Auf ein Bierchen mit Herzblut - der Sonntagsstammtisch

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    • Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm...

      ...umso trauriger, dass ihn immer weniger Schulkinder in ihrer Bemm'biggse ham. In unserer Stammkneipe ist seit paar Tagen schon alles herbstlich dekoriert: Die Tischdecken sind in warmen Gelb- und Brauntönen gehalten, die Gardinen tanzen durch die laufenden Heizungen um die Wette und auf den Fensterbrettern sieht man Herden von bläkenden Kastanienschafen - es wird durch die bunte Jahreszeit auch hier drinnen so langsam richtig urig. Ein kleiner Junge zupft dem Herzblut mit fragendem Blick am Ärmel: "Duhu, lustiger Onkel, wo warstn du beim letzten Mal, ich hatte gar keinen Spass hier!" Nach ner sehr stressigen Woche mit wenig Schlaf umschleicht eine gewisse Milde, innere Ruhe und Zufriedenheit das herzblütige Antlitz. "Ach weißt du mein Kleener, die Mama hatte ein großes Auweh am Kopf und da konnte ich nicht hier sein und mit dir lachen. Jetzt ist aber alles wieder gut..." :streichel: Der in seiner Neugier zufriedengestellte Knirps sprintet wieder in die Spielecke und rennt dabei fast unsre Wirtin mitm Bestellblock in der Hand um. Beim Blick auf die heutige Speisekarte erkennt das geübte sächsische Auge in den Kindermenüs auch die guten alten "Milchäppel", Holundersuppe und Bärchenkartoffelbrei mit Fischstäbchen, leggor!!!

      Tja, liebe Stammtischgäste, was ich dagegen diese Woche bei mir auf der Arbeit an "Kinderernährung" mitbekommen musste - da ziehts mir heute noch die Schuhe aus. Bisher ging ich immer davon aus, dass die Kinder vorm Museumsbesuch Zuhause oder in der Schule ordentlich gefrühstückt haben, das kann ich wohl ohne mit der Wimper zu zucken zu den Akten legen und ins Reich der Fabeln befördern. Neuerdings gibts vor meinem Unterricht mit Zucht und Ordnung meistens vorm Haus ein Stelldichein von Schnittchen und chemisch aufbereiteten Joghurt- und Quarkspeisen, auch mal ne Tüte Chips im Anschlag, dazu noch allerlei Süßkram und Unmengen von noch süßeren und seeehr gesunden Kindergetränken. Fast nirgendwo konnte ich auch dieser Tage Obst bei den Kindern entdecken. Ungelogen und mir sollen die Finger abfaulen, wenn das nicht stimmt: Als am Dienstag ein 13jähriges Büblein mit Basecap und Real-Trikot direkt vorm Herrn Lehrer Herzblut eine gewisse Dose ausm Campingbeu...Tschuldigung, muss ja jetzt Trekking-Bag heißen - also als er aus seinem Rucksack dieses Weißblechteil holte und schon ansetzte, gabs mitm Rohrstock in der Hand von mir ne ordentliche und unmissverständliche Ansage. "Mütze ab in der deutschen Schule und hier ist Red Bull-freie Zone und zwar für immer und ewig! Über die körperliche Züchtigung erzähl ich dann im Unterricht was und ab jetzt ist hier Ruhe!" :knueppel: Hat gesessen und die Lehrerin wurde nebenbei nachdenklich, wie ich das mit der Zucht und Ordnung in nichmal 5 Minuten hinbekommen hab. Als die Rasselbande wieder fort war, lag draußen im Papierkorb ein Sammelsurium von Folie und Süßigkeitenpapier, leere Tetrapacks mit irgendwelchen Erfrischungsgetränken und siehe da - juhu, dort lag wenigstens ein einziger Äbbelgriebs! :juchuu:

      Vorige Woche gabs weltweit einen dieser Ehrentage, auf die man gut und gerne verzichten möchte - den Welt-Adipositas-Tag. Laut WHO hat sich die krankhafte Fettleibigkeit bei Kindern und Jugendlichen in den letzten 40 Jahren mehr als verzehnfacht, mittlerweile gibts über 124 Mio solcher Kinder, weitere 123 Mio Kinder gelten als übergewichtig. Und wie siehts in Deutschland aus? Kannste auch vergessen, derzeit sind bei uns mit 15% etwa 2 Mio Kinder fettleibig, zwischen den 80er Jahren und 2006 ist die Anzahl um etwa die Hälfte gestiegen. Besonders nachdenklich macht, dass mit dem Schuleintritt seit Jahren regelmäßig die Fettleibigkeit sprunghaft ansteigt. Die Gründe sind vielschichtig: Die Erziehung findet nun mal (eigentlich) im Elternhaus statt, dort geht oftmals die Malesse schon los. Und wenn ich von den Kindern manchmal so den Speiseplan der Schulkantinen erfahre, wundert mich in unsrer Geiz is geil-Gesellschaft überhaupt nix mehr. Die WHO sieht richtigerweise zu nem großen Teil auch die Lebensmittelindustrie als Mitverantwortliche. So entsprechen nach einer Studie sagenhafte 90% aller Lebensmittel, die in Deutschland gezielt an Kinder vermarktet werden, nicht deren Anforderungen. Ich geh noch weiter: Die diesen Unternehmen mit ihrer Lobbyarbeit in den Arsch kriechenden politischen Würdenträger sind dafür nicht minder verantwortlich. Nicht unerwähnt soll dabei bleiben, dass nach den aktuellen Erhebungen traurigerweise weltweit 192 Mio Fünf- bis Neunzehnjährige im Gegenzug untergewichtig sind. :(

