Auschwitz, 70 Jahre danach- und wir...

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    • Auschwitz, 70 Jahre danach- und wir...

      Wir haben ja nun gehört wie wichtig vielen Islamjägern die Auseinandersetzung mit dem Antisemitismus der Islamisten ist.
      Nun, zum 70. Jahrestag der Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz kam dann allerdings auffallend wenig. Vielleicht liegts ja an einer gewissen Grundstimmung.



      Eine Betrachtung von Andreas Zick, Professor für Sozialisation und Konfliktforschung und Leiter des Instituts für interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung an der Universität Bielefeld, anlässlich des Tags des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus.


      " Warum noch erinnern? So könnten wir provokant fragen. Die Studien des Instituts für Interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung (IKG) der Universität Bielefeld zum Phänomen der Gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit lassen die Frage geradezu wissenschaftlich zynisch erscheinen, berücksichtigen wir, wie viele Menschen in Deutschland 70 Jahre nach Ausschwitz einen Schlussstrich unter die Geschichte des Nationalsozialismus setzen möchten. Nunmehr zwölf Jahre lang haben wir den deutschen Zustand beobachtet und vermessen. Wir haben insbesondere nach den Menschenfeindlichkeiten und anti-demokratischen Einstellungen, jüngst aber auch der Willkommenskultur und den Meinungen zur Integrationsgesellschaft gefragt. Wir haben über Jahre berichtet, wie ein hartnäckiger Teil von circa zehn Prozent der Bevölkerung hartnäckige antisemitische Vorurteile mit rassistischen Zügen pflegt. Wir haben darauf hin oft vernommen, dies sei ein unbelehrbarer Teil der Bevölkerung. Es sind aber nicht jene zehn Prozent Antisemiten, die vor 20 Jahren bis heute identisch sind. Es sind zehn Prozent, die sich stabil in der Gesellschaft erhalten, von Generation zu Generation, bis heute. Es sind auch nicht jene, die sich in rechtsextreme oder jihadistische Zellen zurückziehen und von dort aus Gewalt ausüben und den Antisemitismus zur Legitimation von Terror und Mord pflegen. Solche haben sich längst aus der Gesellschaft verabschiedet.

      Mögen uns kleine Mengen beruhigen, muss der weitere Blick zumindest verstören. Es wird kaum gelingen, den Antisemitismus wegzureden. Wir sehen, wie sich jeder Zweite der von uns befragten Bundesbürger darüber ärgert, dass „den Deutschen auch heute noch die Verbrechen an den Juden vorgehalten werden“. Eben so viele meinten noch im September letzten Jahres, sie wären „es leid, immer wieder von den deutschen Verbrechen an den Juden zu hören“. Hier drückt sich ein sekundärer Antisemitismus aus, der die Repression des Antisemitismus, die Entdeckung der Antipathie umgeht und von einer Schande befreit sein möchte.

      Wie aber soll diese Befreiung möglich sein, wenn die Erinnerung erst gar nicht zugelassen wird. Alexander und Margarete Mitscherlich analysierten vor 52 Jahren die Unfähigkeit der Deutschen, zu trauern, nachdem diese ihre starke Führung verloren hatten. Im vergangenen Jahr meinten einundsechzig Prozent der von uns Befragten in der Studie ZuGleich (Zugehörigkeit und Gleichwertigkeit) es wäre „gut, wenn unsere Traditionen zunehmend wiederbelebt würden“, und eben so viele meinten: „Es ist wichtig, dass wir unsere Identität, Werte und Eigenschaften wieder stärker in den Mittelpunkt rücken“. In der Studie „Fragile Mitte – Feindselige Zustände“ stimmte gar ein Viertel der Befragten zu: „Was Deutschland jetzt braucht ist eine einzige Partei, die die Volksgemeinschaft insgesamt verkörpert.“ Müssen wir heute angesichts der Reflexe, Traditionen gegen Vielfalt zu stellen, Menschenfeindlichkeit kleinzureden und lieber ein glanzvolles von Nationalfahnen belebtes Identitätsgefühl in den öffentlichen Raum zu bringen, nicht eher eine Unfähigkeit, uns zu erinnern, befürchten? Wenn die Eltern nicht getrauert haben, an was können wir uns dann erinnern und wie ermöglichen wir überhaupt eine Erinnerung, die uns schützt und nicht „Jüdisches“ zum einfachen Appendix an das Abendland verkümmern zu lassen?

