sonst spart man sich das Geld, lange Anreisen, verbringt die Zeit lieber mit der Familie etc.. Eigentlich ist es so einfach.

    generell ein wirklich guter Post und auch finde ich die ganze Diskussion hier von beiden Seiten sehr gut.


    Aber bei dem zitierten Abschnitt möchte einspringen, ich kenne Geschäftsleute aus ganz Deutschland, die sich ständig auf Messen und Veranstaltungen mit Ihren Business Sitzen oder gar Logen in München, Leipzig, Dortmund, Gladbach und sogar noch Hamburg brüsten und dort "tolle Stunden" mit anderen Geschäftsleute verbringen, weil man kann so ungestört in der Loge bei gutem Essen und Wein übers Business reden, Abschlüsse verhandeln, das Spiel läuft ja in der Loge auch aufm großen Bildschirm, ohne Ton....und diesen Leute spreche ich jede Liebe zum Fußball ab !


    Aber sonst hast Du recht, es ist bestimmt schwer zu sagen wer den Fussball liebt, weil "Liebe macht ja auch Blind" ;) Danke Herzblut für den guten Spruch :cool2:


    fuck politics & fuck religion

  • Der eigentliche Verlierer ist für mich der Fussball. Der einfache, leichte, ehrliche Fussball, mit dem ich und die meisten hier von uns, aufgewachsen bin. Und in diesen Fussball passen alle drei Parteien nicht. Für mich. Ganz subjektiv für mich.

    Ich nehm mir das mal raus, weil ich schon glaube, dass man kritisieren darf, dass es einigen Ultras manchmal zu sehr nicht um die 90Minuten auf dem Rasen geht. Nichtsdestotrotz glaube ich, dass sie das im Grunde schon lieber in den Mittelpunkt stellen wollen, sich aber ganz häufig als aktivster Teil vieler Fanszenen dazu aufgefordert fühlen, gegen gewisse Dinge vorzugehen, die genau das ihrer Meinung nach stören. Das ist per definitionem dann aber natürlich genau dieser oben gewollten Sache abträglich, denn genau das soll es auch sein, weil es eben keiner bemerkt, wenn es nicht störend für den einfachen Genuss ist. Und genau deswegen war es jetzt bei Hopp ja auch möglichst störend gestaltet. Sie hatten den Eindruck, dass sich der Umgang mit der Anwesenheit des Produkts (Hoffenheim) so sehr normalisiert hat, dass sogar Maßnahmen zum Schutz des Produkts, die nun mal Wortbruch seitens des DFB darstellten, nicht mehr groß thematisiert werden. Zugestehen muss man, dass die Wichtigkeit dessen natürlich subjektiv ist und sie sich dank Masse herausnehmen für sich zu entscheiden, wann derart gestört werden muss um Öffentlichkeit für eine Sache zu erlangen. Auch ich hab das Spiel zB extrem entspannt geguckt, mich noch total gefreut, dass man diesen für mich inakzeptablen Gegner so an die Wand spielt und mich kurz geärgert als es dann nicht weiterging. Je mehr ich aber gesehen hab und vor allem aber im Laufe der Tage muss ich sagen, dass sich doch gezeigt hat wie wichtig es war, genau das mal wieder zum Diskurs zu machen. Der ehrliche, leichte Fußball existiert schon lange nicht mehr -aber auf die weitere Pervertierung darf man dennoch hinweisen. Das darf man kritisieren, aber ich sehe es als Privileg der Jugend aufzubegehren (Große Worte mit knapp Ende 30 ;) ) und man sollte dabei wenigstens differenziert bleiben. Daher großes Lob für deinen Post. So macht es Spaß.

  • Ja, es war drastisch, aber ich bleibe weiter der Auffassung, dass es in die drastischen Weise richtig war. Kreativ/moderat wäre es nur als Xte Plakat gegen Hoffenheim/Hopp oder den DFB/DFL abgetan worden.


