Auf ein Bierchen mit Herzblut - der Sonntagsstammtisch

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    • Ich zitiere mal aus Wikipedia, Giersch, Bekämpfung: "Giersch kann durch jahrelange regelmäßige Entfernung der Blätter so geschwächt werden, bis er abstirbt. Kartoffeln können den Giersch unterdrücken, da sie schneller wachsen und ihm Licht und Nährstoffe nehmen."

      Also Herzblut, jetzt haste die Wahl, jahrelanger Krieg dem Giersch, immer wieder abschneiden regelmäßig killt es wohl. Oder du machst een off Bördebauer .... :D
      Ehre! Stärke! Dynamo!
      - SG Dynamo Dresden -
    • Cerby schrieb:

      Also Herzblut, jetzt haste die Wahl, jahrelanger Krieg dem Giersch, immer wieder abschneiden regelmäßig killt es wohl. Oder du machst een off Bördebauer .... :D
      ....und ein gewisser Herr K. kommt dann eenmal im Jahr bei mir durchs Gartentor, um als Großabnehmer damit die undichten und unhüpfbaren Stellen in seinem Stadion auszupolstern. Mein Spaten is schon poliert... :knueppel: :D
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    • Schlimm

      "He, du alte Schlafmütze - offwachen, gebutzelt wird dorheemä!" Das Herzblut is kurz davor, mitm Nischl wegzunicken und ans Aquarium neben dem Stammtisch zu knallen. Etwas unsanft wird er von der Kellnerin wachgerüttelt. "Wie, was, hä, wo bin ... oahr nee - Tschuldigung, die Arbeit und das scheiß Wetter fordern ihren Tribut." Er gähnt und mitm Blick ausm Fenster isser wieder hellwach. Auch vor unsrer Stammkneipe ist jeder verfügbare Laternenpfahl im Wahlk(r)ampfmodus, kann einem 's Essen vergehn. Dabei fällt ihm ein, dasser noch was Wichtiges in seiner Jackentasche hat. "Guckt ma, was ich diese Woche im Briefkasten hatte, habt'er eure Wahlbenachrichtigung ooch gekriecht?" Genervte Blicke: "Och Herzblut, muss denn das heute sein, mior wolln uns doch nich ooch noch zum Sonntag über diese Pappnasen aufregen!" Aber er kennt kein Pardon: "Hähä, Pappnasen, da sagt ihr mal was, das Sinn macht. Doch, ausnahmsweise muss das heute mal sein, sind ja nur noch 4 Wochen bis zur erneuten Krönung der Kanzlerin der Herzen, unsrer Volks-Mutti ohne erkennbare Gegner..."

      Sicher regiert bei der geneigten Leserschaft dieser Tage/Wochen auch wieder der plakative Wahnsinn. Du stolperst durch die Straßen und an jeder Laterne, jedem Regenrohr und jeder Werbefläche der Haltestellen musst du die angesprochenen Pappnasen nebst materialgleichen Schildern ertragen. Diese Form der Wahlwerbung gibts wohl nur, weil sie die Einzige ist, die du nicht abschalten kannst. Und nie is ne Kotztüte in der Nähe, wenn du eine brauchst! Ich wag mich mal durch die gedroschenen Phrasen des plakatierten Parteidschungels und versuch, ohne jede Wahlempfehlung meinerseits dieser Bild gewordenen Wegelagerei Herr zu werden.

      Die ersten fleißigen Kletterer zur Penetrierung des Wählerwillens gabs in meinem Viertel nicht im Auftrag des Herrn, sondern von Herrn Lindners FDP. Beim ersten Hinschauen dachte ich: :was: Was'n das, is der Lindner über Nacht aus seiner Partei ausgetreten und hat Frau Wagenknecht schöne Augen gemacht? "Schulranzen verändern die Welt. Nicht Aktenkoffer." Na dann mach aber mal Meter, wenn dir das so wichtig ist, Herr Spitzenkandidat. Beweis mir, dass du mit deiner werbetechnisch hier so völlig veränderten Partei verstanden hast und es dir um Schulkinder generell und nicht nur um die verwöhnten und verzogenen Bälger der Eliten geht. Ich versteh ja, dass du mit "Ungeduld ist auch eine Tugend" endlich wieder mitmischen willst und dein "Jetzt wieder verfügbar: Wirtschaftspolitik." habsch auch begriffen - nur sagst du mir nicht welche, auf wessen Kosten und mit welchen Auswirkungen. Insgesamt für mich eine hochmoderne Form von Wahlwerbung und auch intellektuell anspuchsvolle Umsetzung mit Dressman nebst Slogans. Bleibt abzuwarten, wer dir die Stimmchance gibt, euch auch auf höchster Ebene neu zu erfinden und unsere Interessen den deiner bisherigen Partei überzuordnen.

      Tage danach war Herr Lindner schon nich mehr so einsam am Laterne gewordenen Marterpfahl und ich erblickte untendrunter ein knallrotes Kostüm, ein königliches Lächeln, altbackene Sprüche und war beleidigt, weil nirgendwo ne Raute zu entdecken war. Hört ma, ihr Christdemokraten: Ihr stellt meine Volkskanzlerin vor ne halbwegs vernünftige Tapete und knallt ihr mit "Das große Ganze beginnt mit einem Ohr für die kleinen Dinge" so nen bei uns schlimmste Erinnerungen weckenden, zweideutigen Satz an den Hosenanzug, nich euer Ernst? :vogelzeigen: Doppeldeutig seid ihr auch mit "Für gute Arbeit und gute Löhne", denn was ist mit der schlechten (Drecks)Arbeit und schlechten Löhnen? Huhu, aufwachen - wir ham 2017: "Familien sollen es leichter haben", nur die und welche Familien meint ihr? Es gibt da noch ne Menge andere potentielle Wähler, dann klappts auch mit "Für ein Deutschland, in dem wir gut und gerne leben."

      Ein Blick auf die andere Straßenseite, ein Spacko geht mit Hund Gassi, an der Laterne vorm Bäcker hebt er's Beinchen und scheißt ordentlich aufn Bürgersteig. Also der Hund. An der bepissten Laterne teilt mir ein Photoshop getunter Mann mit gealtertem Fünftagebart mit "Die Zukunft braucht neue Ideen. Und einen, der sie durchsetzt." Mensch, ich hätte da ne irrwitzige Idee, liebe SPD - wie wärs denn, wenn ihr auf'n Gedanken kommt, dass die fehlenden Kreuze aufm Wahlzettel mit eurem Kreuz bei Hartz IV in Verbindung zu bringen sind? Klingelt ma bei Onkel Björn (Engholm), der hats euch vor 14 Tagen bei der MoPo knallhart ins Stammbuch geschrieben. Euer "Wer 100% leistet, darf nicht 21% weniger verdienen" unterschreib ich, aber wenn jemand nichmal 50% leistet und 100% verdient, dann wundert euch nicht, wenn sich die Herren Brandt, Schmidt und Wehner mit geballter Faust im Grabe umdrehn. "Eine Gesellschaft ist nur dann gerecht, wenn alle die gleichen Chancen haben." - ihr habt vielen eurer ehemaligen Wähler jegliche Chancen und den Glauben an Gerechtigkeit genommen. Ihr habt Freunde zu Feinden gemacht und Feigheit vorm Feind ist leider immer noch euer Antrieb. :sleep: Es gehört zur Stärke eines Menschen, gemachte Fehler einzusehn, sich dafür zu entschuldigen und den Betroffenen ihre Würde zurückzugeben. Und drum mal ein Werbeplakat inkl. Slogan ganz kostenlos von mir für euch zum Nachdenken: Eine Leiter, auf der obersten Sprosse liegt ne offene Dose Kaviar, auf der Untersten eine alte zerbröckelte Scheibe Knäckebrot. Untendrunter die Losung "Die SPD. Wir schreiten voran. Nur in die falsche Richtung."

      Wir kommen an einem ungepflegten Grundstück vorbei, meterhoch das Gestrüpp, fast sowas wie naturbelassen. Passend dazu hängt an nem Regenrohr "Umwelt ist nicht alles. Aber ohne Umwelt ist alles Nichts." von den Grünen. Das Ganze mit ner magenta Erdkugel im Hintergrund, bei der ich zuerst dachte, um deren Wahlkampf kümmert sich wohl diesmal ein Telekommunikationsunternehmen. Gleich daneben "Gesundes Essen kommt nicht aus einer kranken Natur", dazu meine postwendende Antwort "Aus nem verzagten Arsch kommt kein fröhlicher Furz". Nie war ein Slogan für das aktuelle Auftreten der Grünen treffender als "Nur wer Chancen bekommt, kann Chancen nutzen." Ihr hattet genug Chancen, ihr habt sie nicht genutzt, auch nicht mit eurer grauenvollen Wahlwerbung... :look:

      Schulangrenzend regiert die Linke auf den Plakaten, diesmal mit 8 verschiedenen Denkanstössen, dafür ohne Gesichter. Sind ja außer Frau Wagenknecht und paar Lokalpatrioten auch keine wirklichen mehr da. "Gerecht. Millionäre besteuern. Mehr Geld für Kitas und Schulen" - ja aber was nützen uns diese, wenn keine Erzieher und Lehrer da sind? Denn "Kinder. Vor Armut schützen" ist nicht zuende gedacht. Auch vor gewissenlosen Vertretern der Generation ihrer Eltern und Großeltern. Wenn ihr für euch das soziale Gewissen beansprucht, dann muss von euch viel mehr kommen. Man merkt, auch ihr seid im Mainstream sesshaft geworden - und irgendwie koalitionsfähig.

