Ein Kessel Buntes - Geschichten aus der Ehemaligen

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    • Ob's noch ein anderes gibt, weiß ich nicht. ;)

      Wir waren dort zufällig in der Nähe und sind kurz im 'Schwalbennest' eingekehrt. Sehr zu empfehlen. :nuke:
      " Ich will nicht wieder absteigen. Dann bringe ich alle um. Das wäre der Leidensweg Christi."

      Martin Kind
    • Kampfkater schrieb:

      Ob's noch ein anderes gibt, weiß ich nicht. ;)

      Wir waren dort zufällig in der Nähe und sind kurz im 'Schwalbennest' eingekehrt. Sehr zu empfehlen. :nuke:
      Der war in Wiese m Schwalbennest, ich fass es nich! Und ich schlitter keine 300m entfernt durchn Schnee, die Welt is'n Dorf. :D Gute Wahl sag ich, is mehr als nur'n Geheimtipp und in den Frühlings- und Sommermonaten meist nur mit Vorbestellung reinzukommen. Erinnert also auch das an alte Zeiten (nur aus anderen Gründen), da kennt wohl jeder aus der Ehemaligen das Schild "Bitte warten - Sie werden platziert". Seit Mitte der 90er Jahre wieder von der Gemeinde in Familienbesitz übergegangen, haben die ein richtig schnuckliges Restaurant draus gemacht. Montags ist dort glaub ich Rippchentag - ich könnte töten dafür!

      War früher ne Bäckerei in mehreren Generationen, wo man noch keine Fertigteiglinge und Backmischungen (Pfui Deibel :shock2: ) kannte und alles noch, so wies sein muss, ganz altdeutsch selbst gebacken hat. Gibt heut immer noch 2 Privatbäckereien in Niederwiesa und die backen noch so, dass es nicht schmeckt wie Arsch und Friedrich. Und da bin ich auch bereit, für gute Qualität paar Pfennige mehr zu bezahlen. Hätt ich auch früher gemacht, denn da man sich mit übertriebenen, staatlich gelenkten Subventionen aber so richtig ins eigene Fleisch geschnitten. Als Beispiel nenn ich mal ein gutes doppeltes Brötchen, was standartmäßig 10 Pfennige kostete oder auch ein Mischbrot für 52 Pfennige - im Spitznamen bei uns nur "Zweenfuffzscher" genannt. Und die einfachen Brötchen im Konsum gabs für 5 Pfennige, wenn Erich mal in der Nähe war, dann lagen die auf wundersame Weise auf einmal doppelt so groß im Regal. Einige Bäckereien hier im Umland haben die Gunst der Stunde erkannt und helfen den geschundenen Geschmacksnerven mit "doppelten Altdeutschen" für 40-50 Cent das Stück auf die Sprünge. Zu den Pfannkuchen komm ich in paar Wochen nochmal, wir haben ja bald Fasching. :cool2:
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    • Joa, waren gestern Mittag auch nur zwei Tische frei. Die Bedienung so: "Sie können neben dem Eingang, oder neben dem Durchgang zur Toilette sitzen." :D

      Ich bin am Freitag auch nochmal in der Nähe. Diesmal ohne das Weibchen, daher werde ich wohl nur einen Imbiss aufsuchen. Empfehlungen - immer her damit. :nuke:

      Aber mit euren Getränken, da werde ich nicht mehr warm. Ich habe die Angewohnheit, wenn ich in anderen Regionen Deutschlands unterwegs bin, in deren Getränkemärkte zu stratzen und nach unbekannten, lokalen Erfrischungsgetränken Ausschau zu halten. Vita-Cola und Club Cola kannte ich ja schon. :schreck: Gestern habe ich da sowas ähnliches wie Vita erwischt, sah auch ähnlich auf dem Etikett aus - so ne kleine "unförmige" 0,33l Glasflasche. Ich war schon froh, dass es nur ne kleine Flasche war. Urks, war das furchtbar!
      Die Bad Brambacher Cola hingegen war eigentlich ganz lecker. ;)
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      Martin Kind
    • Bei der ekligen Cola rätsel ich grad selber, komm nich drauf. Aber Brambacher - da kommen ganz bestimmte Erinnerungen hoch. War damals aufgrund des Geschmacks "Bückware" der verschärften Form. Gabs in Karl-Marx-Stadt nur in wenigen ausgesuchten kleinen Tante-Emma-Läden und das meistens auch nur Donnerstags. Ich weiß noch, da musste sich immer unsre Oma mit anstellen, wenn die Punkt 14 Uhr wieder aufgemacht haben. Brambacher Sprudel in so kleinen bauchigen Flaschen - und selbst die gibts heute wieder. Nur mit dem Anstellen klappt heut nich mehr - macht einfach keen Spass, wenn man immer alles kriegen kann. :D Für den Imbiss-Tipp geb ich dir noch Bescheid.
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    • Hervorragend. Genau bin ich in Mittweida, wenn ich aber ein paar km fahren muss, ist das nicht schlimm.

      Ich hab die Flasche noch im Auto, ich schau mal, wie dieses garstige Zeug heißt. Ich kann mir gar nicht vorstellen, dass alle auf diese Vita-Cola SO scharf sind, dass es die mittlerweile sogar bundesweit zu kaufen gibt. Ich finde das Zeug einfach nur scheußlich. Das heute noch zu kaufen, kann doch also nur (n)ostalgische Gründe haben, denk ich mir so?!
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      Martin Kind
    • @Kater: Da haste bestimmt die Neunspringer Cola erwischt. Die sieht etikettenmäßig so aus wie Vita-Cola und gibts in 0,33l Bullen im E-Center in DD.
    • Was Vita-Cola betrifft muss ich energisch widersprechen, das Zeug ist wirklich lecker. Dazu muss ich erwähnen, dass ich sehr selten mal Cola trinke, höchstens im Sommer mal eine arschkalte Pepsi und auch ausschließlich aus der Dose! :D Ansonsten kann ich auch mit diesem Teufelszeug (Cola+Orange) herzlich wenig anfangen und werde regelrecht sauer, wenn jemand in einen guten, edlen Whisky seine 50 Pfennig-Cola schüttet. Da kann eigentlich keine Strafe hart genug für sein... Aber für Vita-Cola fahre ich auch schon mal bis in den Nienburger "Famila"-Markt, schmeckt einfach verdammt gut...

      Ansonsten mal beide Daumen nach oben für den Herzblut und seine Beiträge hier, liest sich einfach sehr unterhaltsam. Auch ohne (vielleicht sogar deswegen) Ortskenntnisse oder ein wirklich tiefes Wissen über den Alltag in der DDR sehr schön zu lesen :nuke:
    • @SektionDB: ja richtig. Das war es. Haben die früher Vita in Lizenz hergestellt, oder warum ist das ähnlich?

      Hannoi1896 schrieb:

      Was Vita-Cola betrifft muss ich energisch widersprechen, das Zeug ist wirklich lecker.


      Naja, in Nienburg gibt's sonst nur Schweinepisse...da würde ich auch ne Vita vorziehen. ;)
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      Martin Kind
    • Na die Daumen nach oben gibts aber auch für die anderen, die hier ihre Erlebnisse im Sinne der Völkerverständigung preisgeben. ;) Und das alles nur, weil der Bear, Katsche und ich vor paar Wochen woanders darüber rumgeblödelt haben. Hatte ich doch den richtigen Riecher...

      Das Thema Cola ist das perfekte Beispiel für die Eigenheiten im ehemals getrennten und nun wieder vereinten Deutschland. Ist man im Westen mit Coke und Pepsi geschmacklich groß geworden, wars bei uns die Club- oder auch später die Vita-Cola. Die gabs sogar in verschiedenen Geschmacksrichtungen, für "Kirsch" bin ich mal in der großen Pause aus der Schule abgehauen und in den Dorfkonsum gesprintet.

      Dann kam die Wende und man stürzte sich hier erstmal auf die Zuckerbrühe vom ehemaligen Klassenfeind, die Ostprodukte wurden anfangs zu Ladenhütern (bzw. verschwanden gleich komplett aus den Regalen) und kämpften ums Überleben. Irgendwann standen dann hier wieder die Kästen mit den altbekannten Logo's in jedem noch so kleinen Supermarkt rum. Und da gings mir wie so vielen, ich hab mir gesagt: Das (mir zu) süße Zeug ausm Land der unbegrenzten Möglichkeiten haste probiert, den Geschmack von früher hättse auch mal wieder gern in der Gusche, nimmste mal 2-3 Flaschen mit. Und siehe da, es schmeckte noch wie früher.

      Der Westteil unsres Landes hatte auch bald die Möglichkeit ostdeutscher Verkostung - manche fandens gar nicht so schlecht, die anderen vertrauen eben auch bis heute ihren "großgewordenen" und wohlvertrauten Geschmacksnerven. Jeder Jeck is halt anders - wir können alle zusammen froh sein, so ne große Auswahl zu haben. ;)
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    • SGD-Herzblut schrieb:

      Der Westteil unsres Landes hatte auch bald die Möglichkeit ostdeutscher Verkostung - manche fandens gar nicht so schlecht, die anderen vertrauen eben auch bis heute ihren "großgewordenen" und wohlvertrauten Geschmacksnerven. Jeder Jeck is halt anders - wir können alle zusammen froh sein, so ne große Auswahl zu haben. ;)


      Na selbstredend. Wobei ich mich da schwer tue, das an Ost und West festzumachen. Siehste ja, der Wessi aus dem Spargelland trinkt sogar Vita.
      Ich zum Beispiel probiere halt echt gern rum mit so etwas und auch im Westen hast du ja eklatante Unterschiede teilweise. Während die Cherry Coke z.B. in Deutschland und Frankreich gleich ist, habe ich mich letztens in Belgien schwer gewundert - da schmeckte die ganz anders. Und weil's ungewohnt ist, gleich viel geiler. Ich finde aber auch diese kleinen Getränkehersteller ums Eck besser als Coke oder Pepsi. :schulterzucken:

      Mit der Club hatte ich auf dem letztjährigen RockHarz meinen Erstkontakt. Warm ziemlich fies, aber nachdem sie ein paar Stunden in der Eisbox lag, war die sogar trinkbar. Aber Vita...nee, das schmeckt so, als hätte man in Kinder-Cola so ne Pulle von diesem Zitronenkonzentrat in diesen gelben Plastikdingern reingekippt.
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      Martin Kind
    • Kampfkater schrieb:

      @SektionDB: ja richtig. Das war es. Haben die früher Vita in Lizenz hergestellt, oder warum ist das ähnlich?

      Hannoi1896 schrieb:

      Was Vita-Cola betrifft muss ich energisch widersprechen, das Zeug ist wirklich lecker.


      Naja, in Nienburg gibt's sonst nur Schweinepisse...da würde ich auch ne Vita vorziehen. ;)


      Mit jemandem aus einer Region, wo man Wurst in mundgerechte Happen schneidet, das mit einer völlig überwürzten roten Soße überzieht um dann ein Pfund Curry drauf zu werfen streite ich mich nicht über kulinarische Dinge! :D

      Im Edeka in der Nähe gibt es ein Regal mit internationalen Getränken, ist auch immer wieder spannend was es da für feine Sachen gibt. Neulich hatte ich fast Tränen vor Freude in den Augen, als ich mein geliebtes "Irn-Bru" gefunden habe. Ein koffeinhaltiges Getränk aus Schottland, was vermutlich direkt Diabetes verursacht, aber das Zeug macht einfach süchtig. Während meiner Urlaube in England habe ich mich manchmal tagelang nur davon, irischem Brot und Cheddarkäse ernährt... Dafür habe ich da neulich erstmals in meinem Leben ein "Root Beer" erstanden. Was für eine widerwärtige Plörre, undefinierbarer Geschmack und klebt wie bescheuert, wenn man das bei der Arbeit verschüttet (hab ich so gehört! :D ). Ansonsten alle möglichen Varianten von Cola/Zitronenbrause+Kirsche...
      Die "Club" hatte ich vor Jahren mal in Berlin getestet und konnte mich damit sehr gut anfreunden. Zumindest gab es offenbar drüben damals gar nicht so üble Getränke, da gibt es jedenfalls in anderen Ländern viel schlimmere Abscheulichkeiten.

      edit: Und noch etwas weiter off Topic: Ich hab ja nun wirklich viel über die DDR-Version von "Kaffee" gehört/gelesen, hatte ja nie das Vergnügen das Zeug zu probieren. Aber im walisischen Ort Llanthony hatte ich in einem Hotel mal einen Kaffee, der sich beim hinzugeben von Milch grau gefärbt hat. Grau! Kaffee sollte nun definitiv nicht grau sein! Er schmeckte jedenfalls so, wie Schwarzpulver riecht, also wenn man beispielsweise einen Silvesterknaller anzündet. Mit einer gewissen Nostalgie denke ich gerade an meinen walisischen Schießpulverkaffee. Spitzenthread! :D

      Dieser Beitrag wurde bereits 3 mal editiert, zuletzt von Hannoi1896 ()

    • SGD-Herzblut schrieb:

      Erinnert also auch das an alte Zeiten (nur aus anderen Gründen), da kennt wohl jeder aus der Ehemaligen das Schild "Bitte warten - Sie werden platziert".

      Das erinnert mich an ein ganz fieses Erlebnis, als ich als 6-Jähriger mit meinen Eltern in Ost-Berlin gewesen bin.
      Es gab ja diesen Zwangsumtausch von DM in Ost-Markt, aber wenig Möglichkeiten dieses Geld auszugeben. Wohl auch aus diesem Grund waren wir in einem sehr guten Restaurant zum Essen.
      So hab ich es zumindest in (hier soweit noch) positiver Erinnerung. Diesen Teil bisher hab ich zugegeben nicht mehr so genau präsent, ist ja auch schon ein paar Jahre her.

      Was ich aber noch genau in Erinnerung habe und das fiese war. Nach dem Essen und Trinken musste ich plötzlich sehr dringend auf die Toilette. War ja zunächst kein Problem, da es in dem Restaurant
      natürlich Toiletten gab, die auch nicht alle besetzt waren.
      Ich hatte noch keinen Fuß in die Toilette gesetzt, da kam eine strenge Stimme: "Habe ich dich herein gebeten? Du hast zu warten bis ich dich herein rufe!"
      Tatsächlich ließ mich die Klofrau ca. 5 Minuten warten. Mir als 6-jährigen mit meinem dringenden Bedürfnis kam es wie eine Ewigkeit vor. Wirklich geärgert hab ich mich dann, als ich endlich rein durfte
      und fest stellte, dass kein Mensch drin war und es gar keinen Grund für das Warten gab.
      Ist mir so im Westen nie passiert. Kann aber auch nicht beurteilen ob im Osten auch in Toiletten öfter galt "Bitte warten - Sie werden platziert".
      Die Wembley-Nacht wird immer bleiben: Der Arjen hat`s schon wieder gemacht. :hurra:
    • @Legos

      Diese Anstellerei für jeden Scheiss war ja Gang und Gäbe bei uns, aber auf'm Clo? Das wäre mir neu. :amkopfkratz: Scheinbar hattest du da wirklich einfach nur eine schlechtgelaunte Clofrau erwischt.
      Wir von der Waterkant können Krabben pulen und gegen den Wind pi.... :ja:
    • Hannoi1896 schrieb:

      Ansonsten mal beide Daumen nach oben für den Herzblut und seine Beiträge hier, liest sich einfach sehr unterhaltsam. Auch ohne (vielleicht sogar deswegen) Ortskenntnisse oder ein wirklich tiefes Wissen über den Alltag in der DDR sehr schön zu lesen :nuke:


      Ja, geht mir auch so. Herzblut kann das immer so schön in Worte fassen, noch dazu mit viel Wortwitz. Das hat natürlich nicht jeder in seinen Adern. Da kommen auch immer wieder Sachen ans Tageslicht, die man eigentlich schon längst verdrängt oder auch einfach schlichtweg vergessen hat.
      Wir von der Waterkant können Krabben pulen und gegen den Wind pi.... :ja:
    • Kampfkater schrieb:

      @SektionDB: ja richtig. Das war es. Haben die früher Vita in Lizenz hergestellt, oder warum ist das ähnlich?

      Hannoi1896 schrieb:

      Was Vita-Cola betrifft muss ich energisch widersprechen, das Zeug ist wirklich lecker.


      Naja, in Nienburg gibt's sonst nur Schweinepisse...da würde ich auch ne Vita vorziehen. ;)


      @Kater: Wikipedia sagt dazu das es in der ehemaligen DDR u.a. den Produktionsstandort Neunspringe (Worbis) gab die Vita-Cola herstellten. Da wird sich das ähnlich Aussehende Etikett bis heute gehalten haben. Finde solche Nostalgischen Dinge eigentlich gut und werd wenn ich wieder ins E-Center komme mal ne kleine Flasche zur Probe kaufen und dann Berichten. Bisher kannte ich nur das Neunspringer Bier welches ich mal auf ner Groundhopping Tour im Eichsfeld (Leinefelde) trank. Bin zwar auch in der DDR geboren aber mit Baujahr 2/86 zu jung um da ganz bewusst schon die Feinheiten mitbekommen zu haben, von daher les ich gerne solche Anekdoten und sauge die auf. :nuke:
    • Story N°4

      eigentlich wollte ich mal vor 20 Jahren die Kurzgeschichten meiner "russischen" Erlebnisse bündeln und drucken, blieb immer irgendwie liegen, und jetzt ist es zu spät.

      1962, ich wohnte mit meinen Eltern in einem "betuchten" Funktionärsviertel im Connewitzer Süden, die Nazis hatten die Häuser 1935 für ihre Nomenklatura errichtet, 1959 zogen wir durch den "priviligierten" Status meiner Eltern ins gehobene Milieu. Gleich in der Nähe war die Waldkneipe, -gaststätte von dem dicken Terpe. Stets war unser Rumtollen im Connewitzer Holz mit einem "Kneipenbesuch" bei Wilhem(?) Terpe verbunden. Eine Waldmeisterlimo und jeder 2 Gummischlangen, machte zusammen 20 Pf...

      Lederhosen, runtergerollte Kniestrümpfe, dreckig und glücklich saßen wir am Tisch in der Gartenschenke...

      Eines Tages, wir kamen wiedermal aus dem Busch, saß da ein Russe mit der normalen Landseruniform, jeder wußte, dass die armen Schweine keinen Ausgang während ihres 3-jährigen Grundwehrdienstes hatten, und dort nicht hingehörte. Er kippte sich Pinchen (0,2 cl) für Pinchen hinter die Binde.
      Jeder, der die slawischen Trinkgewohnheiten kannte oder kennt :D , weiß das Schto Gramm normale Glasgröße ist. Der armer Hund ist wohl unerlaubterweise über die Kasernenmauer geklettert, selbige lag nur 400 Meter entfernt im Wald, und wollte die schnellstmögliche Druckbetankung. Er ruderte völlig verzweifelt mit seinen Armen, und Terpe konnte gar nicht so schnell nachgießen wie der Towaritsch schluckte.
      Das Unglück nahte in Persona zweier russischen MPis, die mit ihrem Jeep vor der Kneipe hielten, im raschen Gehen zog der bullige Offizier sein Koppel aus dem Hosenbund, wickelte den Lederriemen um die Faust, mein Kumpel Thomas versteckte sich unterm Tisch, als das Koppelschloss dem armen Schwein das halbe Gesicht wegriss...
      Wie ein Bündel Dreck haben die Schweine den armen Soldaten auf den Jeep geschmissen und sind einfach weg. Terpe musste den Laden streichen, ich meinen Eltern erklären, warum ich von oben bis unten blutig war, erhielt danach Redeverbot über diesen Vorfall..., was nicht sein durfte, war auch nicht.

      Die Bilder vergesse ich meinen Lebtag nicht!
      Anar kaluva tielyanna