    Und der "kreative" bzw. moderate Protest wird nach den Aktionen vom Wochenende erst jetzt wieder wahrgenommen. Ich hatte mir gestern nach dem Spiel nochmal den Anfang der 1. HZ angeschaut und der Moderator hat das in der Nordkurve gezeigte Plakat sogar wortwörtlich wiedergegeben. Ich bin mir sicher, dass dieses Spruchband mit keinem Wort erwähnt worden wäre, wenn es nicht die massive Proteste und deren Diskussionen am Wochenende gegeben hätte. Das zeigt dann leider auch, dass der kreative/moderate Protest in der Öffentlichkeit einfach keine Wahrnehmung findet, weil er in den Massenmedien nicht stattfindet. Jetzt findet er (wenn auch wahrscheinlich nur zweitweise) Erwähnung und man hat die Möglichkeit auf die Probleme im Fussball aufmerksam zu machen.

  • Und dann muss ich am Ende alles Schwarz-Weiß sehen? Nein, muss ich nicht und werde ich auch nicht.

    Nein, tue ich auch nicht. Aber das, was am WE von Verband, Medien und unseren eigenen Leuten im Verein gemacht wurde, das war Schwarz-Weiß in Reinkultur. Hier der gute Hopp, dort die Ultras (respektive das "hässliche Gesicht des FC Bayern"). Da weiß ich ganz schnell, auf welcher Seite ich stehe.


    Man könnte es sicher auch noch auf Presse und Medien ausweiten, aber um ehrlich zu sein, fand ich die nach dem ersten Aufschrei gar nicht so schlimm.

    Der "erste Aufschrei" war übelste Propaganda, Hetze und ein Schlag in die Fresse des journalistischen Handwerks. Da wurden nicht einmal Mindest-Standards eingehalten.


    Unterm Strich verdienen sie alle Respekt und einen gewissen Umgang. Da müssen die Ultras hinkommen, sonst wird das nichts.

    Korrupte und verlogene Verbände/Funktionäre haben einiges verdient - aber ganz sicher keinen Respekt! Nicht jeder Funktionär ist unanständig. Aber sie sollten erst einmal den eigenen Saustall ausmisten, um vielleicht wieder mal den Hauch von Glaubwürdigkeit zu bekommen. Dann denke ich auch gerne über Respekt nach.


    Der Vollständigkeit halber: Ultras, die gewalttätig werden, haben ebenfalls keinen Respekt verdient.


    Es ist doch nicht so, als hätten sie nicht auch Argumente für ihre Position vorzubringen. Warum also nicht die allein sprechen lassen?

    Das haben sie doch jahrelang gemacht, ohne dass es irgendwen interessiert hätte!


    Du stellst die Frage in den Raum, wer den Fussball wohl mehr liebt. Das ist so genau das, was einfach nicht aufgeht.

    Ich stelle mir eher die Frage, ob so mancher Funktionär überhaupt den Fußball liebt oder ob es für ihn einfach nur ein Vehikel ist, um seine Eitelkeit zu befriedigen und/oder sich selbst die Taschen zu füllen.


    Ich maße mir auch nicht an zu behaupten, dass die Ultras oder allgemein die Fans in der Süd, den Fussball mehr lieben, als die auf der Haupttribüne.

    Wie auch immer: Ich sehe keine Gruppe, die sich mehr für den Fußball engagiert als die aktiven Fans - egal, wo die im Stadion sind. Aber ich weiß, dass ich das Herz des Fußballs eher in den Kurven (und auf den Geraden) finde, als in den Logen.


    Aber dieses Denken wird immer schlimmer. Auch eine Folge des modernen Fussballs. Für den sind nämlich nicht nur die Verbände, Hopp, Red Bull, Vereine, Spieler und die Medien verantwortlich. Nein, auch die Fankultur.

    Das ist jetzt wohl ein Witz. Welche Entscheidungen haben denn die Ultras in der Vergangenheit getroffen, wodurch der Fußball zu dieser reinen Gelddruck-Maschine verkommen ist und durch die die Werte des Sports dem Kapital geopfert wurden?


    Die Ultras werden, wenn es besser werden soll, von ihrem hohen Roß runterkommen müssen.

    Sorry, aber da sehe ich ganz andere auf dem hohen Ross.


    Sie hatten den Verband doch. Der DFB rückte von den Kollektivstrafen ab. "Bis auf Weiteres" und setzte die BVB-Fans auf Bewährung. Was für ein Erfolg!

    Nein, die Rückkehr zu etwas, was eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein sollte, ist kein Erfolg. Das ist Normalität. Kollektivstrafen und Sippenhaft gibt es im deutschen Recht nicht.


    Ich sehe bei den Ultras immer nur Forderungen. Aber was bieten sie?

