Katzenjammer - Gedanken, die niemand haben will

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    • Bear schrieb:

      @Kater

      Keine Chance. Alles festgefahren. Er rückt keinen Millimeter von seiner Meinung ab.
      :schulterzucken:

      Ziemlich viel Meinung für wenig Ahnung. Das kriegt man ja immer wieder mit. Gibt halt Leute, da ist kritisches Denken und Hinterfragen nicht so verwurzelt. Da kann Martin Kind vor Anpfiff ein Robbenbaby dem Feuergott opfern, der wäre immer noch ein Held. :schulterzucken: Aber danke für die Mühe.

      Ein Saarland entspricht exakt 359.908,96 Fußballfeldern.
    • Das Ende vom Anfang, oder: rückwärts nach weit

      Weißer Rauch steigt über dem Kokenhof auf. Nach jahrelangem Konklave, um dem Konstrukt eine Philosophie maßzuschatzschneidern, die nicht das Wort Bratwurstbude beinhaltet, ist das sportliche Hannover-Modell aus der Taufe gehoben. Demnach müssen Verantwortliche das Epizentrum ihres Wirkens in Hannover haben. Als Bad Nenndorfer hat Dieter Hecking direkt Strafanzeige wegen Mobbing gestellt und Carlitos hat beleidigt aufgelegt, nachdem ihm mitgeteilt wurde, dass 31 Sekunden Wirkungszeit nicht für eine Teilnahme am Hannover-Modell ausreichen.

      Weißer Rauch steigt gleichzeitig auch über der Lister Str. auf. Dieser stammt allerdings von knallenden Sektkorken, denn in der Lister Str. befindet sich die Redaktion der Bild Hannover. Gerhard Schröder sagte mal, zum Regieren bräuchte er nur Bild, BamS und Glotze. Slomka braucht zum Trainieren nur Bild, BamS und Bolzplatz. Zu den großen vier Buchstaben hat Mirko seit jeher ein ausgezeichnetes Verhältnis, nicht nur ein Mal fanden sich Mannschaftsinterna in der Presse wieder und nicht nur ein Mal wurde vom netten Mirko öffentlich Druck auf Spieler und Funktionäre ausgeübt. Dabei passt es durchaus ins Bild, dass sich der nette Herr Slomka mit seinem Best-Buddy Carsten Maschmeyer ein hübsches Sümmchen durch umstrittene Cum-Ex-Deals gesichert hat. Das passt hervorragend zur momentanen Hannover-Connection, hat dann aber nicht viel mit einer integren Persönlichkeit zu tun. Einen Anspruch, den ich durchaus an einen Fußballtrainer stelle, der mehrheitlich mit jungen Menschen am Anfang ihrer persönlichen Entwicklung arbeitet.


      96 gab bei der Verpflichtung von Slomka einmal mehr ein erschütterndes Bild ab. Doll, noch bis 2020 Trainer, wurde offenbar nicht informiert, sondern lieber wurden sämtliche Kandidaten in der Öffentlichkeit durch’s Dorf getrieben, angefangen bei Anfang ( :D ), über Kocak, Doll selbst, bis hin zum netten Mirko. Kocak und Anfang wurde angeblich gestern abgesagt, um Slomka verpflichten zu können. Dass das Käse war, ließ der Berater von Anfang bereits durchblicken; nach seiner Aussage hat Anfang 96 abgesagt und nicht andersrum. Selbst bei der offiziellen Bestätigung auf 96.de fühlte sich niemand bemüßigt, auch nur ein Wort über den Noch-Trainer Doll zu verlieren. Eine Tatsache, die selbst die für 96 nach unten offene Schande-Skala locker mit einem eleganten Limbo untertanzt.
      Als neuer Sportdirektor soll Jan Schlaudraff fungieren. Objektiv betrachtet keine schlechte Wahl, Schlaudraff hat unter Schmadtke bei 96 „gelernt“ und ihm wird nachgesagt, über ein exzellentes Netzwerk zu verfügen. Subjektiv betrachtet, muss man sich schon fragen, was genau daran jetzt fast 2 Monate gedauert hat. 2 Monate, die uns in der Saisonplanung jetzt schon fehlen und das wird sich bitter rächen, denn die planerische Bilanz in den letzten 2 Monaten liest sich wie ein Manuskript von Stephen King:

      Weil keine sportliche (Entscheidungs-) Kompetenz vorhanden ist, wurden Bebou und Füllkrug ohne Not beim erstbesten Angebot weit unter Marktwert/Ausstiegsklausel verscherbelt.

