Auf ein Bierchen mit Herzblut - der Sonntagsstammtisch

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    • Von Bürokratiemonstern, die bestimmt gerne Rolf Zuckowski hören

      "Nu Mensch," denkt sich das Herzblut, "wie riechts denn heute hier schon von Weitem?" Er öffnet die Tür, sein Weg führt ihn sofort zur Wirtin: "Hior Chefin, grüß dich - sach bloß, du hast och schon so wie ich de ersten Weihnachtskekse gebacken?" Sie hat noch einen draufgelegt - in der Kinderecke stehn 2 Tische und dort schwingen paar kleine Würmchen mit mehlbestäubter Nase fleißig das Nudelholz aufm Mürbeteig. Und so bekommt heute jeder hier als Kompott einen handwerklich einwandfreien Keks zum Probieren. Der Stammtisch hat bei dem Anblick schon seit geraumer Zeit einen Heidenspaß, die Begrüßungsorgie ist grade passé, da fällt doch irgend jemandem ein: "Na wenn das kein Grund für ein Liedl is, dreie, viere - In der Weihnachtsbäck..." - weiter kommt der Barde nicht, weil da hat er die Rechnung ohne unser Herzblut gemacht "Biste Stille, versau mir nich noch mehr die dynamische Laune!" Er schaut sich um: "Sind die Kinder naus? Hände waschen? Ah ja, na dann...das Lied geht ganz anders, das is von Helmut Sanftenschneider, den habsch das mal bei Nightwash singen hören. Und das geht nämlich so: Klick :teufel: Nachdem die Lachtränen getrocknet wurden und die Wirtin ihm ein kicherndes "Banause - du kriechst dann den kleensten Keks" zugerufen hat, will man von ihm wissen, was er denn bei seiner Kneterei am Backblech anhört. "Och jedes Jahr aus alter Tradition das Gleiche, Gerhard Polt's "Abvent"-CD, die Weihnachts-CD von Olaf Böhme und die Roten Rosen mit Wir warten aufs Christkind, da gibts Pogo in den Ausstechförmchen sach ich euch. Und weil wir quasi beim Thema sind...

      Am Mittwoch hatten wir Sachsen ja wieder unseren Alleinstellungsmerkmal-Feiertag, den Buß- und Bettag. Und das Wetter war eigentlich wirklich in der Richtung meiner persönlichen Definition - entweder du fährst um mal rauszukommen bissl mitm Bus durch die Gegend oder du bleibst im Bett. Richtig hell wollte es nicht werden und so hab ich das gemacht, was ich an dem Tag immer mach - der Weihnachtsstollen wurde gebacken. Uraltes und weitervererbtes Rezept, am Tag vorher wurden die Rosinen und Korinten in Rum eingelegt, am Morgen das Hefestöckl angesetzt - der Rest waren mal wieder althergebrachte Zutaten und körperliche Schwerstarbeit beim Kneten. Ab in den Backofen und nach ner Stunde "Oahr, der duftet dieses Jahr aber wieder!" Stollentüten sind bei mir immer vorrätig, ein extra dafür aufgehobener Schuhkarton auch...er ruht jetzt bis zum Anschneiden aufm Balkon. Danach, die Backröhre war noch so schön warm, wurden die ersten beiden Bleche Weihnachtskekse gebacken und diese mit nem Apfel in ne blecherne Kekstruhe zum Durchziehen zwischengelagert. Als Belohnung gabs dann einen dicken Pfannkuchen mit Äbbelbreifüllung und ein Rosinenbrötchen vom Bäcker des Vertrauens, beides wurde am Vortag von mir dort erstanden, ganz ohne Kassenzettel...

      ...den das wohl niemals sein Hirn einschaltende bundesdeutsche Bürokratiemonster auch meinem Bäcker ab dem 1. Januar nächsten Jahres vorschreiben will. Dafür mal ein Blick zurück: Schon vor paar Jahren mussten auch die Bäckereien und Fleischereien zwangsweise ordentlich Geld in die Hand nehmen und sich komplett neue Kassensysteme mit der Möglichkeit des Speicherns eines jeden noch so kleinen Vorgangs anschaffen. Damit nicht genug, wo neue Hardware, da erschallt auch immer gleich der Ruf nach neuer Software und gleichzeitig kommt auch der Onkel Datenschutz um die Ecke - und so mussten alle auch ein neues Verschlüsselungssystem erwerben. Das alles reicht unserem Monster aber noch nicht und auch sein Auftraggeber, das Bundesfinanzministerium, suchte nach Wegen, die boshafte Brötchen- und Wursthinterzie...ähh Steuerhinterziehung sowie schwarzes Geld in den Kassen auch bei Bäckern und Fleischern möglichst unmöglich zu machen. Und mit diesem Generalverdacht und der Ausübung der Macht erfand man fürs nächste Jahr eine neue "Kassensicherungsverordnung", im Bürokratiemonsterdeutsch "KassenSichV" genannt. Ich zitiere mal aus dieser:
      • "Ab dem 1. Januar 2020 müssen alle elektronischen Aufzeichnungssysteme über eine zertifizierte technische Sicherheitseinrichtung verfügen.
      • Über eine einheitliche digitale Schnittstelle muss jederzeit eine fehlerfreie Datenübermittlung von Grundaufzeichnungen an das Finanzamt möglich sein.
      • Alle Geschäftsvorfälle müssen mit Belegen nachgewiesen werden.
      • Alle elektronischen Kassen müssen bei dem Finanzamt gemeldet werden." Zitat Ende.
      Diese anzuschaffende zertifizierte technische Sicherheitseinrichtung bekam dabei einen vergleichsweise unspektakulären Namen verpasst, sie hört auf "TSE" und besteht aus 3 Modulen: Das Sicherheitsmodul, dies wiederum bestehend aus der "SMA" (Secure Module Application) und der "CSP" (Crypto Service Provider). Dazu kommt das Speichermedium und zu schlechter Letzt noch die digitale Schnittstelle. Ob man mit Letzterer auch Brot oder Wurst in Scheiben schneiden kann, hat das Bürokratiemonster offenbar noch nicht getestet. Und nicht jede "TSE" darf auch verwendet werden, sie muss wie gesagt unbedingt zertifiziert sein. Und dafür sorgt dann ausschließlich das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik "BSI" mit sicherlich auch der einen oder anderen Kaufempfehlung für zu verwendende Geräte. Damit nicht genug - die Belege müssen auch verpflichtend ausgegeben werden. Zu jedem Geschäftsfall! Und ausdrücklich ist in dieser Belegausgabepflicht der Kunde nicht verpflichtet, diesen auch mitzunehmen.

      Und nun stelle man sich mal folgendes Szenario vor: Da weilt die gute Greta aus welchen Gründen auch immer mal in Deutschland, sie verspürt Appetit und Hunger und ihr Weg führt sie schnurstracks zum nächsten Bäcker um die Ecke. "Eine Streuselschnecke bitte, liebe Bäckereifachverkäuferin!" Das Hefeteil ist schnell eingetütet und in Windeseile erfährt das zuständige Finanzamt auf dem überwachenden Monitor "Beim Bäcker um die Ecke, da fehlt jetzt eine Streuselschnecke." :ohje: Die Kasse schnurrt vor sich hin und spuckt einen Beleg aus. Und der ist nicht nur aus Papier, der ist aus Thermopapier! Und unsere Greta grübelt, was mach ich nur mit dem Wisch für eine Streuselschnecke? Und was bedeutet das für meine Umwelt? Und so wirds vermutlich 80% der Kunden ab Januar auch gehn - sie werden den Kassenzettel entweder gar nicht annehmen oder postwendend wahlweise in den drinnen bereitgestellten Papierkorb oder in die umwelttechnisch draußen bereitgestellte Pampa werfen.

