Ein Kessel Buntes - Geschichten aus der Ehemaligen

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    • men`s world schrieb:

      Die haben dann gewartet bis er kam, und genmeinsam die Pulle geleert, es gab dazu noch 400 Ostmärkerschen. Achso, nach der Frage, was mit dem Oberleutnant geschehen sein, kam die Antwort kurz und knapp: Sibirien. :D
      Hart - aber unfair ! :augen:
      Ihr habt Uhren ...
      Ich habe Zeit !
    • Isch werd dir glei Vergewaltschung deutschor Schbrachä - das is Weldgulduorärbä, so! :D

      Jaja, men's world, auch sowas gehörte zum Alltag. Wir hatten ja in meiner Rodnoy gorod (Heimatstadt - der Russischunterricht wirkt immer noch nach ;) ) auch ne Garnision. Die Meisten von denen waren froh und dankbar, überhaupt mit den Aborigines mal in Kontakt zu kommen. Und einige wenige hatten beim Wort Nastarowje ihren Lebensmittelpunkt gefunden - mit solchen Folgen, wie von dir beschrieben, inkl. anschließendem Ausflug ins fernöstliche Winterland. Und was das bedeutete...
      Drei Buchstaben, zwei Farben, eine Gemeinschaft
    • So da will ich auch mal meinen Einstand hier geben.

      Abbelsinen - oder von den kleinen Freuden im real Existierenden

      Versetzt euch mal so um die 30 Jahre zurück. Das Herzblut kam in der Vorweihnachtszeit eines Nachmittags aus der Schule, als Schlüsselkind gabs zuhause die Aufgaben Aufwasch erledigen und Kachelofen heizen. Im Radio lief grad auf Rias2 'der alte Ami Rik de Lisle' (auch einer meiner Helden, Kult sag ich :amen: ), da klingelts an der Tür und die Nachbarin steht draussen. "Du, willst du deinen Eltern ne Freude machen? Dann geh mal schnell rüber in' Konsum, da gibts Abbelsinen!" Ich also dem Rik für heute tschüssie gesagt und mich dort noch draußen vorm Eingang mit angestellt. Als ich dran war, hab ich gleich für "die Hausleute" :ohje:
      noch ne große Tüte mitgenommen. Sowas vergisst man nicht. Nun muss man dazu wissen, das waren die guten Abbelsinen, nich die vom Fidel (Castro). Weil wenn du in die gebissen hast, hattest du das Gefühl, in nen Strohballen zu beissen.

      Ich also stolz wie Bolle wieder Zuhause, da kommt meine Mutter von der Arbeit. "Uwe, gugg ma, was ich heut in der Mittagspause in der Kaufhalle erwischt hab!" Wir haben dann ihre zwei und meine zwei Tüten Abbelsinen in ne große Plastikwaschschüssel gekippt und uns drauf gefreut, wie der Vater guggt, wenn er abends von der Tagesschicht heimkommt. So gegen 21 Uhr kam er dann auch und rief uns freudestrahlend zu: "Guggt ma, was ich heut in der Kaufhalle erwischt hab!" Meiner Mutter liefen die Freudentränen, der Vater wusste nich was los ist, da hab ich ihn wortlos mit in die Küche genommen, dort gabs dann die Familienzusammenführung mit seinen zwei Tüten Abbelsinen. Als ich das den nächsten Tag der Oma erzählt hab, fing die auch an zu schluchzen, ich hör sie noch heute: "Uwe, mir ham den Kriech alleene verlorn, aber sach das bloß niemandem weiter."

      Und immer, wenn ich heut mit den Ellies in der Adventszeit beim Kaffee zusammensitz, fragt garantiert einer von uns: "Wisst ihr noch - die Abbelsinen?" Das waren damals Festtage, hatte ja nich jeder. Man hat sich halt auch über solche heut an sich unbedeutenden Dinge gefreut. :D
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    • Kult - war damals ein Straßenfeger, schon die Titelmelodie ist fest im Gedächtnis eingebrannt :nuke: Und über Generationen hinweg wurde der Titel zum Synonym für die Ruhe- und Rastlosigkeit selbst noch (und besonders) im Rentenalter. Immer auf Achse, immer was zu tun. Mit dem Kopf schon beim Einkaufen, im Garten, auf ner Busreise oder mit den Enkeln unterwgs und mit dem Arsch noch zuhause. Rentner haben niemals Zeit - das Motto gilt bis heute!
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    • Story N°2

