Bedingungsloses Grundeinkommen (BGE)

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    • Bedingungsloses Grundeinkommen (BGE)

      Jenseits der tagesaktuellen Krisenpolitik möchte ich gerne mit dem bedingungslosen Grundeinkommen ein allgemeineres Thema zur Diskussion vorschlagen. Die Suche hat zwar ergeben, dass es - mal hier, mal da - schon ein paar Beiträge dazu gab, die allerdings schon etwas länger zurückliegen und sich unter engeren Titeln versteckt halten. Deshalb würde ich das Schattendasein gerne auflösen und es mit einem eigenen Thread stärker ins Licht rücken wollen.
      Jüngere Entwicklungen - die Schweiz stimmt im Juni über das bedingungslose Grundeinkommen ab, Finnland wird ein Pilotprojekt starten, in Kanada gibt es ähnliche Pläne - machen das Thema weniger abstrakt, sondern für die Zukunft relativ konkret. Es gibt inzwischen verschiedene "Machbarkeitsstudien" zu möglichen Finanzierungsmodellen. Da die politische Landschaft sich durch ein breiteres Parteienspektrum in Deutschland ja momentan ordentlich durchwirbelt und der Druck zur Profilierung deshalb wohl zunehmen wird, könnte sich das Gesicht jeder Partei an solchen Leitthemen wie dem BGE künftig 'deutlicher' zeigen.

      zeit.de/politik/2016-01/beding…ise-freiheit-finanzierung

      de.wikipedia.org/wiki/Bedingungsloses_Grundeinkommen

      Persönlich bin ich ein Befürworter der Idee eines bedingungslosen Grundeinkommens - aus einer sozial-liberalen Einstellung heraus. Nach der digitalen Revolution, deren Effekte sich erst langsam andeuten, wird auch sich der Zwang zur Arbeit mit all seinen negativen Folgen in Freiwilligkeit zur Arbeit mit all seinen positiven Folgen 'revolutionieren'. Die Argumente gegen das BGE sind relativ altbacken: Es würde 1) Faulheit fördern, 2) Einwanderung in Sozialsysteme zusätzlich begünstigen und 3) letztlich nicht finanzierbar sein.
      Für den letzten Punkt gibt es inzwischen viele konkrete Vorschläge, weshalb nicht mehr nur geredet, sondern in einigen Ländern getestet werden soll. Wenn die notwendigen Steuern künftig nicht mehr an das Einkommen, sondern stärker an den Konsum gekoppelt werden, finanziert sich das Modell quasi selbstständig. Gleichzeitig werden bedingungsstrikte Sozialleistungen, die an Anspruchsprüfungen gebunden sind, mittelfristig ersetzt. Wo Ansprüche und Bedingungen nicht mehr geprüft werden müssen, verschwindet auch eine kostspielige Bürokratie. Wo es keine Bedingungen gibt, gibt es auch keinen Betrug. Insofern ist der Abbau von Bürokratie eine "wirtschaftsliberale Kernforderung".
      Die Einwanderung in Sozialsysteme - ein sehr aktuelles Thema - ist immer eine Frage der Perspektive. Wer im Blut-und-Boden-Modus denkt, sieht darin immer eine Gefahr. Weil aber auch jeder "Einwanderer" konsumieren muss und damit "Abgaben" leistet, trägt er automatisch zum Erhalt des Systems bei - futtert also nicht auf Kosten anderer, sondern aller und damit eigener. Das BGE ist nicht an Nationalität, sondern einzig an den Wohnort gebunden. Wo man wohnt, dort frisst man auch. Und wo gefressen wird, zahlt man sich das eigene Einkommen quasi selbst, wenn eine höhere Mehrwertsteuer auf den Konsum veranschlagt wird und es dafür an anderer Stelle "Steuererleichterungen" gibt. Mit dem BGE verändert sich auch das bisherige Sozialsystem. In diesem Sinne gibt es dann auch keine Einwanderung in ein solches mehr.
      Bei dem ersten Punkt, die Förderung von Faulheit, handelt es sich aus meiner Sicht um ein Scheinargument. Kurzfristig werden die "Glücklichen", denen jetzt einfach so "Geld geschenkt" wird, wohlmöglich ordentlich auf den Putz hauen - sich Dinge kaufen, die sich immer mal leisten wollten. Oder dabei zur schnellen Befriedigung Kohle raushauen, die danach einfach nur weg ist. Aber es werden sich mittelfristig Lernprozesse einstellen. Natürlich wird sich die Wirtschaft neue Anreize überlegen müssen, wenn Drecksarbeit nicht mehr für einen Appel & ein Ei durchgeführt wird. Aber sollte "Drecksarbeit" nicht auch "fürstlich entlohnt" werden, damit jemand unangenehme Arbeit übernimmt? Arbeit ist nicht nur Existenzsicherung, sondern auch ein Weg zur Selbstentfaltung. Wer nur zu Hause rumsitzt, wird irgendwann Langeweile bekommen. Und wer für prestigelose Arbeit künftig nicht mehr nur schlechtes Geld bekäme, wird seine Langeweile auch produktiv umwandeln.

      Diese Thread könnte nicht nur zur Diskussion, sondern auch zur Sammlung von News zum Thema genutzt werden.
      Ich habe das Bedürfnis, in jeden Post mindestens einen Unsinn hineinzubringen.
    • Ich ebenso. Ganz wichtig: Ein Job sollte jedoch heutzutage ausreichen, um seinen Lebensstandard aufrechtzuerhalten. Oftmals ist das ja leider nicht der Fall. Es kann nicht angehen, dass man 2-3 Job's ausüben muß, um überhaupt einigermaßen über die Runden zu kommen. Diese Entwicklung muß unter allen Umständen gestoppt werden.
      Wir von der Waterkant können Krabben pulen und gegen den Wind pi.... :ja:
    • Wie man es final umsetzt,ist mir relativ egal.Aber grundsätzlich sollte jemand,der einem Vollzeitjob nachgeht, DEUTLICH mehr Geld bekommen als jemand,der keinem Job nachgeht.
      Es darf also nicht darauf hinauslaufen,das das BGE am Ende höher ist,als das Gehalt einer Vollzeitkraft z.B. als Putzfrau,Kurierfahrer oder ähnlichen Jobs,die für niedrige Löhne bekannt sind.
    • FSVler schrieb:

      Wie man es final umsetzt,ist mir relativ egal.Aber grundsätzlich sollte jemand,der einem Vollzeitjob nachgeht, DEUTLICH mehr Geld bekommen als jemand,der keinem Job nachgeht.
      Es darf also nicht darauf hinauslaufen,das das BGE am Ende höher ist,als das Gehalt einer Vollzeitkraft z.B. als Putzfrau,Kurierfahrer oder ähnlichen Jobs,die für niedrige Löhne bekannt sind.

      Wer arbeitet, kriegt das BGE ja zusätzlich. ;)
      Ein Verein ohne Kurve ist auch mit Titeln wenig wert.
    • @Faszi: Danke allein schon für die erläuternden Worte! :nuke:

      Da ich trotz Job inkl. Ü-Stunden ohne Ende auch zum Aufstocken gezwungen bin, ist das quasi Wasser auf meine Mühlen. Besonders deine These bzgl. dem potentiellen Konsumverhalten gefällt mir - genau, selbst da würde sich der Markt auf seine Art regeln. Eine Gefahr seh ich dabei nur für diejenigen, denen ein geregelter Tages- und evtl. auch Arbeitsablauf fremd ist und bleiben wird. Eine Gefahr deshalb, weil wenns Geld ausgegeben ist, sich auf nicht mehr so zivilisierte Art Nachschub beschafft werden könnte. Ob sich da ein Denkprozess einstellen würde, da bin ich mir unsicher. Ich weiß, bissl viel Konjunktiv von mir und man soll auch immer ans Gute im Menschen glauben...

      Wo ich so richtig ins Grübeln komme, sind die zu schaffenden Anreize in der Wirtschaft. Provokante Frage: Will man das dort überhaupt, wenns durch Lobbyarbeit und Umgehung von geltenden Rechtsvorschriften (aktuell beim Mindestlohn mit nach Unten schrauben der Arbeitszeit) doch viel gewinnbringender in diesen Kreisen ist?
      Drei Buchstaben, zwei Farben, eine Gemeinschaft
    • Die Argumente gegen das BGE sind relativ altbacken

      Gut, dann ist meine Ansicht dazu (egal was ich schreibe) ja schon eingeordnet, dann kann ich mich wieder anderen Dingen widmen :hutab:
    • Wie langweilig von dir. |-)


      SGD-Herzblut schrieb:

      Wo ich so richtig ins Grübeln komme, sind die zu schaffenden Anreize in der Wirtschaft. Provokante Frage: Will man das dort überhaupt, wenns durch Lobbyarbeit und Umgehung von geltenden Rechtsvorschriften (aktuell beim Mindestlohn mit nach Unten schrauben der Arbeitszeit) doch viel gewinnbringender in diesen Kreisen ist?


      Natürlich nicht. Wo kommen wir denn da hin, wenn sich Unternehmen plötzlich attraktiv zeigen müssen, um selbst Sachbearbeiterstellen zu besetzen? Und wenn der Arbeitnehmer dann so viel Macht hätte und sagen würde "wenn ihr mich scheiße behandelt, geh ich halt wieder - tut mir ja nicht weh." Allein aus diesem Grund wird ein BGE niemals passieren, obwohl ich die Idee befürworte.
      " Ich will nicht wieder absteigen. Dann bringe ich alle um. Das wäre der Leidensweg Christi."

      Martin Kind
    • Ich frage mich in wie weit das Sozialsystem dadurch weiter ausgehölt werden würde? Seit dem Wegbrechen der Sozialen Konkurrenz aus dem Osten ist es ja schon im rasanten Tempo durchlöchert worden...Schauen wir uns die letzten Zwei Jahrzehnte doch mal in der Hinsicht an...
    • @ Hannoi1896: Dann wehre dich doch gegen meine Einordnung. Ich halte sowas wie Faulheit einfach für ein faules Argument ;)
      Ich habe das Bedürfnis, in jeden Post mindestens einen Unsinn hineinzubringen.
    • Ansich keine schlechte Idee aber ich könnte mir gut vorstellen, dass es trotz Grundeinkommens + Gehalt genug Leute geben wird die kein Bock haben werden putzen zu gehen oder Würstchen zu verkaufen.
      Servus, Ollie

      Wer die Hitze nicht vertragen kann soll aus der Küche gehen!
    • Champions of Germany schrieb:

      BayernUSA schrieb:

      Ansich keine schlechte Idee aber ich könnte mir gut vorstellen, dass es trotz Grundeinkommens + Gehalt genug Leute geben wird die kein Bock haben werden putzen zu gehen oder Würstchen zu verkaufen.

      Es wird aber auch genug geben, die es machen.


      Vielleicht! Kommt drauf an wieviel mehr Geld es geben wird. Ein Versuch wäre es wert. Was soll denn das ganze an Steuergeldern kosten und weiß jemand wieviel es pro Person geben soll?
      Servus, Ollie

      Wer die Hitze nicht vertragen kann soll aus der Küche gehen!
    • Na gut, dann will ich als Skeptiker auch mal...
      Das BGE würde also auch arbeitenden Personen zustehen, da wäre schon mal die Höhe interessant. Aber selbst wenn wir von relativ niedrigen Summen ausgehen (gefordert wird ja quasi alles zwischen 800 und 1000 Doppelmark): Wie soll das ganze finanziert werden? Und wie verhindert man Preisanstiege? Wenn quasi ausnahmslos jeder Bürger (würden auch Selbstständige das noch obendrauf kriegen?) mehrere Hundert Euro mehr in der Tasche hat, wieso sollte ein Bäcker dann seine Brötchen noch für 30 Cent verkaufen oder der Einzelhändler den Liter Milch für 70 Cent? Und zu guter letzt der liebe Übervater Staat, der das Geld ja auch irgendwo wieder reinbekommen muss, dann muss ja auch irgendwo mehr eingenommen werden. Werden Steuern angehoben werden müssen, wenn ja, welche und wie viel? Schließlich kann man dann ja auch 1,40 statt 1,20 für einen Liter Benzin zahlen und auch eine Mehrwertsteuererhöhung wäre unter solchen Gesichtspunkten umsetzbar. An Finanzierung durch Einsparung beim Bürokratieabbau glaube ich nämlich ehrlich gesagt mal gar nicht, müssten die entsprechenden Heere ja entweder woanders ihr Unwesen treiben, oder sich beruflich umorientieren (das wäre in der Tat mal ein Gewinn!)...
      Und zum Ende kommt noch ein entscheidender Punkt: Es gibt, ob einem das gefällt oder nicht, Menschen, die schlicht und einfach keine Lust haben irgendeinen Handschlag zu machen. Und auch wenn wir von einem winzigen Bruchteil im Promillebereich ausgehen, wieso sollte man jemandem bedingungslos einfach so dabei unterstützen? Ich weiß, dass man sich damit als kaltherzig entlarvt, aber ich fühle mich mit solchen Menschen nicht im geringsten solidarisch und will auch nicht in eine Solidarität mit denen gezwungen werden...
      Wäre es nicht viel besser, wenn man Menschen, die es trotz Arbeit verdammt schwer haben sich über Wasser zu halten wirklich zu entlasten? Und ich rede hier nicht von lächerlichen Entlastungen wie 5€ mehr durch Aufstockung, sondern eine, die man ernst nehmen kann. Es gibt Menschen, auch hier, wirklich gute Menschen, die ihre Arbeit verrichten, sich nichts zu Schulden kommen lassen und sich trotzdem wie Bittsteller fühlen dürfen, da man ihnen erst einen Teil ihres Geldes nimmt, um an anderer Stelle aufstockend etwas zu bekommen...
      Schon die ganze Vorstellung, der Staat als gnädiger Wohltäter und der Bürger als Mündel, der nur durch diesen zu seinem Glück kommt, das gefällt mir einfach nicht.

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Hannoi1896 ()

    • Keine Sorge @Hannoi, sowas entlarvt dich nicht als kaltherzig, nur als mahnend und realitätsnah solidarisch.

      Das mit dem aufgeblähten Behördenapparat und dessen jobmäßiger Umstrukturierung möchte ich auch sehn. Spätestens beim Ausfüllen der wunderbaren Antragsformulare der Agentur für Arbeit würden die grandios scheitern und ich käm vor Lachen nicht in den Schlaf! :D

      Vielleicht ist das ja nicht allen (wohl dem, wer damit nie in Berührung kommt) bewußt, was Aufstocken bedeutet. Du musst dich bei Antragsstellung einmal im Jahr komplett ausziehen, wenn du "300%ige" Bearbeiter deines Antrags hast, dürfen die dir auch u.U. viele Monate rückwirkend sämtliche Kontobewegungen auf Heller und Pfennig auseinandernehmen. Du musst jeden noch so kleinen Kontozufluss sofort melden oder riskierst sonst eine Anzeige und ne entsprechende Leistungssanktionierung. Das machts selbst Aufstockern unmöglich, ein halbwegs unabhängiges Leben zu führen, sie können beispielsweise nichmal paar alte CD's bei Ebay verkloppen, ohne den Minimalbetrag sofort wieder abführen zu müssen. Ebenso müssen Nebenkostenrückerstattungen sofort gemeldet und (zurecht) zurückgezahlt werden, irrelevant ist dabei, wenn dort auch selbst gezahlte Hausmeisterkosten inbegriffen sind. Das Ganze geschieht ebenfalls unter Androhung von Strafen und mit Briefen, die an Anhörungen von Straftätern erinnern. Und das ist auch der Grund, warum viele, denen eine Aufstockung zusteht (und wenns 50-100€ sind, in unsren Breitengraden ja viel Geld) auf diese verzichten. Traurig, dass sowas nach wie vor in der Politik so gewollt und gefördert und öffentlich so propagiert wird - egal wer da grad das Arbeitsministerium verwest, selbst die MA's in den Jobcentern denken da, weil praxisnah, völlig anders.

      Drum bin ich für ein Bedingungsloses GE - den warnenden Zeigefinger heb ich da aber genauso wie du, Hannoi. Das wie und für wen in welcher Höhe ist entscheidend. Letztendlich glaub ich aber auch, dass sich sowas hier so schnell nicht einführen lässt, da würde ne riesige Seifenblase in Politik, Wirtschaft und angeschlossener Lobbyarbeit platzen.
      Drei Buchstaben, zwei Farben, eine Gemeinschaft

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von SGD-Herzblut ()

    • Hannoi1896 schrieb:

      Und zum Ende kommt noch ein entscheidender Punkt: Es gibt, ob einem das gefällt oder nicht, Menschen, die schlicht und einfach keine Lust haben irgendeinen Handschlag zu machen.


      Die gibt es so oder so.
      Jetzt eben als Hartz-IV-Empfänger.
      Klar kann man denen beim Amt immer wieder sagen, jetzt arbeite, sonst gibt es Sanktionen, aber dann wird geklagt und genug Geld zum Leben muss es eben doch geben.
      Ansonsten wird halt eine Arbeit angenommen und drei Tage später wieder gekündigt oder Krankheit simuliert oder irgendwas anderes.
      Wer wirklich nicht arbeiten will, tut es auch nicht.

      Das größere Problem, das ich sehe, ist eher die zu erwartende Inflation.
      Allerdings finde ich es fraglich, wie sehr die sich wirklich auswirken würde.

      Einmal gibt es die Kleinunternehmer. Bäcker, Schneider, Kneipiers und so weiter.
      Die könnten sich natürlich sagen, jetzt brauchen sie ihre Arbeit nicht mehr zum Überleben, also kann man doch auf den großen Reibach hoffen und Fantasiepreise aufrufen.
      Dann sehe ich aber die Konkurrenz, die billig bleibt und die Kunden wegnimmt. Bringt also nicht viel.
      Oder man sagt: Jetzt, da ich auch ohne mein eigentliches Geschäft gut leben kann, kann ich die Preise niedrig halten und so vielleicht über die Masse mehr einnehmen als vorher.

      Dann gibt es aber noch die Internationalität. Wir leben mit keiner nationalen Währung mehr, die sich immer weiter in die Inflation reindrehen kann, ohne größere Folgen für andere, sondern in der Gemeinschaftswährung.
      Natürlich könnte der Bäcker seine Brötchen jetzt teurer machen, aber wenn solche Massenbäckereien wie Backwerk oder ausländische Konkurrenten, die dann mit auf den Markt gehen, niedrige Preise verlangen und somit bevorzugt werden, hat der Kunde günstige Preise und das System der Preiserhöher das Nachsehen.
      Allgemein würden bei einer großen Teuerungsrate in Deutschland die Mitbewerber Freude empfinden.
      Teure Deutsche Produkte vom Exportweltmeister will keiner mehr kaufen, andererseits kann man eigene Produkte in Deutschland vermarkten. Zur Not gäbe den Anstoß das Internet.

      Ob das aber wirklich alles so käme, keine Ahnung.
    • Hannoi1896 schrieb:

      Und zum Ende kommt noch ein entscheidender Punkt: Es gibt, ob einem das gefällt oder nicht, Menschen, die schlicht und einfach keine Lust haben irgendeinen Handschlag zu machen. Und auch wenn wir von einem winzigen Bruchteil im Promillebereich ausgehen, wieso sollte man jemandem bedingungslos einfach so dabei unterstützen? Ich weiß, dass man sich damit als kaltherzig entlarvt, aber ich fühle mich mit solchen Menschen nicht im geringsten solidarisch und will auch nicht in eine Solidarität mit denen gezwungen werden...

      Wenn einer nicht arbeiten will, dann wirst du ihn auch nicht dazu bewegen können, selbst wenn du ihm gar kein Geld mehr gibst. Dann beschafft er sich das, was er zum Leben braucht eben anderweitig. Desweiteren gibt es auch Menschen, die der heutigen Leistungsgesellschaft schlicht und einfach nicht gewachsen sind. Hier haben wir wieder das Thema, dass für den Deutschen nichts schlimmer ist, als der Gedanke, dass jemand leben könnte ohne zu Arbeiten...
      Ein Verein ohne Kurve ist auch mit Titeln wenig wert.
    • Eben. Was schert es mich, ob mein Nachbar arbeitet oder nicht?! Wenn er keinen Bock hat zu Arbeiten und mit dem bisschen Hartz-IV klarkommt, dann soll er damit halt glücklich werden. Wer bin ich, über ihn zu richten? Das steht mir nicht zu. Das steht im Moment dem JobCenter zu, das von Gas-Gerds Agenda 2010 zu einem Perpetuum Mobile aufgeblasen wurde, aus reinem Selbsterhaltungstrieb spielen die JobCenter Richter, Henker und versuchen sich noch als Anwalt der Steuerzahler und das in Form eines schlecht ausgebildeten, überlasteten und meist unmotivierten "Beraters", der eines nur in wenigen Fällen schaffen wird: Die, die arbeiten wollen in die richtigen (!) Stellen vermitteln, denn dazu ist die Statistik zu verlockend und jeder, der arbeitet, egal wie und selbst wenn er Aufstocker ist, ist in eben dieser Statistik nicht drin und die Nahles - als Arbeitsministerin sowieso DER Kracher noch vor Lobbyisten-Siggi - darf sich vor der Presse mit 4,x%-Arbeitslosenquote rühmen.

      Der ganze Hartz-IV-Apparat kostete die Steuerzahler im Jahr 2014 übrigens rund 4,7 Mrd. €. Und dann soll ich mich darüber freuen, wenn se meinem Nachbarn 30% seiner Lebensgrundlage für drei Monate sperren, weil er als gelernter Bürokaufmann nicht aufm Bau Zementsäcke schleppen will?

      Womit wir auch gleich bei der Finanzierung des BGE wäre: Die 4,7 Mrd.€ sind ja nur ein Baustein des Ganzen und nur auf Hartz-IV bezogen. Wie viele Krankheiten entstehen, weil Menschen zur Arbeit "gezwungen" werden? Wie viel lässt sich da über Arztkosten, Arzneimittelkosten, ja, auch wieder Verwaltungskosten einsparen? Sind es Millionen oder Milliarden? Ich habe dafür keine Zahlen.
      Laut dem Haushaltsplan der BA für Arbeit hat diese im Jahr 2013 insgesamt fast 100 Mrd. € ausgegeben, davon knapp 15 Mrd. an Arbeitslosengeld 1.
      Ich habe jetzt eben mal grob überschlagen, wir haben grob 45 Mio. Erwerbsfähige in Deutschland (Erwerbstätige + Arbeitslose). Ein BGE von 1.000€/Monat angenommen, wäre das pro Jahr ein Finanzierungsbedarf von 550 Mrd. €. Man würde also natürlich noch andere Finanzierungsquellen für so etwas benötigen, beispielsweise eine so gennante Luxussteuer, wie sie z.B. in Dänemark schon länger existiert. Wer sich dort ein Auto neu kauft, kann auch schon mal locker mit dem Doppelten des deutschen Preises rechnen. Das Grundeinkommen heißt halt deshalb Grundeinkommen, weil es ohne weitere Fragen die Lebensgrundlage finanzieren soll. Jeglicher Konsum über die Lebensgrundlage hinaus müsste dann halt mit höheren Mehrwertsteuersätzen, oder Luxussteuersätzen "bezahlt" werden. Und wer sich dann sowas leisten will, der muss dann eben doch arbeiten gehen und da wäre auch ein völliges Umdenken der Wirtschaft erforderlich, denn diese muss plötzlich attraktiv zahlen und sich nicht als verstaubter Dinosaurier präsentieren (landläufig Traditionsunternehmen genannt), um Arbeitnehmer zu bekommen.

      Anders als Ricardo sehe ich auch das Inflationsrisiko nur bedingt. Lebensmittel unterliegen ja heute schon einer geringeren MwSt-Belastung, da könnte man weiter ansetzen, um die Inflation für die Dinge des täglichen Bedarfs gering zu halten. Ja, Luxusgüter, Fußballspiele, Urlaube, etc. würden erheblich teurer werden, aber da man dann ja mehr Geld zur Verfügung hätte (BGE + Arbeit), würde das sich wieder ausgleichen. Auch die Gefahr, dass der Export einbricht, sehe ich in nur geringem Anteil. Die Dinge, die heute noch in Deutschland gefertigt werden, werden mit einer hohen Automationsquote gefertigt, also würden die Lohnkosten nur in geringem Maß steigen, wenn überhaupt.
      Ökonomen sagen sowieso, dass die Lohnstückkosten völlig überschätzt werden:

      Dass die Lohnstückkosten ein problematischer Indikator sind, ist unter Ökonomen weithin bekannt. So haben etwa Jesus Felipe und Utsav Kumar von der Asiatischen Entwicklungsbank festgestellt: "Es gibt historisch keine Beziehung zwischen Wachstum und Lohnstückkosten." Das ist in der Ökonomie als das Kaldor-Paradoxon bekannt.
      " Ich will nicht wieder absteigen. Dann bringe ich alle um. Das wäre der Leidensweg Christi."

      Martin Kind
    • Da fehlte noch ein Halbsatz:

      Jeglicher Konsum über die Lebensgrundlage hinaus müsste dann halt mit höheren Mehrwertsteuersätzen, oder Luxussteuersätzen "bezahlt" werden. Und wer sich dann sowas leisten will, der muss dann eben doch arbeiten gehen und da wäre auch ein völliges Umdenken der Wirtschaft erforderlich, denn diese muss plötzlich attraktiv zahlen und sich nicht als verstaubter Dinosaurier präsentieren (landläufig Traditionsunternehmen genannt), um Arbeitnehmer zu bekommen.
      " Ich will nicht wieder absteigen. Dann bringe ich alle um. Das wäre der Leidensweg Christi."

      Martin Kind