      Weil keine sportliche (Entscheidungs-) Kompetenz vorhanden ist, wurden bisher keinerlei Neuverpflichtungen präsentiert. Hamburg hat bereits fünf Spieler verpflichtet, Dresden und Heidenheim drei und viele andere immerhin zwei Spieler. 96 steht offenbar noch nicht mal nah am Abschluss eines Wechsels.

      Weil keine sportliche (Entscheidungs-) Kompetenz vorhanden ist, wurden die wenigen Verträge, die man für Liga 2 verlängern sollte (Bakalorz, Prib) noch nicht verlängert, bzw. wurde versucht, einen für das Teamgefüge eminent wichtigen Spieler wie Bakalorz mit 25% der Bezüge abzuspeisen.

      Weil keine sportliche (Entscheidungs-) Kompetenz vorhanden ist, stockt der Verkauf von „Ladenhütern“ wie Walace, Haraguchi und Jonathas. Ob man diese Großverdiener loswerden wird und wenn ja, ob man sogar noch Geld dafür kriegt, darf mittlerweile ernsthaft bezweifelt werden.


      Interessante Randnotiz: Als Schlaudraff zu seiner aktiven Zeit den damaligen Trainer Slomka kritisierte, wurde dieser von Slomka auf die Tribüne verbannt. Nein, mit Kritik konnte der nette Herr Slomka nie wirklich umgehen, siehe den Abgang von Pinto, die Ausbootung von Pogatetz und die Kaltstellung des besten Linksverteidigers der jüngeren 96-Geschichte, Sebastien Pocognoli. Sie alle haben es gewagt, in der Kabine das Maul aufzumachen und haben früher oder später die Quittung dafür bekommen.

      Wichtig ist die Feststellung, dass Schlaudraff kein Geschäftsführer Sport wird, sondern Sportdirektor. Geschäftsführer wird es weiterhin nur einen geben: Martin Kind. Immerhin etwas Konstanz in so unruhiger See…

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    • Vor 10 Jahren – DIE Saison

      Die Saison 2009/2010 sollte so einiges Besonderheiten bereithalten, aber das war am ersten August-Wochenende natürlich noch nicht abzusehen. Sonntag, 2.8.2009, Pokal! Der Tag nach Wacken. Not-Aus, Bayreuth und büschen Wind. Magst du eigentlich Huhn? Also ungeschlafen und ungeduscht kurz abgestaubt aus Wacken direkt durch nach Trier zur ersten Pokalrunde. Nach dem deutlichen 5:0 in Halle im letzten Jahr, fliegenden Sitzschalen und gefährlicher Zaunfahnenfracht nun also nach Luxemburg. Tanken. Danach kurz das Stajnerlein und die kohlrabenschwarzen Wolken begrüßt, immerhin ist der Gästeblock nicht überdacht. Aber ich wollte ja sowieso noch duschen. Trocken blieb es, das hatte es mit dem Spiel gemein. 3:1 für Trier, aus de Maus! Auf Heimseite der Trainer: Mario Basler! Finsterste Trierer Zeiten, wie das Stajnerlein mir später immer wieder berichtete, wenn sie mich mit unserer Pokalpleite aufziehen wollte und ich sie an ihren damaligen Trainer erinnerte. Ab zurück und ab ins Bett. Nur da gab es ein Problem, denn ein Navi hatte ich damals noch nicht und da Mona nach dem Spiel zu Freunden nach Herdecke (oder war’s Schwerte? Egal, irgendein sinnloses Rotzkaff bei Dortmund) wollte, klüngelte ich mir mit meinem Straßenatlas (der gute von Aldi!) eine schöne Route über die A48 und A3 aus – die kurz danach im Radio wegen eines Unfalls gesperrt wurde. Schön, ich wollte schon immer mal 60 km durch den stockfinsteren Westerwald fahren. Aber ein Highlight gab’s da noch. Morgens um halb 3, noch 30 km. Kreuz Hannover Ost gesperrt, weitere 20 km Umweg. Um halb 4 im Bett, um halb 8 auf der Arbeit. Was war man früher jung und dämlich…