      Es wird dunkel in Chemnitz, nun sind paar ebenso dunkle Gestalten unterwegs. Am nächsten Morgen liegt Herr Lindner zweigeteilt aufm Bürgersteig, Herr Schultz als Puzzle vor der Haltestelle und Frau Merkels rotes Sakko is als solches auch nicht mehr zu erkennen. Kurzum - die Sympathisanten der beiden extremen Lager haben wieder zugeschlagen. Erbärmlich dumm, erbärmlich assozial - reden wir nicht weiter drüber... eher noch über diese komische Laienschar, die zerstritten wie's Böse uns eine Alternative für unser Land schmackhaft machen möchte. Nun frag ich mich aber, welches Land wollen die mir anstatt Deutschland denn zum Leben anbieten? Und wie is dort der Umtauschkurs, kann man da auch mit Ostmark einkaufen, ich hätt da noch...Ich hab immer geahnt dass da Allehol mit im Spiel is: "Burka? Ich steh mehr auf Burgunder." - Hick und Prost! Man schiebt Fr. Petry schrittweise als Parteilinke ins Abseits, um ihr mit ihrem Baby im Arm das plakative Gnadenbrot mit "Trau dich Deutschland. Und was ist ihr Grund, für Deutschland zu kämpfen?" zu geben. Und viele Jahre später wirds dann endlich wahr, wie direkt bei mir vorm Haus zu lesen: "Mit 18 freut sich Lili noch mehr, dass ihre Eltern AfD gewählt haben." Genau, denn dann sucht Lili ihren Alten aus Rache für die versaute Zukunft das Heim dafür aus. :yes:

      Direkt unter diesem Plakat hat man "Je höher das Plakat, desto niedriger das Niveau." mit nem Pfeil nach oben angebunden. Paar Laternen weiter sagt mir ein Jesus "Mach kein' Scheiß mit deinem Kreuz." und daneben lacht der Somuncu "Mehr Glatze als Schultz. Mehr Hitler als Erdogan." Hui, also 'Die Partei' hats echt droff - und wenns Zahnbelag is, lest euch mal deren Parteiprogramm durch. Also ich kann mich mit den Punkten 1-16 durchaus anfreunden. Spaßtechnisch. In Berlin muss wohl sogar ein Kandidat von denen mit verschränkten Armen aufm Plakat und dem Spruch "Der BFC muss wieder Meister werden" zu sehen sein. Also wenn ich's nich besser wüsste, könnte man meinen, dass @katsche da seine Finger... :D

      Ich fasse zusammen: Stupide wiederkehrende Werbekampagnen, teils farb- und lieblos und nichtssagend, dies alles zu Papier gebracht und mit unsrem Geld an die Laternen gehä...wisst ihr wie schweineteuer im Baumarkt die guten Kabelbinder sein können!!! :motzen: Und diese Hanseln nehmen selbst da nur das Beste, am Ende liegts überall zerschnitten rum. Sie handeln alle nur nach dem Motto - "Wir haben nichts versprochen. Wir brauchen Nichts zu halten. Aber wir haben geklebt." Man möchte ihnen um die Ohren hauen "Wahlkampfkostenerstattung - adé." Oder ums mit nem weißen Plakat von 'Die Partei' zu sagen - hängt seit gestern vorm Nachbarhaus - drauf steht nur ein Wort: "Schlimm!"

      So und bald hamwer nu alle die Qual der Wahl. Ich wähl jetzt erstmal'n Sauerbraten und'n Schwarzbier.

      Schönen Sonntag, euer Herzblut. :winke:
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    • "Was das Hänschen nich lernt...

      ...das lernt der Hans nimmermehr - nich wahr, Herzblut?" So rufts ihm heute vom Stammtisch entgegen und er denkt sich beim Begrüßungsklopfen auf den Selbigen: Was woll'n die von mir, komm mir heut bloß keiner blöde, war wieder ne nervenaufreibende Woche, du hasts hier nur noch mit Schwererziehbaren zu tun... Beim genaueren Hinhören ist er aber dann voll in seinem Element, es geht ums liebe Geld und wie Kinder damit umgehen. Er erfährt Einiges über Er- und Verziehung in so manchen Familien, was er tagtäglich mitm Rohrstock in der Hand Live und in Farbe haargenauso mitbekommt. In ihm kochts aber aus nem anderen Grund, in seinem Kopf geistern diese Woche vermeldete abartige Summen rum und er merkt gar nicht, dass es grade in der trauten Runde ums Thema Taschengeld geht. Einer meint: "Ich hab in den Ferien noch gearbeitet, damit ich paar Pfenge für mich hatte, paar Mark gabs ab und zu vom Vater und das wars aber auch. Oder Herzblut, war doch bei dir genauso? Wieviel hattst'n du Taschengeld?"...Der ist in Gedanken wie gesagt woanders: "Nee, 180 Millionen, das is doch Wahnsinn!" Der ganze Stammtisch feixt: "Wir wussten schon immer, dass du'n kleener Rockefeller bist." Er holt tief Luft und beginnt mit seiner heutigen Stammtischrede.

      Habt ihr das diese Woche mitbekommen, na sind die denn bleede, wie willst du das nem Kind noch vermitteln? Da bricht ein ehemals ehrbarer Verein geltende Regeln des Fair Play und leiht einen talentierten (aber vorerst nicht mehr) Spieler aus, um ihn erst in nem Jahr für 180 Millionen offiziell zu kaufen. Und man jubelt sich gegenseitig hoch, man schmeisst auch anderswo mit abartigen Summen um sich, man weigert sich, satt zu werden. Man macht weiter, immer weiter - in kleinen Schritten auch der Verein jenes ehemaligen titanenhaften Spielers, dem dieses Zitat urheberrechtlich zusteht. Herr Neymar mit 222 Millionen, Herr Mbappé mit besagten 180 Mio, ein Herr Keita für 55 Mio und ner jetzt schon hohen Summe plus X für das einjährige Aussitzen mit ner Dose im Arsch. Herr Dembélé zeigt mitsamt seiner assozialen Beratermafia seinem Ex-Verein sein wahres Gesicht und ebenso wie sein nun neuer Verein eine besonders "profihafte" Einstellung. Die Bayern rühren wie gesagt in der gleichen Suppe mit ordentlich Fettaugen rum und verpflichten Monsieur Tolisso für 41,5 Mio und in Dortmund hamse einen 17-Jährigen von Manchester City für kolportierte 8 Mio geholt, verdammisch ich wiederhole - Siebzehn isser erst, spielt in der englischen U18-Nationalmannschaft und kostet 8 Mille!!! Himmel, Arsch und Zwirn, mich wiederum kostet das ne Menge Überwindung, bei solchen Meldungen nich aufn Bildschirm zu reihern! :kotz:

      Auch in good old Dschörmänie hat man dieses Jahr die Kohle so wie noch nie aufn Kopp gehauen, stolze 600 Mio im Vergleich zu 512 Mio im letzten Jahr. Herr Hoeneß bemerkte in der Sport Bild dazu: "Ich möchte keinen Spieler für 100 Millionen Euro kaufen, auch wenn ich sie hätte. Für uns kommt so etwas nicht infrage. Ich bin der Meinung, kein Spieler der Welt ist 100 Millionen Euro wert." Es ist auch kein Spieler der Welt 50 Mio wert und du möchtest vielleicht wirklich keinen Spieler für 100 Mio - aber was ist mit den anderen in deinem Laden..."Wir sind an einem Punkt, wo wir verdammt aufpassen müssen. Denn irgendwann hat vielleicht der Zuschauer dann doch mal die Schnauze voll." Falsch Herr Hoeneß und verdammt gut aufpassen: Nicht soweit ins Irgendwann vorausdenken, deine Zukunft liegt in der Gegenwart.

      Ich bin an nem Punkt, an dem ich keinerlei Mitleid mehr hätte, wenn eines Tages der große Knall einige der Vereine, die dieses assoziale Gebaren mitmachen und auf die Spitze treiben, in den Abgrund reißt. Sie sollen von ihrer ungezügelten Fresserei Magengeschwüre bekommen, dass ihnen die Flammen ausm Hals und ausm Allerwertesten schlagen. Und ich habe nur einen Wunsch und eine Hoffnung - und das verteidige ich mit aller Macht und mit all meinen begrenzten Möglichkeiten: Dass mein Verein in seinen Entscheidungen niemals an diesem gesellschaftlich nicht mehr vertretbaren Tisch Platz nimmt. Niemals nich! Auch, wenn ich mich da jetzt womöglich unbeliebt mach: Da krebs ich lieber im Abstiegskampf rum, bin Anhänger einer Fahrstuhlmannschaft und backe kleine dynamische Brötchen. Aber die schmecken dann dafür auch, es sind halt keine aus nicht mehr fassbarem monetären Fertigteig.

      Der Gladbacher Manager Max Eberl meinte dieser Tage: "Was erzählt man einem Kind, das sich den Namen seines Idols aufs Trikot drucken lässt - und der Spieler kurz danach noch wechselt? Auch die Dauerkarte wird unter falschen Voraussetzungen gekauft. Das ist Betrug am Fan." Zwei kleine Mädchen aus Velbert waren nun genau deshalb in aller Munde. Ihr Vater bat in der BILD den BVB, die im Winter mit Dembélé und Mor bedruckten Trikots austauschen zu dürfen. Mario Götze und Marcel Schmelzer spendierten daraufhin neue Trikots, feine Geste von den Beiden (eh aus der Portokasse) - aber ich finde, der Verein selbst hätte hier Respekt und Anstand beweisen müssen. :shock2: Unseren Kindern und späteren Stadionbesuchern werden hier stattdessen Summen um die Ohren gehauen, die sie niemals werden fassen und einordnen können.

      Am Dienstag seh ich dann doch im ZDF "Frontal21", es ging um die großen sozialen Unterschiede in der Gesellschaft unter dem Titel "Die ungerechte Republik - Arm und Reich in Deutschland". Man legte den Finger in die Wunde und zeigte auf, dass die Wirtschaftswunderthese, man könne durch eigene Leistung zu Wohlstand kommen, so nicht mehr gültig ist. Als Gegenbeispiel kam auch ein neureicher junger Immoblienbesitzer zu Wort, der sich "ohne fremde Hilfe alles selbst aufgebaut" hat. An seiner Seite saß die Angebetete und kam ihrer vermutlichen Bestimmung nach - sie sah schön aus und schwieg. Er gab uns allen Brief und Siegel und das Versprechen, wenn man ihm von heute auf morgen Alles nehmen würde - er hätte binnen weniger Jahre seine Millionen wieder. Jeder andere könnte das auch schaffen. Und dann äußerte er eine These, die auf den ersten Blick sofort zu unterschreiben wäre: In Deutschland wird den Kindern in der Schule keine Finanzkompetenz bzw. finanzielle Bildung beigebracht. Gleich darauf kam er aber auf den für ihn wichtigen Punkt - Kompetenz in Sachen finanziell erfolgreich werden. :look: Falsch, du Nase - mit ihrem wenigen verdienten Geld umgehen, es verwalten und zielgerichtet ausgeben, das ist es, was den Kindern dringend beigebracht werden muss. Weils deren Eltern leider viel zu oft nicht können, aus selbst verschuldeten oder unverschuldeten Gründen. Und was glaubst du, warum man sowas nicht im Lehrstoff verankert - auch wegen dir, dass du oben bleiben kannst. Sonst wärst du nur einer von ganz vielen "finanziell Gebildeten" und womöglich die kleinste Kerze auf der Torte.

      Und dann sieht so ein finanziell ungebildeter Knirps in den letzten Wochen im Fernsehen, wie in seiner Lieblingssportart mit 3stelligen Millionensummen jongliert und um sich geworfen wird. Er sieht, wie sein Lieblingsspieler einfach nicht mehr zur Arbeit kommt und streikt, weil ein anderer Arbeitgeber ihm dazu eine finanzielle Gedankenstütze gibt. Und Herrn Dembélé als Dankeschön für seine Unterschrift mit 20 Millionen/Jahr zuscheißt, seine Ablösesumme auf die Peanutshöhe von 400 Mio festschreibt, was ihn wiederum zur Selbsteinschätzung hinreissen lässt, dass er O-Ton "gar nicht soviel Wert" sei. :sleep: Der Kleine bekommt außerdem mit, dass man sich nicht an festgelegte Regeln in seinem Lieblingssport halten muss, sondern diese umgehen darf. Ihm wird ganz schwindelig bei den vielen Nullen vorm Komma und er überlegt, warum lassen sich das die erwachsenen Fans gefallen und was passiert, wenn das keiner mehr im TV sehen will? Hat der Papa dann mehr Geld fürn Zoo, für ein neues Fahrrad oder gar für nen Urlaub, den sie schon so lange nicht mehr machen konnten? Fragen über Fragen - deren Antworten wir alle ihm schuldig sind. Damit das kleine Hänschen was Vernünftiges fürs Leben als erwachsener Hans lernt.

      Chefin - ich krieg heut mal nur euer Sparmenü und dem kleenen Jungen dort drüben in seinem Dortmund-Trikot bringste von mir 'n spendiertes Eis mit Himbeeren obendrauf! Das schmeckt besser als die unverdauliche Kost von Dembélé's Millionen.

      Schönen Sonntag, euer Herzblut :cool2:
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    • Tja, die ersten Anzeichen mit "Krieg dem DFB" davon hat es ja bereits gegeben. Dumm nur, wenn ein paar Hohlbirnen dann im falschen Moment den Schnabel nicht halten können - während der Schweigeminute mit Scheiß DFB anfangen ist schon niveaulos, aber Nazirufe geht einfach nicht in Stadien, überhaupt nicht, nirgends, das ist unterste Schublade.

      Selbt wenn man politische Meinungen hat, haben diese beim Fußball und in Stadien nichts verloren! Da kann links neben mir der überlste Neustadt-Punker stehen/sitzen, der jedem Paulianer Ehre machen würde und rechts neben mir der Skinhead mit weissen Schnürsenkeln in den Stiefeln - das interessiert mich nicht die Bohne, denn in den circa 2,X Stunden im Stadion sind die neben mir genau das Gleiche wie ich selbst - Dynamofans, deren Herzen für den gleichen Verein und die gleiche Mannschaft schlagen wie bei mir. Im Gegenzug verlange ich jedoch auch von Beiden, die Sachlage zu handhaben wie ich, im Stadion ist es scheiß egal und jede Form von Politik hat dort nichts verloren, für die Dauer des Aufenthalts muss man sich einfach mal benehmen können (von fußballerisch-typischen Aktionen abgesehen, dem gegnerischen Verein zubrüllen, dass er Scheiße ist, ist bspw. absolut im Rahmen).

      Wenn das jemand anders sieht, wie bspw. besagte St.Pauli-Fans - bitte. Solange man sich im Stadion benimmt, ist es mir wayne. Klappt Letzteres auch nicht, dann darf derjenige sich über die Konsequenzen dann aber auch nicht wundern.
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    • Ach Cerby, wenn du wüsstest...wir haben mal wieder haargenau den gleichen Dampf aufm Kessel.

      Ich hatte den heutigen Stammtisch vorgestern grad fertig geschrieben, mach die Glotze kurz vor dreiviertel Neune an und dann das. Bärendienst ist da noch weit untertrieben, die sch... in ihrer grenzenlosen Dummheit vor allen Dingen auch auf uns. Und die Reaktionen seitens des DFB und medial sprechen ja Bände, klasse Steilvorlage, zum Kotzen! Mir war am Freitag Vormittag schon bei paar Individuen mulmig, als ich im Regionalzug (aus Richtung Zwickau) aufm Weg zur Arbeit saß. Dann les ich zuhause von den 27 Dudu-Briefen der Polente an paar spezielle Fachkräfte und gleichzeitig vom Ticketing in Prag - der traurige Rest is bekannt. Diese Arschgeigen konterkarieren alles, was in den letzten Wochen endlich und mühevoll angestossen wurde. Wenn ich diese geistig minderbemittelten Hackfressen schon in Großaufnahme sehe (hoffentlich sehen es auch die, welche für die Konsequenzen verantwortlich sind)...richtig Cerby, die sollen von mir aus irgendwo draussen in der Pampa einen völkischen Veitstanz ums Lagerfeuer aufführen, aber ihr Weltbild im Stadion gefälligst verbal und visuell aussen vor lassen. Unterirdischer wie am Freitag gehts nich, denen sprech ich mit dieser riesen Sauerei jeden Sinn für Fandasein und ne kritische Auseinandersetzung mit dem Fußball ab, die missbrauchen uns einmal mehr als Plattform. Egal ob nun die wieder genannten FdO, HE oder in die gleiche Kerbe hauende Typen anderer Lager - hier ist ne rote Linie weit überschritten, rote Karte mit allen Konsequenzen dafür! Und dann halt auch raus aus den Stadien. Vielleicht sollte man im nächsten Heimspiel gegen Fürth die Schweigeminute demonstrativ wiederholen...
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    • Sonntäglicher Müßiggang mit eingebautem Lachfaktor

      Das Herzblut begrüßt wie immer seine erwartungsfrohen Stammtischgäste, das Lokal is auch sonst gut gefüllt, die Bierblumen sitzen bereits in nem strahlenden Weiß auf den Gläsern. "Heut lassmer's mal bissl ruhiger angehen. Die erste Runde und das Knabbergedöns gehen übrigens auf mich, weil man hat mich diese Woche museal quasi befördert - Glückwunschkarten, Präsentkörbe und leergesoffene Pfandflaschen sind mir im Anschluss an meinen heutigen Redeschwall auf allen Vieren und mit Hofknicks zu überreichen. Von lediglichem Schulterklopfen bitte ich aufgrund meiner inneren Abgehobenheit abzusehn...nee, gar nich wahr - die rechte Schulter hält sowas trotz feierabendlicher Schlepperei im Garten dann doch noch aus." Man klopft zustimmend und kichernd kurz aufn Tisch und es ist zu beobachten, dass die Sausäcke wie auf Kommando und nem Rudel Wölfen gleich, heute in kürzester Zeit die Salzstangen, Erdnüsse und Käsekräcker aus den Schüsseln futtern. Das Herzblut denkt sich "Banausen - die fressen och nor den Kitt ausm Fenster, wenns nüschd kost'!" und dann beginnt er zu erzählen, was ihn die letzten Tage so bewegt hat.

      Is diese Woche wieder viel passiert in der Welt: Irma fräste sich durch die Karibik und machte Hunderttausende Obdachlos, warum kann so'n Lüftchen nich woanders mal aufräumen, ich wüsste da paar Diktatorenpaläste auf dieser Welt...Wohl dem, wenn man da nen sicheren Unterschlupf hat. Ihr kennt ja sicher diesen Milliardär und Abenteurer Richard Branson. Der teilte uns vorm Eintreffen dieser stürmischen Irma mit, er würde sich mitsamt seiner Familie auf seiner Privatinsel Necker Island in den betonierten Weinkeller unter dem Haupthaus zurückziehen. Da dachte ich mir, na das is auch ma ne Ansage - Saufen gegen den Monstersturm. Herrn Branson beschlich auf dem Weg dorthin eine ungute Vorahnung: "Wie ich mein Team kenne, wird nicht mehr viel Wein übrig sein, wenn wir wieder herauskommen." :drink: Wieviel Kisten "Chateau Migräne" er nun bei ALDI NORD, bei LIDL und beim örtlichen Eiermann geordert hat, um den leergesoffenen Keller wieder voll zu kriegen - er hats mir leider noch nich verraten.

      Bei uns stand derweile so ne komische Frau (mit angegebenem Wohnsitz auf der deutschen Seite des Bodensee's, in der Schweiz aber gemeldet und halbierte Steuer zahlend) bei ner Redeveranstaltung im Fernsehen rum und konnte und wollte aber nicht reden. Dann fegte die Unternehmensberaterin und auch ehemalige Goldman Sachs-Bedienstete einfach wie ne angestochene Irma ausm Studio und ließ uns mit paar anderen Fachkräften alleine, die auch nicht sinnvoll reden können. Es aber unbedingt und pausenlos wollen, so wie in ihrem angestammten Parlamentswohnzimmer. Und sowas gibts ja auch in Sissi's Heimat, wir befinden uns in Wien. Wie man diese Woche von dort erfuhr, ist deren Schwafelladen nun ziemlich in die Jahre gekommen und bedarf einer 3-jährigen und 352 Mio teuren Sanierung. Und weil man anschließend nicht mehr alles verwenden kann und will, wird nun einiges an Mobliar durch ein Auktionshaus versteigert. Die Ledersessel der Abgeordneten sollen so in etwa für geschätzte 50 Euro pro Stück einen neuen Besitzer finden. Nun frag ich mich seit Tagen: Wer um Himmels Willen stellt sich so ein womöglich breitärschig ausgesessenes und vollgefurztes Teil in die Stube, womöglich auch noch von einem, dem man seine Stimme nie in die Urne geworfen hat? Naja, das Staatskasserl wird wenigstens narrisch, auch ohne Krankl und bis zum 19. September hat man noch die Möglichkeit, seine Penunzen loszuwerden. Vielleicht ja auch für die 12m lange Regierungsbank, für die sind immerhin noch 200 Euro veranschlagt. Es gibt halt für alles Sammler...

      ...so wohl auch für nen kompletten Baustellen-Maschinenpark. In Wesel/NRW staunte die Polizei dieser Tage auch nicht schlecht: Eigentlich wollten die nur bei nem 18-jährigen Kerl nen Haftbefehl vollstrecken, die anschließende Durchsuchung ließ dann wohl auch das eine oder andere polizeiliche Handwerkerherz höher schlagen. Dieser kleene Knilsch hatte doch allen Ernstes an 11 Orten deutschlandweit "eine 24-teilige Baustellengrundausstattung zusammengesammelt". Alles, was du so in deiner Hobbywerkstatt brauchst - Rüttelplatten, Presslufthammer und als besonderen Eye-Catcher auch ne Schaufel eines Minibaggers. :was: Zum Abtransport der 30.000 Euro "Sammlung" musste die Polente dann mit nem LKW anrücken, hoffentlich hams die Achsen ausgehalten und die Karre ging nich in die Knie.

      Bei ner so um die 50 Jahre alten Dame war hingegen die Achse durch. Die Szenerie: Geburtstagsfeier, es is nach Mitternacht, so ziemlich alles an wie weibliche Beute aussehenden Dreibeinen hat schon glasige Augen von der Weißweinschorle - also is unsre Ludmilla alleene offs Parkett und schlenkert verträumt vor sich hin. Ein wohl noch aufrecht gehender Bekannter und selbsternannter "Tanzkönig des Ortes" sieht das, ergreift ihre Patschehändchen und fordert sie zum Tanz auf. Dass sie nach eigener Aussage nicht so schnell tanzen könne war ihm schnuppe und los gings mitm Hüftgold schwingen. Irgendwann war so richtig Tempo aufm Kreisel, er ließ nur kurz los um sich selbst auch ma zu drehn und zack - da lag se off dor Schnauze. Und irgendwas war och gebrochen an der Frau gewordenen Plautze. Madame wollte nu Schadenersatz bei diesem Traumtänzer einklagen, das Landgericht Darmstadt meinte aber nee. Die Losgelassene ließ aber nich locker und ging zum OLG Frankfurt. Und das urteilte nun wie folgt: "Ein Tanzpartner haftet nicht für die Folgen eines Unfalls beim gemeinsamen freiwilligen Paartanz. Die Gefahr eines Sturzes beim Tanzen besteht grundsätzlich und war für alle Beteiligten, insbesondere für die Klägerin aufgrund ihrer fehlenden Paartanzkenntnisse gleichermaßen erkennbar." Kannste ja nu nichma sagen "Dumm gelaufen", muß wohl eher "Dumm getanzt und geflogen" heißen. Was bleibt is'n großer blauer Fleck und aufm Kleid vom Parkett der Dreck, nur der Tanzpartner bleibt nich - der is längst wieder weg! ;D

      Zum Schluss noch mal kurz zu denen, die wohl niemals von uns wieder weg sein werden. Vorgestern habsch noch gedacht: Na, nu hamse nen neuen Trainer und der Lenk is wieder als Co auf der Bank, könnse wieder rumwurschteln, bis der Helge die Sonnenbrille kurz abnimmt, salutiert und seinen Entlassungs-Silberblick aufsetzt. Wie ich nun übern Buschfunk erfuhr, hat wohl bei der neuerlichen Trainerfindung auch noch der Tedesco mit nem goldenen Tipp mitgewirkt, das Ergebnis von gestern is bekannt. Gut, war in Ingolstadt, der Kutschke bekommt sogar noch von unsren "Freunden" ausm Schacht ordentlich einen aufn Sack, löbliche Einstellung! Aber irgendwas machen die am Stolleneingang leider richtig und wenns mit dem Neuen auf der Bank irgendwann doch wieder kriselt - der Lenk hat dann sicher auch seinen Trainerschein in der Tasche. Einstellung, Mentalität und Ansprache stimmen bei dem, wie's aussieht, bis ins Detail. Und das muss man neidl...nee, das kotzt mich an! Und nu machen die einfach so weiter, geht doch ni! :motzen: :D

      Chefin, bring mir ma ä Glas Sekt, ä Schwarzbier und nen Rehbraten mit Steinpilzen und Klößen. In der Reihenfolge, habsch mor diese Woche echt verdient, muss das erstmal alles verdauen. Ich wollts nie glauben, aber mein Vater hatte Recht: "Aus dir wird ma noch..." Schade, dass du's nich mehr miterleben kannst, Prost mein Alter! :bierkruege:

      Und für euch wie immer nen schönen Sonntag, euer Herzblut. :winke:
      Drei Buchstaben, zwei Farben, eine Gemeinschaft
    • Auferstanden aus Ruinen

      ...und der Zukunft zugewandt...der Stammtisch ergänzt singend im Chor: "...nich tot zu kriegen, die erledigt schienen - Willkommen im Dynamoland!" Gutgelaunt und begeistert klatscht das Herzblut Beifall ob dieser ungeahnten Gesangseinlage, ein Sonntagsständchen am Stammtisch, das hat was! "Hior, ior Ehemaligen aus dor Ehemaligen, ior Weggegang'nen, Wiedorgekomm'nen un Hiorgebliem'nen - heute machmor ma bissl kultigen Geschichtsunterricht am Stammtisch und dor Herr Lehror Herzblut erwartet von euch, dass die Hausoffgaam' und das Gelernte von damals auf Nachfrage immor nor sitzen! Un ior Jungspunde offm Hoheitsgebiet dor Ehemaligen, habt'or gestern Ahmd ma vorm richt'schen Sender gebüffelt? Dann sollte das heute kee Problem mitm Kurzvortrag sein!" Er holt ne alte Melone raus und alle fragen sich, aus welchem Theaterfundus der den versifften Hut hat mitgehen lassen. Dann legt nen Zigarrenstumpel daneben, dazu ne alte Hebammentasche, ein abgewetztes kariertes Jackett, paar löchrige gelbe Socken, ne Stoppuhr und 3 leere Flaschen Tuborg. Die jungen Herrschaften in der Stammkneipe gucken blöde und wollen schon gehn, weil sie sich fürn sonntäglichen Trödelmarkt zu fein sind, is ihrer Meinung nach was für die alten Kadaver hier. "Hiorgebliem, ior Sägge - jetz kriescht ior von uns ma bissl ostdeutsche Pflichtbildung in eure verkümmerten Gehirne geblasen, hinsetzen un zwar Dalli, mior Alten ham euch was zu erzählen!" Er stellt seinen alten Kassettenrekorder aufn Tisch, drückt auf die Abspieltaste und eine Klarinette is zu hören:"Da da dadadaa, da da dadadaaa..." Der Stammtisch erkennt das Liedchen, ach was sag ich, diese Hymne schon bei den ersten Tönen, alles schunkelt feixend und am Tresen fängt die Kneipenwirtin mit wogendem Dekollete an zu singen: "Egon, Benni, Kjeld - reisen um die Welt..." :kreisel:

      Sie sind für uns, die wir's aus bekannten Gründen nich konnten, um jene Welt gezogen, die für uns so nah und doch so fern war. Kaum ein Kind kam in der DDR der 70er und 80er Jahre an ihnen vorbei, viele Schenkelklopfer vor lauter Lachen in noch so kleinen Kino's und auch vorm Fernseher blieben mehreren Generationen in allerbester Erinnerung. Und nicht Wenige, auch ich, haben in den Ferien so manchen wahren Gassenfeger der Olsenbande gleich mehrmals kurz hintereinander im Lichtbildtheater des Vertrauens genossen. Die Gefängnistür geht auf - der Dicke mit seiner Hornbrille und ner Hebammentasche, daneben der Lange mit seinen Hochwasserhosen und ner dreggschen Lache, beide winken sie mit kleinen dänischen Fähnchen und wir waren mit ihnen gespannt, was wohl Egon wieder fürn Plan aus dem Haus mit der gesiebten Luft mitbringt. In 14 Filmen begeisterten sie uns mit ihrem Ideenreichtum, wenns drum ging, Egon's Plan in die Tat umzusetzen, begleitet von ganz besonderen Ansagen, wie "Die Aktion startet um Sieben clock und Half past vier, Hurry Hurry!" :klatsch: Und so fuhren die 3 meist mit nem verrosteten Chevrolet vor, das heißt, wenn er nicht zwischendurch stehen blieb: "Ich hab getankt. Für 5 Kronen, letzte Woche!" Dann gings im Gleichschritt hintereinander - naja fast - zum Ziel ihrer Begehrlichkeiten, um auf abenteuerliche Weise die Sparbüchsen aus dem Hause Franz Jäger, Berlin "Der gute alte Franz" aufzubrechen. Das weckte wie gehabt Begehrlichkeiten bei anderen Ganoven und so kam meist auch das "Dumme Schwein" um die Ecke, um unseren Egon für immer ausm Weg zu schaffen. Ich könnte ungezählte Episoden aufzählen, die bei mir immer wieder Lachtränen hervorrufen. Weils aber den Rahmen sprengt, wie's in Sachen Sprengung nichmal Dynamit-Harry hinbekommen würde, nur mal eine stellvertretend dafür: Da klauen die doch bei der Armee in der Raucherpause mit ner Hebammenzange nen Panzer, fahren zu ner Konferenz und bringen den hypernervösen Kommissar Jensen "Hooollllllm!" ;D mit seinem übervollen Aschenbecher per Pfiffen durchs Panzerrohr zur Weißglut und die Putzfrau kann dann wieder die Fussel wegmachen, um zu guter Letzt dann doch noch ausm Leitz-Ordner im Regal einen zu heben. Hahahaha - Weltkulturerbe, sag ich!

      Der Erfolg der Olsenbande erklärt sich wohl hauptsächlich durch die überaus gelungene und unverfälschte Synchronisation der DEFA inkl. der Sprecher der einzelnen Charaktäre. Im Westen hat man's um 1990 rum mal mit ner Neusynchronisation, mit neuen Filmtiteln und dem anderthalb-stündigen Zusammenschneiden der Filme versucht. Ich hab damals 2 Filme mal aus Vergleichsgründen gesehn - der absolute Müll, dumm und ignorant der Handlung gegenüber - die waren einfach zu blöd und es ging wohl nur drum, sich vom Erfolg des ostdeutschen Kuchens paar große Stücke abzuschneiden. Wie halt überall damals. Sie sind grandios und wohlverdient daran gescheitert. :finger:

      In "Die Olsenbande stellt die Weichen" - gestern erst wieder im Heimatsender begeistert verfolgt - gibts ja auch dieses hölzerne Stellwerk, in dem der gute Børge als Lehrling seinen Dienst tut, um dem Trio zur Planerfüllung zu verhelfen. Dieses hatte seinen Platz in kopenhagen war nun alt und heruntergekommen und sollte eigentlich von der DSB abgerissen werden. Nicht mit den Fans! Vom Olsenbandenfanclub aus Leipzig kontaktierten 2 Mitglieder die dortigen Behörden, schaltete die Presse ein und rief ein Spendenkonto ins Leben, so um die 200.000 Euro hat man am Ende sammeln können. Was dann passierte, war Olsenbanden-würdig: Man verlud das Stellwerk auf nen Schwerlasttransport und ab gings über dänische Landstraßen und zu Wasser bis zum Eisenbahnmuseum Gedser im Süden Dänemarks, alles war Egon-like "Olroit". :D Und übrigens kam vor und nach dem Transport auch grad mal wieder die Polizei, ohne dass dies die gute Yvonne ankündigen musste. Letztes Wochenende gabs dort mit hunderten Fans und Ehrengästen die Einweihungsfeier für das bis ins kleinste Deteil restaurierte Gebäude. Auch Morten Grunwald, alias Benny war zugegen und er fand dafür mehr als warme Worte: "Eine fantastische Leistung, es gleicht einem richtigen Coup. Nur die Olsenbande und diese Jungs können so eine Leistung vollbringen." Jes Holtsø alias Børge pflichtete dem bei: "Jetzt kommt es auch innen ziemlich nah an die Filmversion heran. Solch ein Aufwand, selbst Kuchen und Kaffeetassen wie im Film sind da. Ich erinnere mich gern an die Dreharbeiten, wobei ein Großteil im Studio aufgezeichnet wurde." Da kommen also Ostdeutsche daher und retten das Vermächtnis der dänischen Helden ihrer Kindheit, Jugend und des Erwachsen seins. Ums mit Benny zu sagen "Mächtig gewaltig, Egon!" :nuke:

      Mächtig gewaltig war auch mal was anderes Ruinenmäßiges, wir bleiben zum Schluß mal kurz in Leipzig. Nach dem 2. WK wurde dort beschlossen, aus dem vielen Trümmerschutt u.a. ein "Zentralstadion" zu bauen, von 1954 bis 1956 schritten in etwa 200.000 Freiwillige zur Tat. Mit seiner Kapazität von 100.000 Sitzplätzen war es damals das zweitgrößte Stadion Europas, hier fanden die DDR-Turn- und Sportfeste (Politisierung inklusive), Leichtathletikveranstaltungen, Friedensfahrtankünfte und natürlich auch Fußballspiele statt, meist auch die Quali-Spiele der Nationalelf. Im Laufe der Jahre wurden hier einige Rekorde aufgestellt: Das Oberligaspiel zwischen dem SC Rotation Leipzig und dem SC Lok Leipzig 1956 bedeutet mit seinen 100.000 Zuschauern bis heute Zuschauerrekord für Punktspiele in ganz Deutschland. Zum Freundschaftsspiel zwischen dem SC Wismut Karl-Marx-Stadt und dem 1. FC Kaiserslautern kamen im selben Jahr offiziell angegebene 110.000 Menschen in diese Riesenschüssel, die WM-Qualifikation zwischen der DDR und der CSR verfolgten 1957 ebenfalls 110.000 Fans (es waren wohl sogar noch mehr) - das bedeutet bis heute gesamtdeutschen Rekord für Fußballspiele. Der damals so populäre Feldhandball trug sich ebenfalls in die Bestenlisten ein: Zum mit 19:14 gewonnenen "Länderkampf" mit der BRD kamen rund 80.000 Leute - es war immer gerammelt voll. Die Jahre vergingen, das Stadion blieb und in den 80ern machte dort u.a. auch ein Dresdner Rasenmäher Herrn Platini aber mal so richtig zur Sau, unser guter Stübs. Unvergessen auch dieses Wahnsinns-Europapokalhalbfinale zwischen Lok und Bordeaux und Rene Müllers Jagd auf den gallischen Hahn. Nach der Wende wurde die Schüssel immer maroder und die Stadt Leipzig ergriff die Gunst der WM-Stunde, um ein neues Stadion direkt ins alte hinein zu bauen. Bis, ja bis es von unsäglichen Herrschaften mit unsäglichen Zielen "eingenommen" und entweiht wurde. Das Zentralstadion verlor alsbald auch seinen Namen und diese Woche nun kam die Meldung, dass es Herr Kölmel für geschätzte 70 Mio an die ... GmbH und den ... e.V. (keine Schleichwerbung von mir für Werbeunwürdiges) verkauft. Ich hab ein Mal zu DDR-Zeiten dort drin gesessen - ich werde es in Erfüllung oberster ostdeutscher Fanpflicht nie wieder betreten. Die teils guten Erinnerungen an diese Ehemaligen-Schüssel aber bleiben, es war auferstanden aus Ruinen.

      Ach ja: Jedesmal, wenn ich nach der Arbeit die große, hölzerne Museumstür ins Schloss fallen lasse, fühl ich mich auch bissl wie Egon. Weil die klingt haargenauso wie "seine" Gefängsnistür. Nur winkt draussen nie jemand mit dänischen Fähnchen nach mir. Höchstens die nette Briefträgerin bläkt freundlich zu mir rüber: "Nu warte ma - ich hab nor ä Päckl for euch!"

      Wie gehabt so auch heute - schönen Sonntag, euer Herzblut. Und Skøl! :bierkruege:
      Drei Buchstaben, zwei Farben, eine Gemeinschaft
    • Ja, die Mächdich gewaldich Egon Nummer in Dänemark ist schön. Umso unschöner das Geschehen in Leipzig, aber hey, muss uns nicht interessieren oder jucken. Aus dem Weg gehen so gut es geht und ignorieren, ganz einfach.

      Da kam mir doch die Tage der Gedanke für einen perfekten Job für unseren @SektionDB - Pivo-Vorkoster im Stadion des FK Teplice! Ist DAS man ni der geilste Job für ihn überhaupt auf diesem Planeten? ;D
      Ehre! Stärke! Dynamo!
      - SG Dynamo Dresden -
    • Wie kommt man denn auf so ne Idee Cerby?

      Aber Recht haste, ich bin ja jedes Heimspiel dort und verkoste. Letzten Freitag kams mir besonders lecker vor, da habsch glei 4 Näppe gekuddelt. :bierkruege: :D

      Die Olsenbande is natürlich auch für mich Kult, genauso wie unser Buddy und Terence. Da zieht mich der Fernseher auch immer Magisch an. Wahre Helden des Films! :hutab:

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    • Roochen is nich gut für de Oochen

      Seitdem unsre Kneipenbesitzer die humanoiden Räuchermännchen per Dekret in ne Raucherecke nach Draussen beordert haben, siehts dort von Weitem manchmal so aus, als würde der Parkplatz brennen. so auch heute - das Herzblut schlendert gut gelaunt Richtung Eingang und sieht mehrere Grüppchen mit Glimmstengel zwischen den Pfoten. Ein paar von ihnen greifen schon auf die mittlerweile normale E-Variante zurück und tun so, als ob sie das Gesundheitsprogramm ihrer jeweiligen Krankenkasse inhalieren. Hier riechts nach Minze, dort nach Vanille und an der Treppe ganz rustikal nach Tabak. In einer Ecke hustet dazu einer gequält, dass man unweigerlich an Lungenhasché denken muss. Bloß schnell durch die Rauchschwaden und rein in die gute Stube. Nanu, irgendwie leerer als sonst, kann doch nich nur an die Quarzer draussen liegen? "Huhu, Herzblut. Na haste deine Kreuze an der richtigen Stelle gemacht?" Mensch stimmt doch, heut Abend schickt sich doch der Hosenanzug an, Helmut K. zu überflügeln. Er antwortet auf seine Art: "Nee, du. Ich hab wieder getippt wie'n blinder Ullmann, gestern hattsch nur drei Zweeor ohne Superzahl. Wars wieder nüschd, fälleischd sollt ich ma den Lottoschein umdrehn und die Kreuze off dor Vorderseite machen." ;) Seine und die gute Laune der anderen soll sich aber schnell ändern. Die Tür geht auf und unsre qualmenden Zeitgenossen betreten die Bühne. Vom Stammtisch bläkts: "Tür zu, 's zieht - nu bring' die och noch den Gestank mit rein, da tränen eenem ja die Oochen..." Das Herzblut wirft einer grad nach absolviertem Lungentapezieren mit reingekommenen und somit frisch geräucherten holden Maid einen Blick zu, den man durchaus mit "Heut nich, ich hab Migräne - komm nochmal bei mir vorbei, wennde nich so stinkst und mitm Rauchen offgehört hast" übersetzen kann. Und bevor er bei dem Mief zum HB-Männchen wird, beginnt er lieber mit seinen diesmal qualmenden Ausführungen.

      Letzte Woche sitz ich doch wie gewohnt aufm Heimweg in meinem Anschlussbus an unserer Zentralhaltestelle, "de Zenti". Nach 18 Uhr gibts bei uns immer ein Rendezvous, will sagen, alle Busse und Bahnen fahren immer zur jeweils selben Uhrzeit ab. Ich hatte in meiner Großraumlimousine noch bissl Zeit und beobachtete das Treiben im Haltestellenbereich, ein Potburri von zum Anschluß rennenden Leutchen und durch die momentanen Baumaßnahmen orientierungslosen Omis. Dazwischen ungezählte herumlungernde, sagen wir mal etwas dunklere Gestalten und direkt neben meinem Bus ein Joggingkostümbehafteter Familienclan von 2 Jungerwachsenen, deren Erzeugereltern und ihrer offenbaren Großmutter. Dass Letztgenannte in ihrer Familie die Geschminkteste und wohl auch Tätowierteste war, lass ich mal aussen vor. Beide Lendenfrüchte (etwa 14-15 Jahre) ihrer Tochter trugen Mützen der Himmelblauen aufm Dätz und hielten ne Dose in der Hand, bei dessen Anblick sich bei mir ausgeprägte Gewaltphantasien entwickelten. Ihr Stiefvater hielt sich derweile an seiner 5. Bierflasche fest,seine Angebetete schrie förmlich ins Smartphone, es ging wohl um wochenendliche Kinderbeaufsichtigung des leiblichen Vaters. Und alle 5e quarzten um die Wette, dass den Umherstehenden das innerliche Kaputtlachen förmlich anzusehn war. Die Kinder nebst ihrer immer noch rumschreienden Mutter hatten E-Zigaretten im Schandmaul, man will ja auch was für die Gesundheit tun. Der schwankende aktuelle "Vater" kaute auf seiner ziemlich ramponierten Zigarette rum und de Oma paffte genüsslich einen riesen Zigarillo. Ich sag euch: Wenn dort ein Rauchmelder gestanden hätte - man hätte die gesamte Zenti evakuieren müssen. :ohje: Auf der Haltestellenanzeige blinkte mittlerweile "Fährt sofort" auf, The smoking Family nahm nochmal nen ordentlichen Zug und alles davon nicht Verwertbare fand seinen Platz aufm Bürgersteig. Und dann gings rein. In meinen Bus. Scheiße! Nach 2 Haltestellen vernahmen alle Insassen ein Gekreische: "Wo fährt denn die Karre hin, Dreck - mior sitzen im falschen Bus..." Tja, ihr Spacken, das habter nu von eurem familiären Einnebeln der Haltestelle, roochen is nich gut für de Oochen.

      In Deutschland gibts ja für alles ne Behörde, so auch ne Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung. Und die erzählte mir diese Woche, dass nach ner Umfrage 2016 das bundesdeutsche Raucherverhalten bei Jugendlichen und Jungerwachsenen in den letzten 10 Jahren ein anderes geworden wäre - man greife immer seltener zur Zigarette. Bei den bis 17jährigen sank die Quote wohl von rund 25% auf 7%, bei den bis 25jährigen von 43% auf 26%. Soweit, so erstmal gut. Entgegengesetzt ist aber die Verrauchung so mancher anderen Mittelchen nach wie vor cool, in, trendy und mit noch anderen Anglizismen angesagt. Ob nu normale Wasserpfeifen oder Shisha's, der ganze andere Drogenscheiß oder der durch die entsprechenden Hersteller penetrante Werbefeldzug in Sachen E-Zigarettenkonsum: Gib dem Müll nen hypermodernen Namen, wickel das Zeug mit allen möglichen Aromen in ner ansprechenden Verpackung ein und ein nicht unbeträchtlicher Teil der Jugend merkt noch nich mal ansatzweise, was sie sich da auf die Lungen kleistert. Ich hab mir jetzt 2 1/2 Jahre lang unter Anderem das Shisha-Gerotze und Röcheln nebst Düften von der Schwererziehbaren in der Wohnung unter mir antun müssen, glaubt mir - manche verdienen im Irrglauben der eigenen Coolness auch nichts anderes, als ramponierte Atmungsorgane. :kotz: Im Speziellen von mir an einem der nächsten Stammtische mehr dazu.

      Nu gibts ja außer Tabak noch so ne wunderbare grüne Pflanze, die sich hervorragend zum Quarzen und in dem Fall bewußtseinserweiternd eignen soll. Letzte Woche gabs ne Story aus Baden-Württemberg, genauer aus St. Leon-Rot, die mich dbzgl. aufhorchen ließ. Es ging um einen 15-Jährigen, der bei Cannabis nich schwach wird, sondern rot sieht. Er bewunderte wohl im Hausgarten, was die Mama so alles angebaut hat und entdeckte auch 19 so komische Pflanzen mit großen gezackten Blättern. Kannte er noch nich, also ab ins Indornetz, um sich schlau zu machen. Dort fiel es ihm wie Schuppen von den Augen und da er wohl ein Anhänger von Recht und Gesetz ist, griff er zum Telefon und wählte den Notruf. :nuke: Die Polente kam schließlich auch, um zu ernten. Die Mutter hatte danach einen Hals und Schlagadern so groß wie Feuerwehrschläuche und wollte ihren Zögling auch für die Nachbarn hörbar sagen wir mal "züchtigen". Diese riefen nun auch die Polente und die gleiche Streife von eben kam wieder bei Cannabis-Uschi vorbei, um sie zu beruhigen. War aber mit der nicht zu machen und so nahmen die Freunde und Helfer ihren Sohnemann "zur eigenen Sicherheit mit aufs Revier" und schalteten das Jugendamt ein, jetzt ist er wohl in ner Jugendhilfeeinrichtung untergekommen. Gegen unsre Wutbürgerin wird nun wegen Drogenbesitz ermittelt und wie man erfuhr, hängt die Strafe unter anderem auch vom THC-Gehalt der Pflanzen ab. Ich sag mal: Wenn die regelmäßig mit Rinderdung oder Pferdeäppel gedüngt hat - wird'n sauteures Gartenjahr 2017 für die! Und nu reibt se sich de Oochen: Junge weg, Cannabis weg, großer Dreck. Ich sags doch - Roochen is nich gut für de Oochen.

      Lasst's euch schmecken, ich muss heut Nachmittag und Abend kostenlos für die Stadt arbeiten und einen Museumsstand betreuen, der städtischen Selbstbeweihräucherung Namens "Tage der Industriekultur" sei Dank. Und heut Abend steigt dann ja auch weißer Rauch auf und man verkündet uns: Habemus Mutti! Danach gehts für ihre Partei wochenlang mit den Koalitionsverehrern zum Rammeln in die Kiste, bis es qualmt. Und ob das Ergebnis gut für de Oochen is, muss jeder für sich selbst entscheiden.

      Schönen Sonntag, euer Herzblut. :cool2:
      Drei Buchstaben, zwei Farben, eine Gemeinschaft
    • Und is die Hektik noch so groß...

      ...kurze Auszeit, Messer und Körbchen eingepackt - und schon gehts los. Das Herzblut schlurft zur Stammkneipe und er sieht heut in seinen urigen Wanderklamotten aus, wie der Stülpner Karl auf der Fahnenflucht. Er betritt mit nem Küchentuch bedeckten Korb in der Hand das Lokal und wird von seiner wartenden Meute schon von Weitem feixend und mit Gebrüll begrüßt: Nu Mensch Herzblut, wie hat dich denn de Muddi heute of de Straße gelassen? Biste gar der böse Wolf und haste das Rotkäppchen schon gefressen und schenkst uns nu der ihr'n Korb? Chefin horche ma - mir glauben fast, der brauch heut nichts hinter de Kiemen, der is schon satt, hahaha..." Er läuft diesmal nicht gleich zum Stammtisch, sondern zur Kneipenwirtin. "Du, kannste mir davon heut paar mit aufn Teller knallen und wennde och welche ham willst, nimm dir ruhig, soviel wie du brauchst." Die Wirtin: "Oahr nee, ich denk, dieses Jahr is kee richt'sches Pilzjahr, wo hast'n die gefunden?" Ein verschmitztes herzblütiges Lächeln, kurze und herzliche Begrüßung am Stammtisch und schon beginnt er mit seiner Geschichte.

      Meine Affinität zum Aufstöbern von Fruchtkörpern der Wald-Mykorrhiza ist ja bereits hinlänglich bekannt. Und weil ich vor meinem nun 1wöchigen Kurzurlaub privat und jobmäßig verdammt viel um die Ohren hatte, gings bereits letzte Woche mal in die Wälder östlich von Chemnitz, um den Kopf freizubekommen, Sauerstoff zu tanken und den alten Pilzkorb mal wieder seiner wahren Bestimmung zuzuführen. Mehrere "Erfolgserlebnisse" verzeichnete ich dabei schon auf der Anreise in den Märchenwald. Frisch gestärkt gings frühmorgens die 10 Minuten zu Fuß zum Bahnhof Chemnitz-Hilbersdorf. Rechtzeitig Daumen und Zeigefinger an die Nasenflügel gedrückt und ab durch die von gewissen Individuen von oben bis unten vollgepisste Röhre zum Bahnsteig 2. Eine genauere Beschreibung dieser inkontinenten und respektlosen Herrschaften unterlass ich in meiner sonntäglichen Milde, auch wenn man "das wohl mal sagen" darf. Oben angekommen meine Handklammer wieder von der Nase - ahhh, tief Luft holen, Erfolgserlebnis Nr1. So, erstmal den mit allen möglichen Partei- und Vereinsstickern dekorierten Fahrplan begutachten: Nanu, am Gestell der Fahrplanhalterung klebt über einem lila Sticker ein himmelblauer und dort drüber noch der eines gewissen KGB - sind die Russen etwa...oder wer könnte das nur gewesen sein? Grüße nach Löbtau, hähä! :floet: ;) Da wolln'wer doch mal gucken, wo auf der Strecke grad mal wieder gebaut wird und wieviel Verspätung mir die MRB diesmal schenken möchte. Was, nur 10 Minuten - ihr lasst nach, also das könnt ihr besser! Na gut, dann eben die Bank vom Müll befreien, erstmal setzen und die Morgensonne genießen. Hoi - was liegt denn neben mir in der Sitzschale? Ein 2-Stunden-Fahrschein und noch 40 Minuten gültig, ich dank dir, oh du unbekannter edler Spender. Heute is mein Glückstag, Erfolgserlebnis Nr. 2. Irgendwann kam dann wie versprochen die silbergrüne Blechbüchse, brechend voll und wie so oft fluchende Radfahrer, die den Idioten von Zugkonstrukteuren wegen viel zu kleinen Abstellmöglichkeiten die Pest an den Hals wünschten.

      "Nächster Halt, Flöha" - nur noch raus hier! Nach 10 Minuten Spaziergang tat sich endlich dieser herrliche riesengroße grüne Vorhang vor mir auf. Meine Birke am Waldeingang wurde von mir wie immer mit "Hallo Birke" begrüßt, sogar mein Stöckchen zum Laub wegfegen lehnte noch vom letzten Jahr am Stamm. Und wie jedes Jahr das gleiche Ritual: Rucksack auf, Korb raus, Wackelmann raus fürn ordentlichen Schluck und los gings. Da ich wie so viele Pilzesammler nen gewissen Spleen mit mir rumtrage, lag das Pilzmesser wie immer locker in der rechten Hand und zack - schon kams zum Einsatz. Ein Prachtexemplar von Birkenpilz direkt an meiner Birke! Und so wie jedes Jahr wurde auch diesmal der erste Pilz der Saison direkt am Tatort fotografiert. In den nächsten 3 Stunden bekamen noch viele seiner Kollegen und auch Verwandten einen Liegeplatz in meinem Korb. Knapp 2 kg sinds am Ende geworden, die ungläubigen Blicke mancher mir entgegen kommenden Fachkräfte von "Sammlern" mit ihren Plastebeuteln waren mal wieder ein Hochgenuss. Eine junge Frau mit absolut unpassendem Schuhwerk und ihrem kleinen Sohn im Schlepptau stellte mir z.B. die Fragen aller Fragen: "Wo hamse die denn gefunden?" Meine ehrliche Antwort: "Im Wald!" ;D Also der Kleene hat auch gelacht, der hat meinen Witz verstanden ("Mama, der lustige Onkel will uns veräbbeln"). Zwischendurch auf nem abgesägten Baumstamm ne kleine Rast, ä frisches Breznak inhaliert, Brodl nebst frisch geräucherter Knacker dazu und in der Ferne strahlt die Augustusburg durch die Baumwipfel, hallo Streß und Ärger - leckt mich am Allerwertesten!

      Glücklich und zufrieden gings mit vollem Korb wieder zum Bahnhof, die Jugend von Flöha fröhnte wie immer auf den Bahnsteigen ihrem gelangweilten Beisammensein. Also, ich früher in dem Alter hab da ganz andere ... aber lassen wir das. Mein Zug zurück kam diesmal pünktlich, Plätze waren auch genug frei, also erstmal in den Polsterstuhl fallen lassen und die Quanten ausstrecken. Dauerte nich lange, da kam die Zugbegleiterin. Ä ganz flotter Feechor, sach ich euch, man kennt sich bereits durch viele Zug inseitige Aufeinandertreffen. So wurde ich schon von Weitem erkannt und beim Näherkommen sieht diese staatlich geprüfte Fahrkartenstanzerin dann meinen übervollen Pilzkorb. Ich bin nur selten fürn ersten Moment sprachlos, aber diesmal wars soweit. Denn mein Ticket war offenbar Nebensache, stattdessen säuselts in meine Richtung: "Na Hallo - ich bring zwee Flaschen Bier mit, wann wolln wer'n essen?" :D Man fachsimpelte noch kurz über die beste Hanglage von Steinpilzen und das sauer Einwecken von noch kleinen Hallimasch, dann ging jeder seiner Wege, ich stolperte in meinem Fall ausm Zug raus. Leider vergas ich dabei das Ding mit Daumen und Zeigefinger - boah, was für'n Gestank, diese Schweine aber auch! Zuhause angekommen brauchte ich die braunen Waldedelsteine gar nicht allzu viel putzen, eine Pfanne fürs herzblütige Bäuchel, der Rest wurde eingefrostet oder getrocknet. Das Leben ist schön!

      Ja und die Tage bin ich wieder mitm Zug unterwegs und da seh ich doch von Weitem...na ihr wisst schon. Artig zeig ich meinen Fahrschein und dann kam von mir ne kleene Retourkutsche: "Nu hee, ich hab den ganzen Ahmd gewartet. Habsch ähm die ganze Pilzpfanne alleene gefuttert - und ni ma ä Bier hattsch dazu, tüchtsche Lumperei!" :ohje: Hat gesessen, es is einfach herrlich, wenn zweeä herzhaft lachen und alle anderen blöde durch die Luft gucken und nur Bahnhof verstehen.

      Oahr Chefin, du bist die Beste - wie das duftet, bring mir ma noch ä Schwarzes dazu...

      Guten Hunger auch für euch und schönen Sonntag. Euer Herzblut :winke:
      Drei Buchstaben, zwei Farben, eine Gemeinschaft
    • "Nu sache ma Herzblut...

      ...haste fälleischd ma ne Schmieche mit?" - säuselt ausm Munde der Kneipenwirtin. "Unsre Heizungsverkleidung is ziemlich lawede, die müsste dringend ma wieder ausgebessert wärn. Sonst dadschen die mir dauernd alle meine Pflanzen ofm Fensterbrett an. Isch komm bloß mit meiner Hitsche ni nan zum Ausmessen. Kannste fälleischd ma...krieschst och was Schnärbsliches zum Essen!" Huch, denkt er sich, deine helfende Hand wird ma wieder gebraucht, da saachn mior doch nich nee. Klar hatter bissl Werkzeug dabei, er will ja heut noch in den Garten. Der Sturm diese Woche erfordert die eine oder andere ungeplante handwerkliche Friemelei, bevor der Geräteschuppen am Ende noch zur Hornzsche wird. Und so hebt er mitm laufenden Akkuschrauber in der Hand selbige zum Gruße am Stammtisch und alle wissen - er is selbst am Sonntag in seinem Element. :klatsch: Aus der Ecke hört man ein lachendes "Salve, Holzwurm, aber damber dort driem ni so lange mit däm Holzgelumbe rum, sonst verpasste och noch's Kaffeetrinken und deine Eiorschegge."

      Er gibt sich Mühe, der handwerklichen Dinge schnell aufn Grund zu gehen und ruft der Kneipenwirtin zu: "Bring mir ma nen Asch, sonst sau ich alter Blaadsch mir mit deinem Gemüse ofm Fenster noch de guten Klamotten ein!" Fischelant, wie er is, wird der ganze Kladderadatsch in Windeseile ausgemessen, nur die Dämse an der Heizung macht ihm zu schaffen, da leeft ihm de Briehä. "Chefin, morschn habter ja zu. Holt da ma ausm Baumarkt 10 Bretter 25cm breet und lasst se euch glei off'n Meterfuffzsch zurechtschneiden. Ich komm dann am Nachmiddach ma zwee, drei Stunden vorbei. Farbe und Schrauben braucht'dor keene mitbringen, habsch alles da, im Keller liechn och noch paar Bichsn Lacklasur. Was, nee - ich will nüschd davor ham. Mior trinkn danach scheen Gaffee, machste ne Bäbe dorzu un färdsch is dor Lagg, meine Gudä." Vom Stammtisch erschallts: "Oahr - un mior?" Er wäscht sich kurz die Hände, setzt sich zu ihnen und meint nur: "Ihr, ja ihr lauscht ma lieber, was euch der Onkel Herzblut gleich so erzählt. Ihr könnts euch fälleischd ja schon denken."

      Liebe Leser, der Autor hat nich einmal zuviel an der Verdünnung geschnüffelt und es handelt sich nach überstandener Grippe auch nich um geistige Überreste des Genusses von Fenchelsirup. Alle Jahre wieder, so auch diesmal: Diese Woche wurden die sächsischen Wörter des Jahres 2017 gekürt. Angeleiert hat das 2008 die Ilse-Bähnert-Stiftung, in der Jury sitzen seit jeher Tom Pauls, der Journalist Peter Ufer und andreas Berger vom MDR-Sachsenradio. Dieses Jahr war auch die Tochter von Jürgen Hart "Sing, mei Sachse, sing", Elisabeth Hart mit dabei. Mit dieser volksnahen Aktion möchte man die sächsische Mundart pflegen, ihr als Teil der deutschen Sprache einen Ehrenplatz geben und vom Aussterben bedrohte sächsische Wörter versuchen, zu retten und in Erinnerung zu bringen. Und immer im Frühjahr dürfen die Sachsen ihrem Sprachgebrauch freien Lauf lassen und entsprechende Vorschläge für das schönste, das bedrohteste und das beliebteste Wort einreichen. :nuke:

      Dieses Jahr standen der Jury letztendlich zur Auswahl: Ämmes (für seine Verhältnisse ein großes Ding), andadschn (für anfassen), Bäbe (für Rührkuchen), dambern (für warten, stehen oder unruhig sein), driem (für drüben, auf der anderen Seite), ergaddern (für etwas Seltenes bekommen, gerade noch so etwas kriegen), kaubeln (für tauschen), fänsn (für weinen), forhäddern (für sich versprechen oder in Schwierigkeiten geraten) und Geigl (für Spiel, sinnlos beschäftigt sein). Ich hatte de gudä alde Schmieche, därrwenzsch und Gliddschor zu Protokoll gegeben. :D Am 3. Oktober wurden nun die 3 sächsischen Wörter (oder sagt man Worte?) des Jahres gekührt. Das schönste Wort des Jahres is die Schmieche - kein waschechter Sachse sagt dazu Zollstock, Gliedermaßstab oder Meterstab. Das beliebteste Wort war diesmal "andadschn" und bedeutet im Hochdeutschen soviel wie antasten, anfassen, etwas oder jemanden berühren. Man beachte auch die Verwandtschaft zum englischen "touch", das ham de Angelsaggsn mit of ihre Insel genomm'. Das bedrohte Wort des Jahres ist diesmal eins, was ich tatsächlich schon im Sprachgebrauch vergessen hatte - de Reformande. Und dies bedeutet soviel wie ne ordentliche Zurechtweisung, ein Verweis oder auch ne Strafpredigt. Glückwunsch den 3en und mögen auch im kommenden Jahr die Wörter nur so aus dor Gusche nausloofen. :afi: Und dies wohlgemerkt bitte weech - denn de Weechn besiechn bei uns immor de Hardn!

      Die Chefin serviert und merkt gar nicht, wie dabei ihr Daumen auf des Herzbluts Teller in der Soße verschwindet. Er gibt vorm Essen deshalb noch einen zum Besten: "Bei nem Kind würdste jetz saachn - nu hastes angedadschd, nu musstes och essen, hähä. Nee, alles in Buddor - gäb ma her, ich hab Hunger!" :ohje:

      Habt'er och was Schnärbslisches ofm Dellor? Na dann lassts euch schmecken.

      Und schönen Sonntag. Euer Herzblut :winke:
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    • Wenn sich der Freitag der 13. sagt...

      ..."Mit dir bin ich noch nicht fertig, ich hab mir noch was ganz Besonderes für den 14. für dich aufgehoben!"

      Die Wirtin kommt heut mit etwas ernsterer Miene zum Stammtisch und einer fehlt in der Runde. Sie nimmt die Bestellungen auf und auf die Frage nach dem Herzblut erwidert sie: "Ich soll euch Bescheid sagen, er kann heut aus persönlichen und familiären Gründen leider nicht kommen, seine ganze Kraft und Hilfe wird jetzt woanders gebraucht. Ich soll euch trotzdem viele Grüße ausrichten, einen schönen Sonntag und er hofft, vielleicht nächsten Sonntag wieder am Start zu sein. Wo er grad mal zur Ruhe kommen wollte, alles Sch..." :(
      Drei Buchstaben, zwei Farben, eine Gemeinschaft