    Ernsthaft? Du siehst nichts, was die Ultras bei uns in München erreicht haben oder was sie bieten?


    Wie gesagt, aktuell gibt es für mich nur Verlierer. Vor allem den Fussball, das Stadionerlebnis an sich. Denn der Fussball verliert immer mehr an Leichtigkeit und Schönheit.

    Der Fußball an sich hat schon lange verloren. Wir waren dabei.


    Ich habe mein Verhältnis zur Ultra-Kultur schon oft dargelegt. Nicht meine Welt. Und ich habe diese Art von Support auch immer kritisiert und mich über den Widerspruch ihrer politischen Einstellung einerseits und Gewaltaktionen andererseits (dann auch noch im Namen eines lächerlichen Kodex') mehr als aufgeregt. Auch die "Omerta" habe ich schon heftig mit ihnen diskutiert, sogar im persönlichen verbalen Schlagabtausch.


    Aber hier, in diesem Fall, liegen sie einfach völlig richtig. Und ich hoffe, dass sie weiter den Finger in die Wunden des Fußballs legen. Notfalls auch mit derben (gewaltfreien!) Mitteln, denn anders reagieren die Wachkoma-Patienten in den Verbänden scheinbar nicht.

    Never underestimate the power of self-denial.

  • Korrupte und verlogene Verbände/Funktionäre haben einiges verdient - aber ganz sicher keinen Respekt! Nicht jeder Funktionär ist unanständig. Aber sie sollten erst einmal den eigenen Saustall ausmisten, um vielleicht wieder mal den Hauch von Glaubwürdigkeit zu bekommen. Dann denke ich auch gerne über Respekt nach.


    Der Vollständigkeit halber: Ultras, die gewalttätig werden, haben ebenfalls keinen Respekt verdient.

    Der ganzen Vollständigkeit halber, weil ich es jedes Mal live im Stadion zu hören bekommen, egal ob die eigene Mannschaft gerade Unterstützung bräuchte oder nicht.
    Gegen ALLE Stadionverbote. An dieser Stelle sind die Ultras ebenso unglaubwürdige, wie es Funktionäre an anderen Stellen sind. Da hackt auf beiden Seite eine Krähe der anderen kein Auge aus.



    Ernsthaft? Du siehst nichts, was die Ultras bei uns in München erreicht haben oder was sie bieten?

    Ich sehe bei den Ultras immer nur Forderungen. Aber was bieten sie? Sie sind gegen die Kollektivstrafe. Bin ich dabei. Aber was werfen sie dafür in den Ring? Meiner Meinung nach nichts. Sie wollen, dass Fanutensilien ohne Kontrolle mit in den Block genommen werden dürfen, sie sind gegen härtere Einlasskontrollen, sie sind gegen das Filmen, sie wollen sich weiter vermummen dürfen, sie wollen keine Polizei oder Ordner im Block, kurzum, sie sind gegen alles, was es deutlich leichter ermöglichen würde, dass man Vergehen oder Straftaten gezielt aufklären kann. Und wenn dann mehr aus Verzweiflung heraus auf Kollektivstrafen zurückgegriffen wird, ist das natürlich auch wieder scheisse. Ja, ist es. Aber sie müssen auch selbst etwas dafür tun!!

    Der ganze Absatz macht es doch klar, dass es nicht um irgendwelche Dinge geht, die sie erreicht haben oder bieten. Aber was bieten sie den konkret bei den genannten Dingen, die die Strafverfolgung einzelner ermöglichen, um erst gar nicht auf die Idee von Kollektivstrafen kommen zu müssen?

    2 Mal editiert, zuletzt von Legos ()

  • Ernsthaft? Du siehst nichts, was die Ultras bei uns in München erreicht haben oder was sie bieten?

    Es geht um das Thema Kollektivstrafe in ganz Deutschland. Und ja, da sehe ich immer nur Forderungen. Nichts anderes. So auch auf diesem Treffen vor 2 Jahren. Der Forderungskatalog ist noch im Fanszeneboard irgendwo verlinkt.