      Der Landesobermeister des sächsischen Bäckereiinnungsverbandes, selbst auch Bäcker, hat sich dieser Tage mal die Mühe gemacht und diesen Wahnsinn plastisch erklärt: Alleine in Sachsen gibts etwa 1000 Bäckereien, die durchschnittlich 585 Kunden am Tag begrüßen dürfen. Wenn ab Januar dann für jeden Kunden ein Beleg mit etwa 20cm Länge ausgedruckt wird, entstünde Thermopapiermüll von etwa 117 km Länge, also etwa von Dresden nach Leizpzig. Täglich! In 24 Stunden! :stoehn: Und so kommt auch der Innungschef zum Schluss, seine gesamte Branche muss hochverdächtig sein "Als ob wir alle Verbrecher wären und Steuern hinterziehen." Man versucht nun, eine Ausnahmeregelung zu bekommen. Denn die sieht die KassenSichV ausdrücklich vor: "Aus Gründen der Zumutbarkeit und der tatsächlichen Möglichkeit, diese Regelung im täglichen Betrieb umzusetzen, besteht im Einzelfall auch die Möglichkeit, sich von der Belegausgabepflicht befreien uns zu lassen. Hierfür musst Du Dich als Gastronom an das Finanzamt wenden." Man darf gespannt sein, ob die sich flächendeckend drauf einlassen. Sonst gibts keine Streuselschnecke. Schmecken lassen, Greta...und den Zettel nimmst du schön mit! :D

      Mahlzeit und schönen Sonntag, euer Herzblut. :winke:
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    • Alles schwarz

      "Herzblut, heut gibts nüschd zum Nachtisch, de Chefin hat de Kekse anbrenn' lassen!" Unser Stammtischpoet hat sich schon gewundert, was denn beim Betreten des Lokals so müffelt und da liegen sie neben dem Tresen - zwei Bleche mit runden Kohlescheibchen, sorgsam mit nem Wischtuch zugedeckt. Unsre Wirtin seufzt "Ach Mensch, die ganze Orbeed...sach jetzt nüschd Verkehrtes!" Er weiß was sich gehört, begrüßt sie erstmal aufmunternd, holt aus seiner Jackentasche ne größere Tüte mit Schleifchen raus und meint: "Du, musste mich so quälen, gelbes Wischtuch un schwarze Kekse? ;) Hior meine Gudä, ä kleener Gruß aus meiner Backstube - ich wünsch dior 'n scheen 1. Advent!" Sie strahlt und kann sich nich beherrschen "Mensch, die schmecken awor och, die wärn bestimmt nich alt." Auf seine erste gute Tat folgt die zweite, indem er auch dem Stammtisch ne Tüte präsentiert. Sie nehmen es wahr, dennoch dreht sich bereits alles um die Erlebnisse der letzten Tage, die in der Farbe der dahingeschiedenen Kekse unsrer Chefin daherkamen. Dass das Herzblut da seinen Senf dazugeben muss, is wohl klar:

      So, nu hamwer die schwarze Woche endlich hinter uns. Schwarze Woche, schwarzer Freitag, schwarzes Wochenende - der anglizistische Shoppingwahn taumelte auch diesmal von einem Höhepunkt zum nächsten, final gibts bei uns heute noch den verkaufsoffenen Sonntag. Auch ich konnte mich dem diesmal nicht entziehen, mein altes Handy - Spitzname "Kampfeisen" - lag nach ich weiß schon gar nich mehr wieviel treuen Jahren von der Plastikhülle her in den allerletzten Zügen und wurde quasi nur noch vom Tastenfeld und dem Akku zusammengehalten. Und da ich einer bin, der nicht alle 2 Jahre immer wieder auf die allerneuesten Schreie der Anbieter hört, hab ich mir wie bei meinem Kampfeisen damals (war weit, weit vorm Krieg) etwas Vorlaufzeit gegönnt, um alle Eventualitäten der nächsten Jahre abzuwägen. An dieser Stelle kurz mal ein Dankeschön für die Ratschläge einiger User in meine Richtung...ab jetzt muss ich mich in die für mich völlig neue Welt auch erstmal reinfitzen, für jeden sachdienlichen Tipp bin ich euch auch weiterhin dankbar. Mein altes Kampfeisen aber, ich bleib ihm treu: Es dient mir ab jetzt ganz einfach als Wecker und als Eieruhr, wegwerfen is nich - Herzblut for Fiudschor! :D

      Was ich aber diese Woche beim Smartphonekauf sowie davor und danach im betreffenden Einkaufstempel miterlebt hab, grenzt schon an einen resistenten Wahnsinnsvirus, bei dem keine Antibiotika mehr hilft. Seit Montag fragt man sich, wofür brauchen die das alles, was für Massen tummeln sich hier schon ab 10 Uhr und woher haben die trotz Preissenkungen das viele Geld? Das visuelle Epizentrum des schwarzen Horrors erschloss sich mir am anglizistisch gleichnamigen Freitag: Ich hatte Spätdienst und wollte wie immer vormittags meine Einkäufe erledigen. Da krieg ich doch auf der Fahrt zum Einkaufstempel von drei Familien sichtbar sehr mäßigen Niveaus ein höchst interessantes Gespräch in die Ohren gelegt. Um auch wirklich ein jedes Schnäppchen mitsamt ihren Kindern abzufassen, haben die erstmal für klein Jason, Jennifer-Claire und Samantha-Merle ein ganz anderes Schnäppchen abgefasst - nämlich die Krankmeldung für die Schule. Irgendwann stieg dann noch ne vierte Mutter mit ihrem Kind ein und man bereitete nun im Kanon das anstehende Shoppingerlebnis der nächsten Stunden vor. Im Einkaufstempel angekommen, überall Familien - es wurden mehr und mehr - mit Kindern, die eigentlich um die Zeit in der Schule sein müssten. Eine Beraterin konnte am Infostand im Elektronikmarkt nicht an sich halten und fragte vorsichtig bei so ner Familie an, ob heute gar keine Schule wär, offenherzige Antwort des Kindes: "Mama hat dort angerufen, ich bin heute mal krank. Heute is ja Black Friday und heute is ja auch noch Fridays for Future." :look: Danach trafen sich die Blicke der Infotante und vom kopfschüttelnden Herzblut und wir haben uns wahrscheinlich gleichermaßen über den geistigen und emotionalen Zustand jener Eltern in schwarzem Trainingsoutfit ernsthafte Sorgen gemacht. Da verfinstern sich mittlerweile bei so manchen Mitmenschen zügellos die Denk- und Handlungssynapsen - Black Brains in Black Parents meets nicht mehr nur den Black Friday.

      Und dann gehts ab aufn Weihnachtsmarkt, isser bei euch auch schon eröffnet? Die gleichen Buden wie immer, die gleiche grausame Lautsprecher-Mugge wie immer, die gleichen Fressalien wie immer und wie in den letzten Jahren auch Dinge, die mit nem traditionell hochangesehnen Weihnachtsmarkt am Randerzgebirge nichts mehr zu tun haben. Und selbst bei den Touries Kopfschütteln hervorrufen. Und damit mein' ich nicht diesen Weihnachtsbaumkadaver, den se uns diesmal aufn Marktplatz hingestellt haben. Bei uns wars am Freitagabend soweit, dieses Jahr kommt man endlich den Budenbetreibern entgegen und hat die Öffnungszeiten von Sonntag bis Donnerstag bis 20 Uhr und nur noch am Freitag und Sonnabend bis 21 Uhr festgelegt. Richtig so, denn abends verkaufen nur die Fress- und Saufbuden noch ordentlich was, besonders eine Partei sieht das hier in Chemnitz anders und sieht den König Kunde in vorweihnachtlicher Gefahr. Egal, wer da alles, zu welchen Konditionen, in welchem Alter und von wem geschickt, in den Buden frierend aushalten muss. Die ersten Schnapsleichen und angeheiterten Rentnerhuligäns durfte ich also am Freitagabend auf der Heimfahrt von Mutti schon im Bus bewundern. Es roch wirklich nach Allem und der Busfahrer meinte deswegen vorn zu mir "Eichndlisch wolldsch nachert in meiner Bause was essen, nu isses mior endgüldsch forgang'...wie de Wahnies!" :balla: Ich meinte nur zu ihm "Ja, heut kommt alles zusamm' - dor Weihnachtsmarkt, dor Berufsverkehr, 's Wetter, dor Blägg Freidäi un de Fiudschor-Demonstrantengruppen."