      Und die Erwachsenen auf der Arbeit? Wenn ein Unternehmen seine Mitarbeiter in Zukunft bei der Stange halten will, muss es sich das eine oder andere dafür einfallen lassen. Und wenns mit kostenlosen Beigaben zum Frühstück ist. Wir befinden uns in einer kleinen Softwarefirma mit 80 Mitarbeitern. Das Unternehmen stellte seinen Mitarbeitern, Kunden und Gästen jeden Morgen kostenlos 150 Brötchen (Laugen-, Käse-, Schoko- und Roggenbrötchen) hin - Marmelade, Wurst oder anderen Belag mussten sie sich selbst versorgen. Dazu stand ein Kaffee- und Kakaoautomat in der Ecke, ebenfalls kostenlos zu benutzen, ne feine und zukunftsorientierte Sache wie ich finde. :nuke: Ja ich, aber nicht das Finanzamt, die witterten nun das große Fressen und forderten die Firma zur Kasse. Begründung: Es handele sich im konkreten Fall um eine "unentgeltliche Zurverfügungstellung einer Mahlzeit in Form eines Frühstücks". Dies sei ein eindeutiger Sachbezug und als solcher zu versteuern, macht nach deren Milchmädchenrechnung 1,50 bis 1,57 Euro pro Mitarbeiter und Arbeitstag. Da kam der völlig verdutzten Firma der Frühstückskaffee hoch, man klagte gegen dieses Ansinnen - und bekam Recht.

      Am Finanzgericht Münster frühstückten die Richter erstmal ordentlich, hier ein Brötchen, dort ein Müsli, einer köpfte mit Inbrunst sein 3-Minuten-Ei, hach hat das wieder gemundet! Danach gings ab in den Gerichtssaal und dort wurde mit vollem Magen und klarem Kopf die bekloppte Entscheidung des Finanzamtes verworfen. Ein Frühstück wäre tatsächlich lohnsteuerpflichtig. Ein trockenes Brötchen und ein Kaffee ergäbe aber nach allgemeiner Ansicht noch längst kein Frühstück (im Sinne von § 8 Abs. 2 Satz 6 EStG i. V. m. § 2 Abs. 1 Sozialversicherungsverordnung, soviel bürokratische Zeit muss sein). Vielmehr gehören dazu auch noch ein Aufstrich, eine Marmelade oder etwas Aufschnitt. Drum wäre dies im vorliegenden Fall nur eine sonstige „Kost“, die unterhalb einer Freigrenze von monatlich 44 Euro steuerfrei sei. Da sind anschließend sicher bei der Softwarefirma ungezählte Brötchenkrümel vor Freude in die Tastaturen reingekrümelt.

      Das Finanzgericht hat anschließend „wegen grundsätzlicher Bedeutung der Sache“ die Revision zum Bundesfinanzhof zugelassen, welche dort auch bereits durch das ums monetäre Frühstück geprellte Finanzamt anhängig ist. Und ich mein', ich stell mir das schon so vor: Da sitzen frühmorgens die Richter am Bundesfinanzhof so wie unsereins mit dampfendem Kaffee und dem einen oder anderen Bäckereierzeugnis aufm Teller und im Radio läuft grade dies: Gebrüder Blattschuß :D ... alles schunkelt dazu und hat so wenigstens gleich bissl Morgengymnastik, etwas Marmelade kleckst auf den Tisch - schmecken lassen! Dann gehts auch dort in den Verhandlungssaal, Aktenordner auf: "Was, ihr Finanzbeamten kennt kein richtiges Frühstück? Na, da wolln'wer mal, also hört genau zu: Noch'n Toast, noch'n Ei..."

      In diesem Sinne, redet mal mit eurem Chef über'n kostenloses Brötchen oder nen gratis Kaffee. Wenn er euch nen Vogel zeigt und stattdessen nen Schokoriegel und ne Flügel verleihende Dose aufn Schreibtisch knallt, dann hat er die Zeichen der Zeit noch nicht erkannt.

      Mahlzeit und schönen Sonntag, euer Herzblut. :winke:
      Drei Buchstaben, zwei Farben, eine Gemeinschaft

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    • Wenns Unkraut auf Felder voller Blumenkohl trifft...

      ...dann sprüht der moderne Bauer ne Brise Pflanzengift. "Grüßt euch zusamm' - na habter alle eure Uhren umgestellt? Also meine steht seit heut Nacht um 3 zur Abwechslung mal in der Küche." Schmunzelnd und winkend schreitet das Herzblut zielgerichtet zum Stammtisch, die versammelte Runde hat auch schon so ein dubioses Feixen im Gesicht. "Was zum Deifel is'n das...wollt ihr mich foräbbeln?" Auf seinem Platz steht ein kleines Präsentkörbchen, beim Inhalt bleibt ihm erstmal die Spucke weg: Eine Flasche Doppelherz, Gebissreiniger, ne Schnabeltasse und ne alte Wühltisch-CD von den Amigos. "Nu Herzblut, mir dacht'n, weil du ja nu diese Woche schon Halbzeit in den Vierzigern gefeiert hast, wolln'wer dir aufm Weg zum Altersstarrsinn so gut wie möglich weiterhelfen." Alles wiehert und auch er kann sich ein angeheitertes "Danke, ihr Dreggsägge" nich verkneifen. ;) Die erste Runde geht schon mal auf ihn und beim Zuprosten will er auch gleich von der Wirtin wissen: "Chefin, ich krieg heut Zunge mit überbackenem Blumenkohl, is der frisch oder nur das gespritzte Gelumpe ausm Supermarkt?" Sie gibt ihm zu verstehen, die weißen Röschen sind aus eigenem Anbau und wurden quasi in der Reife bis zur Ernte täglich gestreichelt. "Na dann her damit, denn was ich diese Woche wieder im Obst- und Gemüseabteil mitbekommen hab, da kanns dir nur noch vergehn..." Er beginnt mit seinen Ausführungen.

