Auf ein Bierchen mit Herzblut - der Sonntagsstammtisch

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    • Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm...

      ...umso trauriger, dass ihn immer weniger Schulkinder in ihrer Bemm'biggse ham. In unserer Stammkneipe ist seit paar Tagen schon alles herbstlich dekoriert: Die Tischdecken sind in warmen Gelb- und Brauntönen gehalten, die Gardinen tanzen durch die laufenden Heizungen um die Wette und auf den Fensterbrettern sieht man Herden von bläkenden Kastanienschafen - es wird durch die bunte Jahreszeit auch hier drinnen so langsam richtig urig. Ein kleiner Junge zupft dem Herzblut mit fragendem Blick am Ärmel: "Duhu, lustiger Onkel, wo warstn du beim letzten Mal, ich hatte gar keinen Spass hier!" Nach ner sehr stressigen Woche mit wenig Schlaf umschleicht eine gewisse Milde, innere Ruhe und Zufriedenheit das herzblütige Antlitz. "Ach weißt du mein Kleener, die Mama hatte ein großes Auweh am Kopf und da konnte ich nicht hier sein und mit dir lachen. Jetzt ist aber alles wieder gut..." :streichel: Der in seiner Neugier zufriedengestellte Knirps sprintet wieder in die Spielecke und rennt dabei fast unsre Wirtin mitm Bestellblock in der Hand um. Beim Blick auf die heutige Speisekarte erkennt das geübte sächsische Auge in den Kindermenüs auch die guten alten "Milchäppel", Holundersuppe und Bärchenkartoffelbrei mit Fischstäbchen, leggor!!!

      Tja, liebe Stammtischgäste, was ich dagegen diese Woche bei mir auf der Arbeit an "Kinderernährung" mitbekommen musste - da ziehts mir heute noch die Schuhe aus. Bisher ging ich immer davon aus, dass die Kinder vorm Museumsbesuch Zuhause oder in der Schule ordentlich gefrühstückt haben, das kann ich wohl ohne mit der Wimper zu zucken zu den Akten legen und ins Reich der Fabeln befördern. Neuerdings gibts vor meinem Unterricht mit Zucht und Ordnung meistens vorm Haus ein Stelldichein von Schnittchen und chemisch aufbereiteten Joghurt- und Quarkspeisen, auch mal ne Tüte Chips im Anschlag, dazu noch allerlei Süßkram und Unmengen von noch süßeren und seeehr gesunden Kindergetränken. Fast nirgendwo konnte ich auch dieser Tage Obst bei den Kindern entdecken. Ungelogen und mir sollen die Finger abfaulen, wenn das nicht stimmt: Als am Dienstag ein 13jähriges Büblein mit Basecap und Real-Trikot direkt vorm Herrn Lehrer Herzblut eine gewisse Dose ausm Campingbeu...Tschuldigung, muss ja jetzt Trekking-Bag heißen - also als er aus seinem Rucksack dieses Weißblechteil holte und schon ansetzte, gabs mitm Rohrstock in der Hand von mir ne ordentliche und unmissverständliche Ansage. "Mütze ab in der deutschen Schule und hier ist Red Bull-freie Zone und zwar für immer und ewig! Über die körperliche Züchtigung erzähl ich dann im Unterricht was und ab jetzt ist hier Ruhe!" :knueppel: Hat gesessen und die Lehrerin wurde nebenbei nachdenklich, wie ich das mit der Zucht und Ordnung in nichmal 5 Minuten hinbekommen hab. Als die Rasselbande wieder fort war, lag draußen im Papierkorb ein Sammelsurium von Folie und Süßigkeitenpapier, leere Tetrapacks mit irgendwelchen Erfrischungsgetränken und siehe da - juhu, dort lag wenigstens ein einziger Äbbelgriebs! :juchuu:

      Vorige Woche gabs weltweit einen dieser Ehrentage, auf die man gut und gerne verzichten möchte - den Welt-Adipositas-Tag. Laut WHO hat sich die krankhafte Fettleibigkeit bei Kindern und Jugendlichen in den letzten 40 Jahren mehr als verzehnfacht, mittlerweile gibts über 124 Mio solcher Kinder, weitere 123 Mio Kinder gelten als übergewichtig. Und wie siehts in Deutschland aus? Kannste auch vergessen, derzeit sind bei uns mit 15% etwa 2 Mio Kinder fettleibig, zwischen den 80er Jahren und 2006 ist die Anzahl um etwa die Hälfte gestiegen. Besonders nachdenklich macht, dass mit dem Schuleintritt seit Jahren regelmäßig die Fettleibigkeit sprunghaft ansteigt. Die Gründe sind vielschichtig: Die Erziehung findet nun mal (eigentlich) im Elternhaus statt, dort geht oftmals die Malesse schon los. Und wenn ich von den Kindern manchmal so den Speiseplan der Schulkantinen erfahre, wundert mich in unsrer Geiz is geil-Gesellschaft überhaupt nix mehr. Die WHO sieht richtigerweise zu nem großen Teil auch die Lebensmittelindustrie als Mitverantwortliche. So entsprechen nach einer Studie sagenhafte 90% aller Lebensmittel, die in Deutschland gezielt an Kinder vermarktet werden, nicht deren Anforderungen. Ich geh noch weiter: Die diesen Unternehmen mit ihrer Lobbyarbeit in den Arsch kriechenden politischen Würdenträger sind dafür nicht minder verantwortlich. Nicht unerwähnt soll dabei bleiben, dass nach den aktuellen Erhebungen traurigerweise weltweit 192 Mio Fünf- bis Neunzehnjährige im Gegenzug untergewichtig sind. :(

      Und die Erwachsenen auf der Arbeit? Wenn ein Unternehmen seine Mitarbeiter in Zukunft bei der Stange halten will, muss es sich das eine oder andere dafür einfallen lassen. Und wenns mit kostenlosen Beigaben zum Frühstück ist. Wir befinden uns in einer kleinen Softwarefirma mit 80 Mitarbeitern. Das Unternehmen stellte seinen Mitarbeitern, Kunden und Gästen jeden Morgen kostenlos 150 Brötchen (Laugen-, Käse-, Schoko- und Roggenbrötchen) hin - Marmelade, Wurst oder anderen Belag mussten sie sich selbst versorgen. Dazu stand ein Kaffee- und Kakaoautomat in der Ecke, ebenfalls kostenlos zu benutzen, ne feine und zukunftsorientierte Sache wie ich finde. :nuke: Ja ich, aber nicht das Finanzamt, die witterten nun das große Fressen und forderten die Firma zur Kasse. Begründung: Es handele sich im konkreten Fall um eine "unentgeltliche Zurverfügungstellung einer Mahlzeit in Form eines Frühstücks". Dies sei ein eindeutiger Sachbezug und als solcher zu versteuern, macht nach deren Milchmädchenrechnung 1,50 bis 1,57 Euro pro Mitarbeiter und Arbeitstag. Da kam der völlig verdutzten Firma der Frühstückskaffee hoch, man klagte gegen dieses Ansinnen - und bekam Recht.

      Am Finanzgericht Münster frühstückten die Richter erstmal ordentlich, hier ein Brötchen, dort ein Müsli, einer köpfte mit Inbrunst sein 3-Minuten-Ei, hach hat das wieder gemundet! Danach gings ab in den Gerichtssaal und dort wurde mit vollem Magen und klarem Kopf die bekloppte Entscheidung des Finanzamtes verworfen. Ein Frühstück wäre tatsächlich lohnsteuerpflichtig. Ein trockenes Brötchen und ein Kaffee ergäbe aber nach allgemeiner Ansicht noch längst kein Frühstück (im Sinne von § 8 Abs. 2 Satz 6 EStG i. V. m. § 2 Abs. 1 Sozialversicherungsverordnung, soviel bürokratische Zeit muss sein). Vielmehr gehören dazu auch noch ein Aufstrich, eine Marmelade oder etwas Aufschnitt. Drum wäre dies im vorliegenden Fall nur eine sonstige „Kost“, die unterhalb einer Freigrenze von monatlich 44 Euro steuerfrei sei. Da sind anschließend sicher bei der Softwarefirma ungezählte Brötchenkrümel vor Freude in die Tastaturen reingekrümelt.

      Das Finanzgericht hat anschließend „wegen grundsätzlicher Bedeutung der Sache“ die Revision zum Bundesfinanzhof zugelassen, welche dort auch bereits durch das ums monetäre Frühstück geprellte Finanzamt anhängig ist. Und ich mein', ich stell mir das schon so vor: Da sitzen frühmorgens die Richter am Bundesfinanzhof so wie unsereins mit dampfendem Kaffee und dem einen oder anderen Bäckereierzeugnis aufm Teller und im Radio läuft grade dies: Gebrüder Blattschuß :D ... alles schunkelt dazu und hat so wenigstens gleich bissl Morgengymnastik, etwas Marmelade kleckst auf den Tisch - schmecken lassen! Dann gehts auch dort in den Verhandlungssaal, Aktenordner auf: "Was, ihr Finanzbeamten kennt kein richtiges Frühstück? Na, da wolln'wer mal, also hört genau zu: Noch'n Toast, noch'n Ei..."

      In diesem Sinne, redet mal mit eurem Chef über'n kostenloses Brötchen oder nen gratis Kaffee. Wenn er euch nen Vogel zeigt und stattdessen nen Schokoriegel und ne Flügel verleihende Dose aufn Schreibtisch knallt, dann hat er die Zeichen der Zeit noch nicht erkannt.

      Mahlzeit und schönen Sonntag, euer Herzblut. :winke:
      Drei Buchstaben, zwei Farben, eine Gemeinschaft

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    • Wenns Unkraut auf Felder voller Blumenkohl trifft...

      ...dann sprüht der moderne Bauer ne Brise Pflanzengift. "Grüßt euch zusamm' - na habter alle eure Uhren umgestellt? Also meine steht seit heut Nacht um 3 zur Abwechslung mal in der Küche." Schmunzelnd und winkend schreitet das Herzblut zielgerichtet zum Stammtisch, die versammelte Runde hat auch schon so ein dubioses Feixen im Gesicht. "Was zum Deifel is'n das...wollt ihr mich foräbbeln?" Auf seinem Platz steht ein kleines Präsentkörbchen, beim Inhalt bleibt ihm erstmal die Spucke weg: Eine Flasche Doppelherz, Gebissreiniger, ne Schnabeltasse und ne alte Wühltisch-CD von den Amigos. "Nu Herzblut, mir dacht'n, weil du ja nu diese Woche schon Halbzeit in den Vierzigern gefeiert hast, wolln'wer dir aufm Weg zum Altersstarrsinn so gut wie möglich weiterhelfen." Alles wiehert und auch er kann sich ein angeheitertes "Danke, ihr Dreggsägge" nich verkneifen. ;) Die erste Runde geht schon mal auf ihn und beim Zuprosten will er auch gleich von der Wirtin wissen: "Chefin, ich krieg heut Zunge mit überbackenem Blumenkohl, is der frisch oder nur das gespritzte Gelumpe ausm Supermarkt?" Sie gibt ihm zu verstehen, die weißen Röschen sind aus eigenem Anbau und wurden quasi in der Reife bis zur Ernte täglich gestreichelt. "Na dann her damit, denn was ich diese Woche wieder im Obst- und Gemüseabteil mitbekommen hab, da kanns dir nur noch vergehn..." Er beginnt mit seinen Ausführungen.

      Dieser Tage war ich im Kaufland, Aldi, Lidl, Netto Hund, Rewe, Penny - ach sucht euch doch selbst raus, wo ich in den Laden gestolpert sein könnte. Die Fleischtheke wurde durch mich um 2 angeblich argentinische Rindersteaks (mit ein bissl Phantasie sahen die doch tatsächlich in der Marmorierung fast so aus wie Messi auf der Fahnenflucht), 200g Hackepeter und 3 Knacker ärmer, danach wurde die Auslage mitm Grünzeug frequentiert. Die Bananen sind neuerdings überall mit derartig festklebenden Klebestreifen umwickelt, dass ich zuhause bereits paarmal kurz vorm Ausflippen war. Na gugge an, die ham jetz die kernlosen Weintrauben in 2 Farben zusammen verpackt! Da wolln'wer doch erstma kosten, ich koof doch nich die Katze im Sagg...ääägs, pfuipudel - hamse die Schale mit Kernseife imprägniert? Ne also die kennse selber fressn, wie sehn die Birnen dort drüben aus? Nuja, ansprechend rötliche Bausbäggchen hamse ja, aber was is denn das für ne glänzende Schicht da droff und bei den Äbbeln nebenan ooch? Die müssen doch bleede sein, alles auf Hochglanz gewachst, das Gemüse ooch und bei manchem Grünzeug steht sogar noch im Kleengedruckten der Warnhinweis "vorbehandelt" off der Verpackung. :look: Leute, ich wollt mich nich um die Ecke bring' - ich wollt lediglich was für meine Gesundheit tun! Bleibt mir bei Anblick dieser essbaren Chemiebaukästen nix anderes übrig, als mal wieder zum Hofladen des Vertrauens zu wackeln.

      Kennt ihr Kurt Bock, Werner Baumann und deren Lieblingsspielzeug Glyphosat? Gibt Erdenbürger, die kennt man nur mit geballter Faust! Die beiden Herren sind die Chefs und Manager bei BASF und Bayer, Glyphosat ist aus dem Hause Monsanto (Bayer will die demnächst übernehmen), wird in der konventionellen Landwirtschaft vielerorts als Pflanzengift zur Unkrautbekämpfung verwendet, in Deutschland auf ca. 40% der Felder. Das Makabre an der Geschichte, dieses von der WHO als "wahrscheinlich" krebserregend eingestufte Herbizit macht jeder Pflanze den Garaus, es sei denn, sie wurde genetisch derart verändert, dass sie dagegen immun ist. Nebenbei ist dieser Cocktail auch mitverantwortlich für das Aussterben vielerlei Insektenarten und wenn man bedenkt, dass wir ohne die täglich dahingsummte Arbeit von Bienen und Hummeln ernährungstechnisch aber sowas von alt aussehn würden...Die EU-Kommission wollte nun Glyphosat für weitere 10 Jahre zulassen, aber immer mehr EU-Mitgliedsstaaten, unter ihnen Italien, Frankreich und Österreich, haben die Schnauze voll. Die amtierende Bundesregierung muss sich aufgrund der Uneinigkeit im eigenen Laden lt. Geschäftsordnung nun zumindest der Stimme enthalten, auch wenn Fr. Merkel noch im Juni beim Deutschen Bauerntag meinte: "Wir werden uns dafür einsetzen, dass Sie diesen Stoff da, wo es notwendig ist, auch weiterhin anwenden können". Für die Herren Bock und Baumann als Speerspitze der Lobbyisten-Arschkriecher wäre bei Nichtzulassung schneller als gedacht der gespritzte Salat für eben jenen Arsch. O-Ton Bock: "...ein mittelgroßer Skandal, dass sich die Bundesregierung aufgrund von Ressortstreitereien zwischen Umwelt und Landwirtschaft enthalten will...im Rest der Welt wird nicht das Heil in der deutschen Bio-Landwirtschaft gesucht." O-Ton Baumann: "Eine tragische Situation...Glyphosat ist seit mehr als 40 Jahren im Einsatz und ein nach allen Standards der regulatorischen Überprüfung sicheres Produkt." Kommt ihr beiden mir mal am Gemüsestand zwischen die Griffel - ich zieh euch den gespritzten Feldsalat durch die versiffte Sprechluke, dass es am anderen Ende bei euch schäumt! :knueppel:

      Das für die deutsche Glyphosat-Bewertung zuständige Bundesinstitut für Risikobewertung hat letzte Woche zugeben müssen, in seinem Gutachten wesentliche Teile von Monsanto-Erhebungen wortwörtlich übernommen zu haben, u.a. wo es um die Krebsrisiken geht. Dies sei aber lt. BfR "übliche Praxis". Bei der EU sollte vor paar Wochen Monsanto zu einer öffentlichen Anhörung erscheinen, lehnte diese aber mit der Begründung ab, die angestrebte Diskussion wäre nicht das passende Forum, um diese Themen zu betrachten. Es stünde dem Parlament nicht zu, die wissenschaftlichen Gutachten von EU-Behörden in Frage zu stellen. Ergebnis: Die Monsanto-Lobbyisten mussten daraufhin ihre Zugangspässe zum EU-Parlament abgeben. Ein kleiner Schritt in die richtige Richtung...und eben jenes EU-Parlament verlangt nun ein endgültiges Aus der Zulassung bis spätestens zum 15. Dezember 2022. Weil es aber um Milliardengewinne geht, hat diesen Mittwoch die EU-Kommission den "Kompromissvorschlag" unterbreitet, die Genehmigung für Glyphosat für fünf Jahre zu erneuern, es ginge nach deren Auffassung um eine Erneuerung und nicht um ein Auslaufen! Eine Abstimmung der EU-Regierungen ist nun für den 9. November geplant. Ausgerechnet. Mir kommt der Blumenkohl jetzt schon hoch! :kotz:

      Ich frag mich, wie gesund das wohl damals gewesen sein muss, als man alles bäuerlich Erzeugte ohne Bedenken zu sich nehmen konnte und die Milch - wie selbst noch miterlebt - samstags in der alten Blechkanne direkt vom Bauern geholt wurde. Ich frag mich, warum damals Kinder so gut wie keine Unverträglichkeiten/Allergien auf irgendwelche Lebensmittel hatten und diese auch nicht ihr ganzes Leben mit sich rumtragen mussten. Ich frag mich auch, warum damals der GEIZ für die oberen Zehntausend stand und sich von allen anderen das GEIL maximal unter der Bettdecke leise zugeflüstert wurde. Solange es derart schamlos degenerierte und niemals satte Konzerne in Vertretung von ungezählten Bock's und Baumann's gibt, solange kontinentale und regionale Institutionen (EU-Kommision und BfR) für diese über Leichen gehenden Individuen die Beine breit machen und den Willen kontinental gewählter Volksvertreter (EU-Parlament) missachten - solange hab ich eine überaus gesunde und abgrundtiefe Verachtung für diese unsre momentane Gesellschaftsform im Leib! :shock2:

      Ach ja, ne alte Omi meinte noch zu mir am Obststand, mit in Wasser aufgelöstem Natron oder auch Backpulver kriegst du den ganzen Wachsdreck von den Äpfeln und Birnen runter. Wollts erst nich glauben, aber es wirkt tatsächlich. In diesem Sinne - lasst euch euren Salatteller mit den Putenbruststreifen gut schmecken. Aber beschwert euch nachher nich bei mir, wenns paar Tage später überall juckt...

      Mahlzeit und schönen Sonntag. Euer Herzblut :cool2:
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    • Jetz is sie weg, weg...

      "...und ich bin wieder allein, allein." Das Herzblut trällert heute quietschvergnügt aufm Weg zum sonntäglichen Beisammensein der meist etwas anderen Art fast schon vergessenes Liedgut vor sich hin. Die Wirtin empfängt ihn mit den Worten "Da sachste was, hab grad erstmal alles durchlüften müssen, sonst denken meine Gäste noch schlecht von mir." Er erfährt, dass heut schon Frühschoppen-Kundschaft da war, die ne Menge unerwünschten Mief mit hereingebracht hat - es muss wohl sprichwörtlich zum Himmel gestunken haben. Und so wie's manche Oma früher immer gemacht hat, schneidet sie 2-3 Apfelsinen in Scheiben und legt sie zum Trocknen und guten Duft Verbreiten an die Heizung, den Rest erledigen dann später die dampfenden Teller mit Sauerbraten, Entenkeule und Wildschweingulasch. Der Stammtisch ist so ziemlich vollzählig, das Bier steht aufm Tisch "Nu mach schon Herzblut, was is der Grund für deine gute Laune?"

      Das Lied in der Überschrift, ich komm nich drauf, helft mir mal weiter - hießen die nun Sprite 3, Schweppes 5 oder Sinalco 7 ? :ohje: Is ja am Ende auch egal, einige von euch kennen diesen 90er-Gassenhauer ausm Schwabenländle sicher noch. Und ich kann nun auch ein Lied davon singen, endlich. Über zweieinhalb Jahre hab ich mit allen anderen im Haus ne wahre Hölle miterleben müssen, habs ja vor längerer Zeit schonmal angerissen. Im EG unter mir zog 2015 Jungerwachsenenvolk ein, eine 20jährige ganz besondere Fachkraft nebst ihrem grad mal aktuellen Verehrer. Ach was sag ich, sie fielen förmlich ein. Da ich mittlerweile nen Blick für gewisse Individuen und ihrer Herkunft aus gewissen Vierteln entwickelt hab, war mir von Beginn an klar, was da in etwa auf uns zukommen würde. Nur die Ausmaße hab ich nich mal ansatzweise geahnt. Bereits in Woche 1 stellte unsere Neumieterin des Nachts beim Möbel aufbauen fest, dass die größenmäßig gar nich so richtig in die Wohnung passen: Ein dahingebrüllter Disput mit ihrem beim Aufbau behilflichen Anhang, paar Bretter flogen durch die Wohnung und der Rest wurde so gegen 2 Uhr auf Kaminholzlänge zertreten. :balla: Ich dachte damals im Bett, ich hätte in der Werkstatt eines gut bekannten Tischlers übernachtet. Die Wochen zogen ins herzblütige Land und die Herrschaften zogen auch - an unsren Nerven: Party bis morgens um Viere, zugedröhntes Humanmaterial polternd im Treppenhaus, die sogenannte Musik bis auf Anschlag, dass die Gläser in der Schrankwand im Takt beschwingt vor sich hinklirren. Alles, was man so rauchen und inhalieren kann, wurde dabei begierig einverleibt - macht sich gut, wenn die Aromen einem bei offnem Schlafzimmerfenster um die Nase wehen. Nicht nur bei mir - auch bei einigen Schichtarbeitern im Haus wurden regelmäßig die Halsschlagadern etwas dicker. Unterschriftensammlung, Lärmprotokoll, ab damit zum Vermieter, erste Abmahnung und vorerst war Ruhe.

      Nur - immer häufiger muss man bei Vertretern dieser Generation auch ein sagen wir mal gewöhnungsbedürftiges Wohnverhalten miterleben. Ihr macht euch kein Bild: Die Wäsche wurde kurzerhand (Klamottenschrank war ja nu leider zertreten) auf nem Wäscheständer aufm Balkon geparkt. Getragene und gewaschene Wäsche in Bergen übereinander, unfassbar, was so ein 10€-Wäscheständer für ein Gewicht aushalten kann! Was dort keinen Platz mehr fand, wurde gleich daneben auf den Balkonbrettern fallengelassen. So trendige Shirts mit Holzgeruch hat schließlich auch nich jeder. Alles zusammen bekam von Petrus immer mal wieder ne Dusche, die liebe Sonne trocknete das dann auch immer schön. Praktisch, nich? Ich komm irgendwann von der Arbeit, es is Sommer - ach komm, machste dein Abendbrot gleich aufm Balkon...wisst ihr, wie aufbauend es sein kann, wenn du mitm Feierabendbier im Anschlag deine Beißerchen grad in ein Beafsteak versenken willst und dir zieht ein dermaßen muffiger Geruch durch die Nase, dass du nichts ahnend in die Küche sprintest, um das Haltbarkeitsdatum auf der Hackfleischverpackung zu überprüfen? Das war okay, beim Blick aufn Balkon unter mir war dann schnell klar, was meine Nase beleidigte. :kotz: Obendrein isses ja so: In nem Wohnviertel gibts ja nun auch viele Stubentiger auf Freigang. Und wenn die so ein wunderbares Bettchen aus Hemden, Hosen, Unterwäsche, Handtüchern und Bettwäsche ganz kostenlos angeboten bekommen - dann springen kurzerhand durchs Balkongitter und ratzen erstmal ordentlich einen ab. Ja und wenn dann einige von ihnen auf Touren sind, dann gibts erstens (zur nun wieder dröhnenden Mucke drin) auch draußen ein unglaubliches gratis Livekonzert und zusätzlich ne Duftprobe von urinalen Reviermarkierungen. Unterschriftensammlung, Lärmprotokoll, Fotos dazu und wieder ab damit zum Vermieter, zweite Abmahnung und wieder Ru...

      Neeee, denkste. Derart zurechtgewiesen kam man zur Hochform und verlegte alsbald die Wäschesammlung in die Wohnung, dazu Türen- und Fenstergeknalle zu jeder Tag- und Nachtzeit, Mucke immer kurz an und aus, dazu so ein wundervolles Klopfen an Türrahmen und Heizungskörpern. Weil das aber irgendwann wohl langweilig wurde, legte man sich zur Unterhaltung ein eigenes, unkastriertes Kätzchen zu. Und das arme Vieh war nun tagsüber und auch abends viel allein, miaute deswegen jämmerlich und protestierte in der Wohnung auf Katzenart. Jedesmal wenn dort die Wohnungstür aufging, zog ein derartiger Mief durchs Treppenhaus, dass uns allen die Tränen kamen. Die Polizei kam auch mehrmals zu Besuch und viele unserer regelmäßigen Besucher blieben stattdessen weg, 4 Mieter haben in den 2 Jahren die Flucht ergriffen. :(

      Der Vermieter war nun kurz davor, die Reißleine zu ziehen - da kam Madame Tausendschön nebst Lover Nr. 4 dem zuvor und zog dieser Tage aus. Was sag ich - sie ging, wie sie kam. In den letzten 3 Monaten wurden die Mülltonnen zur Endlagerung fast des gesamten Hab und Guts zweckendfremdet, der Briefkasteninhalt gleich im Treppenhaus fallengelassen und die arme Katze musste leider mit umziehen. Scheiße - der Kellerschlüssel war auch weg, also brach man gleich den eigenen Keller mitm Kuhfuß auf, die Scharniere mit Tesa wieder rangeklebt, fertig war der Lack, nun liegen Berge von alten Kartons in den Kellergängen rum. Letzte Woche wundern wir uns nun über so einen beißenden Geruch im Haus, der mir als Heimwerker durchaus bekannt vorkam. Beim Möbel abbauen und Wohnung ausräumen haben diese Ekelpakete an den Wänden offenbar ihre schimmligen Errungenschaften bewundert. Die Möbel und Wände wurden nun mit ordentlich Schimmelstopp ausm Baumarkt "behandelt", anschließend gabs gleich obendrauf ne Lage weißer Wandfarbe - bis das der Vermieter merkt, sind wir doch längst über alle Berge! Nur gabs da leider jemanden, der dem Vermieter nen kleinen Tipp... :finger: ...man meinte dort zu mir, für sowas gäbs ja die Möglichkeit des Einbehaltens der Mietkaution.

      Sie werden immer mehr, mittlerweile setzen sie grad selbst Kinder in die Welt oder beobachten sie bereits beim Größerwerden. Ohne Verstand, ohne Scham, ohne Regeln und immer im degenerierten Glauben, das Richtige zu tun. Wie nennt man sowas? Assozial, Spacken, schwererziehbare Sargnägel unsrer Gesellschaft - ich hab keine Ahnung, nur täglich ne Menge Anschauungsunterricht, im Haus, im Viertel und auch immer häufiger auf Arbeit. Die Lehrer müssen neben ihrem Bildungsauftrag vielen Kindern auch sowas wie Erziehung, Respekt und Anstand näherbringen und genau die Kindeseltern sind es dann, die sich wegen jedem noch so kleinen Quark in der Schule beschweren. Ich sag "meinen" Schulkindern immer: Vor 100 Jahren hätten es die Eltern noch nicht mal gewagt, sich in der Schule derart aufzuführen. Muss ne schöne Zeit gewesen sein...

      Ach ja, is das herrlich ruhig in der Wohnung unter mir! Jetz is sie weg, weg - und ich bin wieder allein, allein. Da schmeckt der Sauerbraten nochmal so fein. Bei euch doch auch, oder?

      Also schmecken lassen und schönen Sonntag. Euer Herzblut :winke:
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    • Oma's Apotheke ist doch immer noch die Beste

      Das Herzblut sitzt heut schon vor allen anderen am Stammtisch und knabbert wie ein Verrückter Salzstangen, dazu steht vor ihm ein Glas Cola. Die gute ostdeutsche natürlich, die andere Plörre darf seine Magenwände nicht penetrieren - Ehrensache. "Mensch Herzblut" so schallts ihm feixend zur Begrüßung entgegen "hat dich de Muddi of Diät gesetzt oder hastes Geldtäschl für dein Dreigängemenü dorheemä forgessn?" Er schiebt die Hände abweisend von sich: "Nee, ich hab mir nur die Tage so'n ekligen Virus im Bäuchl eingefangen, die Keramik hatte Hochbetrieb. So langsam gehts zwar wieder, aber drum geb'sch euch heut ma keene Hand." Ihm läuft das Wasser im Mund zusammen als er hört, was die anderen so alles zum Mittag bestellen und er sitzt hier bei Salzstangen, ungerecht is die Welt! Ein Rentnerehepaar sitzt nen Tisch daneben und die Frau meint zu ihrem Mann "Siehste, der is ni so wehleidsch wie du, der weeß sich noch mit alten Hausmitteln zu helfen." Das Herzblut ruft nüber: "Ja, hab von dor Oma ä großes Notizbüchl mit Koch- und Backrezepten und och eens mit solchen Gesundheitstricks von früher geerbt. Is mir lieber, als mich mit hundertfunfzsch Tabletten vollzustopfen. Ich habs sogar mitgebracht, wollter ma hörn?" Und weils selbst am Stammtisch irgendwann mal nur noch um die Krankheiten von Tante Erna und Onkel Fritz geht, gibt er mal paar Geheimnisse aus Omas Zeiten Preis.

      Wenns euch so wie mir diese Woche geht und ihr plagt euch mit nem Magen-Darm-Infekt rum, dann helfen bei sowas wirklich Salzstangen und Cola (möglichst mit wenig Kohlensäure). Je nach Schwere des Wanstrammelns entweder mal nen Tag gar nix essen bzw. bloß paar Zwieback oder Haferschleim, dazu viel trinken und die Tage darauf dann leichte Kost, ab und zu ein geriebener Apfel. Omas Geheimtipp, der immer half, war das Kauen getrockneter Heidelbeeren - hat mich nun auch wieder ausm Gröbsten rausgebracht. Wenn bloß der Magen schmerzte, dann hat sie mir früher immer Kümmelkörner zum Kauen gegeben und ne Wärmflasche aufs Bäuchl. Bei ständigem Aufstossen und Sodbrennen trink ich auch heut noch frisch gebrühten Pfefferminz- oder Kamillentee, ein Glas Wasser mit nem Löffel aufgelöstem Natron oder ein Glas Milch, dazu ne Scheibe Weißbrot - und der Brandherd verschwindet wieder.

      Jetz hamwer ja nu auch die Jahreszeit der tropfenden Nasen, kratzenden Hälse und deswegen vollen Arztpraxen. Auch wenns für manche eklig klingt - heiße Milch mit Honig ist eine der Wunderwaffen. Frisch aufgebrühte Salbeiblätter ausm Garten ebenfalls, selbstgemachte Hühnersuppe sowieso. Oma hat auch immer bei sowas nen schwarzen Rettich oben und unten aufgeschnitten, oben Kandiszucker drauf, das Ding auf ne Tasse gestellt und die runtertropfende Brühe wurde dann gesoffen. Ab und zu wurde auch ne gekochte Kartoffel in ein Tuch eingewickelt über Nacht auf den Brustkorb gelegt. Ich geh heutzutage der Grippe zusätzlich immer auch noch auf die härtere Tour mit frischem Ingwer aufn Sack. In feine Scheiben schneiden, mit heißem Wasser aufbrühen und schluckweise trinken - die Scheiben nich etwa wegschmeissen, sondern kauen und runterschlucken. Das desinfiziert den Rachenraum, die Magenwände werden so auch gleich mit generalüberholt und der Kreislauf kommt in wärmende Wallung. Für Genießer: Ne zerdrückte Mango mit paar Löffeln Honig mischen, dieser Hochgenuss wirkt tatsächlich. Dazu frischen Meerrettich essen - das räuchert alles Ungebetene aus! Wer das schon mal gehört hat mit warmem Bier trinken und danach ne Schwitzkur: Ich habs mal probiert, hat auch letztendlich geholfen - aber das schöne Bier! :( Sollten auch noch die Nebenhöhlen oder die Ohren verrückt spielen, auch hier wirkt ne eingewickelte und gekochte Kartoffel Wunder, einfach auf die Stirn, die Nasenwände oder eben ans Ohr legen.

      Wer geht schon gerne zum Zahnarzt? Also ich ja, weil ich hab mich über viele Jahre dran gewöhnt. Zu Omas Zeiten bekam ich immer ne Gewürznelke zwischen die schmerzenden Zähne gesteckt oder musste Rosmarinblätter kauen, das linderte wenigstens etwas. Nach der Wende hab ich bei allen mögichen Zipperlein die Akkupressur als Notapotheke für mich entdeckt, so auch bei den Zähnen: Diese kleine Delle zwischen Lippe und Nase mit etwas Druck ca. 2 Minuten massieren und ich sag euch, die Schmerzen lassen nach. Wenns Zahnfleisch endzündet mal war, gabs immer die großmütterlichen Lakritzschnecken, die so lange gelutscht wurden, bis sie sich quasi von selbst auflösten. Mach ich heut noch und zur Vorsorge spül ich den Mundraum auch ab und zu mal mit nem ordentlichen Schluck Olivenöl.

      Huch, was kommt denn da aus der nächsten Seite geflogen? Na gugge an, drei 4-blättrige Kleeblätter anno 1975 oder so, hähä... ;)
      Ja und im nächsten Frühjahr kommen auch ganz bestimmt wieder ne Menge Quälgeister, um uns am ganzen Körper zu piesacken - ich sprech von den Insekten. Ich habs dieses Jahr mehrfach mit Majas Kollegen erlebt, ein feuchtes Stück Würfelzucker, ne Scheibe Zwiebel, Meerettich oder Zitrone direkt auf den Stich legen und du bist auf der sicheren Seite. In Omas Alchimistenheft steht hier außerdem was vom Saft der Kohlblätter und dem Auflegen zerdrückter Bohnenkrautblätter, muss ich bei Bedarf unbedingt auch mal ausprobieren.

      So, das war meine kleine medizinische Lesestunde aus vergangenen Zeiten für euch. Ach ja, für die allgemeine Heilung soll mitunter auch die eine oder andere Streicheleinheit des jeweiligen Partners hilfreich sein. Wer aber von euch mit Grippe im Bette liegt und hat keine(n) Liebste(n) zum Streicheln vorrätig, dann streichelt euch doch einfach selber. Meeensch - ich meinte die Wange, also lasst bloß eure Pfoten off dor Bettdecke! Sonst schimpft der Onkel Doktor... :D

      Bei mir gibts dann Reis mit Huhn, ätschebätsche. Egal, was ihr dann esst (ich wills gar nich hören), lassts euch schmecken. Und allen derzeit gesundheitlich Angeschlagenen natürlich eine gute Besserung!

      Schönen Sonntag, euer Herzblut :winke:
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    • Dann mal gute Besserung, Herzblut. Hoffentlich bist du bald wieder auf dem Dampfer. Was Oma noch wußte...(deren Hausrezepte bleiben nach wie vor unschlagbar). Die wußten sich jedenfalls noch zu helfen. Heute rennen se doch sofort bei dem kleinsten Wehwehchen in die Apotheke um die Ecke oder bestellen sich irgendson gepanschtes Zeugs online (wo noch nicht einmal sicher ist) ob man das überhaupt überleben wird. :)
    • Da geht dir ein Licht auf

      Das Herzblut schmunzelt beim Anblick der Kinder mit ihren Eltern und Großeltern aufm Weg in unser Gasthaus belustigt vor sich hin. Überall blinkts neuerdings an den Schuhen unsrer Kleinsten, vielen LED's in den Absätzen sei Dank. Er schmettert strahlend ein gutgelauntes und hochaktuelles "Nu Grüße, ihr Sägge - i bims!" in die Stammtischrunde, was von allen auch ordnungsgemäß mit "Grüße, du alter Sagg, mior sins!" beantwortet wird. Man will von ihm sofort die Chemnitzer Stimmungslage ergründen, was diese Fließband-Rücktritte in und um einen Verein seiner Heimatstadt in den letzten Tagen angeht. "Ach wisst ihr, das Stadion gehört mir ja irgendwie mit... Ich überleg ernsthaft mit paar Gleichgesinnten, meinen Garten ins Stadioninnere zu verlegen. Das heißt, auf die Sonnenseite natürlich, die Schattenparzellen würde ich problemlos den Himmelblauen überlassen, wo sie grad schon so ins Düstere schauen. Wenns so weitergeht, spielen ja eh bald nur noch die "Sportfreunde Stadtverwaltung" gegen "Zwietracht GGG" auf der Fischerwiese um den kommunalen Filz-Cup. Da ist doch so'n geiler Grillabend neben Erdbeer- und Gemüsebeet viel zielführender und wennde irgendwann Druck hast - im Nachbargarten steht bestimmt auch'n Strauch mit ner Partylichterkette und ner alten FCK-Fahne angebunden rum :D ...moment ma, meine Kleene dort drüben, jaaa du! Was haste denn für schöne bunte Lämpln an deinen Schuhen, brauchste wo, damit du im Dunkeln nich stolperst, hähä?" Der angesprochene Nachwuchs meint mit angewinkelnden Armen leicht entrüstet zu seiner Oma: "Du, der Onkel dort driem will mich forgaggeiern, ich hab doch coole Schuhe an, nohr?" Das Herzblut gibt sich bei soviel kindlichem Kontra alsbald geschlagen und lächelt milde vor sich hin. "Ach ja, der CFC - ob er jemals ein echtes Chemnitzer Wahrzeichen wird? Und damit komm ich besser zum heutigen Referat bei Bier und Sauerbraten." Er nimmt nen kräftigen Schluck und beginnt zu erzählen.

      Ihr habt ja in eurer Stadt oder eurem Dorf sicher auch das eine oder andere Wahrzeichen. Sei es nun irgend ein altehrwürdiges Gebäude, eine von ungezählten Luther-, Bismarck- oder Kennedy-Eichen oder auch das Gerätehaus der Freiwilligen Feuerwehr Tuntenhausen. In meiner Heimatstadt gibts sowas auch zur Genüge und ich will euch mal 4 davon näherbringen.

      Da ich in Chemnitz-Rabenstein geboren und teils auch aufgewachsen bin, kenn ich von frühesten Kindesbeinen an auch die dortige Burg. Keiner weiß so richtig, wann sie erbaut wurde, wahrscheinlich im 12. Jahrhundert. Erstmals urkundliche Erwähnung fand sie 1336 durch Ludwig dem Bayern und erlebte im Laufe der Jahrhunderte einige Besitzerwechsel und bauliche Veränderungen. Ab 1927 konnte man sie gegen Eintritt an den Wochenenden oder an Feiertagen besuchen und die schmale Wendeltreppe bis nach oben erklimmen. In den 40er Jahren wurde sie wegen erheblicher baulicher Mängel für die Besucher geschlossen. Von grundauf restauriert konnte sie 1959 als Museum wiedereröffnet werden und stellt bis heute die kleinste mittelalterliche Burg in Sachsen dar. Ein Besuch lohnt sich, fast angrenzend gibts das Naherholungsgebiet mit dem durch die Kosmonaut-Festivals bekannten Stausee und das weitläufige Wildgatter.

      Mitten im Stadtzentrum steht das älteste Bauwerk von Chemnitz, unser Roter Turm, er hat nebenbei mehr Jahre aufm Buckel, als Dresden und Berlin. Ebenfalls im 12. Jahrhundert errichtet war er von Beginn an Teil der damaligen Stadtmauer. Im Stadtteil, in dem ich jetzt wohne, wurde vor langer Zeit Porphyrtuff abgebaut, dieser verlieh auch unserem Turm durch das Baumaterial die rote Farbe. Später hat man eine Etage aus Backsteinen aufgesetzt und mit roten Dachziegeln versehen. Genutzt wurde er bis 1900 hauptsächlich als Gefängnis, die bekanntesten "Einwohner" waren neben unserem berühmten erzgebirgischen Wilderer, dem Stülpner Karl auch August Bebel. Im zweiten Weltkrieg komplett ausgebrannt hauchte man ihm in den 50er Jahren wieder Leben ein. Die ostdeutschen Mitleser kennen ihn alle, weil bis heute steht er in jedem gut sortierten Supermarkt. Wie das, fragt ihr? Ganz einfach, gabs im Westen zum Geschirrspülen Fairy Ultra, so hieß das bei uns in haargenau der gleich grünen Farbe Fit und wurde beim VEB Fettchemie Karl-Marx-Stadt hergestellt. Lacht nicht, ihr Wessis - in dieser Firma entstand noch so Einiges mehr, was vor allen Dingen und nur bei euch zum Alltagsgebrauch in den Ladenregalen lag. Und weil unser Fit nun mal ne passende Verpackung brauchte, füllte man dies in ner 500ml-Flasche ab, die haargenau dem Roten Turm in Miniaturformat entsprach. Guggt mal beim nächsten Einkauf bei den Reinigungsmitteln nach.. :was: ..unser Fit kommt auch heute noch mit diesem Chemnitzer Wahrzeichen daher.

      Einen Katzensprung entfernt steht ein riesen Koloss auf nem Sockel aus ukrainischem Granit, unser 7m hohes und 40 Tonnen schweres Karl-Marx-Monument, genannt "dor Nischl". Im Gebäude hinter ihm war zu DDR-Zeiten die SED-Bezirksleitung untergebracht und an dessen Wand prankt bis heute in 4 Sprachen "Proletarier aller Länder, vereinigt euch!" 1953 wurde meine Stadt in Karl-Marx-Stadt umbenannt und nach sozialistischen Vorstellungen auch entsprechend umgebaut. Da durfte auch eine Plastik des Namensgebers nicht fehlen. Wie man mir berichtete, hat man sich nur für einen Kopf entschieden, weil sonst bei solch einer Büste für die Passanten lediglich die Füsse zu sehn gewesen wären. 1971 gabs zur Einweihung den damals normalen Aufmarsch von mehr als 200.000 Leuten und natürlich wurde die dortige Straße auch gleich von Brückenstraße in Karl-Marx-Allee umbenannt. Jedes Jahr am 1. Mai hatten viele Werktätigen und wir Schulkinder das Vergnügen, mit unseren "Winkelementen" am Nischl und den dort uns zuwinkenden Granden der politischen und gesellschaftlichen Obrigkeit vorbei zu defilieren. Man hats halt gelangweilt mitgemacht, danach gings meist mit den Eltern in den Garten, auf nen kurzen Ausflug oder ordentlich irgendwo was essen. Der Nischl hat die Wende gut überstanden und auch die Bemühungen der "Umsiedlung" oder kompletten Entfernung, z.B. durch Vertreter der ehemaligen Block-CDU, die von heute auf morgen in diesem System "schon immer dagegen" gewesen waren. Übrigens wurde im Gebäude dahinter Anfang der 90er Jahre die Chemnitzer Zentrale des Arbeitsamtes aufgebaut, die bis zur Wende dort arbeitenden Personen blieben in großer Anzahl unter Beifügung etlicher Blockflöten die gleichen. :sleep: Dor Nischl aber ist und bleibt unser Wahrzeichen - da kennen wir nüschd! Denn er blickt Tag für Tag mit grimmiger Miene vorbei am Roten Turm in Richtung Rathaus. Gut so, Korle Morle!

      Und dann haben wir da noch nen Eye cat...Tschuldigung Hingugger, man sieht dieses mit 302m höchste sächsische Bauwerk schon in kilometerweiter Entfernung - unsre Esse. Dem kommunalen Energieversorger Eins gehörend ist dieser riesen Schornstein für Hobbyradler wie mich ein wunderbarer Wegweiser. Immer dann, wenn du dich bei ungezählten Baustellen und Umleitungen in der erzgebirgischen Pampa verfranst hast: "Nu ma guggn, wo is'n de Esse - ahh dort gehts nach heemä!" Vor 6 Jahren begann die 3,1 Mio teure Sanierung des Dampfstengels und nach nem Konzept des franz. Künstlers Daniel Buren wurden alle einzelnen bis nach oben ragenden Segmente mit verschiedenen Farben versehen, nu sah das Ding schonmal bunt aus. Das Konzept sah aber auch noch ne Beleuchtung vor: Erst wurde das von ner franz. Firma mit ner Lichterkette aus ca. 1200 LED's umgesetzt und dauernd war irgendwas kaputt, Wasser lief in die Leuchten, so dass der Mist wieder abgenommen wurde. Seitdem streitet man sich mit dem Hersteller vor Gericht über die Schuldfrage, es geht um "läppische" 500.000 Euro. Da die Esse aber nu leuchten sollte, hat sie jetzt die Dresdner Firma Lichtzentrale für 200.000 Euro mit 168 farbigen LED-Scheinwerfern (je 14 Stück pro Essen-Farbsegment) bestückt. Vorher ließ Eins die Chemnitzer vom 12. - 20. August per Online-Abstimmung aus 3 Varianten auswählen - und brach schon einen Tag vor Ultimo und nach 12.000 Stimmen dieses Votum aus Zeitdruck wegen der Montage ab. Die Lampen sollen etwa 27 Jahre halten und werden dabei mit 20% ihrer 300 Watt-Leistung betrieben. Diesen Montag war nun bei Sekt, Musik und geladenen Gästen Einweihung, irgendwann gabs kurz vor 18 Uhr nen Countdown und siehe da - den Chemnitzern gingen viele außergewöhnliche Lichter auf. Bei aller Kritik bzgl. der Kosten und dem ganzen Drumherum, dieses nun weltweit höchste Gesamtkunstwerk sieht abends einfach nur geil aus, guggt ma hier... :nuke:

      Was würde der CFC dafür tun, wenn denen auch alsbald die dringend benötigte Erleuchtung käme...aber da sitz ich vermutlich schon in meinem Stadiongarten und wende zu Pivos und Feldis meine Roster und Steaks. Und der Abfall fliegt dann - na ihr wisst schon.

      In diesem Sinne - hamwer wieder was dazugelernt! Schönen Sonntag, euer Herzblut :cool2:
      Drei Buchstaben, zwei Farben, eine Gemeinschaft
    • Und in Dresden Ruppen se unsre schöne Hohe Esse am Gasometer Reick Stück für Stück mit sonem Spinnenbagger ab. Eine Schande. Mir gefällt die Esse in Korle-Morle und och vom Zuch sieht man se gudd. E Richdsches Wahrzeichen ähmd. :nuke:
    • Was man im Alltag wissen muss - so manche Redewendung is der Weisheit letzter Schluss.

      Na guten Tag euch allen, war das ne Wärme nochmal die letzten Tage? Nach der obligatorischen Begrüßung wird das Herzblut natürlich sofort darauf angesprochen: "Ni wahr, da biste doch bestimmt wieder im Garten nur im Bikini rumgerannt, muahahaha." Der lässt sich bei sowas nich zweimal bitten: "Genau - und zwar der mit den roten Rüschen, ihr Modemuffel. Denn nur die Harten kommen in den Garten!" Ich glaub, das mit nem echten Winter können wir diesmal vergessen, denn wie sagt ne alte Bauernweisheit: Hat der November einen weißen Bart, wird der Winter lang und hart. Und weil diesmal auch die Winterpause nicht so lang ist, wärs ja ganz gut, wenn dieser bäuerliche Ratgeber auch in unseren Gefilden greifen könnte und es nicht pünktlich zum Start der Rückrunde Spielabsagen hagelt. Denn die Wahrheit liegt ja aufm Platz. Und damit komm ich gleich zum heutigen Thema - mir ist heut dermaßen nach dem vom Aussterben bedrohten Wort Schabernack, also gibts von mir zur Vorspeise mal paar sinnvolle, bescheuerte und auch lustige Redewendungen und Weisheiten, die man uns immer wieder aufs Neue um die Ohren haut.

      Nehmen wir mal unser aller Lieblingssport: Beim Zuhören einiger Reporterfachkräfte springt bei mir regelmäßig ein riesiges fußballerisches Kopfkino an: "Der Ball muss flüssig laufen und flach gehalten werden." Da soll also ein Fußball mit nass gewordenen Beinen von den Spielern mit den Händen auf den Rasen gedrückt werden - Handspiel gibt doch gelb, oder? Auch dachte ich immer, es wird immer nur mit einem Ball gespielt und zwar mit den Füßen voran. Stattdessen heißt es, Mannschaft soundso würde sich im Spielaufbau "die Bälle von hinten zuspielen und diese im Mittelfeld verteilen". Am 1. April 1998 wurden wir Zeitzeuge dieser Reif'schen und Jauch'schen Persiflage von Madrid und waren alle einer Meinung, dass "ein Tor jetzt dem Spiel guttun" würde. :klatsch: Neu war mir aber letztens, dass man offenbar auf dem heiligen Rasen auch angelt, denn man berichtete mir, der Ball würde vom Torhüter "ausm Netz gefischt", na dann - Petri Heil! Apropos, ich hab auch immer Mitleid mit einigen Fußballern, wenn ihnen "Knoten in die Beine" gespielt werden, da find ich es ganz gut, wenn man vorher den "mit harten Bandagen" spielenden Gegner "abtastet", nich dass der womöglich nen "sterbenden Schwan" spielt. "Das Runde muss ins Eckige" - ja, aber vorher richtig saubermachen, denn manchmal muss man dabei auch "abstauben".

      Was bedeutet eigentlich "eine Ecke verwandeln" - muss die danach rund sein? Zur "Brotlosen Kunst" gehört auch, wenn die gegnerische Abwehr "nicht sattelfest ist" und offen steht "wie ein Scheunentor", man selbst aber "kein Zielwasser" getrunken hat. Oder schlimmer noch das "Torraumspiel unterirdisch" fortgeführt wird. Denn dann bleibt nur noch eins - man muss im Spiel "die Latte höher legen" und hoffen, dass der Torwart wie "ne Bahnschranke" umfällt. Wenn dann mal der Gegner vermutlich aus der Hosentasche nen "Freistoss rausgeholt" hat, braucht man laut Reporter auch meist nen Mann mit Taktstock, der die Mauer "dirigiert". Im Herbst und Winter sieht man ja mitunter kaum noch grün aufm Feld und da muss so mancher Platzwart wie auch Spieler noch "ne Schippe drauflegen" und so gilt dann die Faustregel "nur nicht den Kopf in den Sand" zu stecken, denn Fußball ist ja auch "Kopfsache". Hauptsache aber "hinten dicht und vorne hilft der liebe Gott" denn "das nächste Spiel ist immer das schwerste". Nur dass ein Spiel "immer 90 Minuten" dauert, also da wär ich dynamischerdings für ne Weisheiten-Änderung auf 85. Bin ja gespannt, wenn der Rasen auch bei uns mal wieder "brennt" und "Tore fallen".

      Drei Tore braucht auch ein jeder Bauer - das Stalltor, das Scheunentor und den Traktor. :D Was wären wir ohne die guten alten Bauernregeln? Ich bin aufm Dorf groß geworden, so manche ist mir heute noch bekannt - natürlich auch paar überaus lustige. "Im November Mist zu fahren, soll das Feld vor Mäusen bewahren." So sagt der Volksmund. Gehen wir mal in die Praxis, das heißt, der Bauer steigt aufn Traktor und schon jetzt is klar: "Fährt der Bauer raus zum Jauchen, wird er nachts ein Deo brauchen." Nach getaner Arbeit springt er ab, rutscht aus und..."Wenn der Bauer in die Jauche fliegt, der Ochse sich vor Lachen biegt!" Dann kommt er besudelt wieder heim und die Bäuerin is auf 180, denn "Stinkt der Bauer arg nach Mist, gibt's zum Nachtisch Ehezwist." Was is das Ende vom Lied - er geht in die Dorfkneipe mit nem unrühmlichen Ende am nächsten Tag. "Trinkt unser Bauer zuviel Rum, werden alle Furchen krumm." Und die Arbeit bleibt bei dem Suffkopp wieder an seiner Frau und dem Personal hängen. "Melkt die Bäuerin nachts die Ziegen, wird es wohl am Vollmond liegen." Derweile hat auch der Knecht Durst, darf aber nich in die Kneipe. Aber er weiß sich zu helfen. "Ist's dem Knecht zu weit zur Schänke, füllt er sich mit Bier die Tränke." Na dann, Prost!

      Apropos Knecht - "Fehlt der Knecht am Morgen ständig, war die Magd nachts sehr lebendig." Und auch so mancher Bauer bekommt des öfteren Gefühle, denn "Liegt der Bauer auf der Lauer, wird Herr Lauer ganz toll sauer." Die Bäuerin indess sagt sich bei ihrem triebhafte Alten, was der kann..."Nicht nur zum Skat braucht dann und wann die Bauersfrau 'nen dritten Mann." Liebe macht ja auch hungrig und da hat man aufm Bauernhof ne riesen Auswahl: "Hat der Bauer Bock auf Schinken, fängt der Eber an zu hinken. Und ist der Bauer noch nicht satt, fährt er sich ein Hühnchen platt." Eine alte Regel sagt auch: "Der Bauer wird sich hüten, die Eier selbst zu brüten." Nur - "Sind die Eier plötzlich eckig, gehts den Hühnern ganz schön dreckig." Schauen wir mal auf die Weide. Wisst ihr, weshalb die Kühe eigentlich Glocken tragen? Ganz einfach, weil ihre Hörner kaputt sind! ;) Nanu - "Muht die Kuh laut im Getreide, war ein Loch im Zaun der Weide." Eigentlich sollte doch hier alles abgeerntet sein? Das lässt nur einen Schluß zu: "Wächst im Oktober noch das Korn, dann isses wohl vergessen worn." Na und aufm Hof gehts erst rund: "Hat der Bauer kalte Hände, fliehn die Kühe ins Gelände." Ein Hahn darf keinesfalls in der bäuerlichen Idylle fehlen, er muss halt nur aufpassen: "Kommt der Gockel untern Trecker, gibt es morgen keinen Wecker! Sind auch die Hühner platt wie Teller, war der Traktor schon wieder schneller."

      Dass die dümmsten Bauern die dicksten Kartoffeln ernten ist allseits bekannt. Von Kindesbeinen an hat mir auch die Oma immer mit auf den Weg gegeben: Kräht der Hahn früh auf dem Mist, ändert sich das Wetter oder 's bleibt wie's ist. Eins aber könnt ihr mir glauben, diese Bauernregel stimmt totsicher: :afi: "Regen im Mai, April vorbei." Und ich hör jetzt auf mit meiner Blödelei, ei ei. So, ihr könnt jetzt alle den Tisch schön decken, dann knallt ihr den Braten aufn Teller - und lassts euch schmecken!

      Schönen Sonntag, euer Herzblut :winke:
      Drei Buchstaben, zwei Farben, eine Gemeinschaft
    • Ihr Leitle, freit eich alle - eine Girl-Band ausm Arzgebirg wird zur Legende

      "Schingl Bälls, Schingl Bälls, Schingl olldewäi..." Na wie is denn där heut droff? "...was fürn Spaß wird das heut wärn, de Schachtis falln in' Schneehee..." In unsrer Stammkneipe gucken die Frühaufsteher belustigt zum Fenster raus: Das Herzblut ist im Anmarsch und man ahnt schon von Weitem - er kommt mit seiner Dynamomütze aufm Dätz und allerlei Liedgut auf den Lippen so langsam in Weihnachtsstimmung. Er steigt die Treppen rauf und öffnet die Tür: "Oh Schachtibaum, oh Uranibaum, wie leuchten deine Nadeln...Hohoho, ich bins, dor Weihnachtsbengl..." :w6: Eine bereits die Speisekarte studierende Familie mit Oma und Opa ausm Erzgebirgischen erschrickt bei diesen Tönen, der Sohn meint zu seinem Vater: "Du Pap, die Weihnachtsliedln gennsch doch gor ne, mer hahm wu de falsche Kneip erwischt?" Dem Vater fällt vor Schreck seine lila Mütze auf den Fußboden und er versucht ihn zu beruhigen: "Nee mei Gung, der mocht ner Spass, ass när dann schie dei Schwammesupp, mr geh a bald widdor fei dinge naus." Nachdem unser Barde mit nem verschmitzten "Moin, ihr Nussknacker" Platz genommen und sein Bierchen bekommen hat, unterhält man sich alsbald über den schiefhängenden Haussegen allerorten, weil wieder mal unzählige Rehe, Engel und Bäume beim Auspacken ihren knirrschenden Weg von den Pyramiden bis unter die Hauslatschen gefunden haben. Scheiße, jetz och nor den ganzen Rotz wieder zusammenleim', mor hat ja sonst nüschd zu tun! Die Wirtin bekommt auch dieses Jahr wieder die Auflage, alle Weihnachtslieder von ihrem alten CD-Player abzuspielen, nur nicht das eine...ihr wisst genau, welches gemeint is. Und das Herzblut haut zum 1. Advent in die gleiche Kerbe, es geht ihm heut mal um weihnachtliches Liedgut aus seiner Heimat. Er stopft nen Dominostein in die Gusche, spült mit Bier nach und beginnt mit seiner Adventsgeschichte.

      Oh Arzgebirg, wie biste schie...kennt ihr die Geschwister Caldarelli? Also dort, wo ich herkomm, ist dieses Gesangstrio aus Sosa noch bekannter wie der berühmte bunte Hund. Sie waren vor langer Zeit sowas wie Popstars und sie haben auch heute noch Kultstatus. Ein jedes Kind hat im Erzgebirgischen ihre Musik quasi mit der Muttermilch aufgesogen und nie wieder vergessen. Caldarelli fragt ihr, das klingt doch italienisch, was wolln die denne im Arzgebirg? Da suchte so um 1900 rum ein italienischer Vater aus den Abruzzen nach Arbeit und fand sie durch den hiesigen Eisenbahnbau in einem Steinbruch im Erzgebirge. Und wie's halt so is, ein Augenaufschlag, ein Lied über Amore, ein "Ich abe gar kein Auto" - und schon wars um eine arzgebirgsche Mahd geschehn und sie heirateten. Es ging nicht nur in der Hochzeitsnacht ordentlich zur Sache, denn die Familie bekam mit der stolzen Zahl von 12 Geschwisterchen enormen Zuwachs. Muss wohl in etwa so gewesen sein: Er "Willste ma die Dolomiten auf meinen Fotos von Zuhause sehn?" Sie "Alles schie un gudd, abor nu guggste dir ma meine echdn Dolomidden an!" :ohje: Der Rest war Schwerstarbeit für die Hebamme von Sosa. Jetz, wo ich das erzähl - ein kleiner Adventsgruß an dich @Giancarlo und ein weihnachtliches Winkewinke gleich um die Ecke nach Dittersdorf!

      Die 3 jüngsten Schwestern, Tisilda, Pierina und Annina kamen in den 20er Jahren zur Welt und wussten schon frühzeitig mit ihrem Gesang bei allerlei musikalischen Wettbewerben zu begeistern. Sowohl bei Auftritten im Reichsfunk, als auch nach dem 2. WK im Rundfunk der DDR sowie bei vielen Tourneen, Fernsehsendungen und Plattenaufnahmen. "Ihr Leitle, freit eich alle" - diese Sendung durfte im DDR-Fernsehen an den Weihnachtsfeiertagen genauso wenig fehlen wie "Zwischen Frühstück und Gänsebraten". Ihre Karriere ging in etwa von 1940 bis 1975, danach traten sie nur noch sporadisch im Erzgebirge auf. Eins aber blieb, ihre Lieder die zur Ohrwürmern wurden und die eine Platte, die in keiner erzgebirgischen Familie fehlt und auch weitervererbt wird:"Weihnachten im Erzgebirge" ... Wie aufs Stichwort legt die Wirtin genau diese Scheibe auf, ä Raachermannl naabelt auf der Theke und es wird ringsherum andächtig, manche schauen belustigt und paar andere wiederum hört man leise flüstern: "Oahr nee, dän altn Schinkn gibts ah noch!"

      Es ist ein rauhes Stückl sächsischer Erde, dems nie zu gut ging, besonders deren Bergleute mussten fürs Auskommen täglich hart schuften, nach dem Krieg bezahlten sie durch den Uranabbau und die Reparationsleistungen für den großen Bruder sehr oft mit ihrer Gesundheit, nur allzu oft auch mit ihrem Leben und tun es bis heute. Und von diesem Staat bekommen sie noch nichmal die nötige Anerkennung in Form einer finanziellen Abfindung wie anderswo in unserem Lande. Für diesen Landstrich ist das Brauchtum in Form von Handwerkskunst, Gedichten und Musik das Lebenselixier und das Pflaster auf ungezählte Wunden und in der Weihnachtszeit zelebrieren sie sich selbst. Das Anschieben "dor Pyramett" ist denen dabei noch heiliger als das Maibaumsetzen. Und wer einmal bei Einbruch der Dämmerung durch ein verschneites erzgebirgisches Dorf oder Städtchen gefahren oder gelaufen ist und in jedem Fenster ungezählte leuchtende Schwippbögen und Herrnhuter Sterne bestaunen durfte, der weiß was ich damit meine. :w29: Auf die Art holt man sich dort die Wärme des Lichts ins Haus und in die Herzen. Und dazu ein Liedl - so ist auch heute noch bei der älteren Generation beim Anhören von "Weihnachten im Erzgebirge" in dor warmen Stub am Kachlufn das eine oder andere verdückte Tränchen zu entdecken. ... Man hörts auch am Tisch unsrer erzgebrigischen Gäste seitens der Oma leise schluchzen. Der Vater hebt sein Glas und nickt prostend zu uns rüber. ...

      Das Herzblut schaut zum Fenster raus, es schneit. Also geschnitten isses schon, 's fällt bloß noch runter. Und wie auf Kommando singt die Oma: "Kinner guckt naus, draussen gibt's Schnee. Dor Wind trebbt de Flucken nauf in de Höh..." Es hat was Beruhigendes und irgendwie auch was Sehnsüchtiges, es is Haamit (Heimat) pur. Eine Haamit, die im Arzgebirg noch gelebt und geliebt wird, eine Form von Haamit, die auch immer mehr junge Leute wieder leben und lieben. Und das is auch gut so. Meinereiner hat gestern das Event der Bergmannsparade außen vor gelassen (hauptsächlich wegen der Bördebauern, die ausgerechnet gestern...) und ist ins Dorf seiner Kindheit im Chemnitzer Westen gefahren. Auch dort wurde de Pyramett angeschoben, paar alte Leutchen ham ihren Glühwein und Roster verkauft und ne erzgebirgische Trachtenkapelle spielte ihre Weihnachtslieder. Fast jeder kennt jeden, bis auf die ewig vergeizten Herrschaften, die keinen Weg quer durch die Stadt scheuen, nur um bei der Stollenverkostung des örtlichen Bäckers ja nich zu kurz zu kommen. :look: Das schönste war wieder das Weihnachtsbasteln der Kleinsten: Die saßen wie jedes Jahr mit leuchtenden Augen an ihren Tischen und friemelten kleine bunte Weihnachtsgestecke zusammen, bis die Heißklebepistolen glühten. 3 Euro pro Gesteck, 2 Euro Spende fürn Schulhort - alles strahlte, meine Mutter zuhause später auch. Ich hatte als Kind das Glück, einem älteren Herrn ab und zu beim Drechseln und Schnitzen über die Schulter zu schauen - von da an war auch ich ein kreativer Holzwurm und bin es bis heute. Und so hab ich gestern wie so viele andere auch meinen 4 Wänden dieses Flair meiner Heimat vepasst, was Fremde entweder fasziniert oder auch ungläubig den Kopf schütteln lässt. Es hat alles seinen gewohnten Platz, dor große Nussknacker, de Raachermannln un Raacherheisln, de Pyramett un dor Schwippbugn. Und in dor Küch wärn von mir ah noch de Pfafferkuchn un dor Stolln selbor gebaggn - auch als Randerzgebirgler isses Haamit. Und Verpflichtung.

      Haamit is aber och, was bei uns heut Nachmittag abgeht, dor Saggsn-Glassigoo. Und da erwart ich, dass mir den zwee gekreuzten Hämmern de Stiele kurz un kleen schießen, nich wahr du da drüben? Heb ma deine lila Mütze off, die brauchste dann noch, damit de deine Tränen verstecken kannst! :w35: Aus den Boxen trällern grad die Caldarellis: "E nu sa ja, e nu sa ja, e nu do bleibn mr noch a weng do..." Aber wir können nicht dableiben, es geht um die Ehre und darum, dass es ordentlich kracht im Schacht. Also schnell essen und dann aber ab ins Stadion oder an die Rundfunk- und Fernsehempfänger. Nächste Woche folgt dann Teil 2 meiner musikalisch weihnachtlichen Einlassungen, denn da fehlt noch was, quasi dor Gipfel ausm Arzgebirg. Und drum hat auch unsre Gast-Familie spontan beschlossen, am 2. Advent wieder in unser kleines Gasthaus einzukehren. Bis dahin geb ich denen und euch nochn kurzes Weihnachtsliedl von mir mit aufn Weg: "Stieehill, stieehill, still, weil dor Schachti schlafen will. De Raachermannln dampfen überm Bette, er hat ja sonst nüschd und drum findet der das nette, stieehill, stieehill, still, weil dor Schachti schlafen will."

      Schönen 1. Advent, meine Lieben! Euer Herzblut :w2:
      Drei Buchstaben, zwei Farben, eine Gemeinschaft
    • SGD-Herzblut schrieb:

      weil wieder mal unzählige Rehe, Engel und Bäume beim Auspacken ihren knirrschenden Weg von den Pyramiden bis unter die Hauslatschen gefunden haben.

      Nicht zu vergessen die Kerzenhalter der Pyramiden, die immer wieder abfallen. Und hat man es alles zusammengebaut, dann läuft sie nimmer richtig und muss angestuppst werden, damit die Flügel nicht im Rauche aufgehen, oder am Besten direkt mal das Lager unten überprüfen...
      Ja, so eine richtige schöne Adventszeit hat noch was von selber machen und nicht von Neukaufen.

      SGD-Herzblut schrieb:

      Es hat alles seinen gewohnten Platz, dor große Nussknacker, de Raachermannln un Raacherheisln, de Pyramett un dor Schwippbugn.

      Nicht zu vergessen Engel und Bergmann mit den Kerzen ;)
      Als ich gestern Heim kam war unsere Stube auch schon geschmückt und man nahm den wunderbaren Crottendorfer Weihrauchduft wahr, den der gute alte Pilzsammler verpaffte
      Glaubenskriege sind Konflikte zwischen Menschen, die sich streiten, wer den cooleren Imaginären Freund hat.
    • 156 Strophen

      Menschenskinder, da jagste keen Hund vor de Hütte! Gestern schon schüttelt Frau Holle alles aus, was die Gute so an Bettwäsche da hat und heute geht das so weiter - Adventsstimmung. Das Herzblut schüttelt sich den Schnee vom Wanst und betritt unser Gasthaus. "Scheisse, jetz geht das wieder los, wo sin meine Scheibenwischer?" Jaja, das Los eines jeden Brillenträgers im Winter: Überall, wo du ins Warme kommst, beschlägt dein Nasenfahrrad. Ein prüfender Blick Richtung Stammtisch - alle da, aber heute führt sein Weg zuallererst an den Nachbartisch. Sie haben Wort gehalten, unsre erzgebirgischen Besucher sind auch wieder da, dor Saurbrodn scheint letzte Woche geschmeckt zu haben. Unser Herzblut öffnet seine Jackentasche und legt ihnen ne kleine Tüte mit Pfefferkuchen aufn Tisch. "Glügg off - hior habter ne kleene Kostprobe, Geschenk des Hauses, habsch wie jedes Jahr selbor gebaggn. Letzten Sonntag habter ja schon vier Stück von uns gefressen, da habsch mior gedacht, leechste nochmal Viere als Kombodd ohmdroff!" :w5: Wer den Schaden hat, der brauch für den feixenden Stammtischspott nicht zu sorgen. Ein kurzes und fassungsloses "Dangge, wär abr ni nödsch gwesn", ein kurzes "Prost" und schon sitzt der Pfefferkuchenbäcker unter großem Hallo am angestammten Platz. Er holt einen ellenlangen Zettel raus, sieht aus wie'n Gedicht. Auf die fragenden Blicke weiß er in bekannt liebenswürdiger Art wie folgt zu antworten.

      Ich hatte euch doch letzte Woche von diesen 3 Elli's erzählt, also den Caldarelli's. Die haben auch ne gewaltige Aktie an der Schtorrie, die ich euch heut noch ausm Arzgebirg erzählen will. Es gibt nämlich ein Weihnachtslied, das steht über allem...ein lauter Ruf vom Nachbartisch - "Unser Heilig-Ohmd-Lied!" Das Herzblut nickt und fährt fort: In Annaberg wohnte 1800 das 15jährige Mädel Johanne Amalie von Elterlein. Und die setzte sich eines Tages hin und verfasste einen Text, der über Jahrhunderte hinweg zum musikalischen Weihnachtshaileit einer ganzen Region werden sollte, ä Hutznlied ähmd. Es gibt verschiedene Angaben und Quellen, in der Urfassung waren's wohl zwischen 13 und 16 Strophen. Erstmals in schriftlicher Form wurde das Lied in Annaberg am 25. Dezember 1836 erwähnt, offiziell druckte man es erstmals 1844 ab. Worum gehts dabei? Es handelt von vielen erzgebirgischen Bräuchen in der Weihnachtszeit, erzählt aus dem Blick eines Kindes. Weil die Strophen sehr kurz und der Refrain sehr lustig daherkommen, ist man bis heute in vielen Familien im Erzgebirge dabei, immer wieder neue Strophen zu erfinden. Dadurch verbreitete sich das Lied immer weiter und wurde zu nem echten Kulturgut. ... Man hört vom Nachbartisch ein leises Summen und irgendwann fängt die
      Oma an zu singen:

      "Heut' is der heil'ge Ohmd ihr Mäd - kummt rei, mer gießen Blei.
      Fritz, laf när glei zr Hannelies - se muß beizeiten rei. Trara trallalla, trara trallalla..."

      Das Herzblut ahnt, das könnte ihm heute etwas entgleiten, da sind welche in ihrem Element. ... Ich hatte ja auch schon etwas über die unzähligen Schwippbögen und Pyramiden erzählt. Was aber unbedingt noch in jeden erzgebirgischen Haushalt gehört, sind der gedrechselte Engel und der Bergmann, in beiden Händen ein Kerzenhalter, ohne Lichtl geht ähm dort nüschd. Am Nachbartisch meint der Opa: "Hat der Lichtl gesaacht? Na da habsch och was zu bieten: :w29:

      Ich hob mer a e Lichtel kaaft - ver zwee un zwanzig Pfäng'.
      Gi Hanne hul ä Tüppel rei - mei Lächter is ze eng. Trara trallalla, trara trallalla..."

      Die Wirtin schaltet schnell und legt "Weihnachten im Erzgebirge" auf, auf dieser Scheibe is diese Hymne nämlich auch zu finden. Dem jetzt noch zu entkommen ist quasi aussichtlos. Das Herzblut versuchts mit nem ebenso kultigen Pflichtprogramm aus der kulinarischen Ecke. Was unbedingt an Heiligohmd aufm Tisch stehen muss, is das Neinerlaa (Neunerlei) - insgesamt 9 Gerichte und Gänge werden im Gesamtpaket zu einem riesigen Weihnachtsessen. Gedeckt sollte der Tisch nach altem Brauch folgendermaßen sein: Unter die Tischdecke wird zur Erinnerung an die Kindgeburt im Stall etwas Stroh gelegt. Unter jeden Teller kommt eine Münze, um doch bitte jedem im neuen Jahr einen Geldsegen zu bringen. Ein Gedeck wird bei vielen auch immer für einen fremden oder armen Gast aufgelegt, benutzt wirds heutzutage meist nie. Was keinesfalls fehlen darf, ist das Heiligohmdlicht in einem Erbleuchter, welches nur vom Familienoberhaupt angezündet wird und bis zum Schlafengehn brennen sollte. Wenn dann 18 Uhr alle Kirchenglocken läuten, wird dann 's Neinerlaa auftischt (es gibt mehrere Varianten) und jedes einzelne Gericht hat dabei eine besondere Bedeutung. So gibt's Bratwurst zur Bewahrung von Herzlichkeit und Kraft, Klöße zum Erhalt des Geldes und Sauerkraut "damit ens Labn net sauer wird" mit zerlassener Butter. Statt der Klöße gibts bei manchen auch Kartoffelsalat mit Würstchen. Dann wird Sellerie gereicht, der für die Stärke des Familienoberhaupts gedacht ist. Linsensuppe darf fürs Geld ebensowenig fehlen, wie Fisch, von dem jeder ne getrocknete Schuppe in die Geldbörse bekommt. "Doß en de Nos net truppt im neien Gahr" - dafür gibts die Semmelmilch, hingegen Nüsse oder Mandeln sind dafür gedacht, dass der Lebensweg gut geölt ist. Ja und Pilze oder rote Rüben sollen für "Freid un Gelick un rute Backen" sorgen. Jedes Familienmitglied muss davon essen und keiner sollte während des Essens aufstehen, weil man "sonst bestohlen wird". Nach dem Essen, so sagt der Brauch, sollte das Geschirr in eine Tischdecke eingewickelt und nicht einfach so abgeräumt werden. Manche wickeln auch Salz und Brot über Nacht in die Tischdecke. Die Rester werden von den Meisten am nächsten Tag noch verspachtelt. Na, Appetit bekommen? Unsre Arzgebirgler beschleicht auch schon die Vorfreude und der Vater schmettert:

      "Mer ham a Neinerlaa gekucht - a Worscht unn Sauerkraut.
      Mei Mutter hot sich o geploocht - die alte, gute Haut. Trara trallalla, trara trallalla..."

      Was wäre Weihnachten im Arzgebirg ohne Stollen! Ich kann mich gut an die Rumrennerei früher erinnern, damit du endlich die ganzen Zutaten zusammen hattest. Entweder haste selbst gebacken oder der Dorfbäcker hat das erledigt, so ist es in vielen Familien heute noch. Gelagert werden sie kühl und feucht, im Erzgebirge mitunter sogar im Stollen unter Tage. Wir hatten die Kartons früher immer aufm Schrank im Schlafzimmer, denn dort gabs wie bei so vielen anderen auch keine
      Heizung. Jeder hat so seine Vorlieben und Geschmäcker - ich schwöre bis heute auf den guten alten Butterstollen (natürlich selbst gestrichen mit ordentlich Butter und Staubzucker in den Tälern), schwach werde ich in den letzten Jahren auch immer beim Nugatstollen des Bäckers meines Vertrauens. ... Auch am Nachbartisch war wohl wieder das eine oder andere Stollenblech in der Mache und so trällert die Mutter zusammen mit den Caldarellis aus den Lautsprechern:

      "Mer ham a sächzähn Butterstoll'n - su lang wie 'n Ufenbank.
      Ihr Mäd, do werd' gefräss'n wär'n - mer wär'n noch alle krank. Trara trallalla, trara trallalla..."

      Ihr seht, die feiern ihre Bräuche mit viel Humor und gönnen sich dazu auch mal was Hochprozentiges, denn wie sagt schon die Urfassung - und jetzt singen sie alle zusammen am Nachbartisch: :w44:

      "Den heiling' Ohmd um Mitternacht - do läft statt Wasser Wei.
      Wenn ich mich ner nett färchten tät - ich hult 'n Tupp voll rei. Trara trallalla, trara trallalla..."

      Niedergeschrieben sind meines Wissens 156 Strophen, es gibt mittlerweile aber noch viele mehr. Vor paar Jahren hat der MDR zu Weihnachten diese Krüppelkiefern - ihr wisst schon, "Jaaa, erlebt noch..." - alle 156 Strophen nacheinander singen lassen, es war ein Riesenerfolg, aber ich favorisiere dann doch die Sangeskunst der Caldarellis Klick Heiligohmdlied oder ähnlicher Girlgroups. Die Wirtin gibt derweile ihrem Räuchermann auf der Theke neue Nahrung, die Caldarellis trällern immer noch, im Kamin knisterts und da kann auch unser Herzblut nich mehr anders, es bricht aus ihm heraus:

      "Kahr, zindt ä Weihrauchkärzel a - doß a wie Weihnacht riecht;
      unn stell's ner of des Scherbel dort - dos unnern Ufen liegt. Trara trallalla, trara trallalla..."

      Und einmal richtig in Stimmung kommt dann von ihm noch, was einfach kommen muss - er blickt schmunzelnd an den Nachbartisch, lässt seiner Kreativität freien Lauf und so kommt auch noch von ihm ne gaaaaanz besondere Strophe dazu:

      "Nu guggt, dor Schwippbugn, der strahlt fei - bald kimmt de heilge Nachd.
      Gut, Wismut Aue muss net sei - aber sonst is schie im Schacht. Trara trallalla, trara trallalla..." :w6:

      Das war meine kleine weihnachtlich-musikalische Reise ins Arzgebirg und vielleicht haben ja die Mitleser noch so Einiges dazugelernt. Es is halt einer von vielen Bräuchen, den wir uns über Generationen hinweg bewahren - es is unsre Haamit.

      In diesem Sinne: Einen schönen 2. Advent, ihr Lieben. Euer Herzblut. :w1:
      Drei Buchstaben, zwei Farben, eine Gemeinschaft
    • Oh du fröhlich hektische Weihnachtszeit

      "Chefin, mach mir ma nen Tee, irgendwas Magenfreundliches!" Das Herzblut klopft zur Begrüßung aufn Stammtisch, er sieht heut irgendwie aus wie'n gehetztes Eichhörnchen. "Ihr macht euch kein Bild, was mir diese Woche so alles hat die Galle überlaufen und die Magensäure brennen lassen. Mist Mensch - und das kurz vor Weihnachten." Er holt ne Tablette raus und schluckt das Ding irgendwie runter und die Stammtischgäste merken schon, den sollte man heute nicht zu sehr nerven.
      Dann kramt er 2 Fahrplanbücher raus, knallt sie auf den Tisch und die anderen denken sich - is ja alles schön und gut, aber davon werden wir heut Mittag schlecht satt. Das Herzblut holt tief Luft, nimmt nen großen und wärmenden Schluck Kräutertee, blättert kopfschüttelnd in einem der Fahrpläne und beginnt mit seinen adventlichen Erzählungen.

      Ich hatte ja vor längerer Zeit schonmal was über den Nahverkehr in meiner Heimatstadt berichtet. Das Chemnitzer Modell, mit dem man per Straßenbahn durch den Hauptbahnhof und von dort auf den spurweitengleichen Eisenbahnschienen in die umliegenden Nachbarstädte fahren kann, hat ja auch mittlerweile anderswo den einen oder anderen Bewunderer gefunden. Und das auch völlig zurecht, auch so wird die Welt zum Dorf. Das städtische Nahverkehrsunternehmen CVAG macht seinen Job in Person des fahrenden Personals (trotz zuletzt häufigen Übergriffen durch besondere "Fahrgäste" aller Coleur und Gesinnung) verdammt gut. Was man von ihren Vorgesetzten und vor allen Dingen den Nahverkehrsplanern nur bedingt sagen kann. Chemnitz is ne Unistadt und die tausenden Studenten wollen neben den Chemnitzern möglichst pünktlich und schnell von A nach B kutschiert werden. Die Folge waren bisher vollgequetschte Busse in 2-3 Linien, die eher fahrenden Sardinenbüchsen glichen. So hat man in Verbindung mit dem Verkehrsverbund Mittelsachsen ordentlich Knete in die Hand genommen und ne Straßenbahntrasse direkt zur Uni gebaut. Sie ist mittlerweile eröffnet und wird nun auch ans Chemnitzer Modell angeschlossen. Nun fuhren aber die Busse einer Linie noch weiter als nur bis zur Uni, sie passierten den großen städtischen Friedhof, das Sportforum mit dem guten alten Thälmannstadion und weiter zu nem anderen TU-Standort.

      Das ist nun alles Geschichte: Die neue Straßenbahn wendet direkt an der Uni und vor allen Dingen die vielen, die aufm Weg zu den Gräbern ihrer verstorbenen Angehörigen unterwegs sind, müssen nun auf nen Minibus warten, der aber nur aller halber Stunden fährt, oder den langen steilen Berg bis zum Friedhof raufkraxeln. Macht sich besonders gut für die vielen alte Leutchen. Um den Studenten ihre Wege noch mehr zu erleichtern, hat man sich bei der CVAG auch noch was für Chemnitz völlig innovatives einfallen lassen - eine Ringbuslinie, die alle 20 Minuten immer nur im Kreis rund um die Innenstadt fährt. Eigentlich. Denn man hat nicht bedacht, dass so ein Busfahrer ja auch unverschämterweise ne gesetzlich vorgeschriebene Pause einlegen muss. Und so kann man nicht einfach so weiterfahren, sondern muss mit dem Fahrer aus- und umsteigen oder gar die längere Strecke der entgegengesetzten Richtung nehmen. Ebenfalls lustig, dass mit Eröffnung der Ringlinie sofort ne ellenlange Umleitung nötig wurde, weil man vergessen hatte, dass auf einer der befahrenen Hauptstraßen grad gebaut wird. Das erlebt nun Chemnitz seit letzter Woche mit der Einführung des neuen Fahrplans, es gibt diverse Umbenennungen der Linien auf haargenau gleicher Linienführung, bis 19 Uhr fährt man jetzt endlich im Normaltakt, der neuralgische Punkt Zentralhaltestelle wird nach wie vor gebaut und die neuen Fahrplanbücher sind seit dieser Woche mangels Mitdenkens in der CVAG-Denkzentrale schon wieder vergriffen, ein Nachdruck sei bereits in Arbeit. :w13: Durch mein Abo und meine innere Eingebung habsch mir meine beiden Fahrplanbücher schon rechtzeitig gekrallt. Was bleibt, sind abgehetzte Leute (ich auch) und hunderte Weihnachtsmarktbesucher an den Haltestellen, weil sie nicht mehr wissen, in welchen Bus sie nun einsteigen sollen und welcher wann wohin fährt. Die Fahrplananzeigen waren die letzten Tage auch noch mehrfach abgeschaltet, oh du fröhliche...

      ...Paketzeit. Ich bewundere so manchen Paket- und Briefboten in der für ihn besonders stressigen Adventszeit. Sie rammeln wie die Schweine bis zur Erschöpfung und quetschen sich durch jede noch so zugeparkte Gasse, damit auch ja der Stollen oder die Weihnachtskarte noch pünktlich Oma Liesbeth und Opa Karl erreicht. Soweit so gut. Nun gibts da aber auch ganz besondere Fachkräfte und Paketdienste. Diese Woche hatte ich noch bissl was Gärtnerisches für meine Mutter und für mich alten Holzwurm auch noch was für die Werkstatt bestellt. Gestern nun will ich vormittags einkaufen und musste die Treppe runter von den Hausleuten erfahren, dass vorhin so'n Vollpfosten von Paketfritze ausm Auto ausgestiegen sei und anstatt zu klingeln, bei mir gleich nen Abholzettel in den Briefkasten geschmissen hat. Nach dem Einkaufen hol ich den Fetzen dann raus und trau meinen Augen nicht - nee, nich in einem der nächstgelegenen diveren Paketshops, sondern in nem anderen Stadtteil wünscht man das Herzblut für sein Heimwerkerpaket zu sehn, Himmelarsch. :w11: Ja genau so habsch beim Wohnungstüre wieder zumachen geflucht, zieh die Hauslatschen an, da klingelts von unten: Wer isn da?" "Ja hier is dor Paketdienst, ich hab da was für sie." Ich denk mir du kommst mir recht, unterschreib artig und geb dem verdutzten und freundlichen Boten mit aufn Weg: "Sach ma deinem Kolleechn Bescheid, wenn der mich wegen seiner stinkenden Faulheit nochmal quer durch die Stadt schickt, zieh ich ihm die Jacke auf links!" Er meinte, ich wäre heute nicht der Einzige, der ihm derartiges berichtet und er würde seinen Job noch ernst nehmen. Da konnt ich nich anders und hab ihm 2 Pfefferkuchen zur Wegzehrung in die Hand gedrückt. Ich mach die Tür wieder zu, geh in die Küche, da klingelts wieder. Dachte schon, der Kerl hat die Pfefferkuchen schon gefressen und will Nachschub, aber da stand ein ganz anderer "Bote" vor der Tür und hält mir seine Ausweise unter die Nase: "Guten Tag, ich bin vom Maltheserhilfswerk und wollte sie mal paar Minuten mit Ihnen sprechen...Spenden...Rettungshubschrauber..." Na der kam mir grad richtig vor die Flinte: "Nein Danke, kein Interesse für Haustürgeschäfte, schönes Wochenende noch!" Der wurde pampig: " Wennse Hilfe brauchen, nehmen se uns och..." Da kam ich in Hochform: "Wenn ich spenden will, such ich mir das selber aus und wenn ich Maltheser will, dann mach ich mir ne Flasche davon off. Mann gönnt sich ja sonst nix - hat schon Günther Strack vor 25 Jahren gesagt. Und wennde wissen willst, wer Günther Strack war, musste ma googeln!" :w6: Beim Blick auf das Logo meiner Wohnungstür war ihm dann wohl klar, dass meine nächste Aktion sehr dynamisch werden könnte. Wenn einem da die Galle nich hochkommt...Und ich arme Sau hab danach bei dem Weihnachtsdauerstau Richtung Weihnachtsmarkt und Shoppingtempel mein fahrendes Pferd gesattelt und bin zum ominösen Paketshop geritten. Dort konnte man das Paket erst nach mehrmaliger "Inventur" finden und übergab es mir mit dem Vermerk "Offm Zettel steht aber, sie könnens erst am Montag abholen." Ab die Schachtel aufm Gepäckträger und heim geradelt...

      ...für manchen wird das irgendwann wohl zu langweilig und er überlegt, wie man das Strampeln adäquat abstellen könnte. In Zittau fuhr am Dienstag die Polizei nichtsahnend ihre alltägliche Streife und irgendwann vernahmen sie ein lautes Knattern. War aber nur ein Fahrrad nebst Fahrer zu sehen, nu das müssmor uns mal näher anguggn. Gesagt, getan und so hielten sie einen 42-jährigen Tschechen an, der mit seinem hochinteressant umgebauten Radl unterwegs war. Einfach nen
      Benzinverbrennungsmotor mit Tank und Auspuff ranbasteln und schon lässt sichs mit bis zu 40 km/h durch Zittau radeln ähh knattern. Ein Kennzeichen war für die Beamten nirgends zu entdecken, versichert war diese besondere Karre somit auch nicht. Auf die Aufforderung "Nu zeichnse ma iore Fahrerlaubnis" konnte unser Daniel Düsentrieb auch nur mitm Achselzucken antworten, er sei stattdessen nichtmal im Besitz nes Führerscheins. Nu hatter gleich 3 Ermittlungen auf einmal am Hals und muss womöglich auch zur nächsten Haltestelle hetzen. Wenn denn ein Bus kommt. Sein "Fahrrad" wurde indes dem Polizeirevier Zittau übergeben, die werden in ner Kaffeepause auch vor Lachen mit Stollen gespuckt haben. :w35:

      Und ihr spuckt mir jetzt bitte nich ins Essen, so langsam macht mein Magen wieder mit, Zeit für Ruhe und Besinnung - nur noch eine Woche, dann ists endlich geschafft.

      Schönen 3. Advent, euer Herzblut. :w2:
      Drei Buchstaben, zwei Farben, eine Gemeinschaft

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    • Und die Moral von der Geschichte

      "also nächstes Jahr nehm ich ne Fichte!" Das Herzblut ruft diesen bedeutungsschweren Satz beim Betreten unsres niedlichen Lokals in die bereits versammelte Runde und sieht nachm Jacke ausziehn aus, wie'n Tannenbaum in der Mauser. Überall kleben an seinem Pullover Nadeln oder sowas in der Richtung. "Verfluchte Sauerei, also die alte Krücke habsch dieses Jahr das letzte Mal angeputzt, das könnter mir glauben!" Vom Thresen meint die Wirtin "Mensch Herzblut, leideste unter Grünspan - also früher war mehr Lametta, hähä." Er ist heut relativ guter Laune und ihm kann heute wirklich keine Spitze was anhaben. Und wenns die Weihnachtsbaumspitze ist. Sein Blick fällt auf den Weihnachtsbaum in der Ecke neben unsrem Stammtisch:"Na Cheffin, da habter wieder ne Krüppelkiefer zurechtgefriemelt, hinten de Äste gestutzt und vorne wieder rangetackert. Ä echter Eckboom ähm!" :w6: Sie meint beim Bestellen zu ihm "...und een Ast habsch fürn Weihnachtsmann offgehoben, wennde heute über die Stränge schlägst..." Aber er ist quasi die Ruhe selbst, man prostet sich zu und so brauch man auch nicht lange auf seine Weihnachtsansprache warten.

      Die letzten 14 Tage waren ein echter Horror für meinereiner, kaum schlugen die Säureblocker an und der Magen hörte langsam auf zu schmerzen, da besucht mich letzten Sonntag auch noch dieser Penner Herr Noro mitsamt seinem Virus. Wenn ich nur wüsste, wem ich das zu verdanken hab...Was danach kam, wünsch ich meinem ärgsten Feind nich, naja ich wüsste da ... aber egal, is Weihnachten und die Keramik hats dann doch ausgehalten. Nur hätt ich nich gedacht, so kurz vor Weihnachten doch noch 5 Kilo abzunehmen, Weihnachtsgans, Klöße, Pasteten, Stollen, Dominosteine und Festtagsbier - ich komme! Wieder halbwegs aufm Dampfer vollzog sich das alljährliche Schauspiel in den eigenen 4 Wänden, etliche Pfefferkuchen wurden zu weihnachtlichen Weisen der "ROTEN ROSEN - Wir warten aufs Christkind" :w31: glasiert und verziert und in Tüten für die das Jahr über einem sehr geneigten Endverbraucher gefüllt. Ne kleine Pulle Erdbeerlikör dazu und fertsch, der Laden. Eigentlich hatte ich mir ja diesmal ein relativ unhektisches Vorbereiten des Events heute und die nächsten beiden Tage vorgenommen - war wohl nix. Wenigstens die Einkäufe waren Freitagfrüh fast komplett erledigt, wie gehabt erwischte man den Wagen, der nur auf 3 Rädern in die Richtung mitwollte, wie ich. Jedenfalls war es auch diesmal wieder die Hölle, was sich bereits 8 Uhr morgens in den Supermärkten und Discountern abgespielt hat. Ein Wahnsinn, wo fressen die das alles nur hin oder steht uns ne ausländische Aggression bevor? Ich wünsche mir immer, dass da bei einigen Prachtexemplaren die Mägen auch mal ordentlich auf die Kacke haun.

      Und das mach ich jedes Jahr auch immer mit meinem Weihnachtsbaum. Uraltes Ding, 180m hoch, irgendwann Anfang der 90er direkt vom Eisenbahnwagen der BHG (Bäuerliche Handelsgenossenschaft) für 70 DM erstanden. Er kommt zwar in Plastik daher, zeichnet sich aber durch ne wunderbare Dichte der Äste und Zweige aus, die sich jedes Jahr immer wieder so herrlich biegen lassen, wie man's grad braucht. Jedes Jahr gegen Ende Januar wird er akribisch verpackt und schläft dem nächsten Weihnachtsfest entgegen. Und gestern nun macht der mir beim "Anputzen" Kummer, die Nadeln gehn ihm nach 25 Jahren langsam aus. Da blieb auch Einiges an mir haften, wenn ich also auch noch bissl nadel, sehts mir einfach nach. Den Weihnachtsbaum zu schmücken ist ja bei Vielen ne Philosophie für sich, auch der jeweilige Zeitpunkt nebst "Beauftragten" hat meist familiär festgelegte heilige Regeln. Bei mir isser immer ziemlich bunt, die nach wie vor funktionierende Lichterkette (50 Lämpchen) hat nun auch schon 20 Jahre aufm Buckel. Knapp unterhalb der Spitze thront bei mir seit Jahren ein hölzernes Dynamo-Logo als Baumbehang. Ja was denn - Dynamo im Herzen, auch an Weihnachten! :w36: Die Kugeln sind fast alle noch aus tiefsten DDR-Zeiten, größtenteils von der Oma geerbt.

      Weihnachtskugeln sind eine urdeutsche und urthüringer Erfindung, das Epizentrum liegt natürlich in der Glasbläserstadt Lauscha. Die Legende berichtet darüber Folgendes: Bis zum 19. Jahrhundert wars üblich, seinen Weihnachtsbaum mit Äpfeln und Nüssen zu schmücken. Ein Glasbläser hatte 1847 für sowas kein Geld und schuf als Ersatz einfach verschieden große bunte Kugeln. Er fand wohl einige Bewunderer und so begann auch bei anderen Glasbläsern ab 1867 die preisgünstige Massenproduktion in mühevoller Hand- und Lungenarbeit. Zuerst färbte man sie oder bestreute sie mit Glitter (Legierung aus Blei und Zinn), später mit einer Silberlösung. Ab etwa 1880 stürmten die Kugeln dann die ganze Welt, zuerst überaus erfolgreich in den USA und waren fortan bei vielen Familien das Nonplusultra an Tanne, Fichte oder Kiefer. Zu DDR-Zeiten wurden aus den Glasbläser-Familienunternehmen wie bei so vielen anderen volkseigene Betriebe draus, auf einigen Originalverpackungen prangt bei mir noch "Kombinat Technisches Glas Lauscha". Die Produktion war damals in Etwa dreigeteilt: Ein Drittel ging nach Osteuropa, eins für ordentlich Devisen in den Westen und nach Amerika und das letzte Drittel fand seinen Weg in unsere Geschäfte, meist ins Schubfach unterm Ladentisch. Ich kann mich noch erinnern, wie ich mich damals im Auftrag meiner Eltern 2 Stunden in einer stadtbekannten Drogerie angestellt hab, weils hieß:"Psst, mior ham ne Lieferung ausm Westen zurückbekommen, de Verpackung passt denen ni..." Na und so funkelt nun auch dieses Jahr wieder mein altersschwacher Baum wie eh und je in gutem ostdeutsch-thüringischem Glanz, wie isses bei euch? Drum lautet heute bestimmt wieder bei ganz Vielen das Motto:

      :w82:
      Lametta drüber, Kugeln dran
      Spitze droff und Lichter an.
      Ob klarer Kopp oder mit Knall
      frohe Weihnacht überall!
      :w50:

      Und so wünsch ich euch allen ein wunderschönes Weihnachtsfest im Kreise eurer Lieben, überfresst euch nich und bloß keen' Streit mit dor Muddi. Sonst gibts nüschd vom Weihnachtsmann!

      Euer Herzblut :w2:
      Drei Buchstaben, zwei Farben, eine Gemeinschaft
    • Jahresrückblick am Silvesterstammtisch

      Vor unsrer Stammtischkneipe siehts heut aus wie nach ner zünftigen Pyroshow in feiertagsbedingter Abwesenheit eines gewissen Verbandes. An Silvester - da gibts halt schon Tage zuvor so manchen Böllertester. Das Herzblut sammelt so wie jedes Jahr die bereits jetzt schon überall herumliegenden Raketenstäbe auf, die heranwachsenden Tomatenpflanzen werden sich auch 2018 über diesen höchst willkommenen Halt freuen, bis sie je nach Sorte rot, gelb oder schwarz werden. Dann gehts bei dem stürmischen Schweinewetter rein in die warme Stube, die Begrüßung zum 2017er Showdown fällt dabei umso herzlicher aus. "Na, habter euch alle die vergangenen Tage wieder vollgefressen bis zum Umfallen? Bei euch sehn ja die Bäuche aus, wie bei nem verschluckten Fußball oder seid ihr in anderen Umständen, hihi? Chefin, mach ma für alle ä Glas Sekt, ich bin zum Jahresabschluß in Spendierlaune..." Nachdem das flüssig gewordene Rotkäppchen bei den Stammtischgästen in den Gläsern vor sich hin perlt, ist's Zeit für unseren nimmermüden Redner, das Jahr in sportlicher Hinsicht Revue passieren zu lassen.

      Liga 3 - und Paderborn ist zum 3. Mal in Folge abgestiegen und doch wieder dabei. Ich habs übers Jahr verteilt ja immer mal wieder anklingen lassen: Diese durch den Verband legitimierte sportliche Ungerechtigkeit schreit so zum Himmel, dass selbst an Silvester die Wolken Trauer tragen. Da müssen sich Viertligisten nach gewonnener Meisterschaft um einen Aufstiegsplatz kloppen, einer bleibt davon auf der Strecke und das Meisterschaftsbier schmeckt von heute auf morgen gallebitter. Und dann darf eine völlig zurecht abgestiegene Truppe seine "wirtschaftlichen Voraussetzungen für einen Ligaverbleib" darlegen und einen sportlichen Wettkampf ad absurdum führen. :shock2: Diese unsägliche Regelung gehört auf immer und ewig abgeschafft, sonst dreht sich beim geneigten Fan der Magen auch zukünftig in Dauerschleife um! Der Rest der Liga lebte und lebt hauptsächlich von unseren Oberligavereinen, Zwickau schoss bekannterweise mit ner schier unglaublichen Aufholjagd den Vogel ab und in der Börde musste man eine weitere Saison mit kleineren Kartoffeln planen. Und auch, wenns der gute @LuebeckerAFI überhaupt nich gerne hört - aber die Kieler Störche haben derart gut geklappert, dass der Flug ne Etage höher völlig zurecht in Angriff genommen werden konnte. Ja und Chemnitz - ach ja, Schwamm drüber, ich hab ja schon die ärztlichen Bulletins dieses akut erkrankten Patienten in deren Drittligafred das Jahr über verteilt aufn Schreibtisch gelegt...nur in Erfurt siehts leider wohl noch düsterer aus, diese Blume welkt vor sich hin, traurig, traurig.

      Ein Blick 2 Etagen höher - ein Blick, der mich von Jahr zu Jahr immer weniger interessiert. Eine Liga mit nach wie vor 17 Mannschaften und einem mafiös empor gehobenen Besatzerkonstrukt spielt sich nen Wolf und am Ende gibts doch wieder den erwarteten Einlauf. Bei "Einlauf" fällt mir nebenbi ein, was für ne Scheiße in Dosen mittlerweile spottbillig gleich neben dem O-Saft in so manchem Supermarktregal den Kindern hinterhergeworfen wird. Wie schon im letzten Jahr, so traf auch diesmal Herr Rettig (Manager St. Pauli) kurz nach Weihnachten zum Thema 50+1, Investoren im deutschen Profifußball, Financial Fairplay und den Fußball als Volkssport voll in die Hundert: In seiner Funktion als damaliger GF bei der DFL zeigte er als wohl Einziger klare Kante bzgl. Lizenz für den Neu-Zweitligisten Rattenschiss Fuschl am See "Ich hatte meine Unterschrift unter die Lizenz für ...pieeep... verweigert. Der Lizenzierungsausschuss hat dann anders entschieden, weil man andernfalls mit einer Klage rechnete und die 50+1-Regel evtl. vollständig gekippt wäre." Das Financial Fairplay funktioniert indes nicht nur seiner Meinung nach nur mit viel mehr europaweiter Unterstützung und Willen seitens der Politik, sonst tanzen die Mäuse wie bspw. PSG bei möglichen Klagen ewig belustigt aufm Tisch. Er traute sich auch, ein ganz heißes Eisen mit dem möglichen Teilverzicht der Vereine bei den steigenden TV-Geldern anzufassen: "Ich hätte nichts dagegen zu sagen: Schluss damit, dann kriegen wir halt ein paar Euro weniger. Ich fände es gut, wenn mehr Klubs Sensibilität dahingehend entwickelten...Der Fußball ist für mich gesellschaftlicher Kitt, der mehr und mehr bröckelt, ein Volkssport, der sich nicht noch weiter von den Menschen entfernen darf." Was diese Oligarchen und Scheichs mit ihren wedelnden Geldbündeln anderswo angeht, da stösst er bei mir auch auf sehr offene Ohren: "Dann sollen die doch ihr Geld verbrennen. Warum müssen wir in diesen Wettlauf einsteigen? Wir in Deutschland müssen unseren eigenen Weg gehen." Richtig so Andreas, unterschreib nicht nur ich voll und ganz :nuke: - aber warum erst jetzt so direkt und nicht schon früher in höheren Amt und Würden? Oder hamse dir ne oben abgesägte und scharfkantige Dose an den Hals gehalten und mit Hexenverbennung gedroht und du hast deshalb bei diesem Haufen die Flucht ergriffen? Ach ja, gleich im neuen Jahr will man sich dbzgl. über den Selbstdarsteller und Vereinszerstörer Herrn Kind und sein angedachtes 50+1-Spielzeug final unterhalten, man kann das Fan-Kotzen an der Leine bereits quer durch Deutschland hören und riechen. Nur verschließen nach wie vor einige Vereine ganz bewußt ihre Ohren dabei, auf dass es im Geldbeutel ordentlich klingeln möge. Traurig, traurig.

      Ja, und unsere Heimat, die Liga 2? Wir haben als Aufsteiger Großes geleistet und sind schlussendlich auf einem vielbeachteten 5. Platz gelandet. Die Eisernen haben ihr großes Ziel kurz vor Ultimo aus den Augen verloren und müssen zukünftig aufpassen, dass sie nicht an ihren eigenen Ansprüchen ersticken und den Blick für ihr Innerstes verlieren. Achja, unser ständiger Begleiter, der Schacht...es dreht sich dort nach wie vor Weihnachtspyramidenartig nur um die Leonhardts - und es funktioniert auch nur so, es ist deren einzige Chance. Und die haben sie wieder genutzt. Es geht dort nicht nur familiärer zu als anderswo, man hat auch ein mitunter feines Gespür fürs Personal. Was Tedesco dort in nem nichtmal halben Jahr geleistet hat, dafür werden sie ihm am Stolleneingang ewig dankbar sein. Gut, wir haben ihnen vor paar Wochen die 2 gekreuzten Hämmer ganz gepflegt in den Allerwertesten geschoben :vorbild: , aber auch der neue Trainer zeigt ne ganz bestimmte Handschrift in Form von Schachti-like. Und das neue alte Stadion ist mittlerweile fast fertig und wird ihnen wohl auch nochmal nen gewissen Schub mitgeben. Aue ist ne kleine Stadt - aber sie hat fußballtechnisch- und wirtschaftlich die großen Chemnitzer Nachbarn um Längen überholt. Und nicht nur die. Was ist bitteschön nur aus den ehemals so stolzen Roten Teufeln geworden...Bochum...ja auch St. Pauli? Stattdessen schaut man seit geraumer Zeit auf die grundsolide und sehr erfolgreiche Sandhäuser Arbeit - ihr könnt zwar ein nicht ein allzu großes Fanlager aufbieten - dennoch allergrößten Respekt, auch wenn das paar selbstverschuldet abgehalfterte Traditionsvereine evtl. anders sehen. Insgesamt ist diese 2. Liga ausgeglichen, wie lange nicht mehr und ich vermute, da wirds in der Rückrunde noch ne Menge Bewegung nach oben und unten geben. Auch für Vereine, die momentan noch nichts davon ahnen. Und mein Wunsch ist es, dass wir schnellstmöglich punktemäßig alles für unser großes Ziel in der zweiten Saison tun. Was danach noch kommt, ist vielleicht ja das Kompott und die Vorbereitung für die nächste Spielzeit.

      An dieser Stelle für alle geneigten Leser einen guten Rutsch und alles erdenklich Gute im neuen Jahr. Besonders am Herzen liegt mir heute ein pyromanischer :n22: Silvestergruß an meine dynamische Gemeinde hier - an @Padre, @Dresdner Hecht, @sachse250, @SektionDB und natürlich auch an dich, @Cerby ! Bleibt gesund und bleibt dynamisch, stolz und standhaft. Das Herzblut macht jetzt 14 Tage quasi inventurtechnisch ne kleine Stammtischpause und ist pünktlich zur Rückrunde wieder mit am Ball.

      Schönen Silvestersonntag, lassts von mir aus ordentlich krachen, kommt gut ins neue Jahr und bis in 3 Wochen. Euer Herzblut. :winke:
      Drei Buchstaben, zwei Farben, eine Gemeinschaft
    • Oh Schreck - das Auto is weg

      "Huhu, die Inventur is vorbei und da bin ich nu wieder - na alles noch fit im Schritt?" Das Herzblut is kaum zur Türe rein, da schallts ihm auch schon entgegen "Na endlich, du treulose Tomate, wird ooch Zeit, dass de mal wieder was fürs sonntägliche Stammtischniwo machst!" Er sieht irgendwie schlanker aus und die Wirtin begutachtet auch sofort das fehlende Bäuchl. "Na du, so kurz nach Weihnachten schon soviel runter vom Ranzen, wie hastn das hinbekommen?" Mit ner unbändigen Vorfreude auf seinen heutigen Sauerbraten mit Klößen gibts von ihm ne kurze Erklärung: "Gab mal Zeiten, da habsch das alles mit Ski fahren runtergekloppt, diesmal hats der Magen mit allem Drumherum gleich selbst erledigt. Scheinbaren Obrigkeiten, die glauben, einem das Leben zur Hölle machen zu können, sei Dank. Bin jetzt wieder aufm Gleis, die rote Linie wurde von mir für die Zukunft gezogen und unkaputtbar mit farblosem Lack haltbar gemacht. Chefin - isch kriesch jetz ä scheenes Schwarzes!" Man begrüßt sich am Stammtisch gutgelaunt und tauscht erstmal die Bild gewordenen Hinterlassenschaften dieser alten Friederike-Schlampe vom Donnerstag aus. Ganze Arbeit von der alten Tusnelda, wie's ihr aus den Pfoten fällt und wenns ans Aufräumen geht, isse weg. Und auf die Art findet das Herzblut auch gleich nen Aufhänger für den ersten Stammtisch im neuen Jahr.

      Am Donnerstag hatten einige Chemnitzer einen unglaublichen Schutzengel, mitten im Berufsverkehr meinte unsre Friederike, ein komplettes Baugerüst auf ne vielbefahrene Straße in der Innenstadt zu knallen. Trümmer ohne Ende und wie durch ein Wunder kamen keine Menschen zu Schaden, sondern nur etliche angrenzend geparkte und zu "Cabrios" umfunktionierte Autos. Im Anschluss hatte der Abschleppdienst dort 2 Tage zu tun. Nun schleppen die ja nicht nur solche Karossen ab sondern auch...

      Vielleicht kennt ihr ja sowas auch aus eurer Stadt, eurem Dorf oder eurem Siedel: Diese meist ortsfremden und hochgradig arroganten Großgrundbesitzer der Supermarktparkplätze haben nichts anderes zu tun, als in allen 4 Ecken Wegelagerer-Autos nebst Inhalt zu platzieren, die den ganzen Tag Geheimdienst spielen und bei längerem Nichtantreffen von Inhabern geparkter Autos sofort den Abschleppdienst rufen. Sowas gibts in Chemnitz auch, nur in verschärfter Form. Ein mit seinen potthässlichen Betonburgen schon die gesamte Innenstadt verschandelt habender Regensburger Bauunternehmer mit unfassbarem Geltungsdrang nennt u.a. auch ein Einkaufszentrum in Innenstadtnähe sein Eigentum. Dazu gehört auch ein Parkplatz, angrenzend unser Kassberg, ein großes Gründerzeitwohn- und Geschäftsviertel mit teils sehr begrenzten Parkmöglichkeiten. Ihr könnt euch denken, was meist passiert - in der Folge dann dicke Euro-Zeichen bei unsrem Baulöwen, damit der Rachen noch voller werden möge. Damit aber nicht genug: Selbst die Autos der Kunden des EKZ werden fröhlich abgeschleppt oder auch von jenen, die weil nicht alles in den Shoppingtempel passt, z.B. zum Optiker (ohne Parkplatz) über die Straße laufen müssen. Der Betreiber eines Fitnessstudios im EKZ gab zu Protokoll, dass selbst die Fahrzeuge seiner Mitglieder und von Mitarbeitern der Geschäfte/Dienstleister abgeschleppt wurden. Unser Regensburger Machthaber meinte dazu: "Die Parkplätze sind nur für Kunden des Hauses reserviert - weder für Beschäftigte noch für Anwohner oder Chemnitzer, die an der Passage nur kostenlos parken, aber nicht einkaufen wollen...als Großunternehmer muss ich zuerst an die Kunden denken, deren Parkplätze häufig blockiert werden." :knueppel: Wenns denn so wäre, auf einigen Parkplatzbereichen weist auch nichts auf das evtl. Abschleppen hin. Nach Protesten und dem geweckten Interesse der örtlichen Gazetten ließ er sich noch zu folgende Worten hinreissen: "Die Großzügigkeit der letzten Jahre ist vorbei, wir haben lange genug Gnade walten lassen."

      Mit etwa 200 Euro Abschleppgebühren ist man dabei, täglich werden etwa 10 Autos auf die Art entfernt. Beauftragt wurde damit eine Sicherheitsfirma, deren Chefin dazu: "Wenn wir sehen, dass jemand sein Auto parkt und vor hat, das Gelände zu verlassen, versuchen wir, sie oder ihn darauf hinzuweisen, dass das Parken nur für Kunden erlaubt ist." Die Realität sieht anders aus, man macht sich aufm Weg zum schnellen Geld noch nicht mal dafür die Mühe, ausm Überwachungsauto zu steigen. Und weiter: "Auch wenn wir sehen, dass ein Fahrer das Gelände verlässt, bevor wir ihn ansprechen können, lassen wir sein Fahrzeug abschleppen, so sehen die Anweisungen von Herrn K. aus." Eine ganz arme Sau musste abends seine Karre dort stehen lassen, sie sprang partout nicht mehr an. Am nächsten Morgen wollte er um 6 noch weit vor Ladenöffnung sein Gefährt abholen - des Nachts um 2 waren aber andere schneller. Für 250 Euro hat er sein Meppel wiederbekommen und grübelt seitdem, welchen Kunden er den Parkplatz weggenommen haben könnte. :amkopfkratz:

      Unser Gutmensch und Bauinvestor hatte lt. Bebauungsplan vor Jahren die Möglichkeit zur Errichtung ner Tiefgarage (180 Stellplätze), wollte dies aber damals nicht, warum wohl? "Das hatte ich auch nie versprochen. Es sind ja genügend Parkplätze da. Ich hatte nicht damit gerechtet, dass alles, was ringsum wohnt, meinen Parkplatz benutzt." Ich bin zuletzt richtig stolz auf meine Journallie, dass sie mittlerweile knallhart das aufzeigt, was uns bestimmte Individuen in die Fresse hauen wollen. Um jetzt noch einen draufzusetzen, plant er, nochmal etwa 2200 qm an Verkaufsfläche in der 3. Etage seines lukrativen ostdeutschen Großgrundbesitzes zu vermieten. Ist schon paar Jahre her: Auch mit seinen Mietern ging er mitunter sehr speziell um. So hat er mal nen Gastwirt auf eine völlig überzogene Nachzahlung von Nebenkosten verklagt, die dazugehörigen Unterlagen konnte nichtmal der Chef seiner eigenen Grundstücksverwaltung den Anwälten erklären. Beim Gütetermin vor den Anwälten gabs dann damals vielbeachtete Ausfälle gegen die versammelte Anwaltschaft. Ein dahingebrüllter Satz von ihm machte dabei in der ganzen Stadt die Runde "Sie werden diese Gesellschaft ruinieren!" Viele Chemnitzer sind sich bis heute sicher, er meinte und meint seine Gesellschaft. Und so droht er weiter so lange in der Presse mit seinem Rückzug, bis er von den Verantwortlichen der Stadt dann doch wieder die nächsten Filetstücke in den A... geschoben bekommt.

      Manche werden niemals satt, er könnte sich wunderbar aufs Altenteil setzen und seine "hart erarbeitete" Kohle aufn Kopp hauen...er hat noch weitere "Pläne", sag ich euch - dann werden wir unsere Stadt nicht wiedererkennen! Damit nicht genug, man schmiert ihm auch noch hochoffiziell Honig ums Maul: 2016 verlieh man ihm auf dem Mittelstandsball den Richard-Hartmann-Ehrenpreis "für das vielfältige Engagement im kulturellen und sozialen Bereich, sowie für seinen einzigartigen Beitrag für die Chemnitzer Stadtentwicklung", die Herrschaften von Pro Chemnitz wollten ihn gar zum Ehrenbürger machen. Ein Großteil der Chemnitzer sagt "Geh endlich" - kann den nich ma einer abschleppen? :lebe:

      Zum Glück bin ich mitm Bus ins Stammlokal gefahren, der kommt dann auch wieder an der Haltestelle vorbei. Hoffentlich. Also wenn er nich abgeschleppt wurde...

      Lassts euch schmecken und schönen Sonntag. Euer Herzblut :cool2:
      Drei Buchstaben, zwei Farben, eine Gemeinschaft
    • Großartig :amen:
      Parken ist in unserer Kreisstadt übrigens auch ein Fall für sich. In einer Straße hast du bei uns Aldi (plus einige kleinere Geschäfte), das Krankenhaus, Burger King und die Polizei. Der einzige ernstzunehmende Parkplatz ist bei Aldi, die haben jetzt sehr dezente Schilder aufgestellt, die darauf hinweisen, dass man eine Parkscheibe verwenden muss. Die wissen ganz genau, dass niemand diese völlig unscheinbaren Schilder wahrnimmt. Ich kenne kaum noch jemanden, der da nicht drauf reingefallen ist. War eine schöne Abzock-Methode, mit der Aldi viele Kunden verloren hat...
      Abschleppen ist natürlich nochmal ein anderes Kaliber, teurer halt. Widerlich, dass man ernsthaft Leute da platziert, die Leute beobachten in welcher Richtung sie Fahrzeuge verlassen. Richtig krank wird es - und das ist hier auch ein verbreitetes Phänomen - wenn stinknormale Bürger sich gegenseitig anschwärzen. In Nienburg bin ich mittlerweile richtig paranoid, kann aber auch da nicht garantieren, dass mir Patzer unterlaufen. Wenn mich dann jemand verpfeift gibt es Ärger... Ich wünschte, ich wäre größer, stärker und gewalttätiger! :D
      „96 hat einen Riesensprung nach vorne gemacht. Und jetzt wird der Mann, der sich damit ein Lebenswerk erfüllt hat, nicht von allen dafür geliebt. Das ärgert mich richtig.“
    • @Hannoi1896 Ach, du kannst ihm immerhin in die Wade beißen. Stehend. :D

      Aber nee, da haste schon recht... es vergeht gefühlt keine Woche, in der nicht an irgendeinem zuvor unbehelligten Supermarktparkplatz ein Schild von 'Park & Control' und ähnlichen Firmen aufgestellt wird. Parkplatzbewirtschaftung scheint mir, nachdem alle Städte jetzt flächendeckend mit Spielcasinos versorgt sind, das nächste Betätigungsfeld gelangweilter und immer schon selbstständig sein wollender Mittfünfziger zu sein, deren erste Karriere im örtlichen Wirtshaus schon von den 'Kochprofis' beendet wurde. Da steht dann eine - mal mehr, mal weniger große - Tafel, auf der geschrieben steht, dass man sich auf diesem Parkplatz nur verdingen darf, wenn man auch beim örtlichen Penny einkauft. Am meisten Sinn macht das in Gewerbegebieten, wo außer Super- und Getränkemärkten nicht viel ist, dafür aber gleich 5 nebeneinander. Daher auch die für mich spannende Frage, welches "Schwarzparkpotential" da so vorhanden wäre. Und an allen Fünfen prangt ein "dieser Parkplatz wird bewirtschaftet von"-Schild. Selbstverständlich sind es fünf verschiedene Anbieter, was dann dazu führt, dass dort stellenweise mehr Streifenfahrzeuge rumfahren, als Kunden in den Supermärkten sind. Park & Control fährt übrigens mit großartigen Autos durch die Gegend, silberne VW Polos mit blauer Seitenbeklebung. Dazu Typen in dunkelblauer Uniform. Sieht aus wie Karneval, wenn sich Männer, die normalerweise Karohemd tragen und Dacia Logan fahren, mal als Polizei verkleiden wollen. Aber selbst aus dem letzten Stückchen Scheiße noch versuchen Gold zu machen, das funktioniert hervorragend in unserer Gesellschaft.

      Achja, faszinierend auch das Schild am örtlichen Edeka: "Dieser Parkplatz schließt um 21.30." Dazu muss man wissen, dass dort keinerlei Schranke, oder sowas existiert.

      "Ich möchte 100 werden, und Martin Kind soll meine Grabrede halten." - Dieter Schatzschneider
    • Kampfkater schrieb:

      @Hannoi1896 Ach, du kannst ihm immerhin in die Wade beißen. Stehend. :D
      Hat alles seine Vorteile, sag ich dir! :D
      Ansonsten fasziniert mich, wofür man heute alles einen Sicherheitsdienst hat. In Hannover gibt es beim Saturn ein Dutzend Schließfächer, wie man sie auch aus Schwimmbädern kennt, dort stehen mittlerweile immer zwei (!) Personen vor, die natürlich unglaublich wichtig aussehen und möglichst grimmig gucken.
      Neulich hab ich irgendeinen Euro-Artikel daneben gestellt, der nicht ins Fach gepasst hat. Irgendwie kam es dann zum Streit als er mich angemault hat, dass nicht jeder seinen Kram da hinstellen soll. „Deine Eltern sind bestimmt wahnsinnig stolz auf dich“ war vielleicht nicht das netteste, was ich sagen konnte, aber immerhin hab ich ihn nicht so schlimm angepöbelt wie das Arschloch, was mir beim Aldi ein Knöllchen verpasst hat.
      Keine Ahnung wo diese Mentalität herkommt, überall auf alles zu achten, was die Leute so machen, aber es nervt. Ich hab keine Lust mich rechtfertigen zu müssen, wenn der einzige freie Parkplatz ein „Mutter und Kind“-Parkplatz ist und ich mich darauf stelle, aber irgendwer kommt wirklich immer und schlaumeiert. Ich hab doch eine Mutter und ich bin ihr Kind, also lasst mich in Ruhe!
      Dieses ständige Einmischen geht mir gehörig auf den Wecker. Wo ist eigentlich die Hobby-Polizei, wenn irgendwo richtige Arschlöcher unterwegs sind?


      Achja, faszinierend auch das Schild am örtlichen Edeka: "Dieser Parkplatz schließt um 21.30." Dazu muss man wissen, dass dort keinerlei Schranke, oder sowas existiert.
      ;D
      Vielleicht muss sich ja da irgendein Zeitarbeiter die ganze Nacht als menschliche Schranke hinstellen.
      „96 hat einen Riesensprung nach vorne gemacht. Und jetzt wird der Mann, der sich damit ein Lebenswerk erfüllt hat, nicht von allen dafür geliebt. Das ärgert mich richtig.“
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