      Und davon gibts ja auch eine, die diese Woche auf sich aufmerksam machte, die sog. Students for Future oder wie sie sich selbst betiteln "S4F". Am Montag besetzten Studenten das Audimax der Dresdner TU für Vorträge und Debatten übers klimatische Thema. Das Rektorat stimmte dem zu, dies könne bis Freitag täglich von 9 bis 20 Uhr stattfinden. Bedingung war die Einhaltung der Hausregeln, darunter auch ein Übernachtungsverbot. Die Unileitung musste daraufhin feststellen, dass "online im großen Stil" auch über diese Woche hinaus Schlafplätze im Audimax angeboten wurden und die Studenten und Aktivisten auch die Nacht zum Freitag dort verbringen wollten. Diesen Abmachungsbruch bezeichnete man als "unbeherrschbare Situation, die die TU Dresden nicht länger verantworten konnte." Was folgte, war die Räumung des Hörsaals durch die Polizei, die Studentenseite sprach wie zu erwarten von unverhältnismäßiger Gewalt und es hätten so wörtlich "Unbekannte" den Saal im Netz schon vorm Montag als Schlafplatz angeboten. :vogelzeigen: Worum gings eigentlich? Das Bündnis "Ende Gelände" fordert einen sofortigen Ausstieg aus der Kohleverstromung und hatte im Lausitzer und Leipziger Braunkohlerevier zu diversen Klimaprotesten, Mahnwachen, Blockaden sowie Besetzungen von Tagebauen und Kraftwerken aufgerufen. Wie das gestern ausging, ist bekannt.

      Es ist für unseren studentischen Nachwuchs völlig legitim, sich mit diesem Thema befassen, auch und vor allen Dingen in den Uni's und mit ihren Professoren. Sich aber mit solchen Kräften zu umgeben und zu brüsten, denen der Sinn auch nach Anderem steht, ist einer wissenschaftlichen Zukunft schädlich. Und sie greifen damit nebenbei noch ganze Regionen und deren unschuldigen Einwohner an, die davon leben und leben müssen. Weil es geht zuallererst um deren Heimat und Zukunft. Sie machen sich - wissentlich oder schlimmer noch unwissentlich (?) - mit solchen Aktionen zum Mittäter dessen, was vor fast 3 Jahrzehnten in diesen Regionen angerichtet wurde und was die auch gesellschaftlichen Auswirkungen angeht. Ihr bestimmt mit diesen törricht-dümmlichen Aktionen nicht, wann "Ende Gelände" ist. Ihr dürft euch gerne dafür einsetzen, greift dabei aber endlich zu seriösen Methoden bei den richtigen Ansprechpartnern: :ossi: Sorgt bei denen mit euren hoffentlich brauchbaren Ideen dafür, dass solche Regionen und ihre Bewohner ein vernünftiges Leben führen können, mit einem vernünftigen Ein- und Auskommen, mit vernünftigen Zukunftsaussichten. Und weil alle Theorie grau ist - packt noch besser selbst dabei mit an. Sonst seh ich für euch theoretisch aufstrebende und am Ende marktkonforme "Elite" endgültig Schwarz, denn das wahre Leben da draußen ist kein Audimax. Der womöglich auch mit Kohlestrom beheizt wird, damit euch der praxisferne Arsch nicht abfriert. Welcher wiederum mit ökologisch einwandfreien Markenklamotten aus Fernost bedeckt ist.

      Advent, Advent - ein Lichtlein brennt...besonders auch in der Lausitz. Ich wünsch euch einen schönen selbigen Ersten. Euer Herzblut. :winke:
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    • Wer so schummelt, kriescht nüschd zum Nachtisch

      Na heute gehts aber rund bei uns im Stammlokal: Jedes Kind, was seinen Teller ordentlich aufisst, bekommt von der Wirtin einen kleinen Schokonikolaus. So die Ansage auf der alten Tafel draussen vor der Tür. Das Herzblut ruft ihr beim obligatorischen Begrüßen zu: "Hior Cheffin, gültet das och für uns, mior sin dor alle irschendwie Kinder gebliem?! Und wenn ich zweema ess, kriesch ich da och zwee Leckerli's?" ;) Seine Rechnung wird von ihr prompt mit nem feixenden "alter Fresssack" gekontert und sie widmet sich wie gehabt den Bestellungen. Das Bier will dem Herzblut heut gar nicht so richtig schmecken, er hat ne Horror-Woche hinter sich mit dem großen Finale am Nikolaus-Freitag und er hätte auf 2 "Geschenke" im imaginären Stiefel gut und gerne verzichten können. So sucht er sich bissl Ablenkung mitm geübten Blick an die Nachbartische: Viele Familien mit Kindern dabei und besonders der Nachwuchs lässt sich beim zu erwartenden Schoko-Nachtisch nicht zweimal bitten. Da werden die Fischstäbchen und Eierkuchen im Akkord verhaftet und besonders die Makaroni's habens denen angetan. Das Herzblut ruft laut: "Hior, mal bissl Prosa: Das Makaroni staunt, darf das denn sein, mior schaut wer in de Öffnung rein! Doch die Trauer is kurz, denn der Blick geht gradaus - und kommt off dor andren Seite wieder raus." :D Zwei Tische weiter kämpft ein kleines Mädchen mit den Eierteigwaren und zack, die ganze Schnute bis zum Kinn voller Tomatensoße. Unser Redner bemüht sich, nicht lachen und ist der Kleinen dankbar, dass sie ihm heute mit der Tomatensoße auf die Sprünge hilft.

      Bei dem ganzen chemischen Fraß, dem wir bewußt oder unbewußt beim Griff ins Supermarktregal ausgesetzt sind, ist es ganz gut, wenns da irgendjemanden gibt, der mal bissl genauer draufschaut. Also nicht nur auf unsre Griffel, sondern direkt in die Regale, noch direkter auf die Verpackungen und ihre Lü...ähh Versprechungen. Damit das auch Hand und Fuß hat, gibts seit 17 Jahren den Verein Foodwatch, der sich im Laufe der Zeit zu nem echten Wadlbeißer Richtung Konzerne und Lobbyisten/Politker entwickelt hat. Selbstgesetzte Aufgabe ist die qualitative Überprüfung von Lebensmitteln und die Durchsetzung von Verbraucherrechten. Und weil das ein e.V. ist, muß das Ganze natürlich auch im Behördendeutsch daherkommen, denn dort heißt es, es ginge um die "Bewertung und Information von Verbrauchern auf dem Gebiet der Agrar- und Lebensmittelproduktion, des Handels und des Absatzes von Verbrauchsgütern sowie der Bereitstellung von Dienstleistungen." :augen:

      Dieses Jahr gabs bei Foodwatch was zum Feiern: Seit 10 Jahren sucht man nun schon die alljährlich dreisteste Werbelüge unter den Herstellern und Anbietern und kürt diese mit dem "Goldenen Windbeutel". 5 Produkte standen auch diesmal vorab zur Abstimmung und 4 Wochen lang machten über 70.000 Verbraucher von ihrem Recht Gebrauch, den Etikettenschwindel gebührend zu "würdigen".

      Auf dem 5 Platz landete mit 6,5% der Stimmen der Riegel "Corny Protein Lower Carb“ von Schwartau, alleine schon der dümmlich-anglizistische Begriff grenzt hierbei an Körperverletzung. Inhaltlich kommt der Riegel mit 24% Zucker und 13% Fett daher. Schwartau will diese "Fitness"-Bombe übrigens nun eiligs vom Markt nehmen und "das Produktkonzept“ seines Proteinriegels „komplett überarbeiten“. Man hätte sich bereits schon vor mehreren Monaten dazu entschieden. Soso. :floet:

      Platz 4 belegten die Kameru...hoppala Herzblut, deine sonntägliche politische Unkorrektheit weckt hier gleich wieder irgendwo schlafende Hunde...also Vierter wurden mit 6,7% die Wasabi Erdnüsse von Rewe "Beste Wahl". Drin sind nur molekuler nachzuweisende 0,003 Prozent vom Wasabi, stattdessen gibts nen Cocktail aus Aroma "Typ Senf" und Farbstoff "Kupferkomplexe der Chlorophylle und Chlorophylline". Ach ja, Erdnüsse sind auch nur 27% in der Verpackung, letztere muss vermutlich fürs vollständige Geschmackserlebnis mitgefressen werden. Rewe hüllt sich dazu bisher in Schweigen.

