Auf ein Bierchen mit Herzblut - der Sonntagsstammtisch

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    • Auch Höflichkeit ist eine Tugend - vom Alter bis zur Jugend

      "Mensch, gudn Daach heeßt das, wenn Erwachsene in ne Gaststätte kommen - de Gusche fällt von alleenä wieder zu!" Unser Herzblut stutzt beim Tür aufmachen ein gelangweiltes junges Ding mit aufgerissenen Jeans zurecht, weil sein gut gemeintes "Hallo" absolut keine Erwiderung finden wollte. "Du, solche Jeans, die hatten schon Oma und Opa in den Achtzigern an, geil nor Aldor?" Die junge Dame hats nich kapiert und wendet sich auf der Treppe wieder ihrem Smartphone zu. Das Stammtischgelächter lässt bei der Szene nicht lange auf sich warten und auch unsre Wirtin kichert "Du kannst's ähm nich lassen, immer lässt du zum Sonntag een gucken!" Man begrüßt sich lachend, das Bier steht schon auf der Bestellliste und beim geübten Blick auf die Tageskarte weiß das Herzblut sofort, heut gibts bei ihm Wellfleisch mit Weinkraut und Klößen in Meerrettichsoße. Sein Klopfen auf den Stammtisch bleibt auch heute nicht ohne wortgewandte Umrahmung "Einen wunderschönen Sonntag, mein hochverehrtes Stammtischpublikum, ich wünsche dann wohl zu Speisen." Einige erschrockene Blicke folgen "Was'n mit dir los, haste heut schon paar Bier gesoffen oder warum hast'n so'n Zierschnauzenkrampf?" Er ruft kurz zur Wirtin "Hior, die kriechn heute nüschd, die sin überhaupt nich höflich, gnihihie!" :D Und bei höflich:

      Diese Woche hatte ich wieder volles Programm auf Arbeit - die Kinder sind wieder in ordentlicher Klassen- und Kindergartengruppenstärke über mich gekommen. Je kleiner die Wänster, umso herzerwärmender wirds meistens, so auch diesmal. Die Höflichkeitsformen aus längst vergangenen Tagen kamen wieder gut an, auf mein "Gudn Morschn, liebe Kinder!" zauberte man mir mit "Gudn Morschn, Herr Lehrer!" sowas wie Musik in die herzblütigen Ohren. Nicht wenige staunten, was bei deren Ticktack-Oma's und Opa's (Uroma und Opa, Anmerkung der herzblütigen Redaktion) alles an Etikette und Benimm so richtig cool war und was die damals auch alle von ihren Eltern so mitbekommen haben. :afi: Angepinselte Fingernägel gabs da ebensowenig, wie Kaugummi kauen oder im Unterricht dauernd aufn Lokus rennen, nur Grade und Stille sitzen und nur den Mund aufmachen, wenn man gefragt wird oder ne Antwort geben möchte. Und wie meistens gabs das größte Erstaunen, als ich denen mit auf den kindlichen Weg gab, dass es vor 100 Jahren keine Mama und kein Papa gewagt hätte, in die Schule zu gehen und sich wegen ner schlechten Note zu beschweren oder gar um extra Kurzvorträge zu betteln, damit die Abschlussnote dann doch fürs zur Ramschware degradierte Gymnasium reicht...

      Ich will heut mal einem kleinen Jungen ein Denkmal setzen, was er sich mit seiner kindlichen Neugier und dabei so herzerfrischend ehrlichen Höflichkeit gegenüber Erwachsenen auch mehr als verdient hat. Er ist ein echter kleiner Sonnenschein und immer, wenn er mit seiner Mutter den Bus betritt, geht die Sonne auch am Abend auf und du vergisst komplett den tagsüber erlebten Stress. Dies immer mit dem möglichst gleichen Procedere: Sein Stammplatz ist in der ersten Reihe rechts, mit freiem Blick durch die Frontscheibe und dem fahrenden Personal mit dem hochinteressanten Arbeitsplatz links. "Hallo, gutn Tag Busfahrer" oder sowas in der Richtung - der Junge beginnt seinen Flirt immer mit der ihm anerzogenen Höflichkeit. Und keine Busfahrerin oder ihre männlichen Kollegen können diesem kindlichen "Grießä" widerstehn und ab da geht auch mir als genießendem Augen- und Ohrenzeuge regelmäßig das Herz auf. So wie auch letzte Woche: "Duhu Onkel, wie lange fährstn du heut noch mit deinem Bus?" Na wird er...ja er wird und lächelt den Kleinen kurz von der Seite an "Ich fahr noch ne ganze Weile und wenn ich Feierabend hab, dann schläfst du schon längst." Die Konversation nimmt ihren Lauf...

      Auch bei meinen Schülern achte ich grundsätzlich auf gewisse Umgangsformen und Höflichkeit. So sollte es ja auch in ihrer richtigen Schule sein und sowohl sie, als auch die Lehrer haben was davon. Pünktliches Erscheinen in relativ schulgerechten Klamotten, Mützen, Basecaps oder Kapuze ab, eine obligatorische Begrüßung, Melden vor der Antwort und nicht nach 5 Minuten den Kopf auf die Schulbank fallen lassen, weil am Vorabend mal wieder ewig lange Gedaddelt wurde. Wenn ich allein dazu die Berichte einiger Kinder über die Gepflogenheiten der Elternhäuser höre, dann stehn mir regelmäßig die nicht mehr vorhandenen Haare zu Berge. Von den Schmink- und Fingernagellackierorgien ganz zu schweigen...

      "Machst du dann an der Endhaltestelle erstmal Pause?" Der Mutter ist das jedesmal sichtlich peinlich und jedesmal gibts dennoch ne strahlende Antwort aus der Kanzel "Nö, so lange kann ich gar nicht Pause machen, muss nach 10 Minuten weiterfahrn, weiß du..." Derweile steigen paar andere Kinder mit ihren Eltern ein und man belöffelt sich Generationenübergreifend mit "Eh, du bist doch behindert...Nee, du bist behindert!" Der Junge nimmt vorne davon wenig Notiz, gibt Wichtigeres: "Und wenn du Pause machst, hast du da auch was zum Essen und Trinken?" Jetzt wirds spannend, trotz des Lärms hinten im Bus steigt die Anzahl der Zuhörer in unmittelbarer Nähe leicht an "Jahahahaa, ich hab meine Schnitten immer dabei und dazu trink ich nen warmen Kaffee...und du, was gibtsn bei dir heute Abend?"...

      Wenn ich bei manchen Schulen mitbekomm, was es da auch ernährungstechnisch für aberwitzige Gepflogenheiten gibt...mich hätte man in meiner Schulzeit des Klassenzimmers verwiesen, wenn ich mitten im Unterricht angefangen hätte zu Essen oder zu Trinken. Wobei Letzteres gar nicht erst infrage kam, Getränke wie man sie heute bei den Kindern mitgeschleppt sieht, waren bei uns tabu. Fragt mich doch ein Schüler diese Woche "Wann darf ich denn endlich was trinken?" Erschrocken wie ich war "Was jetzt im Unterricht, darfst du das in deiner Schule auch?" Die nickende Antwort bereitet mir Tage später auch noch heute Kopfzerbrechen. :stoehn: Ich sehs ja ein, wenns dafür auch gesundheitliche Gründe gibt, aber das soll auch sonst normal sein - ein Lehrer unterrichtet, stellt ne Frage und die packen lieber ihre Bemmen aus und nehmen nen tiefen Schluck? Ordnung und Sauberkeit sowie soziale Umgangsformen im Klassenzimmer, Respekt vor dem lehrenden Personal, die ihm aufgehaltene Tür...wo bitte ist die Zeitmaschine mit dem Rückwärtsschalter?...

      "Mama, was essen wir heute Abend? Und Onkel, fährst du morgen auch wieder den Bus hier, seh ich dich dann wieder?" Der Großteil der Kinder ist mitsamt deren Eltern im Bus meist von ganz anderem Kalliber. Ich kam mir auch an jenem Abend vor, als wär ich in der Endabnahme einer Kreissägenfabrik oder bei Deutschland sucht den Super-Smartphoner gestrandet. Und deren Kinder waren nich viel anders! Aufstehn, wenn alte Leute in der Nähe sind - is nich. Sich an diese wundersamen Bildchen mit den durchgestrichenen Flaschen und Pommes-Tüten an der Buswand halten - war auch diesmal nich. Einfach mal die Gusche halten oder zumindest einer gesitteten Phonetik fröhnen - nicht bei dieser selbsternannten "Behinderten"-Armada mit ihren zurechtgebastelten Freiheiten. Die Mutter unseres Kleinen schüttelte nur mit dem Kopf und es trafen sich mit mir ein paar Blicke, die das Gleiche dachten. :nuke: Eine einzige Katastrophe, wie viele heute mit ihrem bis zur Anarchie vergewaltigten Erziehungsauftrag unterwegs sind und dabei Schritt für Schritt gesellschaftliche Normen in die Tonne kloppen. Diese abendliche Busfahrt war wieder mal ein Paradebeispiel dafür. Die Mutter nahm ihren Kleinen an die Hand, er rief dem Fahrer nochmal "Tschüssie" zu und wie immer gabs draußen ein Winkewinke zwischen Fahrer und ihm. Er war auch an diesem Abend mal wieder das so ziemlich einzige normale Kind im Bus, freundlich und wissbegierig, gut erzogen und er wird zurecht dafür gemocht. :umarm:

      Der Junge mit seiner fürsorglichen Mama an der Hand geht mit Trisomie 21 durch sein Leben.

      Ich wünsch euch einen schönen Sonntag und trink auf euer Wohl. Prost, euer Herzblut. :bierkruege:
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    • Von den Freuden echter Hirnis

      "Oahr, wie das duftet, da leeft ehm ja dor Saft in dor Gusche zusamm'!" Das Herzblut wetzt schon draußen vor der Tür beim Anblick der Tageskarte und den Gerüchen von drinnen innerlich sein sonntägliches Kampfbesteck. "Oh du meine Virtuosin an Topf und Tresen - sach bloß, du hast frische Pilze zum Sauerbraten heute, das riech ich dor bis hierher!" Hat 'se unsre Wirtin, hat'se und sie freut sich, dass die Überraschung gelungen ist. "Grüß dich, ja die hamwer heut früh in ner guten Stunde gesammelt, wenn bloß die elende Putzerei nich wär." Die Essenswahl wär also für heute schonmal geklärt, der Stammtisch hält sich auch schon wieder in froher Erwartung an den Biergläsern fest und am Nachbartisch übt die jüngere Generation derweile die Feinmotorik beim Smartphonewischen. Es kommt bei dem Anblick alsbald die Diskussion auf, wie genial es doch wäre, wenn das Mittagessen Zuhause in Zukunft eine App kochen könnte, inkl. Bedienung und Aufwasch. Das Herzblut stöhnt für alle hörbar auf "Hört mior bloß mit dem App-Käse off, ich hab da vor paar Tagen wieder nen Streifen erlebt..."

      Am Mittwoch hat mir mein Mutterherz wieder "frei" gegeben und so binsch nach der Arbeit in den Garten. Und wie's meinem Vater früher auch immer mal wieder ging (und wir uns öfters aufs seine Kosten vorzüglich drüber amüsiert haben), so traf auch mich mal wieder der Fluch: Schlüssel ins Schloß vom Gartentor, aufschließen, Tor hinter dir zuknallen - und es fängt an zu schiffen. Die 10 Meter bis zur Laube waren begleitet von zum Sonntag nicht auszusprechenden Flüchen und etwas dickeren Halsschlagadern. Laube auf, Wasserkocher an, erstmal ä Käffchen zur Beruhigung. Ein geübter Griff zur Keksdose :was: ...verf...Sch...wer hat meine Kekse angefressen? Unbestätigten Berichten zufolge haben sich die Mäuse vor Lachen eingepinkelt. Na da ähm nur das Stück mitgebrachten Unterleibskuchen - na ihr Nager, wer lacht nu zuletzt? Ein Blick nach draußen, der Regen hörte auf, an die eigentlich zu erledigenden Dinge war aber nicht zu denken. Weeßte was Herzblut, ziehste deine Gummistiefel an, schnappst dir deinen alten Pilzkorb und machst am Hintereingang zur Gartenanlage ne Gugge in den Wald.

      Das war DIE Idee der Woche, in nicht mal einer Stunde war der Korb voll. Der Waldboden ist noch warm, durch den Regen dampfte es - und die Pilze kamen quasi wie von alleine und regengeputzt aus dem Boden. :hurra: Rotkappen, Birkenpilze und vor allen Dingen Steinpilze (davon nicht einer wurmig) und jede Menge kleine Maronen durften die kurze Reise in den Garten zum Putzen antreten. Und wie jedes Jahr gabs auch diesmal Pilze, wo du grübelst - kannste den öfters essen oder nur einmal? Mal bissl was für die mykologische Bildung nebenbei: Der Fliegenpilz hat seinen Namen nicht, weil er wie derzeit wunderschön anzusehn, in Schwärmen quasi ausm Waldboden fliegt. Und schon gar nicht, dass man nach seiner Verköstigung in bewußtseinserweiteren Sphären schwebt. Neenee, als es vor Jahrhunderten noch keinen Kühlschrank gab, haben die Leute ihre Lebensmittel ja mitunter in Kammern und Löchern unterm Haus gebunkert, was ja auch Fliegen anlockt. Und clever, wie man damals war, hat man im Herbst Pilze gesammelt, einen Sud davon gekocht und diesen in Schälchen einfach aufs Fensterbrett gestellt. Die Fliegen sind wahrhaft "drauf geflogen" und dran zugrunde gegangen und die Pilze hatten ihren Spitznamen weg.

      Nun gibts da ja auch "Waldbesucher", die sowohl vom Wald im Allgemeinen und den Pilzen im Speziellen sagen wir mal vorsichtig nur einen sehr begrenzten Horizont haben. Und solche Prachtexemplare durfte ich mitten in meinem Pilzvergnügen auch noch erleben. Schon von Weitem ein Geschrei, dass die ersten Maronen sich vor Schreck unter ordentlich viel Laub versteckt haben. Und dann kamen sie - Mann, Frau und 2 vermutlich noch nicht allzu oft im Wald gewesen seiende Kinder im Grundschulalter. Und sie kamen in ökologisch speziellen Mainstream-Markenklamotten und sie kamen mit...Plastebeuteln...jene Errungenschaften, gegen die sie dann 2 Tage später wieder demonstriert haben. |-) Sie kamen ohne Pilzmesser, alles wurde gleich mit Laub und Erde rausgedreht und in die Beutel gesteckt. "Mama, hier is schon wieder einer, können wir den auch essen?" Und dann passierte was, dass mich 9 Birken und 2 Rotbuchen weiter fast ausm Gleichgewicht brachte und ich mich erstmal auf nen Baumstumpf gesetzt hab. Diese Mama zückte ihr Smartphone und begeisterte ihre Familie mit einer Pilz-App. Ja, einer Pilz-App! :balla: Und die scheinen mittlerweile auch wie Pilze ausm Netz zu wachsen. Also mal ehrlich: Für nen regelmäßigen Pilzgänger oder fortgeschrittenen Auskenner hat das durchaus auch ne unterstützende Daseinsberechtigung. Jedem Frischling aber kann ich davon nur abraten: Bei den Röhrlingen ist es ja noch realativ überschaubar, die Lamellenpilze haben aber mitunter derartig täuschend echte "Doppelgänger, dass mir meine Gesundheit dabei vor geht. Anderen offenbar in ihrer Blauäugigkeit nicht, denn wie ich letzte Woche im Bayerischen Rundfunk sah, war die Intensivstation der Uniklinik Regensburg schon Anfang des Monats sehr gut besucht. Und alle, weil sie die Pfoten nich vom Handy bekamen und einem digitalen "Helfer" mehr vertrauten, als nem Pilzberater, der halt nicht gleich am Waldesrand seinen Wigwam aufgeschlagen hat. Nee, ich komm gar nich drüber weg...Plastikbeutel UND Pilz-App...und das zum 50. Jahrestag des legendären Beatles-Album "Abbey Road", da wendet sich ein jeder Pilzkopf mit Grausen. Wenns denn wenigstens ne Pils-App gewesen wär...

      ...das Bekloppte daran ist, auch die gibts und noch viel Nutzloseres fürs Smartphone obendrauf. Es kann ja sehr hilfreich sein, du bist unterwegs und suchst an deinem Ankunftsort irgendwas Einheimisches in Sachen Gerstensaft. Mittlerweile solls dafür auch schon die eine oder andere ganz passable App geben, die dich zielgerichtet an die richtige Flasche führt. Aber, was man mir diese Woche dann noch beim inteessierten Nachforschen im Netz zeigte, das lässt mich in den Wahnsinn abdriftend und fassungslos zurück - eine "Virtuell Beer Simulation"! :stoehn: Himmel, dass da manche Zeitgenossen ihr Handy als Grundnahrungsmittel betrachten und dessen Inhalt regelrecht fressen, ist ja allseits sichtbar. Aber jetzt auch noch aus ihm saufen - Hirnrissiges für Hirnis, als App. Und es gibt schier keine Grenzen: Einen Grillsimulator oder auch nen Dönerspieß zum virtuellen Selberdrehn...ein Kuheuter, was auf Schnelligkeit gemolken werden will..eine Handwärmer-App, die den Handy-Prozessor derart auslastet, dass dir warm an den Batschehändchen wird...ein virtueller Rasierer, der schön brummt und vibriert und du siehst nach 3 Tagen trotzdem aus, wie der Stülpner Karl nachm Gepäckmarsch. Sollte mal der Handy-Akku fast leer sein, auch dafür gibts Apphilfe und man kann sich dann mit Leuten schreiben, bei denen das genauso ist. Wer hatte nicht schon mal seinen Spaß am Luftpolsterfolie ausdrücken - selbst das kannst du per App. Und so richtig fürn Arsch wirds mit dem Po-Keeper, dort erfährst du bei dem, was da hinten bei dir rauskommt sehr genau, was das letztendlich über dich aussagt. Wenn das dann erledigt ist, mit der Toilet Paper-App kann man in Höchstgeschwindigkeit die Rolle abrollen und hat nich mal was rumliegen, so wie in der Realität bei "Danke", "Happy End" oder der guten "Regina".

      Was soll man dazu noch sagen? Als ich mir das alles mal näher durchgelesen hab, kam grad im Radio, dass doch allen Ernstes diese Präkariatsheulbojen von TicTacToe wieder in die Mikros flennen und irgendwelche Bühnen zweckendfremden wollen. Und dass es dafür noch keine App gibt, die das vollumfänglich verhindert, sondern nur eine fürs abzurollende Lokuspapier - also das find ich so richtig schi-schi-schi-schi-schi-schi-scheiße! Ja und dort wo das alles rauskommt, also am Eingang dieser Sohle ähh Körperöffnung lass ich passend zum heutigen Tag nochmal die Pilzköpfe mit ner neuen Version von Yellow Submarine singen: :zugabe: "Schiebt den Schachtern die Hämmer in den Arsch, Hämmer in den Arsch..."

      In diesem Sinne, ich ap(p)ologize mich für heute so manch ungehörige Wort zum Sonntag und wünsch euch einen schönen Selbigen. Euer Herzblut :ohje:
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    • Oma's Hausmittel gegen Veisalga waren doch die Besten

      "Hior meine Kleene, kannste ma bissl leiser deine Kastanchn offlesen und nich wegen jeder so rumschrein? Dor Onkel hat näm'ch Kopfweh..." Das Herzblut bahnt sich seinen Weg zum Eingang unsrer Stammkneipe und umkurvt zielsicher die rumliegenden Kastanien und ihre Schalen. Dass heißt fast, also eine hat sich unter nem großen Blatt versteckt, er rutscht drauf aus und kann sich vorm auf die Fresse fliegen grad noch so mit nem Rest sportlicher Gewandheit am Geländer festhalten. "Fordammisch, das fehlte heut noch, dass'sch mior de gudä Hose einsau!" Begleitet von Kindergekicher entschwindet er im Lokal. Sein erster Gang gilt wie immer unsrer Wirtin, nach ner kurzen und herzlichen Begrüßung steckt er ihr mal wieder eine seiner geheimnisvollen CD's zu und flüstert ihr was ins Ohr. Sie nickt und wischt sich dabei ein Tränchen aus den Augen "Willst du das wirklich heute...?" Er nickt "Ja, das muss heute einfach sein." Am Stammtisch klärt er sogleich die Fronten "Wenn mich heute eenor anschreit, da wär'sch ietzsch. Gestern hatt'sch Klassentreffen und irgend ä Bier muss wo ordentlich Umdrehungen gehabt ham, ich hab än Nischl dran...kannste kee'm erzähln!" Nach der Ansage wird ihm zu Ehren die Stammtischbegrüßung heut etwas lauter - die Sausäcke wissen halt ganz genau, was zu tun ist. "Mensch, macht mich ni so ferdsch hior, ich hab Veisalga..." Das Gelächter nimmt kein Ende "Du altes Ferkel, von deinen intimen Problemzonen wolln'wer gar nix Näheres erfahren, Veisalga heeßt das also bei dir, muahahaha...." ;D Er kämpft sichtbar gegen feixende Windmühlen: "Nu hört ma wieder off zu Lachen...gnihihie...iohr sollt offhören, wie soll ich mich denn hier offs Wesentliche konzentriern, horscht nor ma zu hior!"

      Wenn einem die Rübe nach nem feucht-fröhlichen Abend wie zu erwarten brummt und du hast so ein perestaltisches Nach Oben-Gefühl im Bäuchl, dann spricht man land- und dorfläufig von nem ordentlichen Kater. Gibt dagegen so paar Hausmittelchen, manchmal auch die Tablettenkeule und außerhalb der Apotheke wohl auch ein Wundermittel namens "Anti Hangover Shot" und den "Anti Hangover Drink", was in Pulver- und flüssiger Form angpriesen wird. Man wirbt damit, dass die Katz erst gar nich kommt, es wäre "Natürlich bei Kater" und "Mit unserem Anti-Hangover-Drink führst Du Deinem Körper natürliche, antioxidative Pflanzenextrakte, Elektrolyte und Vitamine zu". :vogelzeigen: Dieses "Nahrungsergänzungsmittel" ging aber nu nem Wettbewerbsverein, der sich mit dem Einhalten der Werberegeln befasst, gewaltig gegen den Strich und man klagte vorm Landgericht Frankfurt, mit Erfolg.

      Die folgende Berufung bestätigte nun beim OLG Frankfurt dieses Urteil. Und weil das mitm Behördendeutsch so herrlich Katerfördernd ist, lass ich doch einfach mal die PM des OLG so stehen: "Informationen über ein Lebensmittel dürfen diesem keine Eigenschaften der Vorbeugung, Behandlung oder Heilung einer menschlichen Krankheit zuschreiben oder den Eindruck dieser Eigenschaft entstehen lassen"...Moment ma, hier wurde ich dann stutzig...der Kater nachm Bechern eine Krankheit? Die Richter waren tatsächlich der Auffassung, dass im Interesse des möglichst wirksamen Gesundheitsschutzes der Krankheitsbegriff weit auszulegen sei. "Unter Krankheit ist jede, also auch eine geringfügige oder vorübergehende Störung der normalen Beschaffenheit oder der normalen Tätigkeit des Körpers zu verstehen". Und es werde den "angesprochenen Verkehrskreisen, bei denen es sich vornehmlich um junge Verbraucher handelt, die beim Feiern Alkohol konsumieren, das beworbene Produkt sei zur Behandlung der Symptome eines Alkoholkaters geeignet beziehungsweise könne einem Kater vorbeugen" suggeriert. Die komplette PM mal hier zum Nachlesen. Und ich stelle damit fest: Brummt dir der Schädel nachm Saufen und im Wanst rummorts wie Schwein - dann musst du nur zum Onkel Doktor laufen, ihm deine Fahne zeigen und er macht dir'n Schein! :D Denn das ist wirklich eine Krankheit mit dem Namen "Veisalga". Meine Oma hatte für den Tag danach immer so gute Hausmittelchen parat, die auch immer geholfen haben: saure Gurken, Quark mit Honig und Früchten, paar Salzstangen oder auch ne Hühnerbrühe. Rollmops ging früher auch, heut liegt der mir mitsamt dem Kater schwer im Magen. Ach ja, unsre vergötterten Omi's...

      ...in ner Woche beginnen ja in Sachsen die Herbstferien, früher "Kartoffelferien genannt. Die Alten erinnern sich, für die Jüngeren: Da gings für viele Kinder mit den Ellis oder der Oma aufs Feld, um die Kartoffeln zu "stoppeln" und sie Zuhause einzukellern. Also die Kartoffeln, nich die Omi. Bei der gabs danach immer was zum Schnabbulieren und sie sang nebenbei oft gut gelaunt ein Lied ausm Radio mit. Ich schaute ihr nur allzu gern über die Schulter, wenn sie mal wieder was Leckeres kochte, wenn der Buttermilchgetzen in der gußeisernen Pfanne dampfte oder ein duftendender Kuchen ausm Backofen geholt werden wollte. Viele Rezepte von ihr nenn ich heute mein Eigen, nun bin ich der herzblütige Koch und Bäcker. Wenn dann alles bei ihr verspachtelt war und das Radio lief immer noch, konnte es passieren, dass meine so geliebte Oma paar Pirouetten tanzend durch die Stube drehte. Und was hatte ich viele Jahre lang einen Spaß mit ihr, ob nun im Garten, beim Federballspielen oder wenn wir Freitagabend zusammen aufm "Bayrischen" diesem kleinen Rotschopf mit seinem Meister Eder zugeschaut haben. Und was haben wir dabei gelacht! Und wie sehr hab ich es von ihr verinnerlicht, dass es meist auch die kleinen Dinge des Lebens sind, die einen wirklich glücklich machen. Ich konnte mit ihr immer Pferde stehlen, wir hatten keine Geheimnisse voreinander und beim gemeinsamen Äpfel schälen für den Apfelmus hab ich ihrer erzählten Lebensgeschichte immer mit viel Andacht zugehört. Am Ende wars eine Fügung, dass ich auf dem letzten Foto von ihr zu Lebzeiten neben ihr sitz. Na - habters raus, worums mir heute geht?" :O

      Das Herzblut nimmt unsre schluchzende Wirtin in den Arm, danach startet sie seine CD, welche leise im Hintergrund läuft. Unser Redner war genau auf diese Klangtapete aus: "Wenn man 120 Alben produziert, 50 Mio Platten verkauft und mit Preisen überhäuft wird, dann muss man wohl was aufm Kasten haben. Und wenn man zeitlebens nicht nur Sänger, sondern auch Komponist, Schauspieler und Hobbymaler ist, dann kann man von einem besonderen Menschen sprechen. Und wenn man es schafft, in zwei Weltanschauungen gleichzeitig erfolgreich zu sein, zeugt das von einem gewissen Etwas. Und wenn man dabei mehrere Generationen gleichzeitig begeistert und mit ihnen quasi zusammen durchs Leben geht - dann hat man im Leben eigentlich alles richtig gemacht und auch alles erlebt. Die goldene Stimme aus Prag, sie ist diese Woche für immer verstummt. Unser gelobtes Nachbarland hat eine seiner wundervollen Persönlichkeiten verloren, ihr in Tschechien so bezeichneter "Meister" ist gegangen. Was bleibt, ist sein riesiges Erbe, diese kleine Biene ist nur ein winziger Teil davon. Er war einer von uns, ihr hört ihn ja grad von unseren Babičkas singen. Ruhe in Frieden, lieber Karel Gott - so manche Träne hat deinen Liedern und diese Woche auch dir gegolten. Chefin, weil dieser Gott unter den Sängern ja in Plzeň geboren wurde, haste irgendwas Pivomäßiges unterm Tresen?" Sie hat, unser Herzblut erhebt sein alsbald gefülltes Glas mit dieser herrlichen Blume, schaut nach oben und ruft: "Na Zdravi Karel und Prösterchen geliebte Oma!" :bierkruege:

      Einen schönen Sonntag für euch und wenns heut Nachmittag zur Oma zum Kaffeetrinken geht: Genießt jeden Tag mit ihr, ob sie nun singt, kocht, tanzt, lacht, euch glücklich macht, mit euch Pferde stiehlt, Äpfel schält oder euch aus ihrem Leben erzählt. Grüßt eure Babička von mir und drückt sie gleich von mir ma mit. Euer Herzblut. :cool2:
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    • ...und dann noch zum Abend was Historisches von mir auf den Stammtisch gelegt:

      Es ist vollbracht - nach 6 erfolglosen Anläufen (und dabei noch nichtmal schlechten Auftritten) in der noch jungen Sachsenliga-Saison hat die SG Handwerk Rabenstein heute mit dem 3:0-Sieg über den Radebeuler BC 08 die ersten 3 Punkte errungen, Tabellenletzter ist jetzt Stahl Riesa. Erfahren hab ich das fast "hautnah" von einem siegestrunkenen und mir bekannten Zeitgenossen mit gaaanz schwerer Zunge und ner Bierflasche in der Hand neben mir im Heimwärts-Bus. "Dswolldschdor bloßma saachn...sou gewinntmor in Schwarz-Gelb dorheemä, misstornorlern hähähä..." Die Fahne bei dem gehauchten "hähähä" war beachtlich, Veisalga ist da morgen im absoluten Geltungsbereich. Den Rest der Fahrt hat der Kerl dann gar nich mehr mitbekommen, sondern friedlich neben mir mitm Nischl ans Fenster gelehnt geratzt. An der Zenti gabs dann den herzblütigen Weckdienst, man is ja kein Untier...SG Handwerk olé!
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      Von Trennendem und doch Vereinendem...auch dort, wo de Weechn de Hardn besiechn

      "Nu gugge nor an, dor Herzblut macht een off Sommor oder sin de lang' Hosen alle in dor Wäsche?" Die Stammtischbevölkerung bewundert die immer noch tiefbraun gebrannten Beine unseres Redners, er kam heut gleich mitm Drahtesel in kurzen Sommerklamotten vorbei. Unsere Wirtin meckert leise vor sich hin, weil irgend so'n Griebel im stillen Örtchen mal wieder den Wasserhahn nich zugedreht hat. "Hior horscht ma, mir gehörn de Wasserwerke nich, so habsch's nu och nich!" Eine Oma stößt derweile ihrem Göttergatten in die Seite "Mensch du aldor Blaadsch, du hängst mitm Ärmel in dor Sauerbratensoße! Kannste glei nochmal offs Klo gehn!" :motzen: Bei des Opas roter Birne wird schnell klar, wer der Übeltäter am Wasserhahn war. Am Nachbartisch schimpft ein Vater mit seinem Sohnemann "Nu tu hior ni so rumdorwiern, du kriechst nachort schon dei Eis. Awor erschd wärd gegessn, die Dande hat dior so scheene Blinsn gemacht!" Einen Tisch weiter sinnert ein offenbar hier fremdes Ehepaar über diesen Wortschwall mit nicht verständlichem Inhalt "Weißt du, was ein Blaadsch ist, ob das was Unanständiges ist?" Ha - bei soviel Wissensdurst fühlt sich das Herzblut herausgefordert "Was ä Blaadsch is, wollter wissn? Nu ä Blaadsch is eenor, där sich immer ma wiedor rischtsch bleedä anstellt oder beim Gaffedrinkn de Blämbe off de frische Dischdeggä schwäbbord." Die Beiden schauen sich mit einem "Was will uns dieser fremdsprachige Mann nur sagen-Blick" an, das Herzblut lächelt milde und ist ihnen dabei dankbar, weil er so heut doch noch ein passables Thema ansprechen kann.

      Was wären wir ohne unsere Dialekte...ein armes, gleichgeschaltetes Volk. Unterteilt werden sie in hoch- und niederdeutsche Mundarten, wobei erstere nochmal in mittel- und oberdeutsche Dialekte gliedert werden. Und was gibts denn Schöneres, als wenn du auf Reisen bist und dir beim Bäcker oder Zeitungsverkäufer allerfeinstes Schleswigisch, Holsteinisch, Ostfriesisch, Märkisch Platt Limburgisch, Hessisch, Schwäbisch, Bairisch, Alemannisch, Fränkisch, Thüringisch, Obersächsisch oder Schlesisch-Lausitzisch um die verdutzte Nase wehen lassen kannst. Und du überlegst, was um Himmels Willen will uns der Aborigene-Künstler damit sagen? Wenn du jemandem am Weißwurstäquator zu blöde kommst, dann kanns schon mal zu Missverständnissen kommen, wenn dir freundlich mit auf den Weg gegeben wird: "Du...A Baggl Fotzn is glei afgrissn! ;) Ziehst du irgendwo im hohen Norden ne Gusche, weil dir manch einheimische Kulinaritäten nicht genehm sind, dann gilt wie fast überall in Deutschland "Wat de Buur nich kennt, dat frett he nich!" Und was wäre die Oberpfalz ohne ihr einfaches und in allen Lebenslagen angewandte "ou"? Fragt ein Oberpfälzer Landwirt seine Enkeltochter "Wou is de Mou?" Und die Kleine zeigt auf die Weide "Dou!" :D Sitzt du in einem Biergarten und man ruft dir zu "Hobb, Hobb, Hobb, de Schobbe in de Kobb.", also wenn du dann noch nich gemerkthast, dass du in Hessen gelandet bist, dann ist dir auch nich mehr zu helfen. Und sitzt du in einer urigen Kneipe, überall siehst du Trachten und unfassbar verzierte Eier liegen als Deko rum, dann schaust du auf die Speisekarte und fragst dich, was denn nur "eigemoalgerter Haarch un Aberne" für eine Köstlichkeit sein könnten - du bist a) ganz sicher in der Oberlausitz und hast b) bald ein herrliches uraltes Gericht frisch aufm Teller. Und wenn noch bissl Briehä übrig ist, vielleicht hat die Wirtin ja noch ä Rämpftl zum neididdschn...

      ...und bei Rämpftl nähern wir uns schon einem meiner Lieblingsthemen, nämlich meinem auch von mir so glühend verehrten und verteidigten Sächsischen Dialekt. Wir Sachsen zelebrieren gemeinhin ja 4 regionale Dialekte: Obersächsisch-Meißnisch, Vogtländisch, Erzgebirgisch und Lausitzisch. Ungezählte Unterdialekte treiben selbst nem Einheimischen beim Versuch des 100%igen Verstehens die Schweißperlen auf die Stirn. Und Obacht - selbst in größeren Orten muss man nicht unbedingt ein und demselben Dialekt hinterher rennen, auch und schon gar nicht in meiner Heimatstadt. Die einen sagen "No", die anderen "Nu" und der selbe Sinn gipfelt in diesem Dresdner Singsang "Nunu". Eins haben aber bei uns alle gemeinsam: Die Abneigung dieser unnützen "harten" Konsonanten, wo's dor och so scheen "weech" aus dor Gusche nausloofen gann. Und so hat auch dieses Jahr wieder die Ilse-Bähnert-Stiftung - ihr ahnt sicher, was jetzt wie immer bei mir einmal im Jahr kommt - da hat also de Stiftung fon dor Bähnerdn de säggschen Wärdor des Jahres gesucht. Un mit viel Hilfe vom geneichdn Buhbligumm freilich och gefundn.

      Ich fang mal mit dem bedrohtesten Wort sächsischer Prägung an, diesmal wurde "Äscha" auserkoren und steht ab sofort unter Dialektschutz. Es stellt den Ausdruck von Widerspruch, einer gewissen Ablehnung oder des Erstaunens dar. Beispiel: "Du, im Schacht denkense seit 14 Dachn, se sin de Greeßdn!" Antwort: "Äscha."

      Weiter gehts mit ner erstmals geehrten Sonderkategorie des Koseworts des Jahres und da wählte man "Guhdsdr". Beispiel: Ein Erzgebirgler schwärmt im Zug von den aktuellen Erfolgserlebnissen einer Bäbbelbande in Lila und sieht einen gewissen fußballerischen Führungsanspruch in Sachsen. Antwort eines nicht näher genannt sein wollenden Passagiers ihm gegenüber: "Hior, mei Guhdsdr - äscha." :P

      Zum schönsten Wort des Jahres wurde diesmal "budzsch" auserkoren, was einen manchmal wunderlichen und merkwürdigen, niedlichen, aber auch bedrohlichen und besorgniserregenden Zustand beschreibt. Beispiel: Im Zug kommt einer im himmelblauen Gewande angelatscht, setzt sich auf die andere Seite und hört die angeregte Konversation über "Wer is nu dor Beste" unweigerlich mit. Sagt aber nichts dazu. Schaut nur desillusioniert zum Fenster raus. Darauf der Erzgebirgler zum nicht näher genannt sein wollenden Passagier ihm gegenüber: "Was'n das for Eenor... där is awor budzsch." :amkopfkratz:

      Ja und der Gewinner von 2019, also das beliebteste säggsche Wort dieses Jahr ist, tataa - de Bemme! Womit ich nochmal kurz zum Rämpftl komme. Das bezeichnet im geheiligten Sachsenlande das letzte kleine Stück eines Brotes, dort wo fast nur noch Rinde dran ist, manche sagen auch "dor Arsch" dazu. Eignet sich wie gesagt auch gut zum Diddschn. Die trockene Brotscheibe ist nach wie vor "de Schnidde" und wenn da droff noch bissl Buddor geschmierd wärd und ohmdroff noch ordndlich Schweinenougat, also Meddwurschd - dann haste ne bomforzschionöse Bemme. Beispiel: Der Erzgebirgler holt nen kleenen Wackelmann aus der Jackentasche, setzt an...so schnell gannsde gor nich guggen, nor. Der nicht näher genannt sein wollende Passagier verspürt Hunger und wickelt sein Pausenbrot von der Arbeit aus, was er nun endlich verspachteln kann. Der Erzgebirgler "Nu gugge an, da gibts was forn Ranzn - was hastn scheenäs off dor Bemme?" Und bevor der nicht näher genannt sein wollende Passagier ihm gegenüber eine sinnvolle Antwort geben kann, erwacht der im himmelblauen Gewande auf der anderen Seite aus dem desillusionierten Koma und ruft: "No, Bemme gennsch nu wiedor - John Bemme, bis Sechsnachzsch beim FCK und dann war där noch baar Schaare bei euch im Schacht. Jetzt hat där gloobsch ä Reisebüro." Der Erzgebirgler darauf "Äscha!" Der nicht näher genannt sein wollende Passagier ihm gegenüber "Budzsch!" Das liebe Leute, das is Saggsn...wo nähmbei och de scheensdn Mädchen waggsn. :applaus:

      Wie will man nach dieser mehr als nur nachdenklich machenden Woche mit diesem Stammtisch umgehen? Ihn einfach ausfallen lassen? Nich bei mir! Ich hatte bereits am Dienstag aufgrund eines Wahnsinns-Stresses durch Rumärgern mit den Auswüchsen dieses verabscheuungswürdigen deutschen Gesundheitssystems den heutigen Stammtisch mit ganz anderen Themen grob fertig. Dann kam der Mittwoch...und ich kam ins Grübeln. Irgendwas Trennendes und doch Verbindendes aus deutschen Landen, die geliebten Dialekte haben mich gerettet. Und es ist nebenbei traurig, dass unsere Jugend sich anschickt (und auch so getrimmt wird), in vielen Regionen Deutschlands diese so schützenswerte Identität der heimatlichen Sprache und ihre Werte zu vergessen und zu negieren. Schlimmstes Hochdeutsch gepaart mit Spackenslang. Aber das nur noch nebenbei, gab und gibt Wichtigeres. Ich denk und hoffe mal, ich hab doch noch was Erbauliches hier draus gemacht.

      Das Propagieren und Ausleben einer allumfassenden "Freiheit" und dazu noch das bewußte Abgrenzen zu einer Zweiklassengesellschaft, beides trägt für dieses Land ungenießbare Früchte. Mein aufrichtiges Beileid den Angehörigen der beiden in Halle so brutal und feige aus dem Leben gerissenen Menschen, sie mögen in Frieden ruhen. Und weil das hier ja ein Fußballforum ist - meine Anteilnahme gilt auch dem HFC und seinen Fans, vielleicht schweißt dieses grauenvolle Ereignis ja wirklich noch mehr zusammen. Auf dem Weg zum...

      Schönen Sonntag, euer Herzblut.
      Drei Buchstaben, zwei Farben, eine Gemeinschaft

      Pivotechnik ist kein Verbrechen
      :drink:

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von SGD-Herzblut ()