    Es ist doch einfach. Ultras sind gegen Kollektivstrafen. Verband will das eigentlich auch nicht. Aber der Verband sagt auch klar, dass man Vergehen oder Straftaten im Stadion selbstverständlich verfolgen muss. Was bieten die Ultras dafür, dass der Verband auf die Kollektivstrafe verzichten kann? Ich sage sie bieten gar nichts. Sie sind gegen alles (strengere Einlasskontrollen, Filmen, Polizei im Block, Verzicht auf Vermummung etc.), was dazu führen würde, Täter gezielt ausfindig zu machen, damit man keine Kollektivstrafen mehr aussprechen muss. Und das finde ich halt sehr sehr dünn. Immer nur Forderungen, aber nichts dafür bieten. So kann es nicht funktionieren und so darf es auch nicht funktionieren. Daher klar die Frage in die Runde: Was genau bieten die Ultras, damit man das Thema Kollektivstrafen vom Tisch bekommt?


    Das ist jetzt wohl ein Witz. Welche Entscheidungen haben denn die Ultras in der Vergangenheit getroffen, wodurch der Fußball zu dieser reinen Gelddruck-Maschine verkommen ist und durch die die Werte des Sports dem Kapital geopfert wurden?

    Von Gelddruck-Maschine sprichst Du jetzt. Ich habe allgemein vom modernen Fussball gesprochen. Das umfasst für mich vieles. Das, was Du angesprochen hast und da bin ich voll bei Dir, aber eben noch viele andere Dinge, wie auch die Fankultur, so wie wir sie heute hauptsächlich vorfinden. Und die ist halt auch nicht meine.

    :rfc: Simply a Bear :rfc:

    Einmal editiert, zuletzt von Caledonia ()

  • Was bieten die Ultras dafür, dass der Verband auf die Kollektivstrafe verzichten kann? Ich sage sie bieten gar nichts. Sie sind gegen alles (strengere Einlasskontrollen, Filmen, Polizei im Block, Verzicht auf Vermummung etc.), was dazu führen würde, Täter gezielt ausfindig zu machen, damit man keine Kollektivstrafen mehr aussprechen muss.


    Und sie fordern Pyro in den Fanblöcken. Und wenn man das alles hat, welche Gründe gibt es dann Täter ausfindig zu machen?
    Wie die Diskussion bezüglich Pyro von Verbandsseiten gelaufen ist brauchen wir nicht nochmal aufrollen, nehme ich an. Da hat der DFB sich nicht gerade mit Ruhm bekleckert, die Fanszene hingegen ist ihnen entgegen gekommen und hat Kompromisse und Möglichkeiten aufgezeigt.

    "Das ist die perfekte Welle, das ist der perfekte Tag. Lass dich einfach von ihr tragen, denk am besten gar nicht nach"

    - Christian Drosten

  • Meiner Meinung nach - und ich kann den Aufschrei schon spüren - brauchen die Ultras gar nichts anbieten, um gegen Kollektivstrafen zu sein.


    Weil Kollektivstrafen sich einfach von selbst verbieten. Weil die komplett daneben sind. Weil die unfair sind und Unschuldige bestrafen. Gibt es außerhalb vom Fußball ja schließlich auch nicht.


    Da braucht es kein Gegenangebot zu. Da sollte einem der gesunde Menschenverstand schon sagen, dass es nicht okay sein kann, dass BVB-Papi XY von der Haupttribüne mit seinem Sohn nun nicht nach Sinsheim fahren darf, weil völlig Fremde BVB Fans da vermeintlichen Unsinn getrieben haben.


    Ich verstehe auch einfach nicht, wieso man so tut als müssten Kollektivstrafen die logische Konsequenz darauf sein, dass sich keine Täter ermitteln lassen können. Das ist nämlich nicht der Fall. Wie gesgat, außerhalb vom Fußball wird doch auch nicht so gehandelt. Und wenn gäbe es - zurecht - sicher einen enormen Aufschrei.

    Wattenscheid statt Bochum

  • Und sie fordern Pyro in den Fanblöcken. Und wenn man das alles hat, welche Gründe gibt es dann Täter ausfindig zu machen?
    Wie die Diskussion bezüglich Pyro von Verbandsseiten gelaufen ist brauchen wir nicht nochmal aufrollen, nehme ich an. Da hat der DFB sich nicht gerade mit Ruhm bekleckert, die Fanszene hingegen ist ihnen entgegen gekommen und hat Kompromisse und Möglichkeiten aufgezeigt.