      Die stete Beobachtung und Verfolgung von Menschenfeindlichkeit ist eine mögliche Erinnerungskultur, in der sich das Gedenken an Opfer erhält. Das ist ein unangenehmer Weg, aber auf ihm sind Menschenrechte und Grundrechte entstanden. Vergessen wir dabei am Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus auch eines nicht: In Ausschwitz und anderen Konzentrations- und Arbeitslagern war nicht nur Jüdinnen und Juden jeder Freiheit und Rechte beraubt. Der Rassismus des Nationalsozialismus richtete seine menschenvernichtende Ideologie gegen viele Gruppen, die wir in unseren Studien als Zielgruppen der Menschenfeindlichkeit beobachten: arme, arbeitslose, gleichgeschlechtlich Liebende, behinderte Menschen, Sinti und Roma, politische Gegner des Systems. Menschenfeindlichkeit kommt nie alleine daher. Die Menschenfeindlichkeit sucht den Bruder, die Schwester und die Verwandten der „Unterrassen“, der „Abweichenden“, der „Minderwertigen“. Auch das lehrt Ausschwitz. Und wir könnten überlegen, wie die Ökonomie der Vernichtung von lebenswertem und minderwertigem Leben einem Denken entspricht, dass Leben nach Nutzen beurteilt. Wir sind gehalten, zu prüfen, wie stark sich auch dieses Denken erhalten hat, oder in zeitgemäßer Form den Weg bahnt.

      Der Philosoph und Soziologe Theodor W. Adorno hat 1966 gefragt, wie Erziehung nach Ausschwitz möglich ist. Wir könnten am Gedenktag nach der Bildung nach Ausschwitz fragen, wenn wir schon die pädagogische Frage nicht stellen möchten, die so wichtig wäre. Angesichts der Tatsache, schon 70 Jahre weit von ‚Ausschwitz’ entfernt zu sein, drängt sich die Frage auf, wie eine Erinnerung gelingen kann. Im Rassismus und Rechtsextremismus ist diese Erinnerung als Vision der Vernichtung erhalten. In der Menschenfeindlichkeit der modernen Gesellschaft wird das Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus um das ausradiert, was die Opfer erzählen. Es wurden Mitglieder von Gruppen vernichtet und verfolgt, es waren aber Menschen, die zu Gruppen gehören, die das heutige Deutschland ausmachen. Ein Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus trägt uns auf, eine Antwort auf die Frage zu geben, was menschlich ist. Das können wir nach Ausschwitz nie mehr alleine beantworten. Es ist eine Frage an die demokratische Gemeinschaft."
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      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von katsche ()

    • Da fällt mir wieder das Zitat des israelischen Pyschoanalytikers Zvi Rex ein: "Die Deutschen werden den Juden Auschwitz nie verzeihen."

      Es wird natürlich immer schwieriger, den nachkommenden Generationen das Grauen dieser Zeit und die daraus folgenden Lehren zu vermitteln. Vor allem jetzt, wo die letzten Zeitzeugen die Bühne verlassen. Ich durfte in der Schule ja noch einen Max Mannheimer erleben, was neben einem Besuch in der KZ-Gedenkstätte Dachau die eindrucksvollste, beklemmenste und einprägsamste Erfahrung im Zusammenhang mit diesem Teil der Geschichte war.

      Ich halte es für extrem wichtig, gerade ältere Kinder und Jugendliche mit diesem Abgrund zu konfrontieren. Nur eine entsprechende Bildung (intellektuell und emotional) ist ein wirkungsvolles Schutzschild gegen alle Formen von Rassismus / Antisemitismus. Es gibt neben vielen Dokumentationen ja auch einige sehr gute Spielfilme. Das Tagebuch von Anne Frank sollte Standardlektüre in allen Schulen sein, ebenso sollte der Besuch einer KZ-Gedenkstätte zum Pflichtprogramm gehören. Wer in jungen Jahren eine Ahnung von der Dimension von Auschwitz vermittelt bekommt, wird das immer in sich spüren. Beim Namen Auschwitz muss jeden Menschen sofort ein Gefühl von Scham, Trauer, Ohnmacht und Zorn befallen. Wer das nicht fühlt, hat seine Menschlichkeit verloren.
    • Hightower schrieb:

      Wenn ich an Auschwitz denke, denke ich an unzählige Tote.
      Aber Scham,Trauer,Ohnmacht und Zorn? Nö,warum sollte ich das fühlen?