      Mugge in Apolda, Studentenklub. 3.30 Uhr eingepackt und über Novemberstraßen zurück nach Leipzig. Das Jahr?.... :amkopfkratz: schwer zusagen Ende `82? Auf alle Fälle fuhr ich einen aufgemotzten Wolga, die Ersatzteile haben meine KFZ-Schlosser vom VEB Taxi aus dem Betrieb geschmuggelt und in "Heimarbeit" an Privatfahrzeugen "verarbeitet" :D . Jeden Morgen (ich war schon Profi) hab ich mit den Jungs Kaffe getrunken, Dienstleistungspflege.

      Mit dem GAZ 24 und Anhänger ging es Nacht zurück. Waldreiches Gebiet in Thüringen, aus einer Senke kommend, standen wir einem T34 gegenüber, und schauten in das Kanonenrohr, puuuh, das war ein Schreck, der Russe (Soldat) sprang vom Panzer: Iswenitje poschalsta, petrol? ;D ;D ;D . Da wir immer 2 x 20 Liter Kanister (Tankstellenmangel) im Kofferraum hatten, wechselte der kanisterinhalt für 20 Ostmark den Besitzer, die beiden Russen haben den Sprit in den Panzer gegossen, angeworfen, Drehung und im Wald verschwunden, unglaublich.
      Ein nächtlicher Ausflug zur Dorfschenke wäre ohne unsere Hilfe für die beiden Kameraden (natürlich schon freundlich ausgedrückt, beschwipst) zur Katastrophe geworden.
      Anar kaluva tielyanna

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von men`s world ()

    • :klatsch: Danke, men's world - made my day! ;D

      Ich geh jetz Ski fahren, hoffentlich kommt mir nich in Feld, Wald und Wiese ein T34 entgegen. Hab nämlich nur nen kleinen hochprozentigen Wackelmann dabei - da kommen die ni weit. :D
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    • @men's world

      Großartige Geschichten! :nuke: Wie sagte Erich doch immer: "Aus den Betrieben ist viel mehr rauszuholen". Einige nahmen das wörtlich (jeder ne Aktentasche voll). :ohje: Was blieb einem denn auch anderes übrig, gab doch nüscht?! :)
    • Story N°3

      mein Abitur 1970-73) machte ich in Groß-Stieten(Wismarer Tieflandsbucht), der einzige Sachse unter einem Haufen Fischköppen :D .

      Dadurch, dass ich entfernungstechnisch am Wochenende nicht nach Hause fuhr, bin ich oft mit den Kollegen zu denen nach Hause. Der eine Kumpel wohnte in Zarrenthin, Grenzgebiet Elbe. In der Mitte des Stromes lag eine kleine Insel, die unter der Ägide des Viermächteabkommens wechselseitig vom BGS und den Grenztruppen der SBZ angefahren wurden. Auf der Insel war eine kleine Schutzhütte gegen schlechtes Wetter, in der sich die Grenzer verkrochen.
      Es kam das Schaltjahr 1971, 29. Februar ;D ;D ;D , da trafen 4 Grenzer mit ihren Booten auf der Insel ein, 2 x M16 Träger und 2 x Kalaschnikowskis. Die Vier beschlossen die Nacht durchzumachen. Natürlich sind die Jungs vom BGS zurück und haben den Johnny Walker geholt..... Ende vom Lied, in der Waffenkammer der Ostjungs standen 2 M16..., die Wessis sind mit der Russenknarre heimgekommen.
      Was die dann abgekriegt haben? Keine Ahnung, wahrscheinlich ne Rüge... ;D Die beiden Ossis sind 3 Jahre nach Schwedt (NVA-Knast) in den Bau. Es war in dem kleinen Ort das Gespräch über die Wintermonate.