    Ich weiß nicht ob das immer so klar ist, wie die Fans es anschließend verkünden. Ich bin bei den Runden nicht dabei. Aber weder glaube ich einfach so Statements des Verbandes, noch denen der Fans. Finde es eh schade, dass diese Treffen nicht wesentlich transparenter ablaufen. Deswegen fand ich es gut, dass da letztens die Forderungen seitens der Fans veröffentlicht wurden. Und ehrlich, völlig unrealistische Vorschläge kann ich auch machen. Das bringt aber einfach nichts.


    Um die Kollektivstrafen abzuschaffen, werden die Ultras mitarbeiten müssen. Sonst wird das nichts. Aber dann werde ich mich ganz sicher, auch wenn ich Kollektivstrafen ebenfalls klar ablehne, nicht auf ihre Seite stellen. Sie fordern, aber sie tun selbst gar nichts dafür.

    :rfc: Simply a Bear :rfc:


  • Selbstverständlich kann man das so sehen. Aber dann kann man halt auch selbstverständlich strengere Einlasskontrollen einführen, bei Anlass in die Blöcke gehen, alles voller Kameras machen, jeden Vermummten am Ohr aus dem Block ziehen usw.. Aber der Aufschrei wird dann sicher noch ein ganz anderer sein.


    Viele Dinge wird man einfach nur mit einem Miteinander lösen können. Das allein ist der Schlüssel! Und egal wie staubig der Verband auch sein mag, sie hatten mit dem Aussetzen einen Anfang gemacht. Aber es kam halt nichts von der anderen Seite.


    Kollektivstrafen sind eine Verzweiflungstat. Du hast recht, sie sind eigentlich keine logische Konsequenz. Aber die logische Konsequenz wären die Dinge, die ich aufgezählt habe. Aber will man die? Nein, die will man nicht. Aber mitarbeiten auch nicht. Und wer sich so verhält, bekommt von mir einfach keine Sympathien und Unterstützung.

    :rfc: Simply a Bear :rfc:

    Einmal editiert, zuletzt von Caledonia ()

  • Um die Kollektivstrafen abzuschaffen, werden die Ultras mitarbeiten müssen.


    Ich glaub da müsste nur mal ein Anwalt mitarbeiten, oder denkst Du dass Kollektivstrafen mit dem Rechtstaat vereinbar sind?
    Diese ganze Paralleljustiz der FIFA untergebenen Verbände, die weder Relation noch Transparenz kennt, können sie innerhalb des Verbandes mit den Vereinen treiben, weil die Vereine freiwillig dem Verband angehören, die Ticketinhaber für die Fussballspiele sind aber nicht Teil des Verbands und damit für die Paralleljustiz nicht greifbar.

    "Das ist die perfekte Welle, das ist der perfekte Tag. Lass dich einfach von ihr tragen, denk am besten gar nicht nach"

    - Christian Drosten

  • .....die nun mal Wortbruch seitens des DFB darstellten....

    Sorry, aber ich versteh das wirklich nicht.
    Wenn jetzt ein Bankräuber auf Bewährung rauskommt und dann wieder ne Bank knackt und deswegen wieder einfährt, wem ist denn dann dieser (moralische) Wortbruch anzulasten, dem Staat oder dem Bankräuber?
    Der Staat sagt doch bei der Entlassung: Wenn du dir nix zuschulden kommen lässt, bleibst du draussen, andernfalls musst du wieder rein. Ist es denn nicht so, dass der Staat in diesem Beispiel sein Wort nicht bricht sondern hält?

    Wenn die Macht der Liebe die Liebe zur Macht überwindet - erst dann wird es Frieden geben - Jimi Hendrix

  • Es gab doch auch schon Fälle, in denen Einzeltäter identifiziert und nach dem Spiel am Ausgang abgefangen werden sollten.
    Das wurde dann im Kollektiv verhindert.
    :schulterzucken:

  • „Meinungsfreiheit und Protest ja – Nein zu Hass und Hetze“: Erklärung des DFL-Präsidiums


    Die Meinungsfreiheit, zu der selbstverständlich auch Protest gehört, steht nicht zur Disposition. Der deutsche Fußball zeichnet sich durch eine große Vielfalt aus, daran soll und darf sich nichts ändern. Genauso klar ist aber auch: Menschen gehören auch auf Plakaten nicht ins Fadenkreuz. Diffamierungen, Hetze und Hass – gleichgültig in welcher Form – sind nicht hinnehmbar. Dies gilt unabhängig von Dietmar Hopp für alle Menschen – jedes Alters, jedes Geschlechts, jeder Religion, sozialen Schicht, Hautfarbe, Nationalität oder sexuellen Orientierung.