      Auschwitz ist etwas was in der Menschheitsgeschichte tatsächlich einmalig ist. Es gibt Bergen-Belsen, Buchenwald, Dachau- schlimm, widerwärtig.
      Es gibt sogar Menschen die, wenn man ihnen damit kommt, Katyn oder 9/11 anbieten, was schon unbegreiflich ist. In Buchenwald war ich x-mal mit meinem Vater , der mir seine Baracke zeigte, der mir zeigte wo man die Leute per Genickschuß hinrichtete, der mir zeigte, wo man die Leute in ein kinnhoch gefülltes Becken stellte und einfach wartete, bis sie ermüdet ertranken. In die baracken wo die jungen Kommunisten die Wärterinnen befriedigen mussten, damit diese die älteren Insassen wenigstens vorübergehend in Ruhe ließen. Alles übel, aber kein Vergleich...

      Auschwitz ist anders. Auschwitz ist der geplante, industriell ausgeführte Massen-Mord - die technokratische Verbindung von benachbarter Industrie, Rassenwahn und gründlicher Verwertung.
      ich war das erste Mal mit 13 in Auschwitz- und ich gebe zu, dass ich da zu jung war- ich war komplett fertig mit der Welt. Beim 2. Mal war ich 16- und ich erinnere mich: wir konnten das Blut und den Aschestaub riechen- was nur Einbildung war, klar- aber das Kopfkino war unbeschreiblich. Pubertierende Flegel waren stundenlang mucksmäuschenstill. Es waren gar nicht die Worte des polnischen Begleiters, es war der Ort. Wir wussten einiges aus dem Unterricht, aus der Vorbereitung auf den Besuch.
      Scham? Ja, durchaus, das ist doch nichts Schlimmes, tut nicht weh, macht nicht kleiner. Ein zivilisiertes Volk hat wissentlich millionenfach aus niedersten Gründen gemordet.
      Zorn? Doch, ich hätte zig Verwandte mehr...und ich habe, das merkt man mir sicher an, unendlichen Zorn auf Menschen, die die Geschichte umschreiben, verharmlosen oder gar wiederholen wollen.
      Trauer? Doch, auch die. Ich gebs zu, vorgestern, beim wiederholten Betrachten der Dokus (einige -gerade leider die nächtlichen- waren extrem eindrucksvoll) gings mir nicht gut.
      Ohnmacht? Ok, die hab ich nur sekundär. Manchmal wirst du vor Wut ohnmächtig, Wut über jeden Rassenwahn, über diesen verlogenen spießigen , schleichend daher kommenden miesen Hass aus angeblicher "Besorgtheit" um unser, achtung Kampfbegriff, "Abendland".


      Auschwitz ist für mich Verantwortung. Nicht gebückter Gang, nein: Verantwortung.

      Denn ich habe, das gehört halt zum Erbe, den Buchenwaldschwur meines Vaters übernommen- und den verbinde ich (ohne Pathos, nicht falsch verstehen) umso mehr mit Auschwitz. Ich bin leider nicht oft am Grab meines Vaters, lege dann aber das Steinchen obenauf und wünsche mir, dass er ein klein wenig stolz drauf ist, dass wir wenigstens im Ansatz versuchen, seine Idee vom humanistischen Miteinmander fortzuführen.
      „Wir stellen den Kampf erst ein, wenn auch der letzte Schuldige vor den Richtern der Völker steht. Die Vernichtung des Nazismus mit seinen Wurzeln ist unsere Losung. Der Aufbau einer neuen Welt des Friedens und der Freiheit ist unser Ziel. Das sind wir unseren gemordeten Kameraden und ihren Angehörigen schuldig“


      sorry, bißchen sentimental, aber das ist halt das Vermächtnis. Und ich habe tatsächlich den Eindruck und die Hoffnung, dass die ganz Jungen heute mit diesem -ohne Selbstgeißelung- wieder etwas neugieriger und verantwortungsvoller umgehen.
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      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von katsche ()

    • katsche: Was meinst du mit auffallend wenig???
      Jauch hatte am Sonntag ne Sendung zum Thema.
      Montag kam so ein Aufklärungsfilm der Alliierten, vorher eine Doku
      Und auf ZDF Info und Phoenix läuft das Thema den ganzen Tag rauf und runter ...

      Ich würde nicht sagen, dass da zu wenig kam. Wer es sehen wollte, hatte genügend Möglichkeiten ...
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    • Wir haben für das nächste Jahr eine Urlaubsreise nach Krakau geplant. Neben Plaszow (dort wo Amon Göth als Lagerkommandant seine unfassbaren Verbrechen begangen hatte) wird auch das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau auf dem Programm stehen. Das wird hart, man darf jedoch nicht weglaufen vor der Geschichte. Viele sind der Meinung: es ist doch eigentlich alles dazu gesagt und erzählt worden, aber genau das ist es eben nicht.
    • Doch, wenn man sich die von mir angeführten Sender und die Sendungen zu diesem Thema anschaut eigentlich schon.
      Aber natürlich ist es eine ganz andere Hausnummer, wenn man es vor Ort sieht ... :schulterzucken:
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    • Hartplatz schrieb:

      Beim Namen Auschwitz muss jeden Menschen sofort ein Gefühl von Scham, Trauer, Ohnmacht und Zorn befallen. Wer das nicht fühlt, hat seine Menschlichkeit verloren.

      Das Gefühl von Ohnmacht in Zusammenhang mit Auschwitz bzw. dem Holocaust kann ich nachvollziehen, auch einen gewissen Zorn. Trauer hingegen empfinde ich nicht, das kann ich für eine Masse einfach nicht empfinden. Für Einzelschicksale, vor allem nahe Schicksale kenn ich Trauer, aber die Opfer des Holocaust sind für die meisten doch eher eine gesichtslose Masse, zu der man auch keine Verbindungen hat. Und auch den Punkt Scham versteh ich nicht, warum und für was sollte ich mich schämen, im Umfeld mit Auschwitz?
    • Coby90 schrieb:

      Doch, wenn man sich die von mir angeführten Sender und die Sendungen zu diesem Thema anschaut eigentlich schon.
      Aber natürlich ist es eine ganz andere Hausnummer, wenn man es vor Ort sieht ... :schulterzucken:

      Es ist zwar alles dazu gesagt und verfilmt worden, aber deswegen darf man es nicht vergessen und ist durchaus in der Pflicht das Thema an die nächste Generation weiterzugeben, um diese darüber zu informieren

      Und ja, vor Ort ist es definitiv was anderes als über Filmmaterial
    • das Entscheidende für mich ist, dass man a.) es nicht als Betriebsunfall der Geschichte sieht, b.) als deutschlandspezifisch betrachtet und c.) daraus Schlüsse zieht.

      Hitler war kein Irrer der ein paar Millionen Menschen killte. Das war -und das ist das besondere- ein hoch effizientes Vernichtjungslager. Hier ging es nicht um das billige Inkaufnehmen von Toten wie im Gulag oder eben in anderen KZ. Hier ging es -in engster Zusammenarbeit mit der Industrie- um die Tötung und die Verwertung "unwerten Lebens". das hebt Auschwitz heraus, macht es noch schlimmer als das Schlimme.

      Menschen werden sowas so pder ähnlich immer wieder Menschen antun, wenn man es nicht verhindert.
      Stalin, Pol Pot, Mao, IS- da stehen zig Millionen Tote, geschlachtet von Menschen. Im Namen einer irren Ideologie bzw. ihrer wirren Auslegung, gepaart mit Personenkult, klar.
      Das ist immer wiederholbar. Deswegen ist jede Form von Hass auf Menschen ihrer Religion, Ideologie oder Rasse wegen schlichtweg anzuprangern. Und das fängt halt im Kleinen an. Es gibt nicht "den" Muslim, "den" Juden, "den" Roma...
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      Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von katsche ()

    • katsche schrieb:

      das Entscheidende für mich ist es, dass man a.) es nicht als Betriebsunfall der Geschichte sieht, b.) als deutschlandspezifisch betrachtet und c.) daraus Schlüsse zieht.
      Zum Verständnis, fehlt da bei Punkt B ein nicht? Also dass man es nicht deutschlandspezifisch betrachtet?
    • nein, würde ich nicht als D-spezifisch sehen.
      Es ist einmalig, und es waren Deutsche- das ist klar.