      Friedenstifter Alkohol, sollten sich die Jungs vom Daesch mal zum Vorbild nehmen. :cool2:
      Anar kaluva tielyanna
    • Das wir ja immer besser hier. ;D :klatsch:

      So, jetzt auch mal von mir ne Geschichte. Es war im Frühjahr 89. Drei Monate Grundausbildung bei der Grenztruppen der NVA in Berlin lagen hinter mir. Während dieser Zeit muß ich ca. 4-5 kg an Körpergewicht verloren haben. Es war wohl mit die härteste Zeit meines Lebens. Mit voller Ausrüstung mußten wir bis zum Erbrechen über irgendwelche Hindernisse springen und durch Betonröhren kriechen. Nebenbei durfte man sich auch noch von einem der Ausbilder anbrüllen lassen, was einmal fast zu einer vorzeitigen Betätigung des Auslösers einer Panzerfaust geführt hat (volle Hose inbegriffen).
      Ich hab nur gedacht: "Wo bin ich hier eigentlich nur gelandet, was für ein Kindergarten?" Die Zeiten der Spielplätze lagen doch eigentlich längst hinter mir. So weit so gut. Dann kam der Ausgang. Nach 12 Wochen knallharter Ausbildung durften wir nun zum ersten Mal das Objekt verlassen, in Zivil. Wir also in die erstbeste Kneipe rein, keine 200 Meter vom Kasernentor entfernt. Ganz übler Laden. Dunkel, dreckige Gläser und schäbige Tischdecken. Wir bestellten einige Runden Bier, danach dann Nordhäuser Doppelkorn. Ganz übles Zeugs. Der zweite ging noch, der Dritte ließ mich dann aber vollends mit der Stirn auf den Tisch zusammensacken. Am nächsten Morgen erfuhr ich dann wie die Geschichte zuende gegangen ist. Mit 4 Mann haben sich mich dann irgendwie zurück ins Objekt (war ja nicht so weit) auf's Zimmer verfrachtet. Gegen 5.30 Uhr stand der Hauptfeld an der Türschwelle und schrie: "Soldat..., Sie werden jetzt umgehend diese Schweinerei beseitigen." Es wird mir wohl auf ewig in Erinnerung bleiben. Ich hatte das ganze Zimmer, in dem 6 Gatter (Doppelstock-Metallbetten) standen, vollgekotzt. Seitdem habe ich nie wieder Schnaps angerührt.

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Bear ()

    • als mein Kumpel als Spritzer doch ankam, war die erste Amtshandlung der Abgänger die Schildkröte. Unter Ellbögen und Knie Stahlhelme, Stahlhem auf den Kopf und mit dem Besen oder Schrubber mit Karacho den 80 Meter langen Flur (Kaserne Kaiserzeit - Mosaikboden) runter, dann mit Tempo mit dem Kopf gegen die Wand geknallt.

      Ach so, nein, einen Wehrdienstbeauftragten oder eine Beschwerdestelle gab es nicht. Nach seiner Intervention wurde ihm vom Uffz mitgeteilt, dass das Alle mitmachen mussten und es die Persönlichkeit fördern würde.... puuuuh
      Anar kaluva tielyanna
    • Ja, natürlich. Jetzt dämmert's mir. Zum Glück blieben mir solche Spielchen erspart. Ich mußt aber mal mit P3 den Waschraum schrubben, weil ich mit ner blauen Turnhosen den Waschraum betreten hatte. Die EK's sind regelrecht durchgedreht. Für Spritzer war das verboten.
    • 1964 kam meines Vaters Schwester mit ihrem Mann Gilbert aus Canada zu Besuch, sehr ungewöhnlich da meine altkommunistischer Vater, seines Zeichens damals Parteisekretär an der DHfK Leipzig zu Besuch (1949 über den britischen Sektor ausgereist). In unserem Haus roch es nach West-Seife und Benson Hedges, hab mich immer in ihr Zimmer geschlichen, da mein Onkel als britischer Staatsbürger, immer "The Britisch Soldier" in der Schublade hat. Mädels mit Doppel-G und Stahlhelm sowie Uzzi :D.

      Damals bekam ich meine erste Stones-LP, meine Alten haben gekotzt...

      In der Schule haben mein Kumpel und ich in unsere alte Schulbank mit Tintenfass alle Westbands eingeritzt, Stones, Beatles, The Kinks etc.p. War für ein Eklat, wir mussten mit Sandpapier die Bank sauber schleifen. Druck erzeugt Gegendruck.... schon damals war ich für das Regime verloren.
      Anar kaluva tielyanna
    • men`s world schrieb:

      In der Schule haben mein Kumpel und ich in unsere alte Schulbank mit Tintenfass alle Westbands eingeritzt, Stones, Beatles, The Kinks etc.p. War für ein Eklat, wir mussten mit Sandpapier die Bank sauber schleifen. Druck erzeugt Gegendruck.... schon damals war ich für das Regime verloren.


      Richtig so. Hast du es denn nicht gewußt? Das war Volkseigentum! ;)
    • Mein heißgeliebter SR1

      Im Frühjahr 1985 wurden die Eltern aller 6.-Klässler der POS (Polytechnische Oberschule) in einem Elternabend informiert, dass es ab der 7. Klasse im Mathematikunterricht eine umwälzende Veränderung geben sollte. Ab dem Schuljahr 1985/86 sollte (nach erfolgreichem Einsatz an den EOS - Erweiterte Oberschule, dort Möglichkeit zum Abitur - dort bereits 1984/85) der erste DDR-Schulrechner "SR1" im Unterricht eingeführt und dafür der gesamte Mathematikstoff angepasst werden. Damit hatte der gute alte Rechenstab, im Volksmund Rechenschieber, ausgedient. Alle Eltern waren erstmal angetan, die Mikroelektronik hielt nun auch in der Schule Einzug, moderne Zeiten für den eigenen Nachwuchs. :nuke:

      Während dieses Elternabends kippte aber bei Vielen dann die Stimmung DDR-weit, als der Preis für das gute Stück genannt wurde: 123 Mark. Nun muss man wissen, dass ein Großteil der Frauen damals so zwischen 400 und 500 Mark verdiente, da war dieser kleine Zauberkasten eigentlich unerschwinglich, trotz dieses subventionierten Preises. Im freien Handel gabs das Ding auch zu kaufen, unter anderem Namen "MR609" und da kostete er sagenhafte 460 Mark, übrigens wurde der auch in der damaligen BRD vertrieben. Eine Luxus-Version mit mehr Funktionen und entsprechend mehr und kleineren Tasten gabs auch noch, das war der "MR610".

      Nachdem nun der erste Schock verdaut war, gabs im Anschluß Elternproteste allerorten und Eingaben bis sonstwohin. :motzen: Viele wollten ihren Kindern einen Taschenrechner, den sie von den Verwandten oder Bekannten aus dem Westen bekommen hatten, in die Schule mitgeben. Da der gesamte Unterrichtsstoff aber wie gesagt auf den SR1 abgestimmt war, gabs dafür ne klare Abfuhr, jedes Kind musste diesen Rechner kriegen und nix anderes. Wir hatten sowas eh nicht und so gingen auch meine Eltern mit dem ausgehändigten Gutschein in den Sommerferien in einen der Elektronikläden, um ihrem Sohnemann diesen wahrhaften Kontoentleerer zu kaufen.

      Das neue Schuljahr war da, jeder hatte seinen Rechner aufm Platz und wir wühlten uns zusammen mit dem Mathelehrer im Wechsel durch die Aufgaben und die Bedienungsanleitung. Rückblickend kann ich sagen, es hat sich trotz des Schweinegeldes gelohnt, denn wisst ihr was? Ich benutz diesen unkaputtbaren Teufelskerl bis zum heutigen Tag und hab vor 2 Jahren das erste Mal die Batterie gewechselt. Der läuft und läuft und...Ich hab mir in meinem ganzen Leben noch nie nen Taschenrechner gekauft und werde es wahrscheinlich in diesem Leben auch nich mehr, weil den haben mir wie gesagt meine Eltern gekauft.
      Einfach, robust und wofür ich den brauch, vollkommen ausreichend - mein guter alter SR1. :streichel:

      Ach ja, im Werkenunterricht mussten wir in dem Schuljahr noch für unseren neuen Freund alle ein Aufbewahrungskästchen bauen, stilecht mit Plastedeckel und noch stilechter mit nem alten Dynamo-Aufkleber - hab damals ne Note 2 dafür gekriegt. Und wie das beim Herzblut Live und in Farbe aussieht, guckt einfach mal selbst :D :

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