Rugby - Bundesliga und tiefer

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    • Rugby - Bundesliga und tiefer

      Ich fange mal etwas Neues an, da der andere Thread sich mit der Nationalmannschaft beschäftigt und ich hier mal die nationalen Ligen in Augenschein nehme. Also alles über Bundesliga und tiefer hier rein. [img]https://www.qiumi.de/wcf/images/smilies/smiley1239.gif[/img]

      27.04.2019 / Berlin Grizzlies vs RC Leipzig

      Für mich gab's heute die Rugby-Premiere. Erstmals live ein Spiel gesehen, da fängt für mich persönlich der Sport auch erst richtig an. Aus dem Haus raus und zum Platz gelaufen. In der altehrwürdigen Willi-Sänger-Anlage wird nicht nur das runde, sondern auch das Eiförmige Leder gejagt. Die Grizzlies stehen noch etwas im Schatten des Berliner RK 03 (Weißensee, Stadion Buschallee) und des Berliner RC, hat aber zumindest die Klasse sicher, da St. Pauli und der Hamburger RK nach12 von 14 Spielen schon abgeschlagen sind.

      Der Eintritt ist zwar frei, doch eine Spende wird erbeten. Ansonsten haben sich rund 50 Nasen eingefunden, die sich das Spektakel anschauen. Die dominierenden Sprachen sind:
      1) Scottish English
      2) British English
      3) Kiwi English
      4) Französisch

      Tatsächlich ist auch der Würstchenverkäufer Schotte und die Leute sprechen Neulinge vorsichtshalber auf englisch an, weil sich nur partiell Deutsche zu solchen spielen hin verirren. Zudem gibt es einen Kommentator. Allerdings nicht zu vorschnell "Kommerz!" ausrufen: der Bursche ist unfassbar entspannt und erklärt dem unbedarften Zuschauer nebenbei die Regeln und was die Schränke da auf dem Feld gerade machen. Eine Mini-Anzeigentafel mit "digitalen" Steckziffern gibt es auch an der Balustrade, die die anwesenden Kinder bedienen dürfen.
      Der Gast hat vermeintliche "Feldvorteile", doch den Gastgebern gelingt der erste Try, der postwendend ausgeglichen wird. Nachdem die Grizzlies auch bei zweiten Mal in der Nähe der gegnerischen Endzone sind, gelingt ihnen wieder die Führung. Auch das können die Gäste im Gegenzug wieder ausgleichen. Die "Kicker" (heisst das im Rugby so?) treffen auch, somit steht ein 14:14 auf der Tafel.

      Die Zweite Hälfte allerdings deutet auf ein Desaster hin. Mit ihren schnellen Leuten schafft Leipzig erstmals die Führung und baut diese auf, als kurz darauf die Grizzlies nicht im Bilde sind und nach einem Haufen der Ball nach außen geht und der Gegner frei in die Endzone spazieren kann und noch den letzten Mann stehen lässt. Doch er legt das Ei nicht ab und lässt auch noch einen Zweiten aussteigen. Solche Spirenzchen sind ungewöhnlich, zumindest reagieren einzelne Zuschauer mit Stirnrunzeln ob dieser Einlage. Nach der 28:14-Führung hätten die Gäste auch nachlegen können, verlieren aber einen Spieler, der von einem Mitspieler-Wonneproppen nach draußen getragen wird. Gute Besserung!
      Der Rettungswagen steht noch im Feld, da gelingt den Gastgeber zumindest der Anschluss, aber der nachfolgende Tritt verfehlt das Ziel. 19:28. Mit dem Mut der Verzweiflung werdne die Spieler nach vorne gepeitscht und irgendwie robbt sich der Pulk mit Mann, Maus und Gegenspieler kurz vor dem Ende erneut in die gegnerische Endzone. Nun liegen die Nerven ausgerechnet bei dem blank, der bei dem vierten Try vorhin die Einlage zeigte und wird nach draußen geschickt. Mit 26:28 sind nur noch zwei Minuten zu spielen, meint der Kommentator. Der will mich zum mittrainieren animieren. Über die Lautsprecher. Geiler Typ.
      Kurz vor knapp entscheidet sich der Gastgeber für einen Kick, der drei Punkte einbrachte. Einen ähnlichen Versuch vergeigten die Gäste vorher im Spiel, doch dieser sitzt und gibt drei Punkte. Somit gewinnen die Grizzlies in letzter Sekunde das Spiel, denn danach ist Schluss. Teile der Gästebank pflaumen den Kommentator noch an, die Schiedsrichter hätte solange spielen lassen, bis die Gastgeber gewinnen, aber der Rest verliert mit Würde.