    Es ist absolut legitim zu fragen, warum diese Haltung in dieser Deutlichkeit nicht früher zum Ausdruck gekommen ist. Diese Frage sollte aber kein Grund sein, diesen Weg jetzt nicht konsequent zu gehen.

  • .....die nun mal Wortbruch seitens des DFB darstellten....

    Sorry, aber ich versteh das wirklich nicht.Wenn jetzt ein Bankräuber auf Bewährung rauskommt und dann wieder ne Bank knackt und deswegen wieder einfährt, wem ist denn dann dieser (moralische) Wortbruch anzulasten, dem Staat oder dem Bankräuber?
    Der Staat sagt doch bei der Entlassung: Wenn du dir nix zuschulden kommen lässt, bleibst du draussen, andernfalls musst du wieder rein. Ist es denn nicht so, dass der Staat in diesem Beispiel sein Wort nicht bricht sondern hält?

    Ist doch das was die Kritiker schon das ganze Wochenende sagen und auf das die DFL auch nochmals zu Recht hinweist.


    Anders als vielfach beschrieben, hat es keinen Wortbruch des DFB in der Frage der Kollektivstrafen gegeben. Es gab und gibt keine pauschale Wiedereinführung von Kollektivstrafen. Im konkret diskutierten Fall ging es um eine im November 2018 vom Sportgericht ausgesprochene rechtskräftige Bewährungsstrafe, die öffentlich bekannt war. Nach erneuten Vorfällen folgte der Widerruf der Bewährung und damit die Wirksamkeit des Ausschlusses

  • "Es ist absolut legitim zu fragen, warum diese Haltung in dieser Deutlichkeit nicht früher zum Ausdruck gekommen ist. Diese Frage sollte aber kein Grund sein, diesen Weg jetzt nicht konsequent zu gehen."


    Und geben wieder keine Antwort darauf. :blah:

  • Gutes Statement der DFL auf den ersten Blick. Sachlich, selbstkritisch, mit klaren Aussagen.

    :rfc: Simply a Bear :rfc:

  • Der ganzen Vollständigkeit halber, weil ich es jedes Mal live im Stadion zu hören bekommen, egal ob die eigene Mannschaft gerade Unterstützung bräuchte oder nicht.
    Gegen ALLE Stadionverbote. An dieser Stelle sind die Ultras ebenso unglaubwürdige, wie es Funktionäre an anderen Stellen sind. Da hackt auf beiden Seite eine Krähe der anderen kein Auge aus.

    Der ganze Absatz macht es doch klar, dass es nicht um irgendwelche Dinge erreicht haben oder bieten. Aber was bieten sie den konkret bei den genannten Dingen, die die Strafverfolgung einzelner ermöglichen, um erst gar nicht auf die Idee von Kollektivstrafen kommen zu müssen?

    Immer nur Forderungen, aber nichts dafür bieten. So kann es nicht funktionieren und so darf es auch nicht funktionieren. Daher klar die Frage in die Runde: Was genau bieten die Ultras, damit man das Thema Kollektivstrafen vom Tisch bekommt?

    Da bin ich ja voll bei euch. Garantiert gibt es jede Menge absolut gerechtfertigte Stadionverbote. Und diesen ganzen "Omerta"-Quatsch finde ich einfach nur albern. Allerdings sollte ein Rechtsstaat in der Lage sein, Straftäter zu identifizieren und dingfest zu machen (wobei man sich beim Fußball durchaus fragen darf, ob Schmähungen und Pyro einen riesigen Aufriss rechtfertigen). Wenn man sich bei der Strafverfolgung von Ultras aufhalten lässt - ja gute Nacht. Und dass die Ultras sich nicht gegenseitig ans Messer liefern ist doch klar - und letztlich auch nicht ihre Aufgabe.


    Trotzdem, das grundsätzliche Problem des Fußballs sind ganz sicher nicht die Ultras. Allerdings müssen sie aufpassen, dass sie nicht benutzt werden, um von den wirklichen Problemen abzulenken.

    Never underestimate the power of self-denial.

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