      Tataa - der 3 Platz geht diesmal mit 7,4% an den "100% Bio Direktsaft Karotte“ von Hipp. Bis zum Frühjahr gabs die Brühe in ner 500ml-Flasche, seitdem schrumpelte das Gläschen auf 330ml und Hipp tröpfelte dazu noch 1% Zitronensaft mit rein. Der Preis aber - der ist heiß und selbst ein Walter Freiwald hätte Probleme gehabt, das seriös zu verkünden: Pro Liter stieg der mit jener neuen Verpackung um 95%. :was: Hipp meinte dazu, dass der Preis lange nicht erhöht worden wäre. Aber ich mein - die überall aufstrebenden Hippster/Innen werden schon passend mit Hipp ihren Durst löschen, die hams doch.

      Aufs Silbertreppchen landete mit 26,1% der Stimmen der "Yakult Original" von eben Yakult. Die bezeichnen ihr Erzeugnis mit 9g Zucker übrigens als "Kleine Flasche Wissenschaft“, das Kleingedruckte verräts: "Jedes kleine Fläschchen enthält mindestens 6,5 Milliarden einzigartiger Shirota Milchsäurebakterien. Das Besondere: Die Shirota Bakterien erreichen den Darm lebend." Wissenschaftlichen Belege für eine gesundheitsfördernde Wirkung gibts aber absolut keine, obwohl Yakult nach eigener Aussage seit 85 Jahren an dem "einzigartigen Bakterienstamm" forscht. Und an dem Punkt...Moooment ma...die Flasche ist doch sehr klein und wenn diese Bakterien den Darm lebend erreichen sollen...also am Ende is das Flüssige gar nicht zum Trinken gedacht und muss stattdessen mit der Flasche im...komplett fürn Arsch und mit 8,40€ pro Liter eine hochdreiste Abzocke und Dummfang für die Unintelligenten. :shock2:

      Der Platz an der Sonne gebührt dieses Jahr mit 53,2% der "Kinder-Tomatensauce“ vom Biohersteller Zwergenwiese - lustiger Name übrigens, klingt wie nach Graslandschaft vor nem Kindergarten. Die Tomatensauce aber hats in sich, kein Gras, sondern stattliche 11% Zucker (6,5 Zuckerwürfel pro Portion), die Erwachsenenversion hat stattdessen nur 4,6% Zucker im Glas. Insgesamt 12 Saucen produzieren die - die Kinderpampe ist am Süßesten. Ordinärer Haushaltszucker kommt dabei gar nicht zum Einsatz, sondern 8% Apfeldicksaft., welcher wiederum aus 60-80% Zucker besteht. Damits nicht gleich auffällt, steht vorn aufm Glas "mild-tomatig mit Apfelsüße", auf der Rückseite dann "mit der natürlichen Süße von Äpfeln - enthält von Natur aus Zucker". Zwergenwiese hat damit kein Problem, sondern postete dazu auf der eigenen Faselbuch-Seite: "Je jünger das Kind, desto süßer 'sollte' das Produkt sein." :vogelzeigen: Foodwatch gaben sie zu bedenken, bei der Süßempfindung würden "für Kinder andere Maßstäbe“ gelten. Aber einwas muss man dem Hersteller lassen - sie haben Arsch in der Hose, wegen der Tomatensoße! Am Dienstag passierte was, das noch nie passierte: Zwergenwiese nahm als Erster überhaupt den Preis auch an. Im Schleswig-Holsteinischen Firmensitz kam der Chef höchstpersönlich vor die Tür, griff sich den Pokal und versprach, nicht nur die Kindertomatensauce, sondern alle Kinderlebensmittel im Sortiment überarbeiten zu wollen. Foodwatch will das weiter beobachten, Zwergenwiese will entsprechend kooperieren und überreichte "als Zeichen der Kooperation" den Lebensmittelhütern eine goldene Zwergenmütze. Spaß muss am Ende doch sein.

      Dachte ich. Dann kam am Mittwoch der Heimatsender um die Ecke und spielte mit den personellen Muskeln. Bei allen unterschiedlichen Auffassungen und aller evtl. auch berechtigten Kritik an dem, was er mitunter äußerte und vor allen Dingen, wo er es in der Vergangenheit äußerte - aber auch ich...ich...ach hört doch auf, auf euren künftig sonntagabendlich weichgespülten Programm-Einheitsbrei verzichtet meinereiner ab jetzt. :(

      In diesem Sinne, der schöne Schein hat auch Kleingedrucktes. Schönen 2. Advent, euer Herzblut. :w1:
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    • Cerby schrieb:

      Hä?Was war denn am Mittwoch beim MDR? Nüscht mitbekommen..... mehr Infos oder Kontext bitte, @SGD-Herzblut.
      Mein Bruder im Geiste - sehr, sehr heißes Eisen, die Wogen schlagen meterhoch, es geht um meinen Vor-Namens-Vetter. Und weil ich nicht möchte, das unser kleines Miniatur-Dynamoland hier mehr als erwartbar für gewisse Dinge missbraucht wird, schick ich dir ne PN dazu.
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    • Eine Schande in unsrem Lande

      Unser Herzblut ist fast am Stammlokal angekommen und auf seinen letzten Metern sieht er, wie ein altes Ehepaar einem kleinen Mädchen mit seiner wohl alleinerziehenden Mutter an der Hand etwas zusteckt: Es ist eine riesige Apfelsine und ein Mini-Schokoweihnachtsmann. Die Kleine folgt der Aufforderung ihrer unangenehm berührten Mutter und trällert ihnen ein artiges Dankeschön entgegen. Danach gehen sie ihrer sonntäglichen Spazierwege, die beiden Rentner werdender weile vom Herzblut die Tür aufhaltend ins Warme gebeten. Die Brille läuft wie gehabt sofort an, sein Tastsinn funktioniert aber noch gut und er findet sich sogleich am Tresen wieder. Mit nem "Was würdest du für paar Scheibenwischer auf der Brille geben!" begrüßt ihn lachend unsre Wirtin und er bestellt sich sogleich das, worauf er sich schon die ganze Woche gefreut hat - ein kühles Schwarzes und einen dampfend warmen Sauerbraten mit Klößen. Die Wiedersehensfreude am Stammtisch ist wie immer groß, der Durst ebenso und es grummeln auch bei Einigen so langsam die hungrigen Bäuche. Unserem sonntäglichen Redner geht nur diese Szene von vorhin draußen nicht mehr ausm Kopf: "Wisst iohr eischndlich, wie gut mior's hior ham, dass mior uns das jeden Sonntag hior so leisten könn'? Und nich wie andere, die noch nichmal was dafür könn', eemal in der Woche..." Schlagartig kehrt eine etwas andere Ruhe und Besinnung als sonst ein und alles beginnt aufs Folgende zu lauschen.

      Diese Woche hab ich sie mal wieder gesehn. Dieses ältere Ehepaar stand am Mittwoch früh mit ihren beiden übergroßen Taschenwagen bei Schmuddelwetter an der Bushaltestelle und hoffte wie immer, noch in den Bus mit reinzukommen. Mit Erfolg, ein paar Jugendliche begriffen nach meinem erst freundlichen und schließlich energisch-herzblütigen Hinweis, wozu die Bucht für die Kinderwagen auch sonst noch geeignet ist. Die Frau hatte sichtbar Probleme mit dem Rücken und so wurde flugs aus meinem Sitzplatz ihrer und ihr dankbar nickender Mann studierte derweile eine Liste, welche die Beiden wohl noch abzuarbeiten hatten. Nach ner Weile unterhielten sie sich mit paar offenbar bekannten Fahrgästen über die nach wie vor verachtenswerte Praxis der Jobcenter, unbefristet angestellte Teilzeitbeschäftigte und Minijobber zur Kündigung zwingen zu wollen und stattdessen 2 oder gar 3 Ministellen gleichzeitig aufzudrängen. Natürlich mit 2 Steuerklassen und natürlich mit den entsprechenden Folgen. Für das Jobcenter auch überaus positiven Folgen des händereibend finanziellen Rückflusses. :shock2: Auch die Beiden hatten wohl nen derartigen Erpressungsversuch schon miterlebt, das Arbeitsrecht aber - es gibt ihnen Recht und sie würden vermutlich auch viel lieber ganztags arbeiten. Und mit diesen traurigen Gedanken stiegen sie mitsamt ihren großen Kutschen aus. Man sah sie im Vorbeifahren geduldig bei dem Schweinewetter von Haus zu Haus schlurfen und für einen hießigen Dienstleister die Post austragen, dies wie unsereins mit anhörte, täglich ab 5 Uhr. Bei jedem Wetter. Bei mieser Bezahlung. Und mit dem Gedanken, von einer staatlich finanzierten Behörde und deren warm sitzenden und von der Praxis da draußen wenig Ahnung habenden Angestellten mit etwas Pech und so kurz vor der Rente bald wieder gedemütigt zu werden. Die Beiden sollten mir an diesem Tag nicht das letzte Mal übern Weg laufen...

      Diese Woche hat der Paritätische Gesamtverband den Armutsbericht für 2018 vorgestellt. In dem wird berichtet, die Armut ging in Deutschland leicht zurück, aber die Kluft zwischen wohlhabenden und ärmeren Regionen wuchs weiter. Der Hauptgeschäftsführer gab dabei zu Protokoll: "Der Graben verläuft längst nicht mehr nur zwischen Ost und West." Unser Land kommt bei diesem Thema mittlerweile viergeteilt daher. Die wohlhabenden Länder Bayern und Baden-Württemberg haben zusammen eine Armutsquote von 11,8%, dem gegenüber stehen NRW mit 18,1% und Ostdeutschland mit 17,5%, dazwischen liegen die anderen wetsdeutschen Regionen mit etwa 16%. Trauriger Anführer der Armutsquote ist aber Bremen mit 22,7%. Wir Sachsen stehen bei diesen "Charts" übrigens auf Platz 11 mit 16,6%, vor vier Jahren waren's noch 18,8%. Gestiegen ist die Armut teils dramatisch in Brandenburg, Hamburg, Hessen, Mecklenburg-Vorpommern, Schleswig-Holstein und Thüringen. In vielen Regionen ist die Entwicklung auf dem Lande als ernüchternd, besonders auch der Anstieg der Altersarmut. Kein Wunder, wenn mehr als die Hälfte der Renten bei unter 900 € liegt. Und was nützt den alten Leuten dieser glorifizierend durchgerungene Gesetzentwurf einer an sich schon selbstverständlichen Grundrente, wenn sie gar nicht die entsprechenden Arbeitsjahre vorweisen können? Und ab wann gilt man eigentlich aktuell als "arm"? Mit weniger als 60% des mittleren Einkommens zur Verfügung hast du schon diesen Stempel auf der Stirn. Die Armutsschwelle betrug 2018 für einen Single 1035 €, für einen Paarhaushalt mit zwei Kindern unter 14 Jahren 2174 €, bei Alleinerziehenden waren's 1.656 €. Viele alte Leutchen scheuen aus Scham den Gang zum Amt, um eine Grundsicherung ergänzend zur Rente zu beantragen und wählen lieber einen anderen, eigentlich auch demütigenden Weg - den Gang zur Tafel. :(

      Und so hatte ich am Mittwoch Vormittag alles zu Erledigende endlich hinter mir und stand an der Endhaltestelle der Straßenbahn, um von dort aus auf Arbeit zu fahren. Und da kamen sie. Die Beiden von heut morgen. Ohne ihre Wagen, mittlerweile auch mit anderen und vor allen Dingen trockenen Klamotten. Sie kamen mit 2 vollen Dederonbeuteln und nem alten DDR-Einkaufsnetz, sie kamen von der Lebensmittelausgabe der Chemnitzer Tafel, die es bei uns seit 1997 gibt. Wöchentlich werden von dieser etwa 1.400 Bedürftige allen Alters und immer häufiger auch Erwerbstätige mit geringem Einkommen mit Lebensmitteln unterstützt. Am 28. September hatten die Chemnitzer Niners auf dem erneuten Weg zum diesmal hoffentlich wirklichen Aufstieg ihr erstes Heimspiel in der Messer Chemnitz, die Hartmann-Hölle ist bei dem Zuschauerzuspruch einfach zu klein geworden. Und weil auf diesen Tag auch der 13. Deutsche Tafeltag fiel, hatten die Korbjäger um Malte Ziegenhagen eine Idee: Die Zuschauer wurden vorab aufgefordert, doch vorm Spiel noch brauchbare Lebensmittel, wie Obst-, Gemüse-, Wurst- und Fischkonserven sowie Reis, Nudeln, Mehl, Zucker, Kornflakes, Kaffee, Tee, H-Milch, Säfte oder andere alkoholfreie Getränke zu spenden und am Tafel-Stand abzugeben. Die Chemnitzer Tafel ist übrigens nur paar Schritte von der Messe Chemnitz entfernt. Und die Orange Army ließ sich nicht zweimal bitten und schleppte etwa 420 kg haltbare Lebensmittel und Konserven an. Eine in der Halle aufgestellte Spendenbox bekam an jenem Samstag auch ordentlich Futter, insgesamt kamen so 1.352,40 € zusammen, davon 880 € durch Pfandbecher.

      Das ältere Ehepaar aber, es strahlte, weil in ihren Beuteln auch zwei Schokoweihnachtsmänner für ihre beiden Enkelkinder den Gang mit nach Hause antraten. Ich hatte bei dem Anblick mit den Tränen und einer unfassbaren Wut zu kämpfen. In was für einem so reichen und dennoch so erbärmlichen Land leben wir hier? Von was für erbärmlichen Würdenträgern und ihren Hintermännern wird dieses Land seit mehreren Generationen regiert und an der Nase herumgeführt? In der Praxis vor paar Tagen mit "Eure Grundrente kommt nur, wenn ihr weiter mit uns gemeinsame Sache macht" fassungslos mitzuerleben - Sie haben ein beschämendes christliches Auftreten und Sie zeigen damit, wie wenig Ihnen sozialer Frieden und sozialer Anstand bedeuten, Frau "AKK"! :sleep: Und wie erbärmlich und würdelos gehts in so manchem dafür auch noch kopfnickenden Hirn zu? Aber wir haben ja grade wieder überall diese ach so anrührenden Spendenhotlines auf der Mattscheibe, kurz unterbrochen von Showacts mit salbungsvollen Worten. Und was ist das restliche Jahr über? Sind die vorweihnachtlichen Spendenquittungen die beruhigend-besten für den neureichen und nimmersatten Seelenfrieden? Ein Armutszeugnis für eine ganze Nation, die es zulässt, dass immer mehr in Richtung Armut schlittern. Hätt's bei uns früher niemals so gegeben, eine schallende Ohrfeige für viele ehrbare und ein Leben lang geschuftet habende Menschen. Und ein Armutszeugnis, dass es Tafeln und ihre Unterstützer überhaupt geben muss, die diese soziale Kriegserklärung oftmals auch ehrenamtlich und aufopferungsvoll ausbaden. Und Letzteren soll heute dieser Stammtisch gewidmet sein - einen schönen 3. Advent, ihr emsigen Helfer einer jeden noch so kleinen Tafel im steinreichen Deutschland. Stellvertretend auch dir @Bear - ich bin stolz auf dich und auch du bist (m)ein Vorbild. :nuke:

      Euch natürlich auch einen schönen 3. Adventssonntag, euer Herzblut. :winke:
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      :drink:

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    • Moin SGD-Herzblut,

      zunächst einmal danke für die Blumen. Als ein Vorbild sehe ich mich nicht, ich tue nur das, was jeder andere in dieser sozialen Schieflage auch tun würde. Vorbilder sind für mich Beschäftigte vom sozialen Außendienst, die verwahrloste Menschen von der Straße aufsammeln (Obdachlose, Drogenabhängige usw.). Sie dann für eine Dusche (neue Kleider) oder ein warmes Essen zu uns bringen. Das sind die wahren Helden, nicht ich! Ja, Bremen nimmt was die Armutsquote angeht leider eine Führungsrolle ein. Hamburg befindet sich mittlerweile auf dem besten Weg dorthin. Immer mehr suchen unsere Einrichtung auf. Auch diejenigen, die früher aus Schamgefühl einen anderen Weg vorgezogen haben.

      Als ich vor einigen Jahren mit meinem Ehrenamt anfing, hat es mich alles ein bisschen mitgenommen, weil mir nicht bewußt war, wie wirkliche Armut eigentlich aussieht. Inzwischen lasse ich dies alles nicht mehr so an mich heran, man stumpft mit der Zeit ab.
    • Wenn der Entenbraten besser schmeckt als Dynamo - der Weihnachtsstammtisch

      Oh, da is wohl schon einer in Weihnachtsstimmung? Das Herzblut begutachtet vor unsrer Stammkneipe die alte Tafel mit den Gerichten des Tages. "Entenkeule mit Pilzen und Klößen, nuja, da haun'wer uns heut ma so nen abgeschossenen Flattervogel zwischen die Kiemen." Er nickt beim freudigen Gedanken an das zu erwartende Mahl und es bimmelt dabei auf seinem Kopf, der heute dort drappierten Weihnachtsmütze mit Glöckchen sei Dank. Beim Betreten des Lokals wird er regelrecht von Düften und Klängen überfallen: Zwei Räuchermänner tun ihr Bestes und was unsre Wirtin und ihr Personal heute in der Küche offenbar wieder zaubern, haut einen echt um! Dazu ist der Laden schon ziemlich voll, ein Geschnatter überall, dass man denkt, da wollen paar Gäste gleich ihre Verwandten vom Tagesgericht verspachteln. Und als Klangtapete sitzt obendrauf noch ne Weihnachts-CD mit irgend einem inbrünstig aber auch wirklich jedes Weihnachtslied intonierenden Kinderchor. Unsre Wirtin nimmt die Bestellungen auf und wird vom Herzblut mit ner großen Tüte Pfefferkuchen und paar selbstgemachten Pralinen beschenkt "Hior, meine Gute - ä paar Leckerli's haste dir für deine Rammelei das ganze Jahr über redlich verdient!" :w62: Die kleinen Freuden können manchmal ganz große sein, sie strahlt jedenfalls wie'n Honigkuchenpferd. Am Stammtisch siehts aus wie immer um diese Zeit vorm großen "Event", man versucht mal kurz den Einkaufswahnsinn im Bier zu ertränken und auf andere Gedanken zu kommen. Nur unserem Stammtischredner sitzen die dunklen Gedanken allzu fest im Kopf und die Meisten ahnen auch, weshalb: Dynamo und das Auftreten des spielenden Personals in den letzten Monaten. Seinen Jahresrückblick Marke Weihnachtsgeschichte wird das wohl auch mit prägen, hört also seine Worte, während die Ente in der Pfanne vor sich hin brutzelt:

      Na, wie siehts aus bei euch, in welche Läden wird euch die Holde kurz vor Weihnachten noch mitschleifen? Ich weiß ja nicht, wie das in eurer(m) Stadt, Dorf oder Siedel die letzten Tage zugegangen ist, seit Beginn der Adventszeit herrscht in der Autofahrerstadt Chemnitz quasi der Ausnahmezustand. Über 108.000 Karren sind derzeit bei uns zugelassen, von der Fahrzeugdichte her (pro 1000 Einwohner 512 Autos) stehen wir damit im Osten an Nr.1 und sind auch bundesweit ganz vorn mit dabei. Momentan haben wir nicht nur die von unzähligen Touri-Bussen, Einwohnern und Industrieglühwein-, Langos- sowie Pilzpfannenfetischisten heimgesuchten Weihnachtsmärkte in der Innenstadt, sondern auch gar wundervolle Dauerbaustellen. Fürs Zubetonieren des Stadtherzens wurde bei uns vor vielen Jahren in der Stadtverwaltung ein in Stein und Hirn gemeißelter Begriff geprägt: Innenstadtbelebung. :look: Und sie ist belebt, verkehrsbelebt: mit Staus, mit Autofahrern, die außer mitm eigenen Rechtsabbiegen vom sonstigen Verkehr oder gar Fußgängern nix am Hut haben, mit an diversen Nachmittagen arbeiterfreien Baustellen und mit einem ÖPNV, dessen "Führungskräfte" vor lauter Selbstbeweihräucherung und um keine abenteuerliche Ausrede verlegen vermutlich alles fahren - nur nicht Bus und Bahn! Eine der neuralgischsten Baustellen ist unsre alte Kaßbergauffahrt mit ner über 100 Jahre alten Brücke, seit dem Frühjahr 2018 läuft das gesamte Bauvorhaben schon, mit der Folge von hochgradig frequentierten Umleitungen auf jenes Kaßbergviertel, auch für die CVAG-Busse. Eigentlich sollte der Verkehr ab Ende Oktober wieder rollen, aber denkste: Aus der Stadtverwaltung kam der kleinlaute Hinweis, aufgrund falscher Bestandsunterlagen müssten noch "bauliche Anpassungen" erfolgen. Der nächste Termin der Fertigstellung war Mitte Dezember, wieder denkste: "Die Straßenbauarbeiten verzögern sich voraussichtlich bis März 2020. Es ist in den vergangenen Wochen zu Verzögerungen bei der Bauausführung gekommen, die zu einer Verschiebung des Bauendes um ca. drei bis vier Wochen führen." Der Grund ist diesmal, dass die beauftragten Asphalt-Mischwerke ab Mitte Dezember aufgrund der niedrigen Temperaturen naturgemäß nicht mehr arbeiten. Hat der Auftraggeber vorher offenbar nicht geahnt, dass man dafür bestimmte Temperaturen braucht. Und so wirds laut SV "erst im Februar beziehungsweise März nächsten Jahres möglich sein, die Asphaltarbeiten abzuschließen." Um noch kaum hörbar einen klitzkleinen Satz hintenranzusetzen: "Sofern nicht ein lang anhaltender Winter dazwischen kommt." ;D Äh, sacht bloß? Der heraufbeschworene Wahnsinn geht also auch "zwischen den Jahren" weiter.

      Wahnsinn, Dauerbaustelle, Unvermögen...Dynamo. Am Freitagabend tat mir der sichtlich bewegte Jungspund Ransford Königsdörffer nach seinem ersten Spiel in der A-Elf Leid, Broll und Ehlers haben mir schon die ganze Hinrunde Leid getan. Man kann vielleicht noch über die Wortwahl der etwa 3000 Fans nach dem Spiel in Nürnberg diskutieren - aber irgendwann reißt halt der Geduldsfaden und was gesagt werden muss, das wird dann auch knallhart gesagt. Wenn du über nun schon viele Jahre diesem Verein die Treue hälst, mit ihm durch dick und dünne gehst, Zeit und auch Geld opferst und die verinnerlichte Unbeugsamkeit bis ins Mark lebst, dann tut das richtig weh, so von den Leuten im eigenen Trikot Woche für Woche paar auf die Fresse zu bekommen. Und es tut umso mehr weh mit ansehn zu müssen, wie mit einer saumäßigen auch mentalen Arbeitseinstellung ein langjährig erfolgreich beschrittener Weg mehr als nur aufs Spiel gesetzt wird. Es tut weh, wie dieses weiße D auf weinrotem Untergrund und mit schwarz-gelbem Bart der Lächerlichkeit preisgegeben und sich nicht bis zum Umfallen dafür eingesetzt wird. :( Es hat umso mehr weh getan, weil man in wenigen Hochglanz-Spielen auf der großen Bühne gezeigt hat, was Leistung und Kampf bedeuten und was man zu Leisten imstande ist. Der graue Alltag hat uns danach wieder eines Besseren belehrt - sie können nicht, sie denken nicht und auch, wenn man ihnen nichts Schlechtes nachsagen sollte, vielleicht wollen ja einige auch nicht. Sondern nur dieses Trikot dieses "großen Vereins mit seinen unvergleichlichen Fans" mehr als gut bezahlt spazieren tragen. Der Abstieg ist jetzt normal und unausweichlich, er ist aber nicht der eigentliche Super-Gau. Es ist viel mehr bei uns in die Brüche gegangen.

      Was jetzt bitter nötig sein wird, ist das Umdrehen aller auch personellen Steine, im Kader und der Führungsetage. Ich wage mal die Prognose, Ralf Minge hat für sich selbst schon ne Entscheidung getroffen und es geht im Grunde nur noch um den Zeitpunkt seiner Demission. Ja, er ist Kraft seines Amtes der Hauptverantwortliche, ich weigere mich aber standhaft, ihm die alleinige praktische Hauptschuld des Ganzen anzulasten. Wir haben meiner Meinung nach vielmehr ein ausgewachsenes Scouting-und Kaderplanungsproblem, sowohl in personeller Verantwortung, als auch in der ideologischen Umsetzung. Und genau dort sollte zuallererst angesetzt werden, wir brauchen Spieler mit Gift und Galle, mit geistiger und spielerischer Reife, keine Mitläufer, sondern Antreiber. Und dafür brauchen wir erstmal einen geeigneten Verantwortlichen. Und ausgerechnet ein Blick in Richtung unserer Klette (die wir wahrscheinlich selbstverschuldet bald los sind) zeigt uns ein erfolgreiches Zusammenspiel von Wille und auch Können. Und eine überaus wirkungsvolle Ansprache. Dass Spieler von uns dort angeheuert haben, kann man beschissen finden - tu ich ja auch - aber sie haben es nicht grundlos getan. Und wenns, wie aktuell nachm 3. Aufguss in der Sauna ne Vertragsverlängerung per Handschlag mit dem großen General ist. Und das Beschissene ist, sie zeigen Leistung...und das in nem echten Team. Selbst das fehlt uns bei soviel Kapitänen und wenig vorhandener Hierarchie. Es wird sich bei uns Einiges verändern müssen und ich bin gespannt, wie Kauczinski ab 3. Januar diese Truppe sowohl personell, als auch im Auftreten neu aufstellt. Und welche Signale die sportliche Leitung in dieser kurzen Pause hinsichtlich der Kaderplanung auch für die kommende Saison sendet. Minge sollte meiner Meinung nach aber unbedingt in unserem Laden bleiben - nur in ner anderen Funktion. Er wird auch weiter gebraucht.

      Ein erniedrigendes und demoralisierendes Weihnachtsgefühl, was unsereins in dieser Form über all die Jahre mit Dynamo noch nicht hatte. Einwas Gutes hat das alles: Schlechter kanns nun nicht mehr werden, nur noch besser und damit mein' ich nicht mehr die nicht lügende Tabelle. Hach - und nochwas Gutes...Mensch Chefin, wie das duftet! Meine Ente wartet aufs Verhaftet zu werden. :essen: In diesem Sinne - ich wünsch euch allen ein schönes Weihnachtsfest, überfresst euch nich und kommt gut ins neue Jahr. Mit dem Beginn der als Rückrunde getarnten dynamischen Abschiedstournee hat unser Stammlokal dann wieder geöffnet. Jetzt gönnen wir aber auch erstmal unsrer Wirtin paar Tage Winterpause, Prost Chefin! Und so kann man zum Schluss nur noch sagen - Ente gut, alles gut. Hoffentlich auch irgendwann mal wieder bei Dynamo.

      Schönen 4. Advent und Frohes Fest, euer Herzblut. :w2: :w82:
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    • Herrje, Bruder im Geiste, hast du dich etwa immer noch nicht emotional für den Rest der Saison von diesem Sauhaufen von Leistungsverweigerern entkoppelt? Klar, ganz geht es nicht. Mir gelingt es zumindest seit einigen Wochen, dass die Auftritte und Ergebnisse nicht mehr sind als Nadelstich. Ich fluche dann einmal herzlich drüber, siehe meine Beiträge nach den Spielen in unseren Spieltagsfred und dann ist wieder gut. Dass es mir tagelang die Laune verhagelt hat und man tief frustriert dann auch noch früher oder später das an seinen Mitmenschen (die nix dafür können) auslässt ... Nee, will ich nicht.

      Interessant finde ich, wie sich die Masse unserer Fans entschieden hat, mit der sportlichen Situation umzugehen. UD und ihr Dunstkreis schläfern sich und ihre Umgebung regelmäßit ein oder schunkeln munter zur nächsten Niederlage sich selbst. Pfiffe und Buh-Rufe, die diese Mannschaft eigentlich nach meiner Ansicht am meisten verdient hätte, gibt es fast gar nicht. Nein, die Masse der Leute macht einfach nichts. Desinteresse. Einfach schweigen. 5 Minuten vor Abpfiff bereits aus dem Block raus, insbesondere auswärts. Setzt sich das so fort, ist das Stadion Ende der Saison dann schön leer, Zuschauerzahlen unter 20000 usw..

      Und ich finde auch diese Reaktion gut so! Denn jeden Einzelnen, der bspw. vorgestern in Nürnberg in diesem Gästeblock stand, haben unsere Rasenkasper nicht mehr verdient!

      Was für die restliche Saison passieren muss, darüber wird an allen Ecken und Enden der dynamischen Welt ja weitestgehend die gleiche Meinung vertreten. Es passiert jedoch leider genau das Falsche. Minge muss weg von diesem Posten, dazu Walter gleich hinterher, da sind sich alle einig. Zumindest Mingus wird das auch machen, aber so wie aussieht leider nicht jetzt, sondern erst Ende der Saison. Er wird wohl seinen Vertrag nicht verlängern. Und den Mumm, ihn zu demontieren, hat erwiesenermaßen niemand im AR.

      Dummerweise wird damit nun genau das gemacht, was uns nicht nur nicht helfen wird, sondern für die kommende Saison sogar schadet. Millionenbeträge für Neuzugänge ausgegeben, am Besten noch nur mit Vertrag für Liga 2 und mit Ablösesummen, wenn wir runtergehen sind die Spieler sofort wieder aus ihren Verträgen raus ... usw.. Wenn ich alleine daran denke, wieviel Kohle uns bei Koné flöten gehen wird, falls er nicht in der Winterpause doch noch verscherbelt wird ... Unser 1 Minute nach Abpfiff mit perfekt sitzender Frisur in die Kamera labernder Kapitän, "wie unter aller Sau" die Leistung doch gewesen sei, hat übrigens leider auch für Liga 3 einen gut dotierten Vertrag ...

      Umso mehr interessiert mich nun, was in Liga 3 so passiert. Das Duisburg hochgehen wird, deutet sich ja an. Der 2. Aufsteiger darf dann gerne Audihausen sein. Eine fanlose Kommerz-Retortenbude weniger, mit der wir uns auseinander setzen werden müssen kommende Saison. Wird sowieso lustig, wenn wir uns gegen die nur durch den Finanztropf von Mäzenen oder Investoren am Leben und in Liga 3 gehaltenen Truppen auseinander setzen werden müssen, Uerdingen, 60, Lautern, ...
      Pivotechnik ist kein Verbrechen! :drink: :bierkruege:

      - SG Dynamo Dresden
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      Jedem Tierchen sein Pläsierchen oder wenn die Gerichtsakte nach Fürzen riecht

      Eine immer mal wieder vorm Stammlokal rumschleichende hellbraune Katze tut ihr Bestes, um unser Herzblut vom Reingehen abzuhalten. Und er wird schwach...und schwächer...und es ist ein Gekraule und Geschnurre, die Katze sucht sich halt doch den Menschen aus. Irgendwann hat sie aber genug und unser Poet betritt mit schlagartig beschlagender Brille den Ort des sonntäglichen Geschehens. "Ich weeß gar nich, ob man das noch sagen darf - jedenfalls Gesundes Neues euch allen, mögen die Erbschaften und Lottogewinne nur so über euch kommen!" Unsre Wirtin begrüßt ihn feixend und meint: " Da sachste was, gestern wieder nüschd gewonn' und mein Herd liegt in den letzten Zügen, dei Bier wird ab sofort än Fuffzscher teurer, hihihi." Der Stammtisch wartet nach den diskussionslosen Wochen schon sehnsüchtig auf des Herzbluts geistige Ergüsse und man befiehlt ihm, vorm Essen erstmal seine Katzenfellpfoten zu waschen: "Mior ham dich Schwerenöter draußen schon gesehn, uns entgeht nüschd hior!" Als er wiederkommt, steht schon das erste 2020er Bier aufm Tisch und immer noch in Gedanken bei dem Stubentiger von vorhin hat er auch gleich den passenden Einstieg fürs diesjährige Stammtischpalaver.

      Ich hatte ja im März letzten Jahres von diesem Kater Siggi berichtet, der von seinem Frauchen nix mehr groß wissen wollte, sondern als freier Katzen-Bürger lieber durch die Gegend stromerte und sich auch bei nem angrenzenden Pflegedienst paar Streicheleinheiten abholte. Die Polente kam, Siggi ging feixend-miauend, ihr erinnert euch. Auch an die Besitzerin, die nichts unversucht ließ, der Pflegedienstleiterin ne juristische Lampe Marke "Freiheitsberaubung tierischen Eigentums" zu bauen. Es gab einen Strafbefehl wegen offiziell "gemeinschaftlicher Unterschlagung", gegen diesen legte die Pflegedienstleiterin Widerspruch ein, vor 14 Tagen wurde diese Posse nun vorm Amtsgericht Aue verhandelt. Der damit befasste Richter gab dabei dem Antrag der Staatsanwaltschaft statt und es wurde eine Strafe von 30 Tagessätzen zu je 60€ angeordnet. Der Anwalt kündigte umgehend Berufung an "Meiner Mandantin konnte nicht nachgewiesen werden, dass sie den Kater eingesperrt hat. Da gibt es keine Beweise." Es gäbe zwar ein Foto ihres Vaters mit Siggi, das Urteil einer gemeinschaftlichen Unterschlagung wäre aber Sippenhaft. Fortsetzung folgt...nur nicht für Siggi selbst: Ihm wurde mittlerweile von seiner ach so um ihn sorgenden Besitzerin der Status eines Freigängers genommen und er darf als ihr Gefangener nicht mal mehr vor die Tür. :(

      Auch nicht vor die Tür sollten unsre tierischen Freunde, wenn sie irgend ein kleines oder großes Wehwehchen plagt. Das heißt, nur in Begleitung des zweibeinigen Frauchens/Herrchens, wenns zum Onkel Tierdoktor geht. Welcher dann nicht zu knapp die Hand aufhält, is noch mal ein Thema für sich. Und wenns gar nich mehr geht und das lahmende Pferd bzw. die Euter-endzündete Kuh partout nich im Wartezimmer Platz nehmen wollen, na dann muss eben der Tierarzt im heimischen Stall vorbeischauen. Ab und an brauch auch so ein Weißkittel bissl Weiterbildung und Fachsimpelei und dafür gibts seit 1998 aller 2 Jahre den Leipziger Tierärztekongress, mittlerweile ist das der größte Kongress seiner Art im deutschsprachigen Raum. Vom 16.-18. Januar fand er nun also zum 10. Male statt, er stand unter dem Motto "Bitte geraderücken: Das Bild des Tierarztes in der Öffentlichkeit", Mitveranstalter war auch diesmal die Leipziger Uni. Mehr als 6.200 Veterinärmediziner folgten dem Ruf und in mehr als 20 Themengebieten sowie 500 Kursen und Vorträgen laberten über 500 Referenten aus 15 Ländern, bis es auch Rind, Katz und Pferd schwindelig wurde. Damit nicht genug: Zusätzlich gabs die spezielle Industrieausstellung "vetexpo" mit 283 Ausstellern (34 ausm Ausland) und ne neu geschaffene Jobmesse für Tierärzte, die auf den wohlklingenden urdeutschen Namen "Career Corner" hört. :balla:

      Wollt'er mal paar Beispiele für die hochspannenden besprochenen Themen haben? Gut, da will ich mal - es gab u.a. einen Vortrag "Chronischer Nasenausfluss – es ist nicht immer Katzenschnupfen", die Therapie von Verhaltensstörungen bei Papageien, Mehrkatzenhaushalten oder bei Kastrationen von Hund und Katze. Regen Zulauf fand wie zu hören auch das Programm "Die Dresdener Tierarzneischule und Sachsens Pferde im 19. Jahrhundert" und beim später im heimischen Stall ausgewerteten Vortrag "MRT Diagnostik und Therapie des Fesselgelenkes" hat vermutlich so mancher Ackergaul begeistert mit den schmerzenden Vorderhufen geklappert. ;) Sehr interessant war auch die Thematik "Gesunde Klauen - gesundes Rind." Als ich das gelesen hab, dachte ich erst "Ohoo, die sind aber mutig. Sprechen die auch gleich den in Leipzig geklauten Fußball durch diese Ösi-Rinder mit an, horr!" Stellte sich leider als Trugschluss heraus, es ging nur um die tierischen Rennsemmeln und deren Erkrankungen. Ins Grübeln kam ich auch beim Thema "Operationstechniken bei Schildkröten", wie kriegen die das schnappende Vieh ausm Panzer und offn OP-Tisch? Und muss sie vorher der Weitergabe ihrer Gesundheitsdaten zustimmen und vor allen Dingen - Wie? All das wurde schlussendlich in "Datenschutz in der Tierarztpraxis – Erfahrungen mit der Datenschutzgrundverordnung in der täglichen Arbeit" besprochen.

      Ein Thema find ich zumindest im Nachgang (auch wenns formell nur 10 Minuten plus 5 Minuten Diskussion angesprochen werden sollte) das Spannendste: "Waschbär - spezielle Rechtsaspekte für ein spezielles Lebensmittel". Dort, wo er herkommt, also in Kanada und den USA, gibt er ja öfters auch nen guten Festbraten ab. Und nun gibts auch hier die Überlegungen, diesen widerrechtlich eingewanderten und allein letztes Jahr in Sachsen mehr als 15.000 Mal abgeschossenen Plagegeist auf so manche Speisekarte zu setzen. Vor paar Jahren gabs das in ner Leipziger Gaststätte schon mal, mit dem Ergebnis - es schmeckte gut, leicht nach Wild und die Kneipe wurde von besorgten "Tierschützer-Bürgern" mit nem astreinen Shitstorm und ner Online-Petition überzogen. Seine Plünderung der Brutnester vieler einheimischer und geschützter Vögel und somit deren schleichende Ausrottung war und ist da erstmal zweitrangig - er sieht doch sooooo süß aus! Im Veterinärmedizinischen Institut wurde nun die Eignung des Fleisches als Lebensmittel untersucht und für gut befunden. Also her mit dem Braten, ich will das Fleesch in der Pfanne zucken sehn, mit nem guten Bier wird abgelöscht :essen: und wenns dann Blähungen gibt...

      ...muahahahaaa Blähungen, das muss ich euch zum Schluss noch erzählen, besonders den evtl. noch nichtsahnenden Auswärtigen hier. Ihr kennt doch vielleicht auch das Sprichwort - Aus einem verzagten A... kommt kein fröhlicher Furz. In Leipzig gabs irgendwann im November letzten Jahres mitten in der Nacht ein hochgradig gutgelauntes Hinterteil. Am Connewitzer Kreuz kam ein Polizeiauto des Weges, ein paar Herrschaften gingen wohl grad spazieren und einer von denen begrüßte die blaue Minna mit 2 erhobenen Mittelfingern. Die Freunde und Helfer stiegen bei soviel Winkewinke aus, einer von ihnen war ein Kommissar und der nette Mann mit seinen steifen Mittelfingern wurde erstmal einer Kontrolle zugeführt. Soweit, so gut...ihr kennt doch Falco's "Kommissar", vielleicht seid ihr ja so textsicher wie ich: "Drah' di net um, oh oh oh. Schau, schau, der Kommissar geht um, oh oh oh. Er wird di anschaun und du weißt warum. Die Lebenslust bringt dich um." Und unser Fingerzeiger kennt offenbar so jedes Punkliedl, nur Falco ist ihm komplett fremd. Denn was macht die Fachkraft? Dreht sich vorm ernst dreinschauenden Kommissar um und lässt seiner blähenden Lebenslust mit ordentlich Geknatter freien Lauf! ;D Der Kommissar nebst Gefolge bekamen Schnappatmung, die Tränchen stiegen in die flatulierten Äuglein und nach nem willkommenen Luftzug frischen Leipziger Nachtwindes fertigten sie ne Anzeige, weil für sie der Tatbestand der Beamtenbeleidigung gleich zweifach verwirklicht war. Nun muss sich unser Furzkasper also verantworten, ein Anwalt hat nun die ehrenvolle Aufgabe, sich mit dem stinkenden Fall zu befassen. Der Strafvorwurf "... sollen Sie in Richtung eines Polizeibeamten flatuliert haben" kam ihm nach eigener Aussage jedenfalls noch nicht unter: "Ein unglaublicher Fall, wir werden erst mal Akteneinsicht beantragen." Auf den Ausgang und das evtl. Strafmaß darf man gespannt sein, vielleicht darf unser Knattergeselle dann ein Jahr keine Hülsenfrüchte mehr essen. Alles klar, Herr Kommissar? :D

      In diesem Sinne, lasst euch die Erbsensuppe schmecken und schönen Sonntag. Euer Herzblut :winke:
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