      Die Saison wollte ihren normalen Weg nehmen, die Bayern waren souverän Tabellenachter und wurden später doch noch Meister und 96 war souverän Zehnter, eine langweilige Saison im Mittelfeld drohte. Und dann kam der Tag, der 10. November 2009. Es gibt so Tage, da weißt du auch Jahrzehnte später noch, was du zu genau der Zeit gemacht hast. Jeder von uns weiß noch, was er am 11. September 2001 gemacht hat und so weiß ich auch mehr als 10 Jahre nach dem 10. November 2009 noch, was da passiert ist. Wie auch nicht, der ist ja in den 10 Jahren mindestens 100 mal in meinem Kopf abgelaufen. Zwei Tage nach einem nicht weiter erwähnenswerten Heimspiel gegen Hamburg war es ein eigentlich stinknormaler Dienstagabend mit stinknormalem Pisswetter, den ich gelangweilt in Azeroth verbrachte. Bis mein Mitbewohner ins Zimmer platzte und mich geradewegs in den Videotext zitierte. „Robert Enke gestorben“ stand da in gefühlslosen weißen Lettern auf schwarzem Grund. Ich wollte und konnte das nicht glauben, jeder in diesem Forum dachte in dem Moment an einen schlechten Scherz, an eine Zeitungsente, das kann doch nicht stimmen, der stand doch mitten im Leben. Tja, nun. Der nächste Arbeitstag wurde nur im Netz verbracht, auf der Suche nach Antworten und kaum war es 16 Uhr, ging es sofort nach Hannover, am spontanen Trauermarsch teilnehmen, sich mit Menschen austauschen können, gemeinsam nach Antworten suchen und doch kamen nur neue Fragen. Diese Stille von über 30.000 Menschen, die wie eine schwarze Glocke über der gesamten Stadt lag, das war nicht real. Das konnte nicht real sein und doch war es die bittere Wahrheit. Wie unwichtig ist in solchen Momenten dieser runde Lederball und was für ein beschissenes Gefühl muss das für die Mannschaftskollegen gewesen sein, die meisten ja selber noch fast Kinder. Der Spielplan schenkte uns eine Länderspielpause, aber jeder wollte weitermachen. Irgendwie. Trainer Andreas Bergmann, der im Laufe der Saison für Dieter Hecking übernahm, hatte nur einen Job: Normalität zurückbringen, dank des kleinen Punktepolsters wollte man sich erstmal irgendwie in die Winterpause retten. Wir hingegen fuhren natürlich weiter auswärts, geschlossener und lauter denn je, wir wollten Zeichen setzen für Zusammenhalt und zumindest denjenigen aus der Fanszene Halt geben, die ihn aus welchen Gründen auch immer brauchten. Und dann kam dieses skurrile Spiel in Mönchengladbach. Hannover schoss sechs Tore und verlor dennoch 3:5, denn blöderweise gingen gleich drei davon ins eigene Netz. Irgendwann standen wir im Block, haben uns nur noch angeguckt und hysterisch gelacht. Spaß ist, was du draus machst. Zwei Wochen später war zumindest der fußballerische Tiefpunkt erreicht. Letzter Spieltag der Hinrunde, Heimspiel gegen Bochum. Minusrekordverdächtige 25.000 Zuschauer (vorsichtig geschätzt) bei rekordverdächtigen Minus 15°C. Bah, war das widerlich kalt! In der Halbzeit war der Glühwein alle, aber immerhin führten unsere roten Riesen mal wieder. 2:0, was soll da noch schief gehen… auf dem knüppelharten Boden einiges, letztlich war es Christian Fuchs mit einem Freistoß aus ungefähr 300 Metern, der in der 86. Minute das 3:2-Siegtor schoss. Für Bochum.

      Das erste Spiel 2010 und es sollte alles besser werden. Es folgte eine bittere 0:3-Niederlage zuhause gegen den Tabellenletzten Hertha bei Schneeregen und Andreas Bergmann musste noch am Abend seinen Hut nehmen. Die Abstiegsränge waren in bedrohliche Nähe gerückt und Neu-Trainer Mirko Slomka gab uns ein Versprechen: „Wir steigen nicht ab, aber gebt mir etwas Zeit.“ Bekam er, doch auch die nächsten 6 Spiele gingen allesamt verloren, in Mainz, in Hoffenheim, in Dortmund und die Krönung, ein 1:5 zuhause gegen Bremen. Ich weiß gar nicht mehr, warum mich ausgerechnet dieses Spiel so aus der Kurve getreten hat, aber ich hatte schon während des Spiels mächtig Frust und das entlud sich abends zuhause, denn auch in der WG war seit Monaten Mord und Totschlag und die Stimmung auf dem Nullpunkt. Aber man hat ja Freunde, die zur Not immer einen Platz auf dem Sofa frei haben. Also kurz den MagicOe angerufen und gefragt, ob er am Abend schon was vor hat. Hatte er nicht und so warf ich meinen Kram ins Auto und gurkte über die verschneite A7 gen Süden. 10 km vor dem Ziel rief mich Frau MagicOe an und folgendes Gespräch entwickelte sich: „Kater? Bist du auf dem Weg zu uns? Frank hat da was erwähnt…“ „Wie kommt der denn auf den Quatsch? Der hat doch wieder getrunken!“ Zur Begrüßung gab’s dann erstmal ne Backpfeife vom Hausdrachen. Und am nächsten Nachmittag, nach dem Erlanger Faschingszug ging’s dann zurück in die Heimat.

      Anfang März in Freiburg dann die Erlösung. Schweinekalt war’s immer noch (Dreckswinter!) und geschneit hatte es auch noch, aber am Ende stand ein 2:1-Auswärtssieg, der in der nächsten Woche mit einem 2:1-Heimsieg gegen Frankfurt direkt bestätigt wurde. Dieses Spiel fand jedoch ohne mich statt, ich weilte mal wieder bei Familie Umlaut und wir heckten in der samstagabendlichen Küche Schnapsideen aus. „Du, lass uns doch morgen mal nach Tschechien, Viktoria Pilsen gucken.“ „Ach, ich weiß nicht...“ „Fahrt los und bringt gefälligst Kippen mit“, schalmeite es aus Richtung des Hausdrachen.
      Aber auch in Stuttgart gab’s nichts zu holen und das 1:4 zuhause gegen Köln beförderte uns wieder auf einen direkten Abstiegsplatz. Das 0:0 in Hamburg wird nicht in die Geschichtsbücher eingehen, wohl aber das 4:2 zuhause gegen Schalke. Derart beflügelt ging es nach München, auch für die Besatzung eines gewissen kotzgrünen Minivans japanischer Bauart. Was ich nicht wusste: Vor der Saison hatten sie die Parkgebühr im stadioneigenen Parkhaus auf unverschämte 10€ verdoppelt, was mich mitten im Anreiseverkehr auf der Zufahrt eine Vollbremsung samt 180°-Wende hinlegen ließ, denn das habe ich überhaupt nicht eingesehen. Das zog natürlich den Zorn sämtlicher anderer Autos auf mich, war mir in dem Moment aber herzlich rille. Letztlich sind wir 20 Minuten gelaufen, haben aber für umme geparkt. Im Gästeblock dann die üblichen Backpfeifengesichter aus Arenatouristen, Bayern-Fans und Trotteln auf der ersten Auswärtsfahrt, die unbedingt auf ihre eigene Sitznummer bestanden und zu doof waren, sich einfach irgendwo hinzustellen. Beflügelt war ja das Stichwort… nun ja, nach ner knappen Stunde stand es 6:0 für Bayern, was die Bayernfraktion bei uns im Gäste(!)-Block dazu veranlasste, gegen die Ultaras nen Lauten zu machen. Gute Idee, ihr Blitzbirnen. Bullen in den Block, Pfeffer frei und dann hat unsere Szene lieber das Weite gesucht, statt noch richtig Stress anzufangen. Nach 75 Minuten beschlossen wir, genug vom Gästeblock zu haben und uns einfach irgendwo mitten in irgend nen Bayernblock auf der Gegentribüne zu stellen. Das 7:0 in der Nachspielzeit wurde von uns mit hämischem Applaus bedacht und die Seppels drum rum glotzten uns an, als wären wir drei Außerirdische auf dem Weg zum Melmac. So schlecht gelaunt wie das Ergebnis vermuten ließ waren wir anschließend gar nicht, nur die Aussicht auf 700 km Rückweg behagte keinem so wirklich. Irgendwo in Würzburg packte uns dann der Hunger und in einer dieser damals recht revolutionären Apps wurde nach einer Pizzabude gesucht. Diese wurde auch gefunden und die Familienpizza wurde danach stilecht mitten im Auto auf der Handbremse deponiert und verspachtelt.

      Auch in der Folgewoche gab es ein übles Auswärtsspiel, 0:3 in Leverkusen. So waren es nun noch zwei und Tendenz und Torverhältnis zeigten ganz arg gegen 96. Letztes Heimspiel, diesmal gegen Gladbach. Gab’s die letzten Jahre immer mal wieder auf die Mappe und im Hinspiel diese drei Eigentore. Aber ich weiß nicht, welcher der vielen Schnäpse der Gladbacher schlecht war, denn die Roten brannten eine Gala auf den Rasen, wie ich sie seit 2002 nur ein Mal gesehen habe. Bereits zur Halbzeit stand es 4:0 gegen völlig überforderte Gladbacher, am Ende stand es vor ausverkauftem Haus 6:1 und nach den Ergebnissen auf den anderen Plätzen stand fest, dass wir in Bochum ein Spiel um die Wurst haben würden. Schnell war das Motto des Spiels gefunden (alle in Rot) und bereits ab Februar startete User Forte im Fanmag damit, den Leuten jede Woche mindestens 1x auf den Wecker zu gehen, dass sie ihre Ärsche unbedingt nach Bochum bewegen müssen. Das hat sich ausgezahlt, denn letztlich machten sich an jenem 8. Mai 2010 vorsichtig geschätzt 10.000 Hannoveraner auf den Weg Richtung Ruhrpott und zumindest unser Regionalexpress erlebte eine der asozialsten, versifftesten und verrauchtesten Auswärtsfahrten der jüngeren Bundesligageschichte. Wenn die Leute schon auf der Hinfahrt im Abteil in eine Plastiktüte schiffen (!) und der ganze Waggon in Bochum ausschaut, wie nach nem Bombenangriff... das hatte ein herrliches Old-School-Flair. Zur Begrüßung am Bahnhof gab's erstmal ne Hand voll Nebelpötte - der Ditsch hat jedenfalls ganz gut gequalmt - und ein paar Hundertschaften Bullerei. Unfähig hoch 10 waren se trotzdem, denn sie wollten uns den freien Weg aus dem Bahnhof verwehren und uns in den gesammelten Pulk stecken. Also kurz um die Ecke, die Jacken über die roten Shirts gezogen und plötzlich war es beim gleichen Bullen komplett wurscht und er ließ uns passieren. So konnten wir uns den überragenden Fanmarsch zum Stadion aus sicherer Entfernung anschauen und schon direkt nach Öffnung der Tore um 13:30 Uhr standen 5.000 96er im Stadion und haben die zwei Stunden bis zum Spiel komplett durchgesungen.

      Die Konstellation vor dem Spiel war eng: Hannover mit 30 Punkten auf Platz 15, Nürnberg mit 28 Punkten auf 16 und Bochum mit 28 Punkten auf Platz 17. Hertha war mit 24 Punkten schon vor dem Spieltag sicher abgestiegen. Uns würde also ein Unentschieden reichen, solange Nürnberg nicht gewinnt. Bochum könnte sogar mit einer knappen Niederlage noch auf Platz 16 rutschen, wenn Nürnberg gegen Köln hoch verliert. Also am besten überzeugend gewinnen und damit alle Fragen beantworten. Und genau das hat Slomka auch der Mannschaft gesagt. Sie spielten. Sie spielten nicht bloß um ihr Leben, sondern jeder der 10.000 Mitgereisten hatte das Gefühl, dass sie heute nur für einen spielen. Bochum kam zunächst besser ins Spiel, konnte jedoch nur einen Freistoß vorweisen. 96 stand kompakt und konterte die leichtsinnigen Bochumer immer wieder aus. Bereits nach 9 Minuten erzielte Arnold Bruggink volley das 1:0 und das darauf folgende Beben dürften sicher einige Erdbebenstationen aufgezeichnet haben. Hanke nach 23 und Pinto nach 45 Minuten besorgten schon in der Halbzeit den 3:0 Endstand und die gesamte zweite Halbzeit war ein hannoversches Schaulaufen und Abfeiern und nach dem Spiel brachen alle Dämme. Sowohl bei den Spielern, als auch bei vielen Fans in roten Trikots, ich habe noch nie gleichzeitig so viele Menschen in Tränen ausbrechen sehen wie mit diesem Schlusspfiff. Allen voran unser Torwart Florian Fromlowitz, der es sich nicht nehmen ließ, mit einem „Robert R.I.P.“-Banner durch die Kurve zu laufen und wenn man jetzt mit 10 Jahren Abstand und dem Verlauf der nächsten beiden Saisons im Hinterkopf auf dieses Spiel zurückblickt, kann man schon sagen, dass dieser Moment mit den Spielern so viel gemacht hat und uns gut 1 ½ Jahre später bis nach Madrid geführt hat.

      Die Rückfahrt aus Bochum glich einem Triumphzug und relativ schnell stand auch fest, dass man sich am Abend im heimischen Stadion zu versammeln habe. Dieses wurde extra aufgesperrt und auch viele daheimgebliebene kamen im Stadion zusammen. Ca. 15.000 Fans begrüßten spätabends die Mannschaft, die direkt aus dem Bus stieg und sich auf etliche Ehrenrunden machte.

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    • Love, Peace and Rassistenball

      Samstag, 17:00 Uhr in Deutschland: Im Drogeriemarkt ist Klopapier ausverkauft, im benachbarten Edeka die Eier, in Essen kündigen die ersten an, ihre Kinder am Montag keinesfalls in die Schule zu schicken, ganz Deutschland ist im erweiterten Panikmodus! Und wenn man den Fehler macht, gerade Sky, den Kicker-Ticker, oder die WDR-Bundesligashow einzuschalten, kann man sich unweigerlich fragen, was gerade in Sinsheim abgegangen ist. Den betroffenen Reaktionen der so genannten Sportjournalisten nach, gab es gerade einen furchtbaren Terroranschlag im Stadion der TSG Hoffenheim. Doch weit gefehlt, ein paar Ultras des FC Bayern haben ein Plakat mit der Aufschrift „Hurens0hn“ ausgerollt. Rolex-Kalle Rummenigge Arm in Arm mit diesem armen missverstandenen Milliardär, das ist schon jetzt mein Bild des Jahres. Auch Thomas Müller entblödete sich auf Twitter nicht, für Fairplay und gegen Hetze und Ausgrenzung zu werben. Nachfragen, warum er nicht gegen Rassismus getwittert hat, als sein Nationalmannschaftskollege Özil angefeindet wurde, als Walter Lübcke ermordet wurde, oder ein Faschoschwein in Hanau neun Leute abgeknallt hat, blieben selbstverständlich unbeantwortet. Im gleichen Atemzug, in dem Karlheinz Rummenigge die eigenen Ultras verdammt und „harte Schritte“ androhte, lobt er jedoch Katar: „Ein fundamentaler positiver Effekt sei eingetreten, seitdem sich das Land mit Fußball beschäftigt“, wusste Rummenigge zu berichten. Den toten Gastarbeitern auf den Baustellen der WM-Stadien gefällt das.

      Und Hopp? Beeilte sich, die Aktion der Schickeria sofort in Richtung „ganz dunkler Zeiten“ zu schieben. Kann er ja mal bei seinem Vater nachfragen, wie das mit den dunklen Zeiten so war, aber auch diesen Schandfleck hat er in der Vergangenheit ja schon mal relativiert. Er hätte keine Ahnung was diese Idioten von ihm wollen, fragte er sich noch. Nun, erstens verurteilt er Beleidigungen, nur um im gleichen Atemzug von Idioten zu sprechen. Und zweitens hätte ich da einen Tipp für ihn, wie er rausfinden kann, wo das Problem dieser „Idioten“ ist: Nachfragen, Gespräche anbieten, sachlich diskutieren. Auf diese Ebene wird sich ein Herr Hopp aber nicht herunterbegeben, aber dann soll er bitte aufhören, so zu tun, als würde er nicht verstehen, warum ausgerechnet der barmherzige Dietmar so angegangen wird.

      Fritz Keller redete sich dann noch im Sportstudio um Kopf und Kragen, indem er – auf die Frage, warum in England und den Niederlanden mehr gegen Rassismus in Stadien getan werde – antwortet, „weil die ein viel größeres Problem mit Rassismus haben, als wir hier in Deutschland.“ Achso! In der gleichen Sndung forderte Keller, dass man „solchen Chaoten halt zukünftig keine Karten mehr geben darf“ und die Karten lieber an integre Fans, also Frauen und Familien mit Kindern geben sollte. Klar, die werden alle Schlange stehen, auf nem Freitag im Februar in Sandhausen im Gästeblock zu stehen, oder in nem Kleinbus bis nach Poltava zu fahren.

      Nun muss man wissen, dass die ganzen Aktionen weder neu, noch besonders überraschend kam, nachdem der DFB in der Vorwoche überraschend von seiner Absichtserklärung, zukünftig keine Kollektivstrafen mehr zu verhängen, abrückte und den Dortmundern für die nächsten 3 Jahre verbot, nach Sinsheim zu reisen. Man muss Hurens0hn-Banner nicht toll finden. Man kann diese Banner auch ruhig geschmacklos, beleidigend und infantil finden. Man kann auch einen Fadenkreuz-Doppelhalter, gerade am Wochenende nach Hanau, ziemlich dumm finden. Man kann jedoch – gerade als Sportreporter, und –funktionär - durchaus mal mitbekommen haben, dass das Fadenkreuz seinen Ursprung in Dortmund hatte, als es dort mit dem Terminator-Zitat „Hasta la Vista“ versehen gezeigt wurde. Nur die kühnsten Fantasten dürften in diesem Doppelhalter einen Mordaufruf erkannt haben, aber auch Max Eberl, Benjamin Hübner und die versammelte Elite-Journaille waren sich ja in der letzten Woche nicht zu doof, die Banner der Sottocultura in die Nähe des rechtsradikalen Anschlags von Hanau zu rücken, was freilich nicht nur riesengroßer Bullshit ist, sondern a) der Sottocultura quasi eine Mitschuld an der Tat eines Nazis gibt und b) dessen Taten großzügig relativiert, indem Beleidigungen gegen eine durchaus streitbare Person auf eine Stufe damit gestellt werden.

      Dass der DFB sich nicht lange bitten ließ und irgendeinen „3-Stufen-Plan“ der UEFA rauskramte, um gegen die unerwünschten Meinungen vorgehen zu können, überrascht rückblickend nicht. Überall landauf, landab wurden am Wochenende Spiele unterbrochen, nur weil irgendein Plakat hochgehalten wurde, dabei musste es nicht mal beleidigend sein, wie die Duisburger in Meppen erfahren musste. Hätte der Duisburger Capo nur Omma Helga per Spruchband zum runden Geburtstag gratulieren wollen, der Schiedsrichter hätte wohl auch unterbrochen.

      Wenn (WENN!) der DFB jetzt wirklich konsequent gegen homophobe, sexistische, rassistische und ausgrenzende Vorfälle im Stadion vorgehen würde, wäre das durchaus ein begrüßungswürdiger Akt. Allein, mir fehlt der Glaube an eine Gleichberechtigung und an eine Reaktion des DFB, wenn der Adressat irgendwelcher Affenlaute nicht zufällig ein weißer, reicher Mann mit einem gewissen Netzwerk ist, dessen Softwarebude zufällig den FC Bayern und den DFB großzügig sponsert. Und sollte der DFB es tatsächlich ernst meinen und bei jedem nicht ganz jugendfreien Plakat irgendwelche Spiele unterbrechen zu wollen, würde er sich wohl relativ schnell der Lächerlichkeit preisgeben. In der Hoffenheimer Fankurve war vor einiger Zeit übrigens ein Banner mit der Aufschrift „Fotzen Freiburg“ zu sehen. Gestört hat es niemanden bei der TSG. Oliver Bierhoff suggerierte einst, man müsse die „Familie der Nationalelf“ vor Homosexualität schützen. Jens Lehmann fand es „schon irgendwie komisch, zusammen mit Hitzlsperger zu duschen.“ Bierhoff arbeitet noch immer für den DFB und Lehmann wurde für seine Aussagen nie vom DFB gemaßregelt.

      Noch bevor ich mein erstes Fußballspiel gesehen habe, war ich 1998 im Ice House in Mellendorf, Heimat der Eishockeymannschaft der Hannover Scorpions. Zu Gast waren die Kölner Haie, locker 500 Leute sind an dem Abend aus Köln mitgekommen. Das Ice House ist einer dieser alten Bunker, von hinten offen, 80% Stehplätze und die 500 Haie verteilten sich über die gesamte Gegengerade an den Strafbänken. Was ich da an Pöbeleien aller Anwesenden vernommen habe, wenn sich ein Spieler auf der Strafbank abkühlen musste und ein leichtes Opfer des Gästeblocks war, habe ich beim Fußball danach nie in der Vehemenz erlebt. Uli Hoeneß, Oliver Kahn, Timo Werner, Mario Gomez, etc. müssen und mussten sich in ihrer Karriere schon viele schlimme Dinge aus sämtlichen Stadionblöcken der Republik anhören. Jeder Torhüter kennt das berühmte „Arschl*ch, Wixxer, Hupensohn“ aus der gegnerischen Kurve. Hätten die sich bei jeder Beleidigung derart aufgeregt wie Herr Hopp und hätte der DFB jedes Mal so durchgegriffen, wir hätten schon längst keine Meisterschaft mehr, die nicht am grünen Tisch entschieden würde.

      Wo der DFB eigentlich vor einigen Wochen war, als Jordan Torunarigha auf Schalke rassistisch beleidigt wurde und warum ein Spiel der Hertha U16 gegen den VfB Auerbach gegen die Hertha gewertet wurde, nachdem die Spieler aufgrund rassistischer Rufe den Platz verlassen haben, wäre dann doch aber noch eine spannende Frage. Stattdessen ist dem DFB einfach scheißegal, was Leute aushalten müssen, oder was sonst noch so falsch läuft im Fußball (Videobeweis, Katar, gekauftes Sommermärchen), aber wehe es wird ein alter, reicher Mann beleidigt, dann wird mit (Schall-) Kanonen auf diejenigen geschossen, die das Event „Stadionerlebnis“ jedes Wochenende zu dem machen, was es ist.

      Unterdessen wurde in Leipzig am Sonntagnachmittag eine riesige, wahrscheinlich konzernfinanzierte Choreographie mit der Aufschrift „Love, peace and Rasenball“ ausgerollt und noch während die letzten Zuschauer ihre Pappen in den Innenraum entsorgten, beförderte der RB-Sicherheitsdienst eine Gruppe Japaner aus dem Stadion, aus Angst vor dem Coronavirus. Auf Twitter entschuldigte man sich auch sogleich brav bei den Bazillen-Schlitzis und rechtfertigte dieses Vorgehen mit einer Handlungsempfehlung des Robert-Koch-Instituts, wonach Personengruppen aus potentiellen Risikogebieten verstärkt kontrolliert werden sollten. Ich kann mich vielleicht irren, aber ich glaube nicht, dass das Robert-Koch-Institut irgendwen zum Racial Profiling aufgerufen hat. Der DFB hat sich hierzu noch keine Stellungnahme aus dem Ärmel geschüttelt und das, wo man doch quasi die ganze Woche großkotzig behauptet hat, dass jede Form von Ausgrenzung, Hass und Hetze keinen Platz in deutschen Stadien hätte. An den Taten von Sinsheim, Dortmund, Berlin, Bochum und Meppen muss der DFB sich nun messen lassen. Leipzig wäre da doch eine wunderbare Gelegenheit, den leeren Worten auch Taten folgen zu lassen. Aber laut Fritz Keller hat der deutsche Fußball ja kein Problem mit Rassismus.


      Ein Saarland entspricht exakt 359.908,96 Fußballfeldern.
    • Die Aussage von Lehmann ist mir komplett neu, aber der Typ ist sowieso das reinste Hohlprofil und er wurde ja im Buch von Ronald Reng sehr gut beschrieben. Ansonsten wunderbar die letzten Ereignisse zusammengetragen und alles ziemlich genau auf den Punkt gebracht. :nuke:
      „Schuld sind die Täter, zur Opferrolle taugen diese Chaoten nicht.“
      C. Schickhardt („Anwalt“) über Kollektivstrafen.
    • Wow. Wie kann man nur so offen zur Schau stellen, wie blöd man eigentlich ist? Aber in einem Punkt hat er ja sogar recht, man sollte sich als Spieler wirklich nicht outen, solange Schwachköpfe wie Lehmann dummes Zeug faseln können und trotzdem noch überall eingeladen werden.
      Mein Highlight:
      Aber Thomas Hitzlsperger ist ein Spieler, der erstens sehr intelligent ist, und zweitens von seiner Spielweise überhaupt nicht den Anlass gegeben hätte, dass da man hätte denken können, da ist irgendetwas.
      ;D
      Das kann man doch nicht ernst meinen!
      „Schuld sind die Täter, zur Opferrolle taugen diese Chaoten nicht.“
      C. Schickhardt („Anwalt“) über Kollektivstrafen.