Auf ein Bierchen mit Herzblut - der Sonntagsstammtisch

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    • Von gedrucktem Essen und schokohaltiger Meinungsdiktatur

      Unsre Wirtin hat aus gegebenem Anlass ihren Hygienefimmel und empfängt unser Herzblut grad mit nem feuchten Reinigungstuch an der Türklinke: "Nu komm schon rein un lass de Bazillen draussen! Grüß dich erschtma, drückn tun mior uns heut nich..." Es ist wie überall in diesen Tagen, wir sind im berechtigten Vorsichtsmodus. Bis auf den Stammtisch is unser Lokal heute auch überschaubar gefüllt, die Leute sind wohl alle lieber an der frischen Luft oder haben sich daheim verbarrikadiert. Der guten Sonntagslaune soll das keinen Abbruch tun und so hat sich unsre Wirtin heut alle Mühe gegeben, vor Allem auch die Kinder mit Schokopudding und Plinsen bei Laune zu halten. Am Stammtisch gibts die wildesten Erlebnisberichte über auch gestern wieder einkaufende Hamster, leere Regale und Eskalationen im Kassenbereich. Das Herzblut seufzt kopfschüttelnd und schaut zum Nachbartisch, wo ein Opi die Zeitung studiert: "Na, wie hamsn gestern gespielt?" Der Befragte seufzt genauso: "Die Sportseite hättense sich och sparen können! Die nächsten Wochen muss ich mir wo was Spannenderes zum Lesen versorgen." :( Unser Sonntagsredner nimmt das zum Anlass "Du, da hab ich was. Nu horsche ma mit uns zur Ablenkung von diesen viralen Gedanken, was ich vor Kurzem für spannende Sachen gelesen hab!"

      Also letztens hab ich in irgend ner Illustrierten bei meiner Mutter was Gedrucktes über Gedrucktes bestaunt, was bei mir prompt ne Bildungslücke geschlossen hat. Kennt ihr Procusini? Nee, is kein italienisches Knabbergebäck, was man in Verbindung mit Prosecco verspachteln soll. Es handelt sich hierbei um die bayuwarische Firma Print2Taste aus Freising, die seit 2015 einen Lebensmittel-3D-Drucker herstellt und vertreibt. Und wenn ihr jetzt denkt - was, de Meddwurschd leeft ausm Drucker und dann wird ä Teddybär draus? - Jaahahaa, genauso isses! :klatsch: Und nich nur das: ob Kartoffelbrei, oder Spekulatius, ob Butter oder eben T-Wurst - alles tropft dort aus der Düse und wird zu unfassbaren 3D-Kunstwerken aufgebaut. Die 3D-Drucker sind ja mittlerweile in der Industrie und der Medizin gern und überaus erfolgreich genutzte Hilfsmittel, selbst die NASA hat dafür ein verständliches Interesse. Und nun wird das auch schon in Bäckereien und Konditoreien, bei Caterern, in der Event-Gastronomie und in Hotels für die Fressalien verwendet. Ein riesen Markt tut sich da auch in der Zukunft auf. Über 1000 Objekte hat die Firma auf ihrer Webseite als Vorlagen bereitgestellt und selbst "Patronen" haben die für derzeit 3D Choco, 3D Pasta, 3D Marzipan und 3D Fondant im Angebot, ansonsten können die Leute ihre eigenen Lebensmittelpasten verwenden. Was kostet der Spaß eigentlich? Der "Procusini" ist je nach Ausführung für zwischen 2.000 und 3.000€ zu haben. Da die Konkurrenz das Geschäft belebt, wird das durch Hersteller aus Spanien und Holland in Zukunft sicher auch noch preiswerter. Für den kleineren Geldbeutel des einfachen Endverbrauchers hat Print2Taste mittlerweile aber auch was im Angebot: Im letzten Jahr begann man mit dem Verkauf eines reinen 3D-Schoko-Druckers für daheim und der lässt sich schon für 298€ erwerben. Wenn ich mir das so überleg: Eine Torte mit dynamischer Schokoverzierung oder Dynamo-Pralinen ... ich gloob, ich muss ma wieder Lotto spielen!