      Apropos Schiedsrichter: ich kann zum Glück nicht erkennen, wo er richtig und wo er falsch entscheidet. Ein recht sympathischer junger Mann läuft vorbei und meint mit seelenruhiger Stimme "The referee is a cunt, isn't he?". Selbst beim Pöbeln ist das Rugby-Publikum gefasst. [img]https://www.qiumi.de/wcf/images/smilies/smiley1241.gif[/img]
    • Berliner Rugby Club 1926 vs Berlin Grizzlies 73:5

      Der nächste Berliner Rugby Klub stand diesen Samstag auf dem Zettel und so galt mein Besuch dem ältesten Berliner Rugby Club, der bereits 1926 gegründet wurde, während die Grizzlies und der RK 03 aus Weißensee relativ jung sind. Gespielt werden konnte überall: so stammt der Verein wohl aus dem nördlichen Westend, wo ich kürzlich den lokalen Fußballverein Westend 1901 besuchte. Dieses Spiel fand im feinen Zehlendorf im Südwesten statt, nahe der U-Bahnstation "Onkel Tom's Hütte", im Stadion von Hertha 03 Zehlendorf, was dann doch eine Nummer größer als bei den Grizzlies ist. So musste man zwar 5€ Eintritt zahlen, bekam dafür aber eine Karte und meine Frage nach einem Pin wurde nur auf das Merchandise-Zelt verwiesen. Von Kleidung bis zum Regenschirm, Mini-Rugby zum Schal und Aufnäher gab es alles. Der Pin und der Aufnäher kamen mit zu mir.
      Letzteres musste allerdings erst geholt werden, weil die im Büro vergessen wurde. So musste Muddi los und der Sohnemann hütet das Zelt. Und sein Bruder stand auf dem Platz. Verrückt. Schon vor dem Eingang traf ich einen Tasmanen, der im Pressewesen sein Unwesen treibt und ein äusserst unterhaltsamer, knorriger Kerl ist. Über die Entwicklung im Profibereich ärgert er sich ähnlich und ihn wundert's nicht, mich hier zu treffen, da ich ja auch optisch ein anglophiler Typ sei. Höre ich häufiger und stimmt eigentlich. Er selbst ist als Hannoveraner mit Rugby vertraut.
      Die Grizzlies mag er nicht wirklich, weil die vor Jahren wohl mit Geld Erfolg wollten, bis der Investor wohl merkte, dass mit Rugby in Deutschland weder Geld noch Ruhm zu holen ist. In solchen Momenten denke ich darüber nach, meine Englischkenntnisse für eine Wirtschaftsberatung ausländischer Investoren zu nutzen, da diese Erkenntnis selbst mir klar ist. Die Grizzlies sind sicher in der Liga, da die beiden Hamburger Vereine nicht mehr vorbei ziehen können. Dafür haben die Gastgeber die Play-Offs sicher.
      Doch Schonung? Keineswegs. Es sei ein Derby und zudem will man sich für die Niederlage im Hinspiel revanchieren.
      Und die Gastgeber legten gleich los wie die Feuerwehr und führten schnell mit 15:0. Das zu befürchtende Desaster wurde dann erst einmal unterbrochen, da die Gäste das Spielgeschehen auf die gegnerische Spielhäfte verlagerten, doch es sprang nur ein einziger Try heraus. Es sollte der Einzige bleiben.
      Danach übernahmen die Gastgeber wieder das Geschehen und der wieselflinke Bursche vorne rannte zweimal durch die Verteidigung und erhöhte wieder die Führung. Widerstand leistete vor allem der Grill-Mann der Grizzlies auf der Tribüne, der ein imposantes Organ hat.

      Als wenig regelkundiger Neuling fällt auch auf, dass in der Halbzeit sich die Mannschaften sammeln, aber auf dem Feld bleiben. Recht bald geht es weiter und die gnadenlos überlegenen Gastgeber überrennen zusehends die Gäste und nur die mangelnde Treffsicherheit verhindert eine höhere Punkteausbeute. Dass bei einem Ballverlust in der gegnerischen Hälfte der Spieler gleich an mehreren Verteidigern nacheinander vorbeizieht ist die Spitze der Demütigung. Selbst der Stadionsprecher piekst einmal, als er betont "ich wiederhole: Berliner RC 73, Grizzlies 5 .."

      Damit steht der Berliner RC als Zweiter im Norden fest und trifft im Halbfinale auswärts auf dem Ersten im Süden. Dort sind die beiden Halbfinalistne nur einen Punkt auseinander und treffen auch noch aufeinander. Stand jetzt wäre es der SC Rot Weiß Frankfurt. In nur einem Spiel wird der Finalist ermittelt.

      Laut Stadionsprecher waren 600 Zuschauer anwesend, was schon imposant ist!
    • Zumal der Norden zuletzt gegen den Süden das Nachsehen hatte. Einer meinte auch, dass es schon gut ist, wenn es in der Staffel mal richtige Gegner gibt. Ansonsten Trainingsspiele und in den Play-Offs wurde man dann selbst überrannt. Man hat schon deutlich gesehen, dass die Gastgeber eine Revanche wollten und individuell dann doch deutlich besser besetzt waren.
    • Das Rugby-Fieber hat mich auch wieder gepackt. Ich war die letzten fünf Tage zu Besuch im wunderschönen französischen Annecy. Und in Frankreich ist Rugby nunmal ja recht populär. Wir hatten leider nur französisches Fernsehen, doch dort wurde glücklicherweise die Rugby-WM gezeigt. Und ich war wieder schnell im Bann dieses Sports gefangen, wie bereits bei der letzten WM 2015, wo ich das erste mal anfing mich damit auseinanderzusetzen.
      Damals hatte ich mich im Anschluss an das Turnier ebenfalls ein wenig an den Berliner Sportplätzen rumgetrieben, auf denen dieser Sport praktiziert wird. Das nehme ich mir jetzt auch wieder vor. Berliner Mannschaften gibt es ja einige in der 1. Bundesliga, der 2. Liga und auch in der Regionalliga.