      Aber wenn wir es als deutschlandspezifisch sehen negieren wir meiner Meinung nach die Wiederholbarkeit an jedem Ort der Welt.
      Zudem geht es in der Diskussion nie darum, dass wir uns als schlechteste Deutsche der ganzen Welt fühlen sollen. Es geht dArum, dass wir sagen "ok, unsere Vorfahren haben etwas Einmaliges verbrochen. Und genau deswegen sind wir eben sensibel"
      Das tut nicht weh, ist nur gerecht und schärft den Blick auf die Feinde der Gesellschaft. Es kann doch nicht sein, dass 70 Jahre später der gleiche Dreck, der dem Wahnsinn zugrunde lag, wieder ungehindert durch Deutschland geistert.
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    • Hartplatz schrieb:

      Da fällt mir wieder das Zitat des israelischen Pyschoanalytikers Zvi Rex ein: "Die Deutschen werden den Juden Auschwitz nie verzeihen."

      Es wird natürlich immer schwieriger, den nachkommenden Generationen das Grauen dieser Zeit und die daraus folgenden Lehren zu vermitteln. Vor allem jetzt, wo die letzten Zeitzeugen die Bühne verlassen. Ich durfte in der Schule ja noch einen Max Mannheimer erleben, was neben einem Besuch in der KZ-Gedenkstätte Dachau die eindrucksvollste, beklemmenste und einprägsamste Erfahrung im Zusammenhang mit diesem Teil der Geschichte war.

      Ich halte es für extrem wichtig, gerade ältere Kinder und Jugendliche mit diesem Abgrund zu konfrontieren. Nur eine entsprechende Bildung (intellektuell und emotional) ist ein wirkungsvolles Schutzschild gegen alle Formen von Rassismus / Antisemitismus. Es gibt neben vielen Dokumentationen ja auch einige sehr gute Spielfilme. Das Tagebuch von Anne Frank sollte Standardlektüre in allen Schulen sein, ebenso sollte der Besuch einer KZ-Gedenkstätte zum Pflichtprogramm gehören. Wer in jungen Jahren eine Ahnung von der Dimension von Auschwitz vermittelt bekommt, wird das immer in sich spüren. Beim Namen Auschwitz muss jeden Menschen sofort ein Gefühl von Scham, Trauer, Ohnmacht und Zorn befallen. Wer das nicht fühlt, hat seine Menschlichkeit verloren.


      Seh ich in Teilen anders... und gerade der letzte Satz ist ja schon fast ein Affront.
      Nur weil jemand kaum bis keinen Bezug dazu hat und man generell einfach den Bezug zu anderen Menschen verliert, hat man noch lange nicht seine Menschlichkeit verloren.

      Für mich z.b. sind fremde Menschen erstmal total egal. Was kümmert es mich, wenn in Afrika, in den USA, in China oder in Bayern jemand stirbt. Mich kümmert es erst wirklich, wenn man Umstände kennt und sie einen interessieren... oder wenn man die Person selbst kennt.

      Ich stimme dir in dem Punkt zu, das man Geschichte nie komplett vergessen sollte. Aber ich aus meiner Sicht werde mir nicht die Schuld, die Ohnmacht und das alles zu Lasten legen, wofür ich eben nicht schuld bin.
      In diesem Punkt hättest du mit meinem Opa reden können... er war für die Wehrmacht tätig und hatte sich mehrfache Schussverletzungen eingehandelt. Dennoch hat er, wohl aus für mich unerklärlichen und nicht mehr herausfindbaren Gründen, für das Regime gekämpft

      Ich selbst bin nicht Schuld an dem was damals passiert ist und werde mir daher auch nichts dergleichen auflasten.

      Ich habe kein Problem mit Juden.. mit Christen.. mit Moslems... oder sonst wem. Ich habe ein generelles Problem mit Menschen die diskrimieren und verfolgen.

      Man sollte Geschichte lehren und darauf eingehen.. auf das was man daraus gelernt hat. Man sollte es aber auch vernünftig und differenziert machen. Jede Sichtweise durcharbeiten und erläutern.
      Jemanden aber zu zwingen in ein KZ zu gehen halte ich für nicht richtig. Muss nicht sein.

      Man sollte mit der Geschichte leben... ja... aber Schuld, Ohnmacht usw. sollte man nicht neuen Generationen aufladen. Keineswegs und zu keinem Zeitpunkt!
      Meine Liebe.... mein Leben..... mein Verein..... 1. FC Köln


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    • Ok, das war nicht ganz klar

      Das Gefühl, was man als Deutscher davon bekommt, liegt auch immer daran, wer das wie vorträgt. Gibt da schon einige, von denen es so rüber kommt, als wären Deutschland und die Deutschen bis in alle Ewigkeit schuld