Katzenjammer - Gedanken, die niemand haben will

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    • Wo wir wieder bei #Qualität wären
      Und alles was wir hassen, seit dem ersten Tag, wird uns niemals verlassen, weil man es eigentlich ja mag.
      (Tocotronic, Let there be Rock)
    • Playboy Fifty plus One aus Großburgwedel

      Alle 51 Minuten verliebt sich ein alter Mann bei Parship, sagt man. Bei der DFL war man am gestrigen Montag nicht ganz so verliebt. Hieß es in den vergangenen Monaten gerade aus Kinds Umfeld, wie viel er doch den Verein (meint auch die Kapitalgesellschaften) gefördert hätte, soll man nach Infos des Tagesspiegel bei der DFL wohl entsetzt gewesen sein, wie wenig Kohle Kind tatsächlich in die Hütte gesteckt hätte. Laut Skysportnews soll in den 20 Jahren ein einstelliger Millionenbetrag geflossen sein, was eine „erhebliche Förderung“ natürlich komplett absurd erscheinen lässt. Natürlich wusste Kind insgeheim, dass er viel zu wenig investiert hat. Das wird ihm auch irgendwer bei der DFL mal erzählt haben, aber er musste halt irgendwie ohne Imageschaden aus der Sache rauskommen. Das hat er mit dem Ruhenlassen des Antrags jetzt geschafft, eine krachende Ablehnung – auf die es hinausgelaufen wäre – wäre einem PR-Desaster gleichgekommen, sowohl für ihn, als auch für seine Artillerie made by Madsack, die in den vergangenen Monaten wenig Möglichkeiten ausgelassen hat, ihre Geschütze für Kind in Stellung zu bringen. Der Altruismus des Martin Kind ließ uns in den vergangenen Monaten wissen, dass man ja nicht nur die finanziellen Aspekte berücksichtigen darf, sondern noch sein ehrenamtliches Engagement für den Verein berücksichtigen muss, und das Stadion ja sowieso. Die Mär mit dem Stadion wurde ja hier schon mal entzaubert, das Ding wurde komplett kreditfinanziert, und im Gegenzug zu seinem ehrenamtlichen Engagement gab’s 20 Jahre PR und Vernetzungsmöglichkeiten, die aus einem regionalen Mittelständler eine bundesweit präsente Firma gemacht haben.

      Bei der DFL will man sich nun zusammensetzen und doch eine Möglichkeit zum Einstieg von Investoren finden. Damit habe ich aus mehreren Gründen erheblich weniger Probleme, als mit dem kindischen Modell. Denn seien wir mal ganz ehrlich, 50+1 zementiert schon ein wenig die Machtverhältnisse, denn Investoren/Sponsoren betätigen sich nun mal gerne, wenn sie „mitgestalten“ können. Das können sie heute nur bedingt und so sind es nur die Großen, wie Bayern und Dortmund, wo einem Sponsor auch ohne die Möglichkeit der Mitgestaltung genügend Sonne auf sein Produkt scheint, dass sich ein größeres Investment lohnt. Und auch so ehrlich sollte man zu sich selbst sein, ohne Big Money geht im heutigen Fußball überhaupt nix und wir Traditionalisten, die sich auch auf einen Kick in Heidenheim, Samstags um 13 Uhr freuen, sind eben in der Minderheit. Wer mit den großen Hunden pissen will, muss Kohle in die Hand nehmen, gerade in Zeiten von absurden Fernsehverträgen und gelangweilten Chinesen im Rest Europas. Das können wir nicht verhindern, wir können es nur herauszögern und versuchen, das Unvermeidliche mitzugestalten.

      Sollen sie also diskutieren, ich habe da keine Angst vor. Zumal die DFL ja der Zusammenschluss aller 36 Profivereine ist, also müssen 36 verschiedene Interessen unter einen Hut gebracht werden. Vereine wie Dortmund, Bayern, Schalke, Gladbach fahren finanziell gut mit dem jetzigen Modell, Leverkusen und Wolfsburg würden ihre Privilegien verlieren, Vereine wie Pauli, Dresden, Union, Darmstadt werden schon aus kulturellen Gründen nicht frohlockend einer Änderung zustimmen. Für eine Änderung wird eine 2/3-Mehrheit benötigt, die sehe ich noch lange nicht. Diese Einigung kann also dauern, sehr lange sogar. Das kann auch die biologische Restlaufzeit eines Martin Kind locker überdauern. Aus dem gleichen Grund denke ich auch, dass Kind nicht gegen 50+1 klagen wird. Im SPIEGEL werden 10-15 Jahre für eine eventuelle Klage angesetzt, deren Erfolg nicht so garantiert ist, wie es einem die hannoverschen Premiumjournalisten weismachen wollen.

      Martin Kind hat die Büchse der Pandora nun geöffnet und nur die Zeit wird zeigen, wohin der Weg des Fußballs in Deutschland letztlich führen wird. Kind glaubt weiterhin, dass jede ausgelagerte Kapitalgesellschaft aller Vereine sich händeringend auf einen Wegfall von 50+1 freuen würde, aber da ist er schief gewickelt. Eintracht Frankfurt hat wohl schon einen Vorstoß gebracht, dass sich ein einsteigender Investor verpflichten müsste, Wappen und Vereinsfarben beizubehalten, außerdem favorisiert die Eintracht wohl eine Mindesthaltepflicht der Anteile bei einem Investor. Zu viele Vereine haben gar keinen Grund, etwas am derzeitigen Modell ändern zu wollen, zu groß sind nämlich andererseits auch die Ängste, vielleicht keinen langfristigen strategischen Partner zu finden und nicht nur finanziell baden zu gehen, sondern sich das, was man jetzt hat (Volle Stadien, vergleichsweise gute Stimmung und hohe Identifikation) mutwillig zu zerschießen. Dazu kommen Vereine, die zu einer Änderung zwar bereit sind, aber nur unter hohen Auflagen. Das alles hätte Martin Kind vorher wissen können, ja müssen, aber dass er von diesem speziellen Business wenig Fachkenntnis hat, dürfte niemanden mehr überraschen.

      "Ich möchte 100 werden, und Martin Kind soll meine Grabrede halten." - Dieter Schatzschneider