      Ich bleib nochmal bei Schokolade und schließ mal Kekse mit ein. Wir hatten ja früher so einige Keksmarken und bis heute sind die in nem gutgehenden ostdeutschen Haushalt nicht wegzudenken. Ob nun Cottbuser oder die von Wikana oder auch der Klassiker von Hansa, sie waren und sind gut, besser, am Besten. Gestern hab ich nach langer, langer Zeit mal wieder nen Kalten Hund gemacht und natürlich kamen da, wie damals schon bei tausenden DDR-Omis über die Schulter blickend mitzuerleben, die guten alten Hansa-Kekse rein. Habsch gestern Abend glei ä großes Stückl gefressen und an meine Oma gedacht, weil in der ihrer geerbten alten Aluform habsch den Hund zum Erliegen gebracht, hähä. :mampf: Nu gabs ja die gezackten Kekse och im Westen, die Werbung damals war ansprechend, aber vom Geschmack her - mior war'n besser! Eines der bekanntesten westdeutschen Kombina.. ähhh Unternehmen war und ist Bahlsen mit Sitz in diesem kleinen niedersächsischen Dorf, was wir heute eigentlich zum Bäbbeln heimsuchen wollten. Schon von jeher haben die ne ordentliche Produktpalette, ab und an triffts auch meine Geschmacksnerven. Für Zwischendurch gibts da z.B. so längliche Packungen mit dünnen Waffeln drinne, die rundrum ne Schokoglasur mit Vollmilch- oder Bitterschokolade haben. Mir dürfte man sowas nich unter die Nase halten - die Packung wär in Nullkommanix alle. Ja und jedenfalls gibts diese Packungen schon seit 60 Jahren bei Bahlsen und weil der südliche Kontinent nunmal ein großer Kakaobohnenhersteller ist, wurde dem damals mit Produktherausgabe Rechnung getragen und diese Waffelpackung Afrika genannt. Bis hierher alles in Ordnung.

      Nu kam vor paar Wochen der Valentinstag und die von Bahlsen wollten ihren Teil dazu beitragen und posteten auf Instagram jenes gut gemeinte Bildchen hier. So, nu sind aber auf Instagram auch ganz besondere Spezies unterwegs, auch am Kampftag der Blumenhändler und Pralinenhersteller. Und denen schwoll bei dem Anblick der Kamm: "Waaas, wir kennen zwar Bahlsen, aber diese Über-Ober-Hyperrassisten erdreisten sich diesem armen Gebäck so einen Incorrectness-Namen zu geben? Auf den multimedialen Scheiterhaufen mit ihnen, oh Shitstormfeuer - wehe und loder du nach Hannover!" Das war meine Version, eine der echten ging, verbunden mit nem #alltäglicherrassismus, in Neudeutsch so: "Ein brauner Keks, der Afrika heißt? For Real?" Bei Bahlsen sammelte man sich erstmal um dann wahrheitsgemäß zu antworten: "Hallo zusammen, wir möchten hier betonen, dass uns rassistische Gedanken mehr als fernliegen. Der Name Afrika wurde ausgewählt, weil Afrika der größte Produzent von Kakaobohnen auf der Welt ist und der Name damit perfekt zu unseren vollschokolierten Waffeln passt. Das Produkt Afrika bieten wir unter diesem Namen bereits seit über 60 Jahren an." :nuke:

      Das reichte den Übercorrectness-Fetischisten aber nicht und man kam zur Hochform mit: "Das Argument ‚Das haben wir schon immer so gemacht‘ zieht nicht mehr so ganz, finde ich. Alle sagen immer, man muss mit der Zeit gehen. Warum dann doch dieser Name? Könnte nach 60 Jahren ja mal aufgefrischt werden, was meint ihr?" Hior, das Herzblut macht euch nen Vorschlag "African Wafers" - na wie wärs :anmach: ... hä, das passt euch mit der Zeit-Gehern och nich? Die Aluhüte schepperten noch lauter, es wurde auch nicht vor Verbindungen mit Hanau gescheut, wir kennen das ja auch von der Fadenkreuz-Diskussion unlängst. Herr May von AnnenMayKantereit befürwortete die unsägliche Diskussion auf seine Art: "@bahlsen anstatt immer nur den gleichen Text abzuleiern, einfach mal drauf eingehen und überlegen, ob das so alles seine Richtigkeit hat. Ist nicht so schwer und nicht so schlimm." Hior du 28jährige Fachkraft, die ham nicht immer nur den gleichen Text abgeleiert, sondern nur einmal und sind damit auch drauf eingegangen, weil und damit es seine Richtigkeit hat, es war und ist ne Würdigung der Leistung eines Kontinents. Und du warst noch Quark im Schaufenster, da ham deine Großeltern schon die herrlich leckren Afrika-Schachteln leergefuttert. Euer Rad, was ihr nochmal neu erfinden wollt, is viereckig! :vogelzeigen:

      Ja und Bahlsen? Die hauten nun nochmal in die Tasten: "Viele von euch haben sich intensiv mit unserem Produktnamen Bahlsen Afrika auseinandergesetzt und hier kommentiert. Eure Meinungen und die Kritik nehmen wir sehr ernst. Wir distanzieren uns von Rassismus und Diskriminierung in jeder Form. Aus euren Kommentaren haben wir unterschiedliche Meinungen herausgelesen. Einige assoziieren den Produktnamen mit Rassismus, während andere die Diskussion um den Produktnamen nicht nachvollziehen können und finden, dass genau dieses Schubladendenken Rassismus fördert. Wir haben dieses Produkt vor 60 Jahren ins Leben gerufen und damals wie heute lagen uns rassistische Gedanken mehr als fern. Um zu vermeiden, dass unser Produkt Assoziationen mit Rassismus hervorruft, arbeiten wir bereits an einer Umbenennung." :motzen: NEIN - lasst euch doch nicht von genau diesen Schubladenerfindern an den Haaren durch die Manege ziehen! Das war meine Version, hier paar bei Instagram: "Kann mir irgendjemand sagen, was daran rassistisch ist?“ und "Darf man das Wort Afrika überhaupt noch sagen? Oder darf man Schokolade noch essen, ohne dass man Angst haben muss, als Rassist bezeichnet zu werden? Mann, ist das alles beknackt." Danke!!! Und ich will gar nicht drüber nachdenken, was bei diesen Experten im Dampfkessel brodelt, wenn ein Hersteller seine Pralinen mit WEISSER Schokolade als das Nonplusultra bewirbt.

      Ich komme zum Schluss: Der Sarotti-Mohr heißt Sarotti-Mohr, weil die Firmenzentrale in der Mohrenstraße steht, eure Erdnussflips werden auch zukünftig von uns regional mit "Hunneferzln" betitelt und ich sage auch weiterhin zu euren gesalzenen und gerösteten Erdnüsschen Kameruner. Schiebt euch heut Nachmittag euer afroamerikanisches Schaumtörtchen mit Schokoglasur und ner Waffel untendran in die Kauleiste, bis es zu den Ohren rauskommt. Ich werde euch dann keinesfalls ein weißes Taschentuch reichen...da könnter warten, bis ihr schwarz werdet. Hört ihr? SCHWARZ!

      Und Corona, du bist genau so'n Blindgänger! Schönen Sonntag und bleibt gesund, euer Herzblut. :victory:
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    • :stoehn:
      Sei mir nicht böse Herzblut, aber das ist auf so vielen Ebenen falsch.
      „Die heutige Jugend ist von Grund auf verdorben, sie ist böse, gottlos und faul. Sie wird niemals so sein wie die Jugend vorher, und es wird ihr niemals gelingen, unsere Kultur zu erhalten. “ (Watzlawick, 1992, ca. 1000 v. Chr., Babylonische Tontafel).

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Schmiddie ()

    • @Schmiddie, weshalb sollte ich dir böse sein? Drum nannte ich das vor Jahren hier auch Stammtisch. Ich akzeptiere und respektiere deine Meinung, mach das im Umkehrschluss mit einem konservativen Menschen, der sich eher links Zuhause fühlt, bitte genauso. Meine persönliche Meinung muss nicht die Richtige sein, deine aber auch nicht. Ich bin hier angetreten, mit offenen Augen und Ohren durch die Welt zu gehen und dies auch entsprechend zu transportieren. Irgend einen Mainstream bedienen is bei mir aber nicht. Damit verändert man nix, die Lebenserfahrung hab ich genügend gemacht.

      Danke und schönen Sonntag.
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    • Da politische Diskussionen nicht erwünscht sind, möchte ich nur folgendes noch dazu sagen:

      - man ist zwar nicht gleich ein Rassist, wenn man Stereotype vergangener Jahrzehnte wiederholt. Aber etwas Reflexion wäre angebracht.

      - Die Schlagworte der neuen Rechten weiter zu tradieren hat nichts mit Konservatismus zu tun.

      - anderen Leuten abzusprechen, dass ein Problem bei etwas besteht und dann selbst die eigene Befindlichkeit voran zu stellen, das hat schon was hybrisches.

      Ich halte dich für einen intelligenten, humorvollen und reflektierten Menschen. Aber in letzter Zeit macht sich bei mir der Eindruck breit, dass du in eine reaktionäre Richtung tendierst, und was ich eigentlich an dir schätze langsam schwindet.
      „Die heutige Jugend ist von Grund auf verdorben, sie ist böse, gottlos und faul. Sie wird niemals so sein wie die Jugend vorher, und es wird ihr niemals gelingen, unsere Kultur zu erhalten. “ (Watzlawick, 1992, ca. 1000 v. Chr., Babylonische Tontafel).
    • Mensch Herzblut, lass dich von den politisch korrekten Mensch*innen doch nicht so ärgern.
      Nächste Woche haben die schon eine neue Sau gefunden, die sich durchs Twitterdorf treiben lässt.

      Wobei ich zugeben muss, dass es schon ein wenig amüsant ist.
      Einen Schokokeks, der Afrika heißt, als rassistisch sehen. :D
      Man muss selbst schon extrem rassistisch denken, um auf so einen Blödsinn zu kommen.

      Aber eine Frage noch zu deinen regionalen Ausführungen:
      Von meiner Oma kenne ich es, dass sie die Erdnussflips immer als Kameruner bezeichnet, nicht die Erdnüsse.
      "Hunneferzln" habe ich dagegen noch nie gehört.
      Ist das vielleicht nur in der Chemnitzer Gegend so oder verwechselt da meine Oma etwas?
    • Ricardo schrieb:

      ...
      Wobei ich zugeben muss, dass es schon ein wenig amüsant ist.
      Einen Schokokeks, der Afrika heißt, als rassistisch sehen. :D
      Man muss selbst schon extrem rassistisch denken, um auf so einen Blödsinn zu kommen.
      Als ich das Anfang der Woche im Radio gehört und anschließend bissl recherchiert hab, hatte ich haargenau das gleiche Amüsement und die selben Gedankengänge wie du. Aber hast schon Recht, mittlerweile ruhe ich wieder in mir und genieße sowas. Köstlich! :D Und innerlich bereite ich eigentlich schon wieder den nächsten Stammtisch vor.

      Ricardo schrieb:

      Aber eine Frage noch zu deinen regionalen Ausführungen:

      Von meiner Oma kenne ich es, dass sie die Erdnussflips immer als Kameruner bezeichnet, nicht die Erdnüsse.
      "Hunneferzln" habe ich dagegen noch nie gehört.
      Ist das vielleicht nur in der Chemnitzer Gegend so oder verwechselt da meine Oma etwas?
      Das mit den Hunneferzln ist tatsächlich ein (vom Aussterben bedrohter) Begriff aus der Chemnitzer Gegend und noch bissl ins Erzgebirge rein. Beide Begriffe, also auch die Kameruner, hab ich als kleines Kind auch von der Oma mitbekommen. Dass woanders in Sachsen die Erdnussflips (natürlich die guten Wurzener :D ) als Kameruner bezeichnet werden, wusste ich bis eben auch nicht, hamwer wieder ne Bildungslücke weniger.
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