      Dieser Tage war ich im Kaufland, Aldi, Lidl, Netto Hund, Rewe, Penny - ach sucht euch doch selbst raus, wo ich in den Laden gestolpert sein könnte. Die Fleischtheke wurde durch mich um 2 angeblich argentinische Rindersteaks (mit ein bissl Phantasie sahen die doch tatsächlich in der Marmorierung fast so aus wie Messi auf der Fahnenflucht), 200g Hackepeter und 3 Knacker ärmer, danach wurde die Auslage mitm Grünzeug frequentiert. Die Bananen sind neuerdings überall mit derartig festklebenden Klebestreifen umwickelt, dass ich zuhause bereits paarmal kurz vorm Ausflippen war. Na gugge an, die ham jetz die kernlosen Weintrauben in 2 Farben zusammen verpackt! Da wolln'wer doch erstma kosten, ich koof doch nich die Katze im Sagg...ääägs, pfuipudel - hamse die Schale mit Kernseife imprägniert? Ne also die kennse selber fressn, wie sehn die Birnen dort drüben aus? Nuja, ansprechend rötliche Bausbäggchen hamse ja, aber was is denn das für ne glänzende Schicht da droff und bei den Äbbeln nebenan ooch? Die müssen doch bleede sein, alles auf Hochglanz gewachst, das Gemüse ooch und bei manchem Grünzeug steht sogar noch im Kleengedruckten der Warnhinweis "vorbehandelt" off der Verpackung. :look: Leute, ich wollt mich nich um die Ecke bring' - ich wollt lediglich was für meine Gesundheit tun! Bleibt mir bei Anblick dieser essbaren Chemiebaukästen nix anderes übrig, als mal wieder zum Hofladen des Vertrauens zu wackeln.

      Kennt ihr Kurt Bock, Werner Baumann und deren Lieblingsspielzeug Glyphosat? Gibt Erdenbürger, die kennt man nur mit geballter Faust! Die beiden Herren sind die Chefs und Manager bei BASF und Bayer, Glyphosat ist aus dem Hause Monsanto (Bayer will die demnächst übernehmen), wird in der konventionellen Landwirtschaft vielerorts als Pflanzengift zur Unkrautbekämpfung verwendet, in Deutschland auf ca. 40% der Felder. Das Makabre an der Geschichte, dieses von der WHO als "wahrscheinlich" krebserregend eingestufte Herbizit macht jeder Pflanze den Garaus, es sei denn, sie wurde genetisch derart verändert, dass sie dagegen immun ist. Nebenbei ist dieser Cocktail auch mitverantwortlich für das Aussterben vielerlei Insektenarten und wenn man bedenkt, dass wir ohne die täglich dahingsummte Arbeit von Bienen und Hummeln ernährungstechnisch aber sowas von alt aussehn würden...Die EU-Kommission wollte nun Glyphosat für weitere 10 Jahre zulassen, aber immer mehr EU-Mitgliedsstaaten, unter ihnen Italien, Frankreich und Österreich, haben die Schnauze voll. Die amtierende Bundesregierung muss sich aufgrund der Uneinigkeit im eigenen Laden lt. Geschäftsordnung nun zumindest der Stimme enthalten, auch wenn Fr. Merkel noch im Juni beim Deutschen Bauerntag meinte: "Wir werden uns dafür einsetzen, dass Sie diesen Stoff da, wo es notwendig ist, auch weiterhin anwenden können". Für die Herren Bock und Baumann als Speerspitze der Lobbyisten-Arschkriecher wäre bei Nichtzulassung schneller als gedacht der gespritzte Salat für eben jenen Arsch. O-Ton Bock: "...ein mittelgroßer Skandal, dass sich die Bundesregierung aufgrund von Ressortstreitereien zwischen Umwelt und Landwirtschaft enthalten will...im Rest der Welt wird nicht das Heil in der deutschen Bio-Landwirtschaft gesucht." O-Ton Baumann: "Eine tragische Situation...Glyphosat ist seit mehr als 40 Jahren im Einsatz und ein nach allen Standards der regulatorischen Überprüfung sicheres Produkt." Kommt ihr beiden mir mal am Gemüsestand zwischen die Griffel - ich zieh euch den gespritzten Feldsalat durch die versiffte Sprechluke, dass es am anderen Ende bei euch schäumt! :knueppel:

      Das für die deutsche Glyphosat-Bewertung zuständige Bundesinstitut für Risikobewertung hat letzte Woche zugeben müssen, in seinem Gutachten wesentliche Teile von Monsanto-Erhebungen wortwörtlich übernommen zu haben, u.a. wo es um die Krebsrisiken geht. Dies sei aber lt. BfR "übliche Praxis". Bei der EU sollte vor paar Wochen Monsanto zu einer öffentlichen Anhörung erscheinen, lehnte diese aber mit der Begründung ab, die angestrebte Diskussion wäre nicht das passende Forum, um diese Themen zu betrachten. Es stünde dem Parlament nicht zu, die wissenschaftlichen Gutachten von EU-Behörden in Frage zu stellen. Ergebnis: Die Monsanto-Lobbyisten mussten daraufhin ihre Zugangspässe zum EU-Parlament abgeben. Ein kleiner Schritt in die richtige Richtung...und eben jenes EU-Parlament verlangt nun ein endgültiges Aus der Zulassung bis spätestens zum 15. Dezember 2022. Weil es aber um Milliardengewinne geht, hat diesen Mittwoch die EU-Kommission den "Kompromissvorschlag" unterbreitet, die Genehmigung für Glyphosat für fünf Jahre zu erneuern, es ginge nach deren Auffassung um eine Erneuerung und nicht um ein Auslaufen! Eine Abstimmung der EU-Regierungen ist nun für den 9. November geplant. Ausgerechnet. Mir kommt der Blumenkohl jetzt schon hoch! :kotz:

      Ich frag mich, wie gesund das wohl damals gewesen sein muss, als man alles bäuerlich Erzeugte ohne Bedenken zu sich nehmen konnte und die Milch - wie selbst noch miterlebt - samstags in der alten Blechkanne direkt vom Bauern geholt wurde. Ich frag mich, warum damals Kinder so gut wie keine Unverträglichkeiten/Allergien auf irgendwelche Lebensmittel hatten und diese auch nicht ihr ganzes Leben mit sich rumtragen mussten. Ich frag mich auch, warum damals der GEIZ für die oberen Zehntausend stand und sich von allen anderen das GEIL maximal unter der Bettdecke leise zugeflüstert wurde. Solange es derart schamlos degenerierte und niemals satte Konzerne in Vertretung von ungezählten Bock's und Baumann's gibt, solange kontinentale und regionale Institutionen (EU-Kommision und BfR) für diese über Leichen gehenden Individuen die Beine breit machen und den Willen kontinental gewählter Volksvertreter (EU-Parlament) missachten - solange hab ich eine überaus gesunde und abgrundtiefe Verachtung für diese unsre momentane Gesellschaftsform im Leib! :shock2:

      Ach ja, ne alte Omi meinte noch zu mir am Obststand, mit in Wasser aufgelöstem Natron oder auch Backpulver kriegst du den ganzen Wachsdreck von den Äpfeln und Birnen runter. Wollts erst nich glauben, aber es wirkt tatsächlich. In diesem Sinne - lasst euch euren Salatteller mit den Putenbruststreifen gut schmecken. Aber beschwert euch nachher nich bei mir, wenns paar Tage später überall juckt...

      Mahlzeit und schönen Sonntag. Euer Herzblut :cool2:
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    • Jetz is sie weg, weg...

      "...und ich bin wieder allein, allein." Das Herzblut trällert heute quietschvergnügt aufm Weg zum sonntäglichen Beisammensein der meist etwas anderen Art fast schon vergessenes Liedgut vor sich hin. Die Wirtin empfängt ihn mit den Worten "Da sachste was, hab grad erstmal alles durchlüften müssen, sonst denken meine Gäste noch schlecht von mir." Er erfährt, dass heut schon Frühschoppen-Kundschaft da war, die ne Menge unerwünschten Mief mit hereingebracht hat - es muss wohl sprichwörtlich zum Himmel gestunken haben. Und so wie's manche Oma früher immer gemacht hat, schneidet sie 2-3 Apfelsinen in Scheiben und legt sie zum Trocknen und guten Duft Verbreiten an die Heizung, den Rest erledigen dann später die dampfenden Teller mit Sauerbraten, Entenkeule und Wildschweingulasch. Der Stammtisch ist so ziemlich vollzählig, das Bier steht aufm Tisch "Nu mach schon Herzblut, was is der Grund für deine gute Laune?"

      Das Lied in der Überschrift, ich komm nich drauf, helft mir mal weiter - hießen die nun Sprite 3, Schweppes 5 oder Sinalco 7 ? :ohje: Is ja am Ende auch egal, einige von euch kennen diesen 90er-Gassenhauer ausm Schwabenländle sicher noch. Und ich kann nun auch ein Lied davon singen, endlich. Über zweieinhalb Jahre hab ich mit allen anderen im Haus ne wahre Hölle miterleben müssen, habs ja vor längerer Zeit schonmal angerissen. Im EG unter mir zog 2015 Jungerwachsenenvolk ein, eine 20jährige ganz besondere Fachkraft nebst ihrem grad mal aktuellen Verehrer. Ach was sag ich, sie fielen förmlich ein. Da ich mittlerweile nen Blick für gewisse Individuen und ihrer Herkunft aus gewissen Vierteln entwickelt hab, war mir von Beginn an klar, was da in etwa auf uns zukommen würde. Nur die Ausmaße hab ich nich mal ansatzweise geahnt. Bereits in Woche 1 stellte unsere Neumieterin des Nachts beim Möbel aufbauen fest, dass die größenmäßig gar nich so richtig in die Wohnung passen: Ein dahingebrüllter Disput mit ihrem beim Aufbau behilflichen Anhang, paar Bretter flogen durch die Wohnung und der Rest wurde so gegen 2 Uhr auf Kaminholzlänge zertreten. :balla: Ich dachte damals im Bett, ich hätte in der Werkstatt eines gut bekannten Tischlers übernachtet. Die Wochen zogen ins herzblütige Land und die Herrschaften zogen auch - an unsren Nerven: Party bis morgens um Viere, zugedröhntes Humanmaterial polternd im Treppenhaus, die sogenannte Musik bis auf Anschlag, dass die Gläser in der Schrankwand im Takt beschwingt vor sich hinklirren. Alles, was man so rauchen und inhalieren kann, wurde dabei begierig einverleibt - macht sich gut, wenn die Aromen einem bei offnem Schlafzimmerfenster um die Nase wehen. Nicht nur bei mir - auch bei einigen Schichtarbeitern im Haus wurden regelmäßig die Halsschlagadern etwas dicker. Unterschriftensammlung, Lärmprotokoll, ab damit zum Vermieter, erste Abmahnung und vorerst war Ruhe.

      Nur - immer häufiger muss man bei Vertretern dieser Generation auch ein sagen wir mal gewöhnungsbedürftiges Wohnverhalten miterleben. Ihr macht euch kein Bild: Die Wäsche wurde kurzerhand (Klamottenschrank war ja nu leider zertreten) auf nem Wäscheständer aufm Balkon geparkt. Getragene und gewaschene Wäsche in Bergen übereinander, unfassbar, was so ein 10€-Wäscheständer für ein Gewicht aushalten kann! Was dort keinen Platz mehr fand, wurde gleich daneben auf den Balkonbrettern fallengelassen. So trendige Shirts mit Holzgeruch hat schließlich auch nich jeder. Alles zusammen bekam von Petrus immer mal wieder ne Dusche, die liebe Sonne trocknete das dann auch immer schön. Praktisch, nich? Ich komm irgendwann von der Arbeit, es is Sommer - ach komm, machste dein Abendbrot gleich aufm Balkon...wisst ihr, wie aufbauend es sein kann, wenn du mitm Feierabendbier im Anschlag deine Beißerchen grad in ein Beafsteak versenken willst und dir zieht ein dermaßen muffiger Geruch durch die Nase, dass du nichts ahnend in die Küche sprintest, um das Haltbarkeitsdatum auf der Hackfleischverpackung zu überprüfen? Das war okay, beim Blick aufn Balkon unter mir war dann schnell klar, was meine Nase beleidigte. :kotz: Obendrein isses ja so: In nem Wohnviertel gibts ja nun auch viele Stubentiger auf Freigang. Und wenn die so ein wunderbares Bettchen aus Hemden, Hosen, Unterwäsche, Handtüchern und Bettwäsche ganz kostenlos angeboten bekommen - dann springen kurzerhand durchs Balkongitter und ratzen erstmal ordentlich einen ab. Ja und wenn dann einige von ihnen auf Touren sind, dann gibts erstens (zur nun wieder dröhnenden Mucke drin) auch draußen ein unglaubliches gratis Livekonzert und zusätzlich ne Duftprobe von urinalen Reviermarkierungen. Unterschriftensammlung, Lärmprotokoll, Fotos dazu und wieder ab damit zum Vermieter, zweite Abmahnung und wieder Ru...

      Neeee, denkste. Derart zurechtgewiesen kam man zur Hochform und verlegte alsbald die Wäschesammlung in die Wohnung, dazu Türen- und Fenstergeknalle zu jeder Tag- und Nachtzeit, Mucke immer kurz an und aus, dazu so ein wundervolles Klopfen an Türrahmen und Heizungskörpern. Weil das aber irgendwann wohl langweilig wurde, legte man sich zur Unterhaltung ein eigenes, unkastriertes Kätzchen zu. Und das arme Vieh war nun tagsüber und auch abends viel allein, miaute deswegen jämmerlich und protestierte in der Wohnung auf Katzenart. Jedesmal wenn dort die Wohnungstür aufging, zog ein derartiger Mief durchs Treppenhaus, dass uns allen die Tränen kamen. Die Polizei kam auch mehrmals zu Besuch und viele unserer regelmäßigen Besucher blieben stattdessen weg, 4 Mieter haben in den 2 Jahren die Flucht ergriffen. :(

      Der Vermieter war nun kurz davor, die Reißleine zu ziehen - da kam Madame Tausendschön nebst Lover Nr. 4 dem zuvor und zog dieser Tage aus. Was sag ich - sie ging, wie sie kam. In den letzten 3 Monaten wurden die Mülltonnen zur Endlagerung fast des gesamten Hab und Guts zweckendfremdet, der Briefkasteninhalt gleich im Treppenhaus fallengelassen und die arme Katze musste leider mit umziehen. Scheiße - der Kellerschlüssel war auch weg, also brach man gleich den eigenen Keller mitm Kuhfuß auf, die Scharniere mit Tesa wieder rangeklebt, fertig war der Lack, nun liegen Berge von alten Kartons in den Kellergängen rum. Letzte Woche wundern wir uns nun über so einen beißenden Geruch im Haus, der mir als Heimwerker durchaus bekannt vorkam. Beim Möbel abbauen und Wohnung ausräumen haben diese Ekelpakete an den Wänden offenbar ihre schimmligen Errungenschaften bewundert. Die Möbel und Wände wurden nun mit ordentlich Schimmelstopp ausm Baumarkt "behandelt", anschließend gabs gleich obendrauf ne Lage weißer Wandfarbe - bis das der Vermieter merkt, sind wir doch längst über alle Berge! Nur gabs da leider jemanden, der dem Vermieter nen kleinen Tipp... :finger: ...man meinte dort zu mir, für sowas gäbs ja die Möglichkeit des Einbehaltens der Mietkaution.

      Sie werden immer mehr, mittlerweile setzen sie grad selbst Kinder in die Welt oder beobachten sie bereits beim Größerwerden. Ohne Verstand, ohne Scham, ohne Regeln und immer im degenerierten Glauben, das Richtige zu tun. Wie nennt man sowas? Assozial, Spacken, schwererziehbare Sargnägel unsrer Gesellschaft - ich hab keine Ahnung, nur täglich ne Menge Anschauungsunterricht, im Haus, im Viertel und auch immer häufiger auf Arbeit. Die Lehrer müssen neben ihrem Bildungsauftrag vielen Kindern auch sowas wie Erziehung, Respekt und Anstand näherbringen und genau die Kindeseltern sind es dann, die sich wegen jedem noch so kleinen Quark in der Schule beschweren. Ich sag "meinen" Schulkindern immer: Vor 100 Jahren hätten es die Eltern noch nicht mal gewagt, sich in der Schule derart aufzuführen. Muss ne schöne Zeit gewesen sein...

      Ach ja, is das herrlich ruhig in der Wohnung unter mir! Jetz is sie weg, weg - und ich bin wieder allein, allein. Da schmeckt der Sauerbraten nochmal so fein. Bei euch doch auch, oder?

      Also schmecken lassen und schönen Sonntag. Euer Herzblut :winke:
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    • Oma's Apotheke ist doch immer noch die Beste

      Das Herzblut sitzt heut schon vor allen anderen am Stammtisch und knabbert wie ein Verrückter Salzstangen, dazu steht vor ihm ein Glas Cola. Die gute ostdeutsche natürlich, die andere Plörre darf seine Magenwände nicht penetrieren - Ehrensache. "Mensch Herzblut" so schallts ihm feixend zur Begrüßung entgegen "hat dich de Muddi of Diät gesetzt oder hastes Geldtäschl für dein Dreigängemenü dorheemä forgessn?" Er schiebt die Hände abweisend von sich: "Nee, ich hab mir nur die Tage so'n ekligen Virus im Bäuchl eingefangen, die Keramik hatte Hochbetrieb. So langsam gehts zwar wieder, aber drum geb'sch euch heut ma keene Hand." Ihm läuft das Wasser im Mund zusammen als er hört, was die anderen so alles zum Mittag bestellen und er sitzt hier bei Salzstangen, ungerecht is die Welt! Ein Rentnerehepaar sitzt nen Tisch daneben und die Frau meint zu ihrem Mann "Siehste, der is ni so wehleidsch wie du, der weeß sich noch mit alten Hausmitteln zu helfen." Das Herzblut ruft nüber: "Ja, hab von dor Oma ä großes Notizbüchl mit Koch- und Backrezepten und och eens mit solchen Gesundheitstricks von früher geerbt. Is mir lieber, als mich mit hundertfunfzsch Tabletten vollzustopfen. Ich habs sogar mitgebracht, wollter ma hörn?" Und weils selbst am Stammtisch irgendwann mal nur noch um die Krankheiten von Tante Erna und Onkel Fritz geht, gibt er mal paar Geheimnisse aus Omas Zeiten Preis.

      Wenns euch so wie mir diese Woche geht und ihr plagt euch mit nem Magen-Darm-Infekt rum, dann helfen bei sowas wirklich Salzstangen und Cola (möglichst mit wenig Kohlensäure). Je nach Schwere des Wanstrammelns entweder mal nen Tag gar nix essen bzw. bloß paar Zwieback oder Haferschleim, dazu viel trinken und die Tage darauf dann leichte Kost, ab und zu ein geriebener Apfel. Omas Geheimtipp, der immer half, war das Kauen getrockneter Heidelbeeren - hat mich nun auch wieder ausm Gröbsten rausgebracht. Wenn bloß der Magen schmerzte, dann hat sie mir früher immer Kümmelkörner zum Kauen gegeben und ne Wärmflasche aufs Bäuchl. Bei ständigem Aufstossen und Sodbrennen trink ich auch heut noch frisch gebrühten Pfefferminz- oder Kamillentee, ein Glas Wasser mit nem Löffel aufgelöstem Natron oder ein Glas Milch, dazu ne Scheibe Weißbrot - und der Brandherd verschwindet wieder.

      Jetz hamwer ja nu auch die Jahreszeit der tropfenden Nasen, kratzenden Hälse und deswegen vollen Arztpraxen. Auch wenns für manche eklig klingt - heiße Milch mit Honig ist eine der Wunderwaffen. Frisch aufgebrühte Salbeiblätter ausm Garten ebenfalls, selbstgemachte Hühnersuppe sowieso. Oma hat auch immer bei sowas nen schwarzen Rettich oben und unten aufgeschnitten, oben Kandiszucker drauf, das Ding auf ne Tasse gestellt und die runtertropfende Brühe wurde dann gesoffen. Ab und zu wurde auch ne gekochte Kartoffel in ein Tuch eingewickelt über Nacht auf den Brustkorb gelegt. Ich geh heutzutage der Grippe zusätzlich immer auch noch auf die härtere Tour mit frischem Ingwer aufn Sack. In feine Scheiben schneiden, mit heißem Wasser aufbrühen und schluckweise trinken - die Scheiben nich etwa wegschmeissen, sondern kauen und runterschlucken. Das desinfiziert den Rachenraum, die Magenwände werden so auch gleich mit generalüberholt und der Kreislauf kommt in wärmende Wallung. Für Genießer: Ne zerdrückte Mango mit paar Löffeln Honig mischen, dieser Hochgenuss wirkt tatsächlich. Dazu frischen Meerrettich essen - das räuchert alles Ungebetene aus! Wer das schon mal gehört hat mit warmem Bier trinken und danach ne Schwitzkur: Ich habs mal probiert, hat auch letztendlich geholfen - aber das schöne Bier! :( Sollten auch noch die Nebenhöhlen oder die Ohren verrückt spielen, auch hier wirkt ne eingewickelte und gekochte Kartoffel Wunder, einfach auf die Stirn, die Nasenwände oder eben ans Ohr legen.

      Wer geht schon gerne zum Zahnarzt? Also ich ja, weil ich hab mich über viele Jahre dran gewöhnt. Zu Omas Zeiten bekam ich immer ne Gewürznelke zwischen die schmerzenden Zähne gesteckt oder musste Rosmarinblätter kauen, das linderte wenigstens etwas. Nach der Wende hab ich bei allen mögichen Zipperlein die Akkupressur als Notapotheke für mich entdeckt, so auch bei den Zähnen: Diese kleine Delle zwischen Lippe und Nase mit etwas Druck ca. 2 Minuten massieren und ich sag euch, die Schmerzen lassen nach. Wenns Zahnfleisch endzündet mal war, gabs immer die großmütterlichen Lakritzschnecken, die so lange gelutscht wurden, bis sie sich quasi von selbst auflösten. Mach ich heut noch und zur Vorsorge spül ich den Mundraum auch ab und zu mal mit nem ordentlichen Schluck Olivenöl.

      Huch, was kommt denn da aus der nächsten Seite geflogen? Na gugge an, drei 4-blättrige Kleeblätter anno 1975 oder so, hähä... ;)
      Ja und im nächsten Frühjahr kommen auch ganz bestimmt wieder ne Menge Quälgeister, um uns am ganzen Körper zu piesacken - ich sprech von den Insekten. Ich habs dieses Jahr mehrfach mit Majas Kollegen erlebt, ein feuchtes Stück Würfelzucker, ne Scheibe Zwiebel, Meerettich oder Zitrone direkt auf den Stich legen und du bist auf der sicheren Seite. In Omas Alchimistenheft steht hier außerdem was vom Saft der Kohlblätter und dem Auflegen zerdrückter Bohnenkrautblätter, muss ich bei Bedarf unbedingt auch mal ausprobieren.

      So, das war meine kleine medizinische Lesestunde aus vergangenen Zeiten für euch. Ach ja, für die allgemeine Heilung soll mitunter auch die eine oder andere Streicheleinheit des jeweiligen Partners hilfreich sein. Wer aber von euch mit Grippe im Bette liegt und hat keine(n) Liebste(n) zum Streicheln vorrätig, dann streichelt euch doch einfach selber. Meeensch - ich meinte die Wange, also lasst bloß eure Pfoten off dor Bettdecke! Sonst schimpft der Onkel Doktor... :D

      Bei mir gibts dann Reis mit Huhn, ätschebätsche. Egal, was ihr dann esst (ich wills gar nich hören), lassts euch schmecken. Und allen derzeit gesundheitlich Angeschlagenen natürlich eine gute Besserung!

      Schönen Sonntag, euer Herzblut :winke:
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    • Dann mal gute Besserung, Herzblut. Hoffentlich bist du bald wieder auf dem Dampfer. Was Oma noch wußte...(deren Hausrezepte bleiben nach wie vor unschlagbar). Die wußten sich jedenfalls noch zu helfen. Heute rennen se doch sofort bei dem kleinsten Wehwehchen in die Apotheke um die Ecke oder bestellen sich irgendson gepanschtes Zeugs online (wo noch nicht einmal sicher ist) ob man das überhaupt überleben wird. :)
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      Da geht dir ein Licht auf

      Das Herzblut schmunzelt beim Anblick der Kinder mit ihren Eltern und Großeltern aufm Weg in unser Gasthaus belustigt vor sich hin. Überall blinkts neuerdings an den Schuhen unsrer Kleinsten, vielen LED's in den Absätzen sei Dank. Er schmettert strahlend ein gutgelauntes und hochaktuelles "Nu Grüße, ihr Sägge - i bims!" in die Stammtischrunde, was von allen auch ordnungsgemäß mit "Grüße, du alter Sagg, mior sins!" beantwortet wird. Man will von ihm sofort die Chemnitzer Stimmungslage ergründen, was diese Fließband-Rücktritte in und um einen Verein seiner Heimatstadt in den letzten Tagen angeht. "Ach wisst ihr, das Stadion gehört mir ja irgendwie mit... Ich überleg ernsthaft mit paar Gleichgesinnten, meinen Garten ins Stadioninnere zu verlegen. Das heißt, auf die Sonnenseite natürlich, die Schattenparzellen würde ich problemlos den Himmelblauen überlassen, wo sie grad schon so ins Düstere schauen. Wenns so weitergeht, spielen ja eh bald nur noch die "Sportfreunde Stadtverwaltung" gegen "Zwietracht GGG" auf der Fischerwiese um den kommunalen Filz-Cup. Da ist doch so'n geiler Grillabend neben Erdbeer- und Gemüsebeet viel zielführender und wennde irgendwann Druck hast - im Nachbargarten steht bestimmt auch'n Strauch mit ner Partylichterkette und ner alten FCK-Fahne angebunden rum :D ...moment ma, meine Kleene dort drüben, jaaa du! Was haste denn für schöne bunte Lämpln an deinen Schuhen, brauchste wo, damit du im Dunkeln nich stolperst, hähä?" Der angesprochene Nachwuchs meint mit angewinkelnden Armen leicht entrüstet zu seiner Oma: "Du, der Onkel dort driem will mich forgaggeiern, ich hab doch coole Schuhe an, nohr?" Das Herzblut gibt sich bei soviel kindlichem Kontra alsbald geschlagen und lächelt milde vor sich hin. "Ach ja, der CFC - ob er jemals ein echtes Chemnitzer Wahrzeichen wird? Und damit komm ich besser zum heutigen Referat bei Bier und Sauerbraten." Er nimmt nen kräftigen Schluck und beginnt zu erzählen.

      Ihr habt ja in eurer Stadt oder eurem Dorf sicher auch das eine oder andere Wahrzeichen. Sei es nun irgend ein altehrwürdiges Gebäude, eine von ungezählten Luther-, Bismarck- oder Kennedy-Eichen oder auch das Gerätehaus der Freiwilligen Feuerwehr Tuntenhausen. In meiner Heimatstadt gibts sowas auch zur Genüge und ich will euch mal 4 davon näherbringen.

      Da ich in Chemnitz-Rabenstein geboren und teils auch aufgewachsen bin, kenn ich von frühesten Kindesbeinen an auch die dortige Burg. Keiner weiß so richtig, wann sie erbaut wurde, wahrscheinlich im 12. Jahrhundert. Erstmals urkundliche Erwähnung fand sie 1336 durch Ludwig dem Bayern und erlebte im Laufe der Jahrhunderte einige Besitzerwechsel und bauliche Veränderungen. Ab 1927 konnte man sie gegen Eintritt an den Wochenenden oder an Feiertagen besuchen und die schmale Wendeltreppe bis nach oben erklimmen. In den 40er Jahren wurde sie wegen erheblicher baulicher Mängel für die Besucher geschlossen. Von grundauf restauriert konnte sie 1959 als Museum wiedereröffnet werden und stellt bis heute die kleinste mittelalterliche Burg in Sachsen dar. Ein Besuch lohnt sich, fast angrenzend gibts das Naherholungsgebiet mit dem durch die Kosmonaut-Festivals bekannten Stausee und das weitläufige Wildgatter.

      Mitten im Stadtzentrum steht das älteste Bauwerk von Chemnitz, unser Roter Turm, er hat nebenbei mehr Jahre aufm Buckel, als Dresden und Berlin. Ebenfalls im 12. Jahrhundert errichtet war er von Beginn an Teil der damaligen Stadtmauer. Im Stadtteil, in dem ich jetzt wohne, wurde vor langer Zeit Porphyrtuff abgebaut, dieser verlieh auch unserem Turm durch das Baumaterial die rote Farbe. Später hat man eine Etage aus Backsteinen aufgesetzt und mit roten Dachziegeln versehen. Genutzt wurde er bis 1900 hauptsächlich als Gefängnis, die bekanntesten "Einwohner" waren neben unserem berühmten erzgebirgischen Wilderer, dem Stülpner Karl auch August Bebel. Im zweiten Weltkrieg komplett ausgebrannt hauchte man ihm in den 50er Jahren wieder Leben ein. Die ostdeutschen Mitleser kennen ihn alle, weil bis heute steht er in jedem gut sortierten Supermarkt. Wie das, fragt ihr? Ganz einfach, gabs im Westen zum Geschirrspülen Fairy Ultra, so hieß das bei uns in haargenau der gleich grünen Farbe Fit und wurde beim VEB Fettchemie Karl-Marx-Stadt hergestellt. Lacht nicht, ihr Wessis - in dieser Firma entstand noch so Einiges mehr, was vor allen Dingen und nur bei euch zum Alltagsgebrauch in den Ladenregalen lag. Und weil unser Fit nun mal ne passende Verpackung brauchte, füllte man dies in ner 500ml-Flasche ab, die haargenau dem Roten Turm in Miniaturformat entsprach. Guggt mal beim nächsten Einkauf bei den Reinigungsmitteln nach.. :was: ..unser Fit kommt auch heute noch mit diesem Chemnitzer Wahrzeichen daher.

      Einen Katzensprung entfernt steht ein riesen Koloss auf nem Sockel aus ukrainischem Granit, unser 7m hohes und 40 Tonnen schweres Karl-Marx-Monument, genannt "dor Nischl". Im Gebäude hinter ihm war zu DDR-Zeiten die SED-Bezirksleitung untergebracht und an dessen Wand prankt bis heute in 4 Sprachen "Proletarier aller Länder, vereinigt euch!" 1953 wurde meine Stadt in Karl-Marx-Stadt umbenannt und nach sozialistischen Vorstellungen auch entsprechend umgebaut. Da durfte auch eine Plastik des Namensgebers nicht fehlen. Wie man mir berichtete, hat man sich nur für einen Kopf entschieden, weil sonst bei solch einer Büste für die Passanten lediglich die Füsse zu sehn gewesen wären. 1971 gabs zur Einweihung den damals normalen Aufmarsch von mehr als 200.000 Leuten und natürlich wurde die dortige Straße auch gleich von Brückenstraße in Karl-Marx-Allee umbenannt. Jedes Jahr am 1. Mai hatten viele Werktätigen und wir Schulkinder das Vergnügen, mit unseren "Winkelementen" am Nischl und den dort uns zuwinkenden Granden der politischen und gesellschaftlichen Obrigkeit vorbei zu defilieren. Man hats halt gelangweilt mitgemacht, danach gings meist mit den Eltern in den Garten, auf nen kurzen Ausflug oder ordentlich irgendwo was essen. Der Nischl hat die Wende gut überstanden und auch die Bemühungen der "Umsiedlung" oder kompletten Entfernung, z.B. durch Vertreter der ehemaligen Block-CDU, die von heute auf morgen in diesem System "schon immer dagegen" gewesen waren. Übrigens wurde im Gebäude dahinter Anfang der 90er Jahre die Chemnitzer Zentrale des Arbeitsamtes aufgebaut, die bis zur Wende dort arbeitenden Personen blieben in großer Anzahl unter Beifügung etlicher Blockflöten die gleichen. :sleep: Dor Nischl aber ist und bleibt unser Wahrzeichen - da kennen wir nüschd! Denn er blickt Tag für Tag mit grimmiger Miene vorbei am Roten Turm in Richtung Rathaus. Gut so, Korle Morle!

      Und dann haben wir da noch nen Eye cat...Tschuldigung Hingugger, man sieht dieses mit 302m höchste sächsische Bauwerk schon in kilometerweiter Entfernung - unsre Esse. Dem kommunalen Energieversorger Eins gehörend ist dieser riesen Schornstein für Hobbyradler wie mich ein wunderbarer Wegweiser. Immer dann, wenn du dich bei ungezählten Baustellen und Umleitungen in der erzgebirgischen Pampa verfranst hast: "Nu ma guggn, wo is'n de Esse - ahh dort gehts nach heemä!" Vor 6 Jahren begann die 3,1 Mio teure Sanierung des Dampfstengels und nach nem Konzept des franz. Künstlers Daniel Buren wurden alle einzelnen bis nach oben ragenden Segmente mit verschiedenen Farben versehen, nu sah das Ding schonmal bunt aus. Das Konzept sah aber auch noch ne Beleuchtung vor: Erst wurde das von ner franz. Firma mit ner Lichterkette aus ca. 1200 LED's umgesetzt und dauernd war irgendwas kaputt, Wasser lief in die Leuchten, so dass der Mist wieder abgenommen wurde. Seitdem streitet man sich mit dem Hersteller vor Gericht über die Schuldfrage, es geht um "läppische" 500.000 Euro. Da die Esse aber nu leuchten sollte, hat sie jetzt die Dresdner Firma Lichtzentrale für 200.000 Euro mit 168 farbigen LED-Scheinwerfern (je 14 Stück pro Essen-Farbsegment) bestückt. Vorher ließ Eins die Chemnitzer vom 12. - 20. August per Online-Abstimmung aus 3 Varianten auswählen - und brach schon einen Tag vor Ultimo und nach 12.000 Stimmen dieses Votum aus Zeitdruck wegen der Montage ab. Die Lampen sollen etwa 27 Jahre halten und werden dabei mit 20% ihrer 300 Watt-Leistung betrieben. Diesen Montag war nun bei Sekt, Musik und geladenen Gästen Einweihung, irgendwann gabs kurz vor 18 Uhr nen Countdown und siehe da - den Chemnitzern gingen viele außergewöhnliche Lichter auf. Bei aller Kritik bzgl. der Kosten und dem ganzen Drumherum, dieses nun weltweit höchste Gesamtkunstwerk sieht abends einfach nur geil aus, guggt ma hier... :nuke:

      Was würde der CFC dafür tun, wenn denen auch alsbald die dringend benötigte Erleuchtung käme...aber da sitz ich vermutlich schon in meinem Stadiongarten und wende zu Pivos und Feldis meine Roster und Steaks. Und der Abfall fliegt dann - na ihr wisst schon.

      In diesem Sinne - hamwer wieder was dazugelernt! Schönen Sonntag, euer Herzblut :cool2:
      Drei Buchstaben, zwei Farben, eine Gemeinschaft
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      Und in Dresden Ruppen se unsre schöne Hohe Esse am Gasometer Reick Stück für Stück mit sonem Spinnenbagger ab. Eine Schande. Mir gefällt die Esse in Korle-Morle und och vom Zuch sieht man se gudd. E Richdsches Wahrzeichen ähmd. :nuke: