Wenn man sich an Stadionordnung, Recht und Gesetz hält, dann muss sich NIEMAND in einem Stadion in Deutschland maskieren, um seine Meinung frei äußern zu können.
Dazu sage ich nur: "Romani ite domum".
@Cale: Wenn das heute ein "schwarzer Tag" war, was war das dann in Schalke mit Herthas Torunarigha?
Ganz ehrllich: Geht es nicht wenigstens eine Nummer kleiner? So ein Aufriss wegen zwei Bannern, die eine Schmähung enthielten, die seit Jahrzehnten tausendfach in deutschen Stadien stattfindet? Und was zum Teufel hat das mit Hanau zu tun?! Muss man sich da unbedingt eine Verbindung mit dem Stacheldraht durchs Knie ziehen? Beim Fadenkreuz habe ich ja noch Verständnis, aber davon war heute nichts zu sehen.
Diese ganze Betroffenheits-Hysterie und der ganze Irrsinn mit "Exempel statuieren", alles wegen zweimal Uhrensohn? Sorry, aber diese Hysterie mache ich nicht mit, schon gar nicht wenn sie von so verlogenen und heuchlerischen Personen, Medien und Institutionen angeführt wird. Schau dir nur mal an, was die Bild über das Ultra-Statement schreibt. Ist das echt die Seite, für du dich entscheidest?
Die Sache ist ganz einfach: Der Profi-Fußball bzw. diejenigen, die sich damit dumm und dämlich verdienen, fürchtet um die Einnahmen. Das ist alles. Und dafür schießt man halt auch mal mit Atombomben auf Spatzen. Da man alle Hebel in der Hand hält - v.a. die Entscheidung darüber, ob man ein Spiel abbricht oder nicht - kann man das Fußballvolk auch hübsch dressieren. Brav Männchen machen, aber keinen Laut geben - braver Hund. Cale, hattest du nicht geschrieben, dass wir alle Brocken der Kommerzialisierung in den letzten Jahren immer brav geschluckt und uns daran gewöhnt bzw. damit arrangiert haben? Und jetzt hast du mal Leute, die das eben NICHT tun - und denen fährt man an den Karren. Weil der Protest nicht kreativ genug ist? Scheiß auf Kreativität! Die Botschaft muss ankommen - und das ist sie heute. Und zwar in einer Sprache, die jeder, der mal in einer Kurve war, versteht. Und wenn das ein 80jähriger nicht versteht, dann müssen es ihm seine zahlreichen Buddies halt erklären. Die sind ja Experten.
Dass du Rummenigge als Kronzeuge aufführst - geschenkt. Aber Gerland und Kahn? Natürlich sind die da alle hin. Weil sie Angst hatten, dass die ganze Aktion 3 wichtige Punkte im Meisterrennen kostet. Und weil keiner von denen so blöd sein wird, sich jetzt irgendwie gegen die verordnete Meinung zu stellen. Außerdem sind sie Teil des Systems, das sie so gut ernährt. Erwartet da jemand ersthaft kritische oder auch nur objektive Stimmen, selbst wenn sie so denken würden? Dass der FC Bayern nichts von Fankultur im Allgemeinen und seiner eigenen Fanszene im Speziellen weiß, haben wir doch in den letzten Jahren und Jahrzehnten immer wieder vorgeführt bekommen! Aktuelles Beispiel: Ein schönes Retro-Trikot zum 120jährigen, auf das sie - hübsch im Onlineshop versteckt - das Quatar-Logo angebracht haben. Das ist nur noch zum Kotzen.
Ich kann nur hoffen, dass sich alle aktiven Szenen in Deutschland solidarisieren. Der Uhrensohn sollte zum Bestandteil jedes Spiels gegen Hoffenheim werden, gerne mit jedes mal Spielabbruch und künftig leeren Kurven als Bestrafung. Hier geht es überhaupt nicht mehr darum, dass eine Person gezielt beleidigt werden soll. Der Uhrensohn ist spätestens seit heute das Symbol für den Kampf gegen die totale Prostitution des Fußballs und dem damit einhergehenden Verdrängen der unliebsamen - weil kritischen - Fans. Und jeder Zuhälter darf sich als Uhrensohn angesprochen fühlen.
Alle anderen dürfen gerne weiter nach Stadionverboten, Kollektivstrafen, Vereinsausschluss, Ticketentzug usw. schreien und sich dann über - endlich, endlich - klinisch reine Fußballstadien freuen. Aber bitte nicht jammern, wenn es im Fußball-Disneyland dann nicht so